Meine Sonne!




„Gib mir meine Sonne zurück! - So gib sie mir schon wieder!“ Er schrie aus Leibeskraft und Andrea wusste nicht, was sie tun sollte. Sie war verschreckt und hilflos. Als seine Stimme kippte, und er in schrillem Diskant weiterbrüllte, floh sie aus seinem Zimmer.

 

Andrea war Gymnasiastin an einem sozialwissenschaftlichen Gymnasium, 19 Jahre alt, und sie absolvierte gerade ihr Praktikum in einem Altersheim - in dem kleinen Örtchen, in dem sie auch wohnte. Heute war ihr allererster Tag, und sie hatte ihm nur sein Essen bringen wollen. Eigentlich keine so schwere Aufgabe, sollte man meinen. Tja, aber sie hatte nicht mit der Tücke dieses Objektes gerechnet.

 

Am ersten Morgen hatte man ihr gesagt, sie müsse zuerst einmal nur in der Küche helfen - und das hatte sie dann auch getan. Als das Frühstück fertig war, kam Schwester Carolin und fragte sie, ob sie mit ihr gehen wolle... Essen verteilen und gleichzeitig die Insassen kennen lernen. Natürlich wollte sie! Und so lernte sie die zwei Männer und vier Frauen kennen, die auf dieser Etage lebten.

 

Die erste war Frau Neidberg. Eine Dame in den hohen Siebzigern. Gepflegt und sehr rüstig. Sie stand in ihrem Zimmer an einer Staffelei und malte. Frau Neidberg freute sich, dass sie ein neues Gesicht sah und lud Andrea am Nachmittag zum Tee ein.

 

Im zweiten Zimmer dagegen, saß eine Häuflein Mensch im Nachthemd - mit wirrem, ungekämmtem Haar und sah konstant auf den Boden. „Du bist nicht gekommen, um mich zu kämmen!“, klagte sie leise. „Frau Ordner möchte immer einen Zopf geflochten haben!“, erklärte Schwester Carolin. Andrea hatte selber jahrelang Zöpfe getragen, und so sagte sie spontan: „Das kann ich doch tun. Ich kann flechten!“ Und schon ertönte  ein Laut, der einer Sirene gleichkam. „Schwester Carolin - Schwester Carolin - Schwester Carolin!“, greinte die alte Dame und Schwester Carolin hatte alle Hände voll zu tun, sie wieder zu beruhigen.

 

Das fing ja gut an. Andrea war schon leicht beunruhigt. Bevor sie aber in das dritte Zimmer gehen konnten, kam Anton, der Pfleger, und hielt sie auf. „Frau Mandelbaum hat heute Nacht Anni geohrfeigt!“, berichtete er. Ursulas Beunruhigung nahm zu. „Was war denn schon wieder?“, fragte Carolin genervt und dann wandte sie sich an ihre Praktikantin: „Frau Mandelbaum ist eine schwierige Patientin. Sie mag uns alle nicht!“ Aber als sie das Zimmer betraten, hatte Andrea gar nicht das Gefühl, als sei die Dame, die darin saß so schwierig. Sie fand eine weißhaarige, kleine, alte Dame mit strengen Gesichtszügen, die verschüchtert in einem riesigen Sessel versank,  kaum den Blick hob und kein Wort redete. Schwierig? Sie verstand es nicht.

 

„Hier wohnt unser Herr Schubert!“, erklärte Schwester Carolin vor dem vierten Zimmer. „Herr Schubert ist - war - Schuldirektor und er ist Professor für Latein und Geschichte!“ Ehrfurchtsvoll nickte Andrea. „Leider ist er zeitweise verwirrt!“ Mit diesen Worten betrat sie das Zimmer. Ein großer, hagerer Mann stand am Fenster und sah hinaus. Als er sich umdrehte, sah sie in ein Adlergesicht - rassig, wie von einem Indianerhäuptling. „Nicola!“, stöhnte er gepeinigt, und sein Blick fraß sie auf.

 

„Das ist unsere Praktikantin Andrea!“, stellte Carolin sie vor. „Nicola!“, wiederholte er starr vor Entsetzen. „Gib mir meine Sonne wieder! Bitte Nicola!“ Oh, oh! Was für seltsame Menschen hier lebten. Ob sie diese vier Wochen überstehen würde? Sie war mehr als nur verunsichert. Seine geborstene Stimme klang noch immer in ihrem Ohr, als sie das Zimmer verließ. „Nicola! Bitte, Nicola!“

 

„Herr Schubert war nie verheiratet, aber man munkelte, er habe eine Geliebte gehabt. Zu seiner Zeit - undenkbar! Denn schließlich ist er schon 82 Jahre. Niemand weiß aber genau, ob das nicht nur ein Gerücht war. Keiner hat die Geliebte je gesehen! - Vielleicht war es ja Nicola!“ Carolin lachte. „Vielleicht hält er dich für seine Geliebte! Pass bloß auf!“ Sie schien das witzig zu finden, aber Andrea konnte über diesen Witz überhaupt nicht lachen.

 

Gott sei Dank blieben ihr die anderen Insassen erspart, denn jetzt musste sie zur Leiterin des Heimes. Sie sprach immer persönlich mit den neuen Praktikanten. Zuvor war ihr der Gedanke unangenehm gewesen, aber nun wusste sie nur eines sicher: Diese Frau war normal! Und das beruhigte sie ungemein.

 

Als sie am nächsten Tag anfing, teilte man ihr den Essensdienst zu. Frühstück machen und verteilen. „Mach du das nur für die vier, die du schon kennst. Ich übernehme den Rest!“, ordnete Carolin an und auf einmal hatte sie Magengrimmen. „Du kannst dir ruhig Zeit lassen!“, befand ihre Vorgesetzte. „Die Praktikanten sollen sich unterhalten mit den Leuten. Das lässt uns die Zeit, Wichtigeres zu tun!“ - Na wunderbar! Wie sie sich da aber freute. Abkommandiert zu den Irren. Hurra!

 

Zuerst war aber ja Frau Neidberg dran. Darauf freute sie sich wirklich. Und siehe da, es wurde ein nettes Gespräch. Am Ende schenkte ihr Frau Neidberg sogar eines ihrer Aquarelle.

 

Als sie Frau Ordners Zimmer betrat, saß diese in ihrem Stuhl und strahlte sie an. „Ich habe doch schon auf Sie gewartet, Andrea! - Anton hat mir erzählt: Sie hatten selber Zöpfe?“ Sie starrte sie neugierig an. „Ja, hatte ich!“, nickte Andrea und hatte auch schon die große Drahtbürste in die Hand gedrückt bekommen. „Endlich mal jemand, der das kann!“, flüsterte die alte Damen glücklich. „Wer hat denn heute schon noch Zöpfe?!“ - „Sagen Sie ruhig Andi zu mir!“, lächelte die Praktikantin und kämmte behutsam den dichten, grauen Haarschopf und flocht einen schönen, dicken Zopf daraus. „Ab sofort machst du mir meinen Zopf, Andi!“, bestimmt dieselbe Frau, die gestern noch am liebsten laut schreiend geflohen wäre. Und Andrea fand das Altersheim auf einmal gar nicht mehr so übel.

 

Vor Frau Mandelbaum fürchtete sie sich sowieso nicht. Sie war nicht so schlimm, wie die anderen meinten. Bestimmt nicht! Sie glaube ohnehin, sie und die alte Dame, hätten einen Draht zueinander. Warum sie das glaubte, das wusste sie allerdings nicht. Aber ihre Gefühle stimmten doch immer! Auf die konnte sie sich verlassen.

 

Zuerst sah sie sie gar nicht. Aber sie konnte sie spüren. Sie lag noch im Bett und hatte sich ganz und gar unter der Decke verkrochen. „Frau Mandelbaum?“, fragte sie vorsichtig. - Sie rührte sich nicht. Andi zog sich einen Stuhl neben das Bett und setzte sich zu ihr. Schließlich sollte sie ja mit den Leuten reden.

 

Ganz leise saß sie da und wartete. Man sagte, sie sei eine gute Zuhörerin. Auch verschlossene Menschen öffneten sich ihr, denn sie wusste, wie man die Seelen der Menschen zum Klingen bringt. Behutsam schob sie ihre Hand unter die Decke und berührte mit den Fingerspitzen weiche Haut. Frau Mandelbaum verwandelte sich in ein Brett. Sie konnte es spüren. Gespannt wie eine Feder, lag sie unter der Decke und wagte kaum zu atmen. Andi begann zu singen. So hatte sie immer ihren kleinen Bruder in den Schlaf gewiegt. Und siehe da, Frau Mandelbaums Kopf tauchte auf. Große Augen sahen sie erstaunt an. „Ich will nicht hier sein!“, klagte sie leise und Andi nickte. Sie würde es ihr erzählen - wenn sie soweit war. Es hatte keine Eile. Nach zehn Minuten ging sie.

 

Mittlerweile war längst hoher Nachmittag, und Carolin hatte ihr Essen verteilt. Und nun! - Oh ja! Es war ihr sehr mulmig, als sie sein Zimmer betrat. Aber Herr Schubert stand am Fenster und sah sie aus klaren Augen an. Es tut mir Leid, dass ich Sie erschreckt habe!“, begann er das Gespräch. Er war völlig bei Verstand. „Wissen Sie Fräulein Andi, Sie haben mich nicht minder erschreckt!“ Er ging auf sie zu und bot ihr mit einer Handbewegung Platz an. „Ich denke, ich bin Ihnen eine Erklärung schuldig.“ Eigentlich sprach er mehr zu sich selber, aber dann hob er den Kopf und sah in ihre Augen. „Ich habe noch nie darüber gesprochen - und ich würde es auch jetzt nicht tun, wenn ich Ihnen nicht so einen heiligen Schrecken eingejagt hätte. So aber schulde ich es Ihnen!“

 

Eine kleine Weile herrschte Schweigen zwischen ihnen. Was sollte sie dazu sagen? Dass er ihr nichts schuldete? Dass sie nicht interessiert war? So stimmte das aber nicht. Sie war interessiert! Aber sie wollte es ihm nicht schwer machen. Wenn er nicht wollte... Er war ihr nicht verpflichtet. Dann begann er leise zu sprechen.

 

„Eigentlich möchte ich es Ihnen erzählen. Einmal in meinem Leben möchte ich mit jemandem darüber sprechen! Einmal muss ich darüber reden!“ Er schluckte, dann stand er auf und holte sich ein Glas Wasser. Offensichtlich fiel es ihm sehr schwer, ihr sein Herz zu öffnen.

 

„Sie wissen, ich bin - war Lehrer?“, fragte er, aber er wollte keine Antwort. „Nicola war in meiner Klasse. Sie war Abiturientin und sie war so widerspenstig.“ Bei diesen Gedanken musste er lächeln. Nicola war seine Sonne gewesen. Die Sonne seines Lebens, das er bis dahin eigentlich immer als recht zufriedenstellend empfunden hatte. Aber durch Nicola erkannte er, dass ein himmelweiter Unterschied war, zwischen „eigentlich recht zufriedenstellend“ - und glücklich. So glücklich, dass er hätte jauchzen mögen. Diese junge Frau, die ihm ständig widersprach, so gescheit widersprach, dass sogar er ins Schleudern kam, öffnete sein Herz. „Wissens Sie, Andi, ich habe mich rettungslos und bis über beide Ohren in dieses Mädel verliebt, die mich eigentlich nicht einmal interessieren hätte dürfen! Und eigentlich dürfte ich Ihnen das auch nicht sagen.“ Er hielt inne und sah sie an. „Aber irgendwann, das wusste ich längst, irgendwann musste ich es jemandem erzählen!  Ich muss offenbaren, wie glücklich sie mich gemacht hat - und auch wie unendlich dankbar ich ihr bin - für dieses Glück, das mein Leben verändert hat!“

 

Nicola hatte ihn verzaubert. Immer mehr begann er, die Frau in ihr zu sehen. Immer weiter trat die Schülerin dahinter zurück. Sie war so offen. So spontan - und vor allem: Sie war so ehrlich! Sie ging nicht mit ihm um, wie mit einem Lehrer. Sie behandelte ihn wie einen Menschen - wie einen Mann! Und das gefiel ihm. Oh ja! Es gefiel ihm sehr. Immer öfter erwischte er sich dabei, dass er an sie dachte - in seinen Pausen, in seiner Freizeit. Immer tiefer drang sie ein, in sein Leben. In seine Gedanken und auch in seine Sehnsüchte. Und eines Tages erkannte er, dass es mehr war, viel mehr, das er von ihr wollte. Er begann sie behutsam und so unauffällig wie nur möglich zu umwerben. Und Nicola, die schöne Nicola, verlor nach kurzer Zeit des Staunens ihre Scheu. Sie ging mit ihm zum Essen, wenn er sie einlud. Sie ging mit ihm spazieren und langsam wurden sie immer vertrauter. Und dann - irgendwann - nahm er sie zum Abschied in die Arme und küsste sie auf den Mund. Nicht auf die Wange, wie sonst! Nein, es waren ihre Lippen, die er berührte - und der Blitz schlug ein und entzündete all seine Leidenschaft. Seine und ihre! Denn plötzlich spürte er, wie sie ihre Arme um ihn schlang und sich stöhnend an ihn presste. Das war der Beginn ihrer Liebe gewesen. Der Beginn ihrer Lust, denn von Stund an, gab es keine Zurückhaltung mehr zwischen ihnen.

 

„Sie ging nicht nach Hause in dieser Nacht, Andi!“ Jetzt flüsterte er, und sie saß fasziniert in dem dunkler werdenden Zimmer und lauschte seiner Lebensbeichte. „Sie hat mich begleitet - wortlos. Hinauf in meine Wohnung! Und ich wusste nicht, sollte ich jetzt in die Küche gehen und ihr ein Abendessen bereiten, oder sollte ich all meine Träume wahr machen? Und dann war sie es, die die Entscheidung traf. Sie hat mich überwältigt mit ihrer Zärtlichkeit, mit ihrer Lust.“ Einen Moment schwieg er. Aber jetzt war er schon so weit gegangen. Er konnte sich jetzt nicht mehr stoppen. Jetzt wollte er SIE in seinen Gedanken erneut zum Leben erwecken. „Wir standen hinter der Türe und ich schaute sie an - und sie sah wohl den Zweifel in meinen Augen, und sie wischte ihn weg. Sie hob ihre Hand und berührte mich.“ Er stöhnte und schloss die Augen, als könne er alles noch einmal fühlen, es noch einmal erleben.

 

„Ihre Hand... sie berührte ... mich. Sie näherte sich... tastete... fühlte... liebkoste... meine... meine... Männlichkeit.“ Andi strengte sich an, ihn zu verstehen. Es erschien ihr, als würde er nur noch die Lippen bewegen - lautlos - und doch wusste sie, was er sagte. Sie wusste es einfach! Ihr war beinahe, als hätte sie selbst diese Erfahrung gemacht, als wäre sie es gewesen, die ihm die Angst genommen hatte. Plötzlich verstand sie ihn - ihn und Nicola! Wie sehr musste sie ihn geliebt haben! „Was ist mit ihr geschehen?“, fragte sie genauso leise. „Warum haben Sie sie nicht geheiratet?“

 

Kraftlos fiel er auf den Stuhl. „Sie ist tot!“, stöhnte er. „Meine Nicola ist tot. Sie starb mit 23 und ich muss 83 Jahre werden!“ Langsam legte er den Kopf in seine Arme und rührte sich nicht mehr. Vielleicht weinte er. Nach einer langen Stille stand Andi auf und strich ihm über den Kopf. Er hatte immer noch dichtes, silbern glänzendes Haar. Dann ging sie leise hinaus.

 

Die nächsten Wochen ihres Praktikums gingen mehr oder weniger ereignislos über die Bühne. Wenn sie zu Herrn Schubert kam, erwähnte er ihr Gespräch mit keinem Wort. Nur manchmal hatte sie das Gefühl seine Augen hingen an ihr, wie an einem Rettungsring. Irgendwie fühlte sie sich sehr zu dem alten Mann hingezogen. Er war ihr vertraut, so als ob... Nein! Sie konnte es nicht einordnen, dieses Gefühl.

 

Und dann, an ihrem letzten Tag, kurz bevor sie sich offiziell verabschiedete von den Kolleginnen, ging sie zu ihm. Sie wollte ihn nicht verlassen ohne Abschied. Es war ein trüber Herbsttag, und es war schon dämmrig geworden, obwohl es erst vier Uhr war. Als sie sein Zimmer betrat, schien es noch dunkler als der Rest des Hauses zu sein, und sie hatte Mühe zu erkennen... Doch dann sah sie ihn. Herr Schubert stand halb abgewandt am Fenster und starrte hinaus - und Herr Schubert war nackt.

 

Sollte sie jetzt gehen? So tun, als habe sie ihn nicht gesehen? Vielleicht hatte er sie noch nicht bemerkt... Vielleicht war es ihm ja peinlich? Hin- und hergerissen wusste sie nicht... und dann drehte er sich um und sah sie an. Nicht verlegen. Nicht überrascht. So, als habe er auf sie gewartet. So als ob... Liebevoll! - Und in diesem Moment machte es Klick in ihrem Kopf. Eine überwältigende Zärtlichkeit für diesen hageren, alten Mann überkam sie. Wie schön er immer noch war. Aufrecht stand er da - würdevoll, wie ein alter Indianer. Sein Fleisch war straff und fest, sein Haar im Halbdunkel schlohweiß und dicht - und seine dunklen Augen zogen sie fast magisch in ihren Bann.

 

Wann war Nicola gestorben? Lange vor ihrer Geburt. War es möglich, dass sie und er... mehr als nur dieses eine Leben teilten? Wieso schwoll ihr Herz, wenn sie ihn nur ansah? Wieso fühlte sie sich so zu ihm hingezogen? Wieso stieß sie seine Nacktheit nicht ab? Im Gegenteil! Wie winzige Blitze durchzuckten diese seltsamen Fragen ihr Bewusstsein, konnten das Gefühl in ihrem Herzen aber nicht schmälern. Völlig mit sich selbst im Reinen ging sie auf ihn zu. - Lange sahen sie sich an - und dann war sie es, die den ersten Schritt tat.

 

Langsam hob sie ihre Hände und umfasste sein Gesicht, zog ihn zu sich herab. Keine Frage, kein noch so geringer Hauch von Fremdheit war zwischen ihnen, als ihre Lippen seinen Mund berührten. Wärme und Vertrautheit empfing sie, sinnliche Nähe - Erotik hüllte sie ein und ließ sie die Umgebung vollkommen vergessen. Zärtlich küsste sie ihn - erwiderte seinen Kuss, öffnete sich ihm und versank in der Gewissheit, ihn schon immer geliebt zu haben. Das Wissen um sein Verlangen versetzte sie in Ekstase. Das Gefühl seiner Zungenspitze, die in sie hineinglitt, die ihre zärtlich berührte... Es warf sie um! Wie sehr sie ihn begehrte! Aber das war doch völlig unmöglich! Er war ein alter Mann! Sie war ein junges Mädchen! - Und doch!

 

Sie wollte ihm diesen Liebesdienst erweisen. Eine letzte Wohltat! Sanft ließ sie ihre Hand von seiner Wange gleiten, den Hals hinab und über die glatte, haarlose Brust. Sie konnte die Gänsehaut spüren, sein Zittern. „Liebling!“ Atemlos flüsterte er ihren Namen. War es ihr Name? Langsam sank sie vor ihm auf die Knie. Ihre Hand war angekommen. Ja, sie wollte das tun! Zärtlich umfasste sie seinen halbaufgerichteten Dorn und drückte sanft. Seine Augen wurden noch größer - und nicht nur seine Augen! Kniend sah sie zu ihm auf. Sie wusste, wonach er sich sehnte!

 

Auf einmal war er kein alter Mann mehr. Für sie war er der Inbegriff der Männlichkeit - und sie war seine Frau! Behutsam tastete sie, fühlte, wie sich sein Glied mit Blut füllte, sich aufrichtete - unter ihren aufmerksamen Blicken. Ihre Fingerspitzen liebkosten ihn innig, glitten sanft um den schwellenden Stamm, liebten, reizten ihn. Andi hörte ihn stöhnen - verlangend. All ihre Leidenschaft gehörte ihm. Mit beiden Händen fing sie seine Hoden, rieb sie zwischen ihren Fingern - spielte. Sie spürte seine Blicke - neugierig wie weit sie bereit wäre, ihm auf diesem Weg zu folgen - und gleichzeitig hungrig nach mehr. Nein! Er würde sie niemals zwingen. Eher würde er verzichten auf das, wonach er sich so sehr sehnte!

 

Als sie sich verführerisch über ihre Lippen leckte, bebte seine Männlichkeit in ihren Händen. Vielleicht war sie ja Nicola. Vielleicht war sie wirklich seine Frau gewesen - in einem anderen Leben. Egal! Jetzt würde sie auf jeden Fall Nicola sein - für ihn! Sie schob seinen Phallus gegen den Bauch und beugte sich hinunter, schnupperte. Er roch so vertraut. Nach warmer Haut, nach Lust, nach Mann und Moschus. Zärtlich vergrub sie ihr Gesicht zwischen seinen Beinen, drückte ihre Nase gegen seine Hoden und griff zu.

 

Jetzt tat sie es nicht mehr nur für ihn. Sie wollte ihn besitzen - ihren Mann! Mit langen zärtlichen Strichen leckte ihre Zunge über seine Hoden. Wie aufregend er stöhnte! Eine Hand glitt zwischen seine Schenkel und spielte, und ihr Mund küsste sich über sein Zepter hinauf zur Spitze. Behutsam legte sie ihre Lippen auf die pralle Kuppe und schloss die Augen. Sie wollte ihn genießen. Speichel floss auf sein Fleisch, benetzte ihn und ließ ihn tiefer in ihren Mund hineingleiten. Zärtlich umhüllte sie seine Eichel und leckte inbrünstig.

 

Sie konnte sein tiefes Zucken spüren, als sie ihn sich hinein schob. Das war längst kein inniger Kuss mehr, den sie ihm schenkte. Jetzt war es Liebe! Sex! Es war die Besiegelung ihrer Verbindung - über dieses Leben hinaus. Und es war auch das, was sie wollte! Sie würde es ihm beweisen. Erregend intensiv lutschte sie an seiner Eichel, rieb ihre Zungenspitze an der empfindlichen Unterseite, saugte und stieß seinen Phallus immer tiefer. Sie nahm sich, was ihr zustand. Ihre Finger liebkosten ihn, eroberten seine geheimsten Winkel, reizten ihn bis zum Wahnsinn. Und sie schwelgte in diesem sinnlich-lukullischen Genuss und trieb ihn ganz bewusst zur Ekstase. Sie wollte ihn haben - schmecken - und sie würde ihn jetzt dazu bringen!

 

Immer tiefer stieß sie seinen schönen, steifen Schwanz hinein, saugte ihn in ihren Mund - und fühlte beglückt, dass er nun endlich seine Beherrschung aufgab, in ihren Rhythmus einfiel. Jetzt hatte er vergessen wo er war, war nur noch Mann - Liebhaber - und Andi erschrak nicht über den lauten Schrei, den er ausstieß, als er tief in ihr explodierte. Glücklich trank sie seine Liebesgabe und leckte ihn sauber. Als sie spürte, dass er schwankte, erhob sie sich und hielt ihn fest. Einen Augenblick lag der nackte Mann in ihren Armen, dann führte ihn zum Bett und half ihm hinein. Seine Augen strahlten. Sie küsste ihn zärtlich auf den Mund und flüsterte: „Gute Nacht, Martin!“ Dann verließ sie leise sein Zimmer.

 

Als sie das Haus verließ, wusste sie, dass er sie verlassen hatte, und sie fühlte sich einsam. Dennoch war sie glücklich, dass sie sich verabschiedet hatte von ihm. Dieses Mal hatte sie ihm Adieu gesagt: Ihrem Martin! Andi schüttelte ihren Kopf. War das nun die diskrete Befriedigung ihrer Lust gewesen – oder war es doch…

 

aber was immer es auch gewesen war, es war richtig!

 



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