Die Vorteile, eine Autorin zu sein




Natürlich ist das erste und oberste Ziel einer Autorin sich Joanne K. Rowling anzunähern - sowohl was den Verdienst, als auch, was die Fantasie betrifft, aber das ist es nicht, was ich meine.

 

Etwas anderes ist unendlich reizvoller:


Als Autorin bin ich die Herrin meiner Geschöpfe.
Ach, die Dame gefällt nicht? Na, dann lassen wir sie abnehmen! Dünn genug jetzt? Sie hat höchstens noch 50 Kilo! Und zu groß ist sie? Ich dachte, Sie mögen es langbeinig! Schon? Lange Beine, aber doch nicht über 1,65. Wie soll das denn gehen? Na gut, wir kriegen das hin. Ich bin da besser, als der beste Schönheitschirurg, denn das Ergebnis ist ja schieres Kopfkino, und - Simsalabim - sieht es aus, wie jeder sich das vorstellen möchte.

 

Auf Wunsch mache ich das!

 

Allerdings sind mir die realen lieber – Frauen wie Männer: Frauen, die nicht Kleiderhaken ähneln, schön rund, klein oder groß, etwas reifer, vom Leben geformt. Frauen, die ihr Dasein lieben, die sich versöhnt haben mit dem Wissen, nicht Claudia Schiffer zu sein. Sie haben verstanden, dass sie die photoshop-getunten Hochglanzschönheiten in den Magazinen nicht erreichen. Sie lieben das Leben trotzdem, und man sieht es ihnen an. Ihre Augen leuchten und die Lippen lächeln. Sie strahlen von Innen heraus, sie können genießen. Das sind die Frauen, über die gern schreibe, denn sie können sich auch mit lustvoller Erotik identifizieren, und das ist es, worum es hier geht.

 

Auch sind meine Männerfiguren keine potenten Hengste, die allzeit bereit sind - schön, stark, muskulös und jung. Es sind Männer, wie sie tatsächlich existieren - draußen in der Welt. Sie sind nicht ganz zufrieden mit sich, haben vielleicht einen kleinen Bauchansatz oder Geheimratsecken, ein paar Jährchen zu viel. Der Sixpack, den sie sich mit 19 so mühevoll antrainiert haben ist Vergangenheit, aber mal ehrlich – wer legt seinen Kopf schon gern zum Kuscheln auf ein Waschbrett? Meine Männer haben ein paar klitzekleine Schwächen, und gerade das macht so liebenswert.

 

Alles in allem kann man sich mit diesen "Hauptdarstellern" identifizieren, man kann sich hineinwüschen, hineinfantasieren in die Geschichten, und gerade das macht sie so reizvoll. Man kann das „erste Mal“ nachempfinden, mit all den Unsicherheiten und Ängsten, mit all den Flops, die auch im richtigen Leben manchmal passieren – und es ist trotzdem kein Unglück geschehen. Man kann die große Liebe erleben, die man mit 20 empfand, und die einem mit 50 wiederbegegnet, und man kann sich Wunschträume erfüllen, die man schon immer gehegt hat. Man ist aufgehoben in Liebe. Denn das Geheimnis ist, dass Schwächen und Fehler eben nur dann Katastrophen sind, wenn der Partner sie dazu macht, aber das geschieht hier nicht - denn… ich bin die Herrin der Schicksale meiner Geschöpfe!

 

Was könnte noch besser sein?

 

Mit sinnlichen Grüßen
Ihre

 

BvS



© Beatrice von Stein                                                                      Ihre Meinung?