Handschmeichler

 

„Ich habe so eisig kalte Finger!“, klage ich leise und beinahe vorwurfsvoll.

Wieso steht er plötzlich da, an diesem kalten Winterabend in der Finsternis – auf dem Aldiparkplatz, als ich meine Einkäufe verstaue?

„Soll ich sie dir … möchtest du sie dir wärmen – an mir?“ Seine Augen sprühen ein Feuer, an das ich mich sehr gut erinnere. Er hat bestimmt genausowenig wie ich mit dieser Begegnung gerechnet.

Die Erinnerung springt mich an wie eine hungrige Raubkatze. Auch damals hatte ich kalte Hände und sie so schön an ihm gewärmt - indem ich all seine Kleidungsstücke und seinen steifen Schwanz geschickt umgangen hatte.

Meine Fingerspitzen hatten sich dazwischen geschlängelt, zärtlich an seinen Damm gedrückt, und ich habe ihm hingebungsvoll die Hoden massiert.

„Ich liebe deine Handschmeichler!“ Wie eine Katze habe ich geschnurrt, und er ist in meinen Händen geschmolzen.

Aber wir wollten es nicht mehr tun – miteinander – obwohl wir doch schon einmal ein Paar waren. Ein verbotenes Paar, denn eigentlich sind wir beide vergeben. Trotzdem ist diese Liebe einfach geschehen. Sie ist uns passiert wie ein Unfall, und wir zwei haben erst hinterher realisiert, dass wir „zusammengestoßen“ sind.

Wir haben ehrlich versucht, die Schäden in Grenzen zu halten, und zum Glück hat es niemand gesehen. Es gibt keine Zeugen für diesen „Unglücksfall“, von dem wir beide nicht sicher wissen, ob es nicht vielleicht doch ein Glücksfall war.

Solange es aber niemand erfährt, brennt es wie ein helles Feuer in meinem Herzen und wärmt mich so wunderbar. Erst, wenn es rauskommt, gerät es außer Kontrolle und wird Schaden anrichten, aber das werden wir schon zu verhindern wissen. Hoffentlich!

Und nun steht er plötzlich vor mir. Auch damals war Winter – tief verschneit. Heute liegt kein Schnee. Trotzdem ist es klirrend kalt. Ich bin nach einem langen Tag noch Einkaufen gefahren und stelle gerade meine Taschen in den Kofferraum.

Als ich mich umdrehe, steht er einfach da.

Ich brauche eine Weile, bis ich begreife, dass er keine Spiegelung meiner Sehnsüchte ist.
„Ich habe so eisig kalte Finger!“, bringe ich gerade noch heraus.

Er lächelt wissend: „Soll ich sie dir … möchtest du sie dir wärmen – an mir?“

Ich nicke, ehe ich nachdenken kann, und er zieht mich in die Verschwiegenheit des um diese Zeit nicht mehr genutzten Eingangs zur Flaschenrückgabe. Warum nur ist er mir so vertraut? So, als hätten wir erst gestern … und er riecht so gut.

„Du bist so schön!“, flüstert er, als er mich in seine Arme zieht. „Magisch!“

Oh, ich erinnere mich an seine Küsse. Er küsst einfach umwerfend.

Seine Lippen auf meinen lassen mich die Gefahr vergessen, die Kälte, die Welt. Meine Hand macht sich selbständig, unterläuft die Jacke, zerrt ungeduldig das Hemd aus der Hose, sucht sich den Weg zwischen seine Schenkel und greift zu. Mein Herz macht einen Sprung, als ich den Beweis seiner Sehnsucht in der Hand halte.

„Du wolltest doch nicht mehr!“, murmelt er, an meinem Hals vergraben.

Stimmt! Ich wollte nicht mehr. Nicht betrügen! Weder meinen Mann, noch seine Frau! Aber er ist hier, bei mir. So warm und lebendig. So verlockend! Und ich liebe ihn so.

„Nein! Ich will es nicht.“, flüstere ich in seinen Kuss und greife fester zu. Ich liebe dieses sehnsüchtige Stöhnen aus der Tiefe seiner Kehle. Was nun? Verdammt, was nun?

„Ich will nur … spielen!“

© Anna




© Claire