Verführt

„Oh Heiland, ist dieser Mann gut! Erika hatte Recht, oh ja, so was von Recht!“ Im meinem Kopf dreht sich dieser Satz wie ein Endlosbandwurm, und ich drehe und winde mich in seinen Armen. Lust, oh Lust, was ist das? Das habe ich mich mein Leben lang gefragt. Nun weiß ich es. Oh jaaah! Ich weiß…

Diese verdammte Erika! Mein Schwesterlein hatte mir von seinen Fähigkeiten wahre Hymnen gesungen: Ein Sexgott sei er! Ja, klar! Wer’s glaubt! Ich bin seit gefühlten 100 Jahren verheiratet und … bitte, was soll das sein: Ein Sexgott? Meiner nicht! Er hat kein Interesse an Sex – vielleicht auch bloß nicht an mir. Dabei bin ich doch gar nicht so hässlich. Oder…?

Und dieser „Sexgott“ hat mein Gedächtnis okkupiert. Sie hat ja aber auch so anschaulich geschildert, was er mit ihr gemacht hat. Dinge, die ich nicht mal im Traum … Wochenlang habe ich es mir vorgestellt, und stell dir mal was vor, das du gar nicht kennst! Aber neugierig wäre ich schon gewesen – aber eben auch … verheiratet! Ich habe doch Treue gelobt. Dem Einen! Dem, der von mir nichts wissen will, ich meine außer Wäsche waschen und Essen kochen.

Vielleicht habe ich mir ja auch nur eingeredet, dass es kein Ehebruch sei, weil meiner DAS ja gar nicht von mir will. Er würde ja niemandem was wegnehmen. Außerdem, wenn Alfred, der Sexgott, nicht … ähmmm … wenn er seinen … Penis … nicht rein … Das wäre doch dann kein Sex, oder? Ein bisschen streicheln, schmusen, küssen … Das kann doch nicht so schlimm sein. Lecken? Wäre das schon Betrug? - Ja, ich redete es mir schön – und war doch gar nicht überzeugt. Nur… Schwesterlein hatte ihm ja schon gesagt, dass ich … dass ich es nötig hätte. Womit sie Recht hat, und ich kann das ja nun gar nicht mehr ändern. Hä? Können, könnte ich schon, aber wollte ich denn?

Und er, der Sexgott? Er hatte ja zugesagt. Der nimmt wohl auch jede? Sollte ich wirklich? Was wäre denn gewesen, wenn er gesagt hätte: „Wie, die? Deine Schwester? Nö! Die nicht!“ Aber er wollte mich, wollte Sex mit mir, der ja gar keiner war. Guter Gott, war das kompliziert. Was war es denn, das mir fehlte? Sex! Und er sollte mit mir Sex machen, aber keinen Betrug? Ging das denn? Er hat versprochen, ihn nicht reinzustecken, und damit ist es dann kein Sex!? Blödsinn! Was hatte er denn dann davon? Konnte ich das überhaupt verlangen – von einem Mann? Von einem anderen als meinem?

Egal! Ich hörte auf zu denken und fuhr hin. Bloß ein winziges Köfferchen, denn ich wollte ja gar nicht bleiben – eigentlich. Wozu habe ich dann Champagner …? Wo? Wo … war er? War er überhaupt da? Mein Herz hüpfte, stolperte … mein Atem stockte … Da! Er war da! Und er küsste … küsste so … hhhmmm umwerfend. Ich saugte mich an diesem Mund fest, wollte ihn gar nicht mehr loslassen. Endorphine überschütteten mein Hirn und ließen es explodieren. Ich bin nicht verantwortlich gewesen, für das, was dann geschah. Meine Hände machten sich selbständig, öffneten seine Hose … Ich griff zu.

Und nun sind wir hier – wo auch immer – und er kniet vor mir und … er IST ein Sexgott! Seine Finger an meiner Muschi machen mich völlig wehrlos, gierig nach mehr. So was habe ich nie vorher gefühlt. Nie! Ich habe mich rasiert für ihn und seine Finger, seine Zunge, seinen … Und dann hört er auf. NEIN! „Macho!“, stöhne ich. „Was machst du mit mir?“ - Himmel, ich komme! - „Schieb ihn rein! Jetzt ... erst Recht!“

© Anna




© Claire