Reha






Paula und ich plaudern.
Schon geraume Zeit sind wir befreundet –
Na ja, so was Ähnliches.
Unsere Wassergymnastik machen wir zusammen.
Reha!

Vor einem halben Jahr habe ich sie kennengelernt,
und sie gefällt mir.
Sie ist eine gescheite Frau –
außerdem sieht sie gut aus.
Man kann reden mit ihr,
scherzen, lachen!
Ich trinke mit ihr Kaffee.
Jeden Mittwoch freue ich mich darauf, sie zu sehen.
Morgens – kurz vor acht.

Paula ist schon da, wenn ich komme.
Immer!
Sie hat meist schon die halbe „Radtour“ hinter sich,
wenn ich aufsteige.
Heute muss ich erst noch die Pedale verstellen,
also knie ich mich hinunter und hantiere mit dem Schraubenzieher.
„So mag ich das!“, lacht sie von oben auf mich herab,
„Wenn die Männer vor mir knien!“
Ich grinse vergnügt:
„Wenn du mich schon nicht erhörst, dann hilf mir wenigstens hoch!“
Sie lacht schallend - einfach hinreißend.

Gelungen!
Mein Witz ist geistreich – und gelungen.
Mann, bin ich gut!
Ich verneige mich vor ihr bevor ich aufsteige,
so wie ich es immer tue, immer schon tat – tun musste

– damals,
bei unserem „ersten Mal“.

Ich saß auf dem „Foltersessel“ - damals
und drückte mit dem Rücken Gewichte nach hinten.
Die Arme über der Brust verkreuzt wegen der Körperspannung,
verbeugte ich mich ein ums andere mal,
und sie blieb stehen,
schmunzelte,
verkreuzte ebenfalls ihre Arme
und verneigte sich vor mir.
Dann ging sie lächelnd weiter.
Und mir fiel gar nichts dazu ein.
Saudumm!

An diesem Tag habe ich sie immer wieder angesehen
- heimlich.
Natürlich hat sie das bemerkt.
Aber als sie dann ins Schwimmbad kam und zu mir ins Wasser stieg,
war sie es, die mich ansprach.
Wir lachten die ganze Gymnastikstunde über,
und anschließend lud ich sie ein.
Zum Cappuccino!

Heute trinken wir den Cappu immer schon vorher.
Zwischen Fitness und Wasserbalett.
Mittwöchlich.
Und heute hatten wir besonders viel Spaß.
Sie ist eine kluge Person.
Redegewandt, schlagfertig
– und hübsch!
Und wir plaudern immer noch, als wir aus dem Becken klettern.
Ich tappe einfach neben ihr her.
Ins Gespräch vertieft.
Gedankenverloren.
Und dann rührt mich der Hammer:

Bin ich jetzt völlig verrückt geworden?
Plötzlich stehe ich in der Damenumkleide,
umringt von fünf, sechs, sieben – wie vielen?
nackten Frauen!
Allmächtiger!
Mir gehen die Augen über.
Was für eine Pracht!
Und dieser Duft!
Ein Weib wundervoller als das andere.
Da sag einer, Mann braucht junge Frauen!
Was für ein Blödsinn!

Nackte, reife Brüste, dralle Beine, volle Hintern,
sanfte Schultern, mollige Bäuche und runde Hüften!
Nasses, sich kräuselndes Schamhaar
- und blitzende Augen.
Keine schreit „Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiieeee!“
Diese Ladys sind sich ihrer Anziehungskraft sehr bewusst.
„Was ist?“,
fragt Paula provokant:
„Willst du mit in unsere Dusche?“
Ich werde über und über rot,
ich kann es fühlen,
und noch etwas anderes kann ich fühlen!
Himmel!
Bloß raus hier!

Noch auf der Flucht klingelt es in meinem Hirn:
Paula hab ich nicht gesehen!
Sie war nicht nackt!
Abrupt bleibe ich stehen.
Schade!

Schwer atmend entere ich „unsere“ Umkleide.
„Na, biste geschafft?“, fragt Günther, der Zweite.
Der hat ja gar keine Ahnung,
und ich werde es ihm nicht sagen, oh nein!
Der Kavalier genießt und schweigt.
Ich genieße!
Kommentarlos gehe ich in die Dusche –
wohlgemerkt in die rechts hinten im Eck.
Wenn ich mich da zur Wand drehe, sieht man nichts!

Die Damenumkleide!

Das scheint mein Schicksal zu sein.
Meine Gedanken wandern zurück:
Ich war vielleicht 13 oder 14 Jahre alt,
als meine Mutter und ich das Volksbad besuchten.
Völlig selbstverständlich nahm sie mich mit zu sich in die
Damenumkleide …
Und zunächst war auch wirklich alles völlig normal,
bis sich mein Kopf einschaltete
und die nackte Weiblichkeit überhaupt erst mal registrierte.
Dann machte ich mich so klein wie möglich
- was nicht schwer war -
und verkroch mich hinter Mama.
Meine Blicke allerdings, die verwandelten sich in Schwämme.
Sie sogen weibliche Nacktheit ein.
Gierig!
Vermutlich kommt daher meine besondere Vorliebe für reifere Damen.
Reif und rund!
Mein Gott, war das geil!
Ich glaube noch heute,
es war das aufregendste Erlebnis meines Lebens –
abgesehen von …

gerade eben!

Die Bilder überlappen sich,
schieben sich übereinander, schwimmen ineinander.
Wer war da jetzt eigentlich wer?
Damals und heute.
Ich habe keine Ahnung!
Wenn ich die Augen schließe,
sehe ich immer wieder, immer noch wundervoll geile Brüste –
Titten mit großflächigen, dunklen Brustwarzen
- steife Nippel!
Diese Linien, die eine weiche Flanke zu einer runden Hüfte verschönen!
Schenkel, die sich füllig zusammenfinden
zu einem verlockenden Hügelchen,
verziert mit rotgoldenem - blondem - schwarzem Ringelhaar!
Wenn ich mir nur vorstelle,
dass sich diese Beine auftun – für mich …
Paulas Beine!
Ob sie wohl rasiert ist?


Oh Paula!


Es reicht

mir das Duschgel auf den „Wasserhahn“ zu tropfen
und

...

 

zu

w a s c h e n

...

 
Himmel, bin ich jetzt sauber.
Sauber und leer!
Und, Günther, der Zweite, hat Recht:
Jetzt bin ich geschafft!
Aber so was von geschafft.
Fix und fertig.

Als ich sie eine halbe Stunde später wiedersehe,
habe ich das Gefühl, sie schaut.
Oder irre ich mich?

Blödsinn!
Warum sollte sie nicht schauen?
„Ich könnte noch einen Cappu vertragen, du auch?“
„Gute Idee!
Ich lade dich ein!“
Natürlich lade ich sie ein,
aber eigentlich wäre mir ein Cognac lieber
- und das um die Mittagszeit.
Das muss sie aber nicht wissen.


Sie schaut eh schon so komisch!
 

© BvS

 

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