Schlange, Wasser, Blitz

 

Damballah war ein Voodoo-Priester, genauer gesagt ein der Yoruba-Tradition verpflichteter Fon-Priester, ein Weißmagier! Er verstand sich als Hüter der kosmischen Urkraft, der Bäume und Gewässer. Als "Loa" war er der Mittler zwischen den Menschen und Gott, und in dieser Inkarnation war er der Vater aller Loa. Seine Geistform war die Schlange. Derzeit war er allerdings ein großgewachsener, milchkakaofarbener Kreole aus Veracruz, 33 Jahre alt und seit 20 Jahren verheiratet - mit Ayida Wédo.


Ayida Wédo war 19! Sein Vater, der ebenfalls ein Nok-Priester gewesen war, hatte sie ihm bestimmt, als sie sich den Mutterleib soeben unterworfen hatte. Seine Frau war ein feuriges Ebenbild von Ezeli, der Göttin der Liebe und Schöpfungskraft, der Herrin des Überflusses und der Lust. Sie war einfach sein fleischgewordener Traum: Bildschön, großgewachsen, goldhäutig mit schwarzen Locken, grünen Augen und einem großen, roten Mund. Ihre Taille war schmal und ihre Brüste üppig, die Hüften ausladend gerundet und die Beine lang und wohlgeformt. Sie war die Verkörperung der Leidenschaft, und sie hatten schon vier Kinder!


Obwohl sie „nur“ eine Frau war, kannte sie seine Rituale und machte alle seine Voodoo-Puppen. Ihre waren weit wirksamer als seine, was vielleicht auch daran lag, dass all ihre Liebe in die Puppen floss, und so ließ er zu, dass sie das für ihn übernahm. Die Püppchen waren schließlich nur Katalysator. Der Zauber selber war Geist – und ihrer war stark.


Als er ihr aber von Helio Sillman aus Rio de Janeiro erzählte, der vorhatte, die deutschen Fußballer zu verfluchen, so dass die Brasilianer die Fußball WM gewinnen würden, da war sie aus der Haut gefahren. Sie hatte ihn beschimpft und alle Voodoo-Priester, hatte geflucht über diesen hirnlosen Zombie Helio Sillman, der den Sport schänden wollte! Er würde ganz Brasilien blamieren.


Fußballer waren in ihrer Heimat fast selber so etwas wie Götter, und denen pfuschte man nicht ins Handwerk - das war Frevel! Gotteslästerung! Sie war empört und so schwieg Damballah lieber still über seine Absicht, Helio zu helfen. Brasilien musste gewinnen. Man hatte bereits zu große Opfer gebracht um noch verzichten zu können, und so würde er die Puppen eigenhändig machen - für sein schwarz-magisches Ritual. Eigentlich hatte er ja nur Verachtung übrig für die schwarzmagischen Voodoohexer und auch gar keine Übung in diesen dunklen Ritualen, aber in diesem Fall heiligte der Zweck die Mittel!


Als seine Frau die Kinder übers Wochenende zu ihrer Mutter brachte, um endlich mal wieder mit ihm allein sein zu können, legte er los. Heimlich hatte er alle geheiligten Stoffreste von Ayida Wédo zur Seite gebracht, und auch die Watte gefunden, mit denen sie die Püppchen stopfte. Jetzt musste er sich nur noch entsprechend konzentrieren. Sein Hass auf die Gegner, die Feinde, musste dem Zauber die Macht verleihen. Als er aber mit dem Zuschnitt begann, schnitt er sich mit Ayida Wédos scharfer Schneiderschere in den Handballen und fluchte laut.


Sie konnte das wirklich besser als er, war einfach wesentlich geschickter, was das Handwerkliche betraf. Damballah tupfte sich dankbar das Blut mit ihrer Watte ab. Sie schien es förmlich aufzusaugen und ließ keine Flecken zurück.


Er stopfte die besudelte Watte mühsam in die Püppchen und ordnete sie den Spielern zu.


Seine Ayida Wédo wenn es wüsste, sie würde ihn …


Gewissenhaft fesselte er Beine und Arme und legte die ganze Mannschaft auf den geweihten Teller - quetschte sie eng zusammen. Was konnte er noch tun, um ihre Bewegungsfreiheit zu beschränken? Er griff zum Nähkorb seiner Frau und drückte ihn fest auf die "Spieler". Er würde sie lähmen – zerquetschen – für Brasilien! Seitlich standen nur noch ein, zwei Arme, Füße und einige Köpfe heraus.


Ayida Wédo durfte ihn nicht dabei erwischen, sonst waren auch seine Extremitäten in Gefahr. Verflixt! Er sollte nicht an sie denken – gerade jetzt! Er grinste aber doch, als er sich vorstellte, was sie normalerweise mit seiner bevorzugten "Extremität" machte! Bei dieser Vorstellung wurde ihm heiß!


Bondieu! Er sollte hassen, zerstören und was tat er hier? Er hatte seine Gedanken nicht unter Kontrolle – noch weniger seine Sehnsüchte! Ayida Wédo wusste es schon immer! Er hatte einfach kein Talent zur schwarzen Magie. Seine Frau hatte ihn davor gewarnt. Man bezahlte für solche Hexereien. Immer! Aber war es das nicht wert?


Bevor sie heimkam versteckte er sein böses Werk, und dann stellte er ein paar Tapas und eine Flasche Wein bereit. Er freute sich auf seine schöne Frau, auf die bevorstehende heiße Liebesnacht, und als sie kam, nahm er sie begierig in seine Arme. Wie lüstern sie küsste! Er konnte es kaum erwarten sie zu lieben. Ihre Hand hatte ihn schon gefunden. Oh nein, sie brauchte ihn nicht erst zu inspirieren. Er war längst heiß – glühend heiß auf den weichen Schoß seiner Göttin. Ihre Finger ließen ihn fast überschnappen.


„Komm Liebes, wir brauchen noch ein kleines Mädchen, das so hübsch ist wie du, so hinreißend und so begabt!" Nebenbei entblätterte er ihre Schönheiten. Weiche Haut und straffe Brüste kamen zum Vorschein. Ayida Wédo lächelte verlockend und ließ sich zur Couch ziehen. Bereitwillig sank sie auf das Liebeslager und öffnete geschickt seine Hose, die auf seine Füße sank. Sein Speer stand aufrecht und konnte kaum erwarten, ihre Lippen zu spüren, aber dann sah er … ihre Tränen.


Sie lag da wie versteinert, und sie weinte - fassungslos: "Ich … ich kann mich … kaum noch bewegen! Oh Liebster! Es tut alles … so weh!" Er starrte sie an, und seine Erregung fiel in sich zusammen. Ihr schöner Kopf hing kraftlos über den Rand der Couch, ebenso wie ein Arm und ein Fuß. Sie schluchzte haltlos vor sich hin. An Liebe war nicht mehr zu denken, aber …


… woran erinnerte ihn das bloß?


Himmel, was hatte er angerichtet! Sein Blut hatte sie gebannt. Sein Blut in ihrer Watte, in ihren heiligen Stoffen. Er hatte SIE mit seinem Hass überzogen, nicht die deutschen Fußballer! Wenn sie das erfuhr, dann würde er nochmal bluten!


Aber nun musste er zuerst diesen verhassten Deutschen helfen - und seiner Frau! Er musste sie stark machen - alle beide. Stark genug den Zauber zu überwinden und zu gesunden.


Eilig holte er den geweihten Teller, entfernte das Gewicht und hörte Ayida Wédo stöhnen. Präzise löste er die Fesseln der Fußballer – eine um die andere – sprach seine wirkungsvollsten Heilzauber!


„Bondieu, großer Gott, mach sie frei von allen schlechten Flüchen. Was kommt soll mit extremer Stärke an den Absender zurückgehen. Sie sollen schnell wieder gesund, glücklich, und sehr alt werden. Gewähre ihnen gutes Liebesglück. Ihre Seele soll im Glück baden. Gib ihnen starke Nerven und lass ihre Wünsche und Träume in Erfüllung gehen.“


Als es Ayida Wédo besser ging, war er erleichtert, aber, aber, aber … ihre wissenden Augen verfolgten jede seiner Bewegungen. Sie sagte kein Wort.


Und da waren nicht nur die Folgen, die er von ihr zu fürchten hatte. Die würde er tragen, denn er hatte sie verdient. Da war auch noch sein Land, da war der Kollege!


Wenn nur Helio Sillman nichts davon erfuhr.

 

7:1 für Deutschland


... und er allein war schuld!



© Anna