Man sieht sich immer zweimal


Zum ersten Mal seit zehn Jahren, bin ich wieder allein in Urlaub gefahren, und nun - ausgerechnet hier in Amerika - läuft mir dieser Scheißkerl wieder über den Weg! Ich hatte schon die Hoffnung, ihn endlich aus meinem Kopf und meinem Leben verbannt zu haben, und da sitzt er hier im Restaurant und isst Steak. Unzweifelhaft, er ist es. Zehn Jahre älter, weniger Haare, mehr Bauch, aber immer noch groß, stattlich und arrogant. Was tu ich denn jetzt bloß? Erst mal weg hier - verstecken, klar. Da sitze ich nun auf der Damentoilette und zittere. Die Erinnerungen wirbeln durch meinen Kopf wie ein Tornado. Sie fegen ihn leer. Dieses Stück Dreck! Dieser widerliche Mistkerl! Was hat er mir angetan – und keiner hat mir geglaubt!

 

Damals war ich 24 und Angestellte einer Airline. Mein Beruf gefiel mir, mein Leben war halbwegs in Ordnung. Ich lebte noch zuhause bei meinen Großeltern, die in Wirklichkeit diejenigen waren, die mich aufgezogen hatten. Mama lebte auch da, aber eigentlich war sie eher meine große Schwester. Ich bin ein ungewolltes Kind, das Kind eines US-Amerikaners, der meine Mutter verführt hatte, um sie dann sitzen zu lassen. Sie hat mich nicht gewollt und mir das auch immer wieder gesagt. Nein, schön war meine Kindheit nicht, aber seit ich erwachsen bin, ist alles besser. Ich verdiene mein Leben und zahle Miete an meine Großeltern. Ich bin zwar immer noch nicht erwünscht, aber ich bin eine zahlende Mitbewohnerin, die keine Arbeit macht. Ich werde geduldet.

 

Und dann habe ich ihn kennengelernt. Edward war einer meiner Kunden. Mindestens dreimal pro Monat buchte er bei mir seine Flüge. Er war eine imposante Erscheinung, Ehrfurcht gebietend. Doch, Edward war ein toller Mann, Ingenieur, und er interessierte sich für mich! Himmel, er machte mir wirklich den Hof, und alle Kolleginnen beneideten mich. „Lass ihn dir bloß nicht durch die Lappen gehen!“, sagte meine Chefin und – natürlich – meine Mutter! Auf einmal war ich wer. Die Leute sahen mich mit anderen Augen an, und das nur, weil er mich beachtenswert fand. Irgendetwas musste doch an mir dran sein. Ich fragte mich nur was.

 

Ich war völlig normal - normal und unscheinbar. Keineswegs hübsch! Ein Meter siebzig, 65 Kilo schwer, dunkles kurzes Haar und braune Augen. Mein Mund war zu groß, mein Busen zu klein und meine Beine formten ein zierliches X. Nicht schön, aber auch nicht hässlich. Was fand er an mir? Ich wusste es nicht, aber ich begann zu glauben, dass da vielleicht etwas sei, das ich bisher nicht wahrgenommen hatte. Wenn sich ein Mann wie er für mich interessierte, musste es einfach so sein. Wie dumm war ich doch damals!

 

Edward war 10 Jahre älter als ich, und er wusste, wie man einer Frau den Hof macht, wie man eine dumme, kleine Gans wie mich beeindruckte. Er brachte mir Blumen zum Counter und lächelte vergnügt, wenn die Kolleginnen wie aufgeregte Hühner um ihn herumflatterten. Er zwinkerte mir zu, so als wolle er sagen: „Keine Angst, du bist meine erste Wahl!“ Es tat gut. Und dann schickte er Blumen und Pralinen an meine Mutter! Damit hat er mich praktisch gekauft. Sie sah die Chance mich loszuwerden und griff mit beiden Händen zu. „Du wirst doch nicht dumm sein! Schnapp ihn dir! Er ist Ingenieur!“ Von Liebe war keine Rede. Die empfand ich auch nicht, aber ich war ungeheuer geschmeichelt. War Liebe überhaupt nötig? Mir war sie noch nie begegnet, und ich lebte doch ganz gut.

 

Als er mich einlud, sagte ich selbstverständlich zu. Erfreut! Wir gingen ins Kino. Er fragte mich nicht, was ich sehen wollte, er suchte aus. Der Film war scheußlich. Viel Blut, viele Tote und noch viel mehr Grausamkeit, aber Edward hielt ja meine Hand. Anschließend gingen wir noch zum Essen in ein sündteures Restaurant. Das beste in der Stadt. Auch hier fragte er nicht. Er gab mir nicht mal die Speisekarte. Er bestellte! Vielleicht war das normal so? Der Mann war der Herr, aber das Essen war genauso scheußlich wie der Film. Schnecken! Ich hatte noch nicht mal gewusst, dass man so was essen konnte. Ungläubig fragte ich nach: „Wirklich Schnecken?“ Wie überheblich er lächeln konnte. Wie sehr er mich verachten musste, ob meiner Dummheit! Und wie sehr ich mich schämte. Ich war ja bereit zu lernen, aber Schnecken … Igitt! Dann brachte der Kellner Steaks. Wenigstens etwas, das ich kannte – zumindest theoretisch. Bei uns zu Hause gab es Schnitzel! Als ich hineinschnitt, lief das Blut heraus.

 

Edward lachte über mein Entsetzen. „Das isst man so! Das ist süperb! Iss!“ Was? Süperb? War das kein Steak? Ich würgte und schluckte. „Ich habe heute nicht viel Hunger!“, flüsterte ich kleinlaut, aber er ließ sich nicht erweichen. Aufessen war ich ja gewöhnt, aber blutendes Fleisch? Wenigstens bekam ich Coca Cola. Als wir fertig waren, fragte er nach der Dessertkarte. Eis! Hurra! Das mochte ich. „Bist zu zufrieden?“, fragte er, und ich nickte brav. „Gut, dann kommt jetzt der interessante Teil des Abends!“ Was er damit meinte … Ich hatte keine Ahnung. Ich glaubte ernstlich, er würde mich heimbringen in seinem tollen, großen Wagen.

 

Weit gefehlt! Er fuhr zum Fluss. Mittlerweile war es fast Mitternacht und hier, auf diesem Parkplatz, war es total einsam und sehr finster. Er schaltete das Licht aus und das Radio ein, dann wandte er sich mir zu. „Komm her, kleine Maus!“ Sein Lächeln war so grausam, als sei er die Katze, die diese Maus zu verspeisen dachte. Wieso dachte ich ausgerechnet jetzt an das blutige Fleisch? Mir war sehr hasenherzig zumute, als er seine Zunge tief in meinen Hals schob. Igitt! Noch schlimmer als Schnecken! Okay, ich war 24, aber ich war Jungfrau, und ich hatte erst einen Jungen geküsst – ohne Zunge! Und nun rammte Edward seine Riesenzunge in mich hinein und knöpfte meine Bluse auf. Ich versuchte seine Hand wegzuschieben. Ihn wegzuschieben! Es misslang. Er hatte viel mehr Kraft als ich.

 

„Denkst du, ich zahle das alles umsonst?“, fragte er süffisant und schob meinen Rock hoch. Was meinte er bloß? Das wurde mir sehr schnell klar, als er seine Hose öffnete und einen hoch aufgereckten Spazierstock auspackte. Ich hatte so was noch nie gesehen. Klack! Mit einem unschönen Geräusch hatte er die Liegesitze umgeklappt und lag schon über mir. Warum war ich nicht ausgestiegen? Weggelaufen? Wie dumm konnte man denn sein? Was hatte ich geglaubt, was das werden würde? Liebvolles Geknutsche? Weit gefehlt. Edward wollte mehr. Er wollte alles! Nun präsentierte er die Rechnung.

 

Mit seinem Gewicht drückte er mich in den Sitz und zerrte mir das Höschen hinab, zerfetze es. Ich wehrte mich stumm, versuchte ihn auf Abstand zu halten. „Ach so eine bist du?“, keuchte er. „Ein Blümchen-rühr-mich-nicht-An! Oder hast du es gern zu spüren, wer dein Herr ist?“ - Hallo? Wir rangen verbissen. Seine großen Hände gruben sich in meine Arme und zwangen sie nach hinten. Er würde sie mir noch auskugeln. Als er näher kam, biss ich zu. Verärgert ließ er los, und ich zerkratzte ihm das Gesicht. Das hätte ich nicht tun sollen!

 

Wütend schlug er zu. Rechts und links – Rückhand! Seine Nägel rissen die Haut meiner Arme auf. Es blutete. „Das ist süperb!“, schoss mir durch den Kopf. „Nicht!“, flehte ich. „Bitte nicht!“ Und dann hatte er ein Messer in der Hand. „Wehr dich, Katze!“, grinste er diabolisch. „So lieb ich das!“ Wie ein Kaninchen vor der Schlange lag ich da und starrte auf die blitzende Klinge. „Mach die Beine breit!“ Das konnte doch nicht sein. Was für ein Irrsinn! Er war doch Ingenieur! „Edward, nicht!“, bettelte ich und drückte die Augen zu, wie ein Kind, das sich verstecken will. „Tu, was dir befohlen wird!“ fauchte er, und ich spürte die Klinge an meinem Hals. Ich gehorchte und litt stumm. Wenigstens überlebte ich.

 

Als er fertig war, fuhr er mich nach Hause – ganz der Kavalier von vorher. „Gute Nacht, Kleine!“ Ich stieg aus und rannte ins Haus. Keiner war mehr auf. Keiner sah mich so! Gott sei Dank! Ich glaube, ich stand eine Stunde unter der heißen Dusche, und vom nächsten Tag an trug ich einen dicken, langärmlichen Pullover und lange Hosen, obwohl wir 26 Grad im Schatten hatten. Wie hätte ich sonst die Striemen und blauen Flecke erklären sollen? Als Edward wieder kam, schloss ich mich in meinem Zimmer ein. Mutter klopfte und schimpfte, ich solle nicht rumzicken, aber ich saß nur stumm auf meinem Bett und zitterte. Als er weg war, erzählte ich es ihr. Sie sah mich ungläubig an und schüttelte den Kopf. „Blödsinn!“ schalt sie. „Das glaubst du doch selbst nicht! Als ob er es nötig hätte, dich zu vergewaltigen! Er kann jede haben!“

 

Wir haben nie mehr davon gesprochen, und wenn er einen Flug buchen wollte, schickte ich eine Kollegin vor. Sie ist auch mit ihm zum Essen gegangen, habe ich gehört. Ich hatte seitdem keinen Freund mehr. Und nun …

 

… sitzt er da drin und speist. Mir ist speiübel. Was tu ich bloß? Weglaufen? Am liebsten würde ich das, aber ich weiß, ich weiß einfach tief in mir, dass ich nicht flüchten darf. Nicht, wenn ich noch in den Spiegel schauen möchte. Ich sehe hinein und schaue mich an. Gut sehe ich aus. Meine Haare sind inzwischen heller, länger, weiblicher, und ich bin hübsch geschminkt. Das Sommerkleid steht mir. Ich bin doch eine erfolgreiche Frau. Inzwischen bin ich Abteilungsleiterin, und wir sind in einem öffentlichen Lokal. Was soll mir schon passieren? In sein Auto steige ich nie wieder.

 

Ohne zu überlegen gehe ich in das Lokal zurück – auf ihn zu. „Edward!“ Er schaut auf – erstaunt. Dass ihn hier jemand kennt, damit hat er sicher nicht gerechnet. Er lächelt. Er wirkt wirklich erfreut. „Wo kommst du denn her?“, fragt er und erhebt sich, küsst meine Hand formvollendet. Seine Augen ziehen mich aus. Von oben bis unten mustert er mich. „Gut schaust du aus!“ Er benimmt sich, als seien wir die besten Freunde, so als hätte es die Episode am Fluss nie gegeben. Ich hasse ihn, aber ich spiele mit. Warum tue ich das? - „Spendierst du mir ein Eis?“ – „Selbstverständlich!“ Ich lasse mir einen großen Eisbecher bringen, und dann beginne ich mein Spiel.

 

Meine Zunge leckt lasziv um den langen Löffel. Seine Augen beginnen zu leuchten. Ich schlecke aufreizend, blicke ihm direkt in die Augen. „Erinnerst du dich …!“ Sein Atem wird schneller. „Du warst schon immer ein heißer Feger!“ Seine Stimme klingt kehlig, gierig. Ich war nie ein „heißer Feger“, er hat da wohl was verwechselt - aber jetzt, jetzt fühle ich mich so. Jetzt habe ich hier die Kontrolle. „Du auch!“, flüstere ich heiser. Ich gebe mir alle Mühe, verrucht zu klingen. Was wird denn das bloß? Ich plane nicht, ich handle einfach. „Was würdest du davon halten …“ Ich lasse das Angebot in der Luft hängen und er schnappt danach, wie ein Karpfen nach dem Köder. „Alles! Alles, was du willst!“ Sein Steak ist vergessen.

 

„Weißt du, was mich richtig anmacht?“, hauche ich und rücke näher. Der Duft ist immer noch der Gleiche. Ich könnte kotzen. Aber warte nur: Diesmal bist du derjenige, der tut, was ihm gesagt wird. „Geh raus!“, befehle ich. „Geh auf die Toilette und zieh deinen Slip aus!“ Er starrt mich an wie ein Gespenst, aber die Gier vernebelt ihm den Verstand. Folgsam steht er auf und verschwindet. Ich atme durch. Was wird das? Ich weiß es nicht.

 

Als er wiederkommt, beult sein Schwanz die dünne Sommerhose aus. Er ist spitz wie Nachbars Lumpi. Ich lecke meine Lippen. „Hol ihn raus!“, wispere ich atemlos. „Hier?“ Edward ist konsterniert. Das hat er nicht erwartet. Die dumme Kleine hatte mehr Potential, als er gedacht hatte. „Natürlich hier. Sieht doch keiner!“ Er nestelt an seiner Hose, und ich schaue interessiert. „Geil!“ stöhne ich vermeintlich von Lust überwältigt und lasse Eis vom Löffel auf seinen Ständer tropfen. „Jaaahhh!“ Aus seinem Mundwinkel läuft der Speichel, so gierig ist er. „Ich geh jetzt auch mal raus!“, raune ich aufreizend. „Ich ziehe jetzt mein Höschen aus … und … steck mir mal … diesen langen … Löffel rein!“ Ich halte ihn ihm an den Mund und er saugt ihn lüstern zwischen die Lippen. Wunderbar! Ich spiele mit ihm!

 

Langsam stehe ich auf und schiebe ihm den Becher hin, reibe mit dem Löffel Eis über seine Eichel und sehe zu, wie es schmilzt. „Ich komme gleich wieder!“, säusle ich „… und bring  dir mein nasses Höschen. Halt ihn mir inzwischen warm!“ Er sieht mich fragend an. „Na los!“, befehle ich, und er beginnt brav zu wichsen. Meine Hüften schwingen aufregend, als ich den Raum verlasse …

 

Doch als ich draußen bin, überfällt mich Panik. Wie von Furien gehetzt flüchte ich aus dem Restaurant, renne die Straße entlang. Wohin? Bloß schnell weg hier. Zwei Straßen weiter bleibe ich keuchend stehen. Was nun? Verschwinden, und diesen Kerl nie wieder sehen. Doch da… da drüben kommt eine Highway Patrol. Ich winke wie von Sinnen. „Can I help you, Ma’am?“ Der junge Mann ist Sheriff oder so was. Noch immer keuchend von meiner atemlosen Flucht berichte ich von dem Perversen, der dort zwei Straßen weiter in einem Restaurant sitzt und junge Frauen erschreckt, indem er ihnen seinen eisbeschmierten Schwanz zeigt. „Er macht was?“ Ich nicke erregt. Der Junge wird blass und fordert Verstärkung an.

„Warten Sie bitte hier, Madam, wir regeln das!“ – „Ja! - Nein! - Bitte! - Danke!“

 

Als er weg ist, verschwinde ich in einer Seitenstraße, schnappe mir das nächste Taxi und lasse mich zum Airport fahren. Ich brauche einen Stand-by-Flug irgendwohin. Meinen Koffer kann ich auch nächste Woche von einer Freundin abholen lassen. Im Hotel werden sie ihn mir einsperren. Sie sind fliegendes Personal gewöhnt. Diese Stewardessen kommen und gehen, wie der Plan es befiehlt. Als ich im Flugzeug nach San Francisco sitze, beginne ich hysterisch zu kichern. Wenn ich mir sein Gesicht vorstelle, als er verhaftet wird, macht mich das richtig glücklich. Hurra! Er ist nicht davon gekommen! Edward hat mich unterschätzt. Er hat nicht bedacht, dass man sich im Leben immer zweimal sieht!

 




© Claire

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