Pornokino


Mein Freund Simon ist wirklich ein guter solcher. Wir kennen uns schon … ziemlich lange, um mal nicht den Kindergartensand zu bemühen, aber es käme hin. Eigentlich hätten wir schon immer zusammengehört. Lieb hatten wir uns bereits als Kinder, aber Liebe war es wohl nicht – zumindest war es uns früher nicht bewusst. Es war mehr eine enge Freundschaft ohne Tabus. Das ging natürlich schon in der Pubertät mit dem Sex los - theoretisch zumindest - und so blieb es zwischen uns bis heute. Simon erzählte mir immer die heißesten seiner Nummern, und ich hatte schon manchmal den Verdacht, dass er ein bisschen Länge und Häufigkeit tunte, um mir zu imponieren.

Und deswegen habe ich dann neulich, an einem feuchtfröhlichen Faschingsabend, gleichgezogen und ihm von meinen Dildospielchen erzählt. Selbstverständlich wurde mein Dildo ebenfalls größer und die Events häufiger. War ja auch gar zu schön anzusehen, wie seine rehbraunen Augen immer runder wurden. Kurzzeitig hatte ich schon Angst, er würde sie verlieren. Währenddessen verfärbte sich sein Gesicht hin zu kalkweiß, denn das Blut wurde anderweitig gebraucht. Mein Simon wurde doch tatsächlich geil, und ich grinste mir eins. Hat mich gefreut, ehrlich!

Zumindest solange, bis er ganz verstohlen fragte, ob ich vielleicht … zufälligerweise … Interesse haben könnte … an … an …. einem Besuch im … Pornokino! Mist! Da hatte ich nun den Salat. „Klar!“, gab ich forsch zurück, meinen ganzen Mut zusammennehmend. „Aber nur, wenn ich Kino und Film aussuchen darf.“ Ja und, was soll ich sagen … Er war sofort einverstanden, und dann, ja dann kam die Wahrheit über seine Ehe! Ich hatte mich schon gewundert, dass seine Frau nicht mal für den Faschingsball unseres Sportvereins die Zeit aufbringen konnte, aber sie war ja soo beschäftigt! - Ha! Von wegen! Mein Simon hatte so gut wie gar keinen Sex mehr. Nicht mal mehr französisch! Seine Frau fand schon, dass er unzumutbare Anforderungen an sie stelle, wenn er ihr nur sündteure, sexy Unterwäsche schenkte. Er war dabei, erotisch zu verhungern – und das schon drei Jahre lang.

In dieser verdammt prekären Lage konnte ich ja schlecht zugeben, dass ich von Pornos so viel Ahnung hatte, wie eine Kuh vom Rückenschwimmen, aber schließlich bedurfte es nur einer kurzzeitigen Recherche im Netz, und Dr. Google wusste Rat. Es gab bloß einen Film, der infrage kam, klar! „All about Anna!“ Ich wollte sehen, was diese Anna so drauf hatte, und ich wollte … ich wollte meinem Simon zumindest einen kleinen „Imbiss“ zukommen lassen. Herrgott, ich liebte ihn doch. Wie konnte diese Pute es wagen, meinen Simon so zu vernachlässigen? Ich wollte, dass er ALLES bekam, wirklich alles! Ich wollte, dass er glücklich war! Irgendwie korrespondierten meine Wünsche gerade nicht mit meiner Moral, ich wusste es, aber ich hatte keine Ahnung, wie ich das hätte ändern können.

Als wir am nächsten Wochenende, nach einigen schlaflosen Nächten meinerseits, unser Vorhaben in die Tat umsetzten, war ich schon ziemlich erstaunt. Ein Pornokino war in meinem Kopf immer so was wie ein riesengroßes, versifftes Bahnhofs-Männer-Klo mit Stühlen, aber gesehen – ich meine von innen – hatte ich so was noch nie. Deswegen war ich auf das Angenehmste überrascht. Es war gar kein riesengroßer Klo-Saal, und schmutzig war es auch nicht. Allerdings roch es doch etwas … bekannt … bis eine „Raumpflegerin“ den „Raum“ betrat und mal schnell mit „Tannennadel“ veredelte. Vorne hinaus konnte man in den Zuschauerraum sehen, aber wir hatten sozusagen ein intimes Separee, dessen Krönung statt der Sessel eine rote, riesengroße Samtcouch war.

Ich war neugierig und wollte so was schon immer sehen, ich gebe es zu: Sowohl so ein Kino, als auch so einen Film. Und nun war ich hier mit dem, der mir dazu am allerliebsten war: Mit meinem Simon, und nachdem er mir von seiner Ehemisere erzählt hatte, war mein Gewissen auch längst auf Knopfgröße geschrumpft. Wenn sie schon nicht mit ihm schlafen wollte, dann hatte sie es auch nicht besser verdient. Das habe ich mir zumindest so lange vorgesagt, bis ich es halbwegs glaubte, denn ja, ich wollte ihn, meinen Simon! Ich wollte ihn haben – mit Haut und Haaren – und auch er sollte mich haben. Er sollte den Sex haben, die Liebe, das Glück, das er verdiente! Und wenn ich mir seine blitzenden Augen so recht betrachtete und seine verstohlenen Blicke auf meine Beine und auch dazwischen … dann wusste ich genau, worauf er an diesem Abend hoffte!

So ein Film dauert eineinhalb Stunden, also konnte ich mir nicht so wahnsinnig viel Zeit lassen, bis sich mein Simon überlegt hatte, ob er sich nun trauen sollte oder doch besser nicht. Ich wollte ihm auch nicht stecken, dass seine Holde zuhause unseren überaus mitteilsamen Postboten vernaschte, denn seine Rache wollte ich nicht werden, und so habe ich als Hilfsmittel … meinen Dildo … Ja nun, ich habe so etwas auch noch nie gemacht, und wenn es einen Workshop gegeben hätte „Wie verführe ich meinen besten Freund“, ich wäre dabei gewesen. Gab es aber nicht, also blieb nur der Dildo! Gut, ich schäme mich auch gebührend, aber wie sagte schon Michael Gorbatschow? Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben! „Das passiert mir nicht!“, dachte ich mir. „Nicht bei meinem Simon!“

Also nahm ich das reizende Spielzeug, hielt es ihm hin und bat so verrucht ich nur konnte: „Wärst du mal so nett …?“ Als er die Spitze zwischen seine Lippen schob, begann ich zu zittern. Bis dahin war es ein Spiel gewesen, eine Möglichkeit, vielleicht mehr – vielleicht auch nicht? Aber jetzt konnte ich nicht mehr zurück! Ich konnte nicht, und ich wollte nicht! „Simon, Liebster!“ Seine Hand zitterte genauso wie meine, als er mit dem feuchten Sextoy an meinen Beinen entlang fuhr.

Ich ließ mich zurücksinken und ihn hinein. Dass ich auf das Höschen verzichtet hatte, war wohl auch ein deutliches Zeichen, dass ich es wollte, allerdings war mir das nicht klar gewesen – ehrlich nicht. Erst jetzt, wo ich darüber nachdachte, erschien es mir logisch. Ich muss wohl den Verstand völlig abgeschaltet im Schreibtisch deponiert haben, als ich mich in dieses Abenteuer stürzte.

Es war aber auch ein gar zu erregendes Gefühl, seine Hände an der Haut meiner Schenkel zu fühlen! Wer kann dabei noch denken? Und als er mit rauer Stimme flüsterte: „Du bist rasiert!“, um mit seiner Zunge die Qualität meiner Rasur nachzuprüfen, konnte ich nur noch stöhnen. Wenn mir irgendjemand den Inhalt des Filmes erzählen könnte, wäre ich dankbar, denn ich bekam ihn nicht mit. Ich bekam nur mit, dass seine Lippen meine verschlangen, dass seine Zunge den Alarmknopf drückte, so lange bis ich ihn um seinen Schwanz anbettelte und auch, dass er ein wahrer Könner war, im Bedienen eines ganz und gar auf weibliche Bedürfnisse abgestimmten Lustinstrumentes. Wie konnte seine Frau darauf verzichten? Sie musste auch den Verstand verloren haben!

Abgesehen davon: Auch ich stellte wider jede Vernunft unter Beweis, dass ich über gewisse Fremdsprachenfähigkeiten verfüge, und ich glaube, er hat erwähnt, dass er jetzt doch endlich auch Französisch als Hauptfach belegen möchte - in der Erwachsenenbildung. Ja, was soll ich sagen: Ich bin dabei! Als das Licht in unserem Kino wieder anging, kam dann der Clou: „Anna … sag mal, kann ich vielleicht … mit zu dir? Sonst muss ich mir nämlich ein Hotel suchen!“ Ich glaube, ich habe selten dümmer geschaut. „Habe ich es nicht erwähnt? Ich bin ausgezogen!“ - Oh Simon! Was bist du für ein Hund! Da ringe ich nächtelang mit mir und meinem Gewissen … und dann war das alles für die Katz!

„Na dann los: Lass uns heimgehen!“

 

© Anna

 




© Claire