Unerreichbar



© Sinnenflut


Damals nannte man es „Freudenhaus“ oder „Puff“, das Etablissement des horizontalen Gewerbes. Um eines Mal vorwegzunehmen, ich meine nicht die Art Puff, die sich „Laufhaus“ oder „Eros Center“ nennt. Ich rede auch nicht von schummrigen Kaschemmen, die mit einer Horde fast minderjähriger Damen aus dem Ostblock bestückt und von einem Albaner geführt werden. Auch meine ich keinen dieser Ficktempel, in denen es penetrant nach aufdringlichem Billigparfum gemischt mit fast unerträglichem Schweißgeruch duftet.

Nein, der wahre Ficktempel befindet sich genau vor meiner Nase. Es ist ein altes Herrenhaus im Jugendstil - am Stadtrand. Ich fahre durch den rustikalen Torbogen und erreiche den großzügigen Parkplatz, der mit weißem, grobem Kies belegt ist. Meinen knallgelben Beetle parke ich vor einem Bauernrosenstrauch, der als Begrenzung da steht. In der Mitte des Parkplatzes befindet sich eine große, japanische Kirsche, welche voll in Blüte steht. Es duftet leicht süßlich nach Blumen. Ich betrete die Treppe aus Naturmarmor und sehe über die Mahagonitür, wo sich der Name meines Ziels in rustikaler Fraktur mit goldenem Teint abhebt.

„Chateau Female“ ist ein Edelbordell, ein Ort der Schönheit und Ruhe. Der Portier öffnet die Tür und bittet mich herein. Ich drehe mich noch einmal um und ernte freundliche Blicke vom Gärtner, dem Hausmeister und dem Parkplatzwächter des Hauses. Wahrscheinlich haben sie das Klacken meiner neuen, gelben Pumps gehört.

Das war mal anders.

Als ich vor über acht Jahren das erste Mal hierherkam, empfing man mich mit irritierten Blicken. Es war nicht „normal“, dass eine Frau als Kunde - hier sagt man „Gast“ - das Haus betritt. Im Laufe der Jahre hat man sich daran gewöhnt, dass auch hin und wieder mal eine Frau durch den Haupteingang in das Bordell geht. Jegliches Personal oder Menschen, die das werden wollen, benutzen grundsätzlich den Lieferanteneingang.

 

Acht Jahre ist das schon her? Ja, stimmt.

Ich hatte damals gerade als junge IT-Technikerin die leitende Position ergattert. Man traute mir zu dem Zeitpunkt noch nicht sehr viel zu, aber ich habe meinen Posten voll und ganz ausgefüllt. Wie man sieht, hatte das auch stets finanzielle Vorteile. Anfangs versuchte man mich durch Mobbing und sexuelle Anmache aus dem Konzept zu bringen. Ich habe aber im Laufe der Jahre stets die Annäherungsversuche meiner Arbeitskollegen und auch einer Kollegin abgewehrt und bin meinen Prinzipien treu geblieben:

Sex gehört nun mal nicht in den Job, und das mit den Männern habe ich zwei Jahre lang versucht. Irgendwie kam sexuell kein Mann so richtig mit mir klar. Irgendwann habe ich es dann sein lassen und vergrub mich in die Arbeit. Im vierten Jahr probierte ich es mit einer Frau. Ganz diskret. Sie war süß. Sie zog bei mir ein, und da bekam ich eine Vollkrise.


Die ersten Wochen waren noch ganz lustig, aber Madame ließ sich gehen, und auch sexuell flaute alles ziemlich schnell ab. Alles nur Maskerade …

In Wirklichkeit war sie unerträglich. Vielleicht lag es aber auch an mir, wer weiß das schon? Ich habe dann nach einer Lösung für mein sexuelles Verlangen gesucht und stieß auf dieses wunderbare Haus, durch dessen Eingangstüre ich gerade schlendere. Der Korridor wird eröffnet von einem gerafften  bordeauxfarbenen Vorhang. Die Betreiberin des Hauses begrüßt mich mit einem Lächeln, das mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Es ist die wohlhabende Frau Sonja Sünderum-Priegel, die dieses Haus seit weit über zwanzig Jahren am Stadtrand betreibt.

Sonja ist eine rassige, dunkelhaarige Persönlichkeit, die immer freundlich auftritt und jeden Gast persönlich begrüßt. Mein Blick schweift kurz zum großen Standspiegel, wo ich noch kurz mein Aussehen kontrollieren kann, aber es passt wirklich alles. Ich trage ein kurzes, gelbes Sommerkleid und hautfarbene Strümpfe, die den natürlich blassen Teint meiner Beine etwas verdunkeln – dazu Pumps. Meine rotblonden Naturlocken, welche ich heute offen trage, lenken ein bisschen von meinen Sommersprossen ab. Ich muss zugeben, ich hasse es mit 34 Jahren noch Sommersprossen im Gesicht zu haben.

„Guten Tag, gnädige Frau!“, begrüße ich die Betreiberin und reiche ihr meine rechte Hand, was sie gleich nutzt, um mir einen echten Handkuss zu geben. Sie ist zuvorkommend, nett und … Seufz … Oh Gott, sie ist wunderschön.
„Schön siehst du aus!“, lässt sie gekonnt ihren Charme spielen und macht mich verlegen. Ich sehe von ihren hohen Absätzen die Beine hinauf und bewundere ihr einfach geiles Outfit. Sie trägt einen grauen Mini und eine dazugehörige Weste mit tiefem Ausschnitt.

Ihre Beine werden von einer schwarzen Nylonstrumpfhose verziert. Normalerweise hat sie hellere, nugatbraune Haut. Die dunkelbraunen Haare trägt sie in einem französischen Zopf geflochten. Ich blicke in ihre hübschen, großen Augen und bekomme Herzklopfen. Ich könnte mich sofort unsterblich in sie verlieben. Oh Gott, ich bin doch schon seit Jahren in diese Frau verliebt. Manchmal denke ich über sie nach und frage mich, ob sie mich ebenfalls, wenn auch gegen viel Geld, lieben würde - aber ich traue mich nicht, sie zu fragen.

Ich weiß, dass sie selbst mal als Hostess gearbeitet hat, aber das ist lange her. Heute arbeiten 32 hübsche, junge Damen und zwei Callboys für sie. Ihre Hostessen kommen zum großen Teil aus Frankreich, Spanien und den Niederlanden. Das Niveau des Hauses befindet sich auf höchstem Standard. Doch die Vorstellung von Sonja lässt mir einfach keine Ruhe.

In meinen Gedanken sehe ich sie ganz nah an meinem Kopf. Ich höre mich obszöne Dinge sagen: „Du bist eine so geile Fotze. Warum bedienst du mich nicht persönlich? Ich würde ein Vermögen dafür zahlen, dass du mich fickst!“ Aber es ist nur ein Gedanke.

„So verträumt heute? Jolanda erwartet dich bereits. Du weißt doch, wie gerne sie von dir besucht wird.“, reißt Madame mich aus meinen Sehnsüchten. Sie weist mir den Weg zu Jolandas Suite mit den Worten: „Lass dich ein wenig verwöhnen! Du weißt, sie ist …“, da steige ich in den Satz mit ein:

„… dein bestes Pferd im Stall!“ Sonja nickt freundlich und zwinkert mir zu, dann gehe ich die pompöse Treppe hinauf und klopfe an Suite 36. Ein blonder, vollbusiger Engel mit atemberaubend langen Beinen und einer athletischen Figur öffnet mir die Tür. Sie lehnt sich verspielt an die Tür und knickt ein Bein ein. Da steht sie – barfuß. Der Rest von ihr ist nur mit einem fast durchsichtigen Negligé bedeckt.

Ihre rosa glänzenden Lippen hauchen ein vorsichtiges „Willkommen im Reich deiner Träume! Ich habe dich schon vermisst!“ Dabei setzt sie ein mädchenhaftes Lächeln auf und zieht mich an meiner Hand in das Zimmer. Die Suite selbst ist stilgerecht eingerichtet. Es ist ein Traum aus Orange, Rot und dunkelbraunem Holz. Ich stehe sehr schnell an dem zwei-mal-zwei Meter großem Bett. Mit einem Schubs hat Jolanda mich aufs Bett gestoßen und wird leicht vulgär:

„Du verdorbene Göre! Zieh dich sofort aus, damit ich sehen kann, dass du mal wieder ohne Höschen aus dem Haus gegangen bist!“ Das ist eine Spielerei, die mich unwahrscheinlich anmacht.

Den zweieinhalbstündigen Spaß mit ihr lasse ich mir mit knapp 1000 Euro gefallen. Jolanda ist eine ganz besondere Hure. Sie ist, wie alle ihre Mitstreiterinnen, gesund und sie leckt, fickt und küsst. Ich darf sie anfassen, und sie macht mich in den paar Stunden glücklich. Glücklicher als andere Menschen. Sie kam vor sechs Jahren in dieses Haus und wir haben uns sehr aneinander gewöhnt. Sie erkennt jede meiner Erregungen und weiß genau, wo sie mich anfassen muss, damit ich scharf werde. Dieses lange Spiel aus vulgären Anmachen, sinnlichen Liebeleien und wildem Sex ist sein Geld wert. Sinnlichen Liebeleien? Ich bin ganz gespannt auf die Tantra-Massage meiner Verwöhnungskünstlerin Jolanda.

Ich muss mich ganz nackt ausziehen. Dann liege ich mit leicht angewinkelten Beinen auf dem großen Bett. Mit aphrodisierendem Massageöl fängt die blonde Schönheit an, meine Haut zu verwöhnen, so zu verwöhnen, dass sich meine Augen gleich schließen. Bei der Berührung meiner Brust stellen sich meine Brustwarzen sofort auf. Jolanda genießt es, mich richtig in Stimmung zu bringen: „Du lustgeiles Miststück hast ja schon ganz harte Nippel!“ Während sie das sagt, nimmt sie eine Brustwarze zwischen ihre Finger und zwirbelt vorsichtig daran. Das lässt mir den Saft nur so in den Schoß schießen.

 

Kurz darauf fährt sie mit der anderen Hand über meine Scham und legt einen Finger auf meine Schamlippen. In dem Moment sind die Innenseiten meiner Schenkel noch trocken und auch die äußeren Schamlippen sind noch nicht belegt, aber mir steht das Wasser in der Muschel, als würde sich in meinem Inneren Druck aufbauen.

Nach ein paar Minuten hat sie mich komplett scharf vor sich liegen und schiebt ihren Finger zwischen die Schamlippen. Es wird nass, als sie anfängt den Finger dazwischen hin und her zu reiben. Ich bin nass wie ein tropfender Schwamm. Jolanda massiert meine Brüste, den Bauch und auch die Oberschenkel. Ein lautes Seufzen kommt aus meinem Mund.

 

„Baby, ich lass dich auslaufen, das schwöre ich dir!“, sagt sie keck und schiebt den Finger wieder zwischen meine äußeren Schamlippen. Dann setzt sie ihre Lippen auf meinen Mund und schiebt mir vorsichtig ihre Zunge dazwischen. Ihr Finger gleitet weiter zwischen meine Schamlippen auf und ab, bis er die kleine Scheidenöffnung erreicht und  mit sanftem Druck ganz in mir landet. Mit dem Daumen reibt sie dabei auf meinem Kitzler, der noch ganz unscheinbar unter dem Häutchen sitzt. Schnell hat sie auch diesen ganz wild gemacht und beschert mir geile Gefühle der ganz besonderen Art. Ich will laut schreien, bringe aber keinen Ton heraus. Ich bin geil, wie schon lange nicht mehr.



„Fick mich, bitte fick mich!“, schreie ich sie an und hoffe dabei, dass es mir gleich kommt.

Kurz vor dem Knall zieht sie ihren Finger zurück und befiehlt mir: „Los! Umdrehen!“

Ich knurre, weil sie mich nicht kommen lässt, und frage empört: „Was? Jetzt?“

Sie antwortet ganz ruhig: „Ach nein! Doch nicht jetzt …“ Ich will mich gerade wieder zurücklehnen, da fährt sie mich grob an: „Sofort, oder willst du, dass ich deutlicher werde?“

Ganz willig drehe ich mich auf den Bauch und lasse mir den Rest meines Körpers massieren.
Jetzt habe ich auch Jolanda zumindest ein bisschen in Stimmung gebracht. Sie faucht mir ein paar sehr geile Sachen ins Ohr und kramt dabei in ihrer Nachttischschublade. Was sie dann in der Hand hat, kann ich nur erahnen. Ich habe das Gefühl, dass ihre Hände damit beschäftigt sind, etwas an ihrer Hüfte zu befestigen. Ich denke, dass sie dort ihren umschnallbaren Dildo befestigt, und kurz darauf kann ich auch schon die Spitze des Gummilümmels an meinen Schamlippen spüren. Mit sanften Stößen drückt sie den Ersatzpenis in meine nass triefende Pussy, was mich noch geiler macht.

Schön glitschig hat sie ihren Gummischwanz in mir gemacht und zieht ihn wieder aus meiner Scheide, um damit zwischen meinen Pobacken zu spielen. Ich strecke ihr meinen Hintern entgegen und strecke meine Arme weit von mir. Dann spüre ich, wie sie die Gummispitze langsam in meinen noch sehr engen Po drückt.

Mit nassem Atem an meinem Hals gibt sie nur Vulgäres von sich: „Es wird Zeit, dass dir jemand zeigt, wo es lang geht! Ich werde das Ding so tief in dich reinficken, dass du denkst, ein D-Zug wäre durch deinen Arsch marschiert!“ Sie hat es kaum ausgesprochen, da bohrt sich auch schon das mächtig dicke Gummiende in meinen Anus. Ein lauter Lustschrei aus meinem Mund zeigt ihr, dass ich gefickt werden will. Da stößt sie gnadenlos zu. Ein paar recht heftige und tiefe Stöße verpassen mir das Erlebnis meines Lebens. Und schon nach ein paar Minuten komme ich laut schreiend unter ihr. Ich winsele und kreische, weil mich das Gefühl einfach überrollt.

Ich bin schnell und heftig gekommen und dabei rundum zufrieden. Langsam zieht sie den Gummiknaben aus mir und lacht. „Oh Gott, Liebes! Ich habe dich gerade einmal angefickt, da kommst du schon, wie ein ausgehungertes Flittchen!“ Das ist ein sehr seltsames, aber auch schönes Kompliment. Sie weiß schließlich, dass ich bei Analverkehr abgehe, wie ein Diskus. Jolanda ist einfach Gold wert. Sie kennt jeden meiner Wünsche. Dass ich dabei an Sonja gedacht habe, ist mein ganz persönliches Geheimnis. Da ich für zwei Stunden bezahlt habe, bekomme ich zumindest noch eine Kuschelstunde mit Jolanda. Das ist unser Nachspiel, und inzwischen schon eine gemeinsame Tradition.

Als ich mich anziehe und den Raum verlasse, kommt mir die Betreiberin Sonja entgegen. Sie lächelt wissend und legt die Hand auf meine Schulter. „Und hast du eine schöne Zeit gehabt?“ Ja, das habe ich mit Sicherheit. Mit einem sehnsüchtigen Blick in Sonjas Augen verlasse ich diesen Ort der Ruhe und weiß genau: Frau Sünderum-Priegel bedeutet mir alles, aber sie wird auch immer unerreichbar bleiben - für mich.

 

 

© Andre Le Bierre