In einer Kneipe irgendwo auf ad-Dabarān




 

Ich sitze hier und denke nach. Mein Whiskey ist schon wieder alle, oder zumindest der Fusel, den ich mir leisten kann. Er verdient nicht mal diesen Namen. Trotzdem langt mein Geld nicht für noch ein Glas dieses Bochtes*. Ich sehe mich um, vielleicht sehe ich jemanden, den ich kenne, jemanden, den ich anpumpen kann. Obwohl das unwahrscheinlich ist.

 

An dieser Station bin ich noch nicht lange, aber dieses Loch hatte ich schnell gefunden. Es ist eine echte Kneipe. Eine Spelunke. Da, wo meine Sorte Mensch sich trifft, sich findet. Alles Mögliche tummelt sich hier. Verschiedenste Rassen, aber alle auf der Durchreise. Solche, die gerade gelandet sind und Geld haben. Andere, die eine Heuer suchen und kein Geld mehr haben. Welche, die nur einen Zwischenstopp eingelegt haben, oder einlegen mussten, weil der Kapitän sie von Bord getrappt hat. Und solche wie ich, die hier gestrandet sind und auf einen Lift hoffen. Wo anders könnte ich auch gestrandet sein, als hier, wo Kapitäne oder 1. Offiziere ihre Mannschaft wieder aufstocken müssen, weil die Hälfte desertiert ist!

 

Hier ist ein guter Ausgangspunkt. Hier auf dieser Station, der größten um ad-Dabarān, treffen sich viele. Gestern habe ich noch den alten Maat getroffen, der damals früher aufs Schiff hochgegangen war, und der hat mir eine Flasche spendiert. Aus Schuldgefühl. Die Flasche ist jetzt leer. Der Fusel ist alle. Für das gleiche Geld hätte er mir auch zwei Gläser gutes Zeugs kaufen können, aber ich bin froh, dass er dieses Gesöff gekauft hat. Das hat mir über die ganze Nacht geholfen. Auf einer Eckbank habe ich gepennt. Heute Morgen hat mir der Rest noch als Wachmacher gedient. Nach dem zweiten Glas sah ich wieder klar. Die Frau mit den vier Brüsten, die ich für eine Fata Morgana gehalten hatte, hatte tatsächlich vier. Nicht schlecht für eine Tänzerin in einer Spelunke wie dieser. Aber jetzt ist sie weg. Ich hätte ihr gerne noch länger zugesehen, denn viel mehr als das kann ich nicht mehr. Ich drehe die Flasche über meinem Glas um. Drei letzte Tropfen rinnen träge heraus. Ich schütte sie mir in den Mund. Der Barmann hat mich schon schräg angesehen. Und das will was heißen - in so einer Kneipe!

 

Jetzt steht einer bei ihm. Auch ein Raumfahrer. Er redet mit dem Barmann, bekommt eine Flasche Fusel und ein Glas. Der Mann mit der Flasche kommt auf mich zu, knallt die Flasche auf den Tisch; das Glas folgt etwas vorsichtiger. Er setzt sich. „Hi Van!“, sagt er. Ich sehe ihn mir genau an, schüttele den Kopf. „Anscheinend kennst du mich. Ich dich nicht.“ Er grinst. „Du bist einer der drei Überlebenden von der Landung auf dem Mündchen-Planeten um Rotanev A. Wie bist du hier auf ad-Dabarān66 gelandet?“

 

Ich sage nichts. Er hat gesehen, dass ich bei dem Namen „Mündchen“ zusammengezuckt bin. Kurz nur, aber er hat es gesehen und gegrinst. Er hebt die Flasche, lässt der Inhalt gluckern und zieht mein Glas zu sich, schenkt mir ein. Er schiebt mir das Glas rüber. Ich lasse es stehen.

 

Wir sehen uns in die Augen. Um seine sind Lachfältchen. Na bravo, an meinem Tisch sitzt ein Spaßvogel.

 

„Auf einem Frachter von Tau Ceti.“

„Und wohin willst du?“ - Ja, das ist eine gute Frage. Wohin will ich? Weiter.

 

„Wohin gehst du?“

„Brauche noch eine Fracht.“

Wir sehen uns immer noch in die Augen. Aus den Augenwinkeln sehe ich die Tänzerin wiederkommen. Der Bursche pfeift leise. „Eine Labsal für meine Augen.“

 

„Dann sieh sie dir doch richtig an!“, sage ich sauer. „Miete sie für eine halbe Stunde, dann kannst du sie auch kneifen und testen, ob die Dinger echt sind.“

 

Er zieht eine Augenbraue hoch. Schüttelt, ohne den Augenkontakt zu unterbrechen, den Kopf. Wir sehen uns noch eine Weile an. Ich habe Durst.

 

Ich nehme das Glas und einen großen Schluck. Der Knabe ist recht groß, dunkle, braune Haare. Ein Schlitzohr.

 

„Toom!“, sagt er und schenkt sich auch ein Glas ein.

„Und …“, sage ich „Toom … Was willst du?“

 

Er sagt nichts. Nimmt ebenfalls einen großen Schluck, verzieht das Gesicht, als er den Fusel im Mund hat. Er schluckt es runter ohne zu keuchen. „Und das hast du dir gestern gekauft?“, fragt er ungläubig. „So pleite, Van?“

 

 „Was geht dich das an?“, wehre ich mich.

„Der Barmann hat gesagt, dass du hiervon eine ganze Flasche gesoffen hast.“

Ich nicke. „Habe ich!“, bestätige ich stolz. „Alkohol ist wichtiger als Geschmack.“

Er zieht seine Augenbrauen hoch.

„Für mich nicht.“ Er nimmt noch einen Schluck. „Der Fusel brennt einem die letzten Geschmacksknospen auch noch weg. Schlechteren Bourbon kann es nicht geben.“ Er nimmt noch einen Schluck, schüttelt sich, steht auf und geht mit der Flasche zur Bar. Er debattiert mit dem Barkeeper und kommt mit einer anderen Flasche zurück.

 

„Immer noch Bourbon“, sagt er, „aber genauso schlecht kann dieser nicht sein.“ Er schenkt ein. Wir probieren. Dieser ist tatsächlich nicht ganz so niederträchtig wie der andere.

 

„Mündchen!“, sagt er „Erzähl!“

 

Verdammt. „Wieso?“, verlange ich zu wissen. Was denkt er, wieso ich alles in mich reinschütte, was ich bekommen kann?

 

„Will wissen ob ich ein paar von denen holen soll. Könnte einen Markt dafür geben.“

Ich fluche. Lange. Ein oder zwei Mal nickt er, einmal zieht er wieder eine Augenbraue hoch. Nickt dann wieder.

„Den kannte ich nicht!“, sagt er dann anerkennend. „Du bist also der Meinung, dass ich mir keine holen sollte?“

 

Ich nicke fast mit dem ganzen Oberkörper, greife die Flasche und trinke daraus, wische mir mit dem Ärmel über den Mund.

 

„Wir sollten uns den Planeten nur ansehen. „Proben nehmen und Kontakt mit der Bevölkerung aufnehmen.“ stand in der Order.“, beginne ich und nehme noch einen großen Schluck aus der Flasche. „15 Mann Besatzung gingen runter. Die acht Frauen nach fünf Minuten wieder hoch, weil die Biester sie anfielen. Uns Männer nicht. Also kamen zwei Minuten später die letzten acht Männer, die noch an Bord waren, auch runter. Nur der Kapitän nicht. Der und die 11 Frauen blieben an Bord. Wir anderen sollten sammeln, was wir in die Finger kriegen konnten. Wir wurden auf einer Insel abgesetzt. Zuvor hatten wir nur ein paar Bilder der Einwohner gesehen, die der Beobachter von hoch oben gemacht hatte.

 

Die Rasse bestand aus schlanken, feingliedrigen Wesen, die am ganzen Körper behaart waren. Die Haare …“ Ich verliere mich in der Erinnerung, trinke noch einen Schluck. „Die Haare, glänzend wie Seide. Weich. Lang. Herrlich. Von blond über hellbraun bis rötlich. Wir nahmen Bodenproben, hatten uns auf der ganzen Insel verteilt, und bei jedem von uns waren drei oder vier von ihnen. Sie liefen um uns rum, behinderten uns aber nicht. Sie gurrten leise - wie Tauben, schnurrten wie Kätzchen. Sie bewegten sich genau so elegant wie Katzen, die Muskeln bewegten sich unter der Haut, und die Haare wogten bei jeder Bewegung hin und her.

 

Die braunen, schrägen Äuglein mit den langen, dunklen Wimpern immer auf uns gerichtet, die kleinen, runden Mündchen weit offen. Sie streckten eine lange, dünne Zunge raus, als ob sie damit die Luft schmeckten. Sie sahen sich genau an was wir machten, brachten uns Pflanzen, Steine. Tiere sahen wir keine, nur ein paar Insekten. Die fingen wir auch, und auch dabei halfen sie uns. Als wir fertig waren, und der erste, der Koch, mit den meisten Proben hochgeschickt worden war, wurden sie unruhig, fassten uns mit ihren kleinen, sanften, vier-fingrigen Händchen an. Die fragilen Daumen hatten eine kleine Kralle. Damit kratzten sie uns leicht über die Haut. Mit den anderen drei biegsamen, schlanken Fingern streichelten sie uns. Sie probierten, uns an den Uniformen mitzuziehen.

 

Der „Erste“ meinte dann, dass wir mitgehen sollten. Wir ließen uns führen und wurden in ihr Dorf gebracht. Dann kam eine mit einer noch schöneren Facht**. Goldblond. Seidenweiche, lange, glänzende Haare. Die schnupperte auch rum...“

 

„Wieso sagst du ‚die’? Woher willst du wissen, dass sie weiblich war?“, unterbricht er mich mit glänzenden Augen und verärgert sage ich:

„Weil wir wussten, dass sie weiblich waren. Das stand in der Order, die der Alte bekommen hatte: „Eine neue, intelligente Rasse,  Klasse der Hominiden. Eine matriarchal organisierte Gesellschaft.“ Die Frauen intelligent, die Männer saublöd. „Keine Anzeichen von Intelligenz bei den Männern“, stand da schwarz auf weiß. Die Schöne, die Königin, schnupperte also auch rum.“, nehme ich meine Erzählung wieder auf - nachdem er mir die Flasche weggenommen und sein Glas nochmal gefüllt hatte. Er stellt sie wieder vor mir ab.

 

 „Drei standen vor ihr und gurrten. Sie gurrte zurück.“ Noch einen Schluck und verträumt erzähle ich weiter. „Sie kam dann auf mich zu und nahm meine Hand in ihr Händchen, hob sie an und schleckte mir darüber hin. Sie reichte mir bis zur Schulter. Lang, schlank, ein Figürchen wie eine Sanduhr. Herrliche, runde Hüften, Arschbacken wie aus einem feuchten Traum - rund und fest. Sechs kleine Brüste. Nicht paarweise, untereinander. Die anderen Frauen waren alle kleiner und hatten drei bis fünf Brüste. Je größer sie waren, desto mehr Brüste hatten sie. Schöne, apfelförmige Tittchen.“

 

Erst nach drei Schlucken aus der Flasche kann ich weitererzählen.

 

„Sie sahen wunderschön aus. Alle hatten sie die gleiche betörende Figur. Die Haare fielen lang über den Rücken, waren kurz auf der Brust, und die Möpschen glänzten hell hindurch. Auf den Hinterbacken fielen die Haare auseinander und zeigten zwei kugelförmigen Rundungen. Überall waren die Haare glatt, außer auf dem Kopf. Da hatten sie eine richtige Mähne. Lange, wallende, gewellte Haare. Sie schmiegten sich an uns, gurrten, und wir waren wie Wachs in ihren kleinen Händchen. Sie brachten uns zu einem Haufen weichen Grases und  bedeuteten uns, dass wir uns setzen sollten. Als wir saßen, brachten sie Früchte, setzen sich zwischen uns und aßen. „Pflanzenesser“ hatte in der Order gestanden. Sie boten auch uns Stücke davon an, also aßen wir die Früchte. Süße und leicht säuerliche.

 

Dann kam auf jeden von uns eine zu, die ihn in eine Hütte mitnahm. Da lag das weiche Gras über den ganzen Boden verteilt. Wir hatten auf der einen Seite der Insel einige richtige Äcker mit dem Zeugs gefunden, Fruchtbäume in Reih und Glied und kleine plumpe, dunkelbraune oder grauschwarze Männchen, die da arbeiteten. Die anderen beiden erzählten nachher, als wir wieder reden konnten, in etwa das Gleiche. Die Händchen krochen unter unsere Uniformen. Mit der kleinen Kralle schlitzten sie den Stoff kaputt, bis wir nackt waren.  Dann zogen sie uns an den Händen und am Zepter, solange bis wir uns hinlegten.

 

Es war göttlich. Unbeschreiblich schön. Die feinen, kleinen Hände, das Streicheln, das Reiben, das leichte Kratzen machte mich verrückt, bis ich einen enormen Ständer hatte. Dann kam das Mündchen. Die sanften Lippen …  Damit machte sie das Gleiche. Sie ließ ihre warmen, weichen Lippen über die Haut gleiten - und immer dieses Gurren und Schnurren. Die Zunge schlängelte sich über meine Haut.“

 

Wieder muss ich zuerst aus der Flasche trinken.

 

„Besser, als jedes andere Weib, das ich je hatte. Die Haare strichen über meine Haut. Es war unbeschreiblich. Mein ganzer Körper stand in Flammen. Meine Hände wühlten durch ihre Haare, sie gurrte und maunzte. Ich streichelte vorsichtig die Brüste. Die Brüstchen waren fest. Zwei Nippel auf jeder, die so hart wie Stein wurden, und je mehr ich sie streichelte und knetete, desto lauter gurrte sie.

Dann kam das Mündchen meinem besten Stück immer näher. Ich erwartete jeden Moment, dass sie „ihn“ küssen oder lecken würde. Ihre zärtlichen Händchen spielten mit meinen Eiern. Mehr machte sie nicht, bis ich es nicht mehr aushielt! Erst als ich sie vorsichtig in die richtige Richtung drückte, schloss sie ihre feinen Lippen um meinen Steifen. Sie fing vorne an der Eichel an und schob sich langsam hoch. Die Zunge entfaltete sich und schmiegte sich rundum. Rhythmische Kontraktionen der Zunge massierten meinen Mast - bis er noch steifer wurde.“

 

Alkohol. Ich schütte es aus der Flasche in mich rein.

 

„Sie hatte meine halbe Lanze schon im Mund, als sie meine Eier losließ und ihre Zunge noch weiter aus der Mund kam und sich um meine Kronjuwelen legte. Die Muskelbewegungen wurden schneller, fester - eine unbeschreiblich schöne Zeit lang. Ich war kurz vor dem Abspritzen, als ich aus der Ferne einen Schrei hörte. Ich war neidisch, weil da schon einer gekommen war, aber doch glücklich, dass ich noch nicht ganz so weit war.“

 

Mehr vom Fusel.

 

„Dann hörte ich mehrere Schreie. Aus allen Richtungen. Das waren nicht unbedingt Lustschreie! Mir dämmerte langsam, dass da etwas nicht ganz so war, wie es sein sollte. Ich versuchte sie von mir wegzudrücken, aber sie grub ihre scharfen Krallen in meine Beine und machte weiter. Massierte, drückte und sog. Ich war wieder kurz vor dem Abspritzen, sah buchstäblich Sterne, so gewaltig kam ich. Ich schoss ihr gerade einen Schub in den Rachen, als ich einen scharfen Schmerz im Schwanz fühlte. Ich dachte, dass ich einfach zu heftig kam. Auch die Eier schmerzten. Der Schmerz wurde immer schlimmer. Es brannte, und ich stieß sie mit Händen und Füßen von mir und rannte schreiend weg. Der 1. Pilot kam aus eine anderen Hütte gerannt. Auch er nackt, mit dem Kommunikator in der Hand. Der Ethnologe stolperte, während er versuchte sie von seinem Schwanz zu ziehen, auch aus einer Hütte. Der Pilot griff ihn, ich zog sie von ihm los und spritzend rannten wir weg.

 

Sie holten uns hoch und steckten uns in den Krankenbug.“

 

Die Flasche ist leer. Toom winkt dem Barmann, und der bringt eine neue. Ich setze sie an den Mund und lasse das Zeug in mich reinlaufen.

 

„Der Ethnologe hatte nichts mehr.

Der Pilot noch einen halben und seine Eier.

Ich habe noch ein Ei.

Diese Biester waren gar keine Vegetarier!

Sie hatten alles auf der Insel schon gefressen.“

 

Ich lasse noch mehr in mich reinlaufen, sehe wie seine Augen sich verengt haben und er mich prüfend, aber mit einem Ausdruck des Mitleids und Abscheus ansieht.

 

„Aber schu verdammt intellisschent, um ihre eischenen Männer zu vernasschssen!“, lalle ich noch, bevor ich langsam unter den Tisch gleite.

 

©Reen van de Magerhorst

 

 

* Fusel

** Haarkleid bei Tieren