Mitte Dreißig

 

Marten öffnete das Autofenster trotz des Nieselregens, der vor einigen Minuten eingesetzt hatte.....laut pfeifend fuhr er auf die letzte der Autobahnen, die ihn noch von Alexa trennte. Es dämmerte schon und er überließ sich seinen Gedanken.

 

Wie sie wohl aussah? Fast fünf Jahre hatten die beiden sich nicht gesehen – jetzt, zu ihrem 35. Geburtstag hatte sie ihn eingeladen, und da der triste Herbst keine weiteren Verpflichtungen für ihn bereithielt, folgt er der Einladung zum schulfreien Wochenende gerne.

 

Alexa – im Geiste sah er sie als Schulmädchen vor sich... Kurzhaarschnitt, sportlich gekleidet, bodenständig und strebsam... und auf geheimnisvolle Weise reizvoll für ihn. Sie war seine große Liebe gewesen, die erste und schmerzvollste Jugendliebe überhaupt. Sie, beinahe ein Jahr jünger als er, war es allerdings auch, die verhindert hatte, was eigentlich für sie bestimmt gewesen war: Aus Folgsamkeit hatte sie die Beziehung mit ihm beendet, noch bevor sie angefangen hatte. Außer heftiger Knutscherei, heißer Briefe und verdammt viel unerfüllter Sehnsucht war nie etwas gewesen zwischen ihnen… und doch... der Kontakt war nie abgerissen, per Post, per Fon und per Mail und Chat waren sie sich immer nah gewesen.

 

Die letzte kurze Begegnung auf dem Klassentreffen, gleich nach seiner Trennung von Nanica, war irritierend für ihn. Alexa, getrennt lebend, war ihm sinnlicher erschienen, weicher, nicht so durchtrainiert aber dennoch nicht fremder oder gar mütterlicher – obgleich sie inzwischen fast erwachsene Kinder hatte.

 

Marten hatte seine Unsicherheit ihr gegenüber mit ihrer Hilfe und einem guten Wein beiseite geschoben, eine ganze Nacht lang hatten sie sich ihr Leben erzählt, gemeinsames, wie auch einzeln Erlebtes ausgetauscht und bei allen unterschiedlichen Interessensbereichen eine ähnliche Prioritätenordnung im Leben festgestellt.

 

Noch zwölf Kilometer – gar nicht weit vom Küstenstreifen lebte Alexa nun. Marten spürte eine kribbelnde Gespanntheit. Er hatte sich dieses Wochenende mehr als verdient. Ausspannen, Luft holen, ohne Schülerzwist und Korrekturstress, ein bisschen feiern, ganz viel Ruhe, unkompliziertes Zusammensein mit Alexa – als Lehrer sehnte er sich manchmal nach Geborgenheit, einem Nest, in dem er nicht pausenlos tonangebend, stark und konsequent sein musste, nach einer Form der Familie, die nicht spießig angepasst, sondern beschützend und Ruhequell in sich wäre.

 

Familie! – Marten seufzte kurz.... bisher hatte sich die einfach nicht ergeben, entweder war er der babysittende Kumpel von nebenan, herzensgut und immer zur Stelle, oder er sollte sich der jeweiligen Herzdame gegenüber immer gleich festlegen - auf mindestens zwei Kinder und das möglichst binnen dreier Jahre. Er war geflüchtet. Jedes Mal.

 

Alexa – hui, ob sie sich erinnerte, was sie vor grob geschätzten zwanzig Jahren gelobt hatte? Er würde sie – wenn die Party es erlaubte -  fragen, ob sie noch wusste, dass sie ihm damals eine Tochter versprochen hatte, für den Fall, dass sie beide bis „Mitte Dreißig“ keinen Anhang gefunden hatten. Er schmunzelte über das enthusiastische Versprechen.

 

Marten parkte den Wagen vor der unauffälligen Haushälfte in einer ruhigen Seitenstraße, griff nach dem alkoholischen Geschenkeset, schaute kurz prüfend im Rückspiegel in sein rasiertes, leicht gebräuntes Gesicht, nickte sich zufrieden zu und stieg aus.

 

Mit langen Schritten durchquerte er den nassen Vorgarten und drückte den Klingelknopf.

 

Alexa öffnete sofort und überbrückte die erste aufkommende Schüchternheit mit einer herzlichen Umarmung. Mit einladender Geste bat sie ihn ins Haus und schloss die Tür sorgfältig, bevor sie ihn ins lichtgedimmte, kerzenscheindurchflutete und vom prasselnden Kamin erwärmte Wohnzimmer geleitete.

 

Marten war vom Duft der Wohnung und ihrem Anblick gleichermaßen überwältigt, überreichte das noch immer in seiner Hand gehaltene Mitbringsel und kam sich einigermaßen linkisch vor. Alexa aber bewahrte ihn lächelnd erneut vor jeglicher Peinlichkeit, sah ihm in die Augen und führte ihn mit einer beruhigenden Leichtigkeit zur gewaltigen, glänzendbraunen Ledercouch in der Mitte des Raumes.

 

Sie schien ihm schlanker, wendiger als beim letzten Treffen, zeigte ihr pagenkopfartiges, mit unregelmäßigen längeren Strähnen akzentuiertes dunkelblondes Haar duftig offen und trug ein Kleid, das er ihr in dieser Offenherzigkeit nicht zugetraut hatte. Das Dekolletee einladend betont, tiefrot und samtig, mit Taillenkorsett und einem aufreizenden Spitzenbesatz oberhalb der Knie.

 

Leicht benommen vom Unerwarteten, fand Marten dennoch seine Stimme wieder, gratulierte ihr feierlich zum Ehrentag und bejahte erleichtert einen kleinen Willkommenstrunk, den sie ihm anbot

 

Als sie ihm das Glas anreichte, streiften sich ihre Hände kurz – Marten fühlte die Berührung wie den sprichwörtlichen elektrischen Schlag, konnte seinen Blick kaum abwenden und war innerlich eher erleichtert über das augenscheinliche Ausbleiben weiterer Gäste.

 

Alexa – so vertraut im Chat, wenn sie ihm Hilfe angeboten, ihn getröstet, ihm Mut gemacht hatte, die ihn bedauert oder gelobt hatte – was verstörte ihn in diesem Augenblick so an ihr?

 

Was machte den so selbstsicheren, allen Situationen gewachsenen, spontanen Marten zum weichen Spielball für ihre – unausgesprochene – Regie?

 

Verunsichert und doch ganz ruhig stellte Marten für den Bruchteil einer Sekunde bei sich fest, dass es sich trotz aller Überraschung „richtig“ anfühlte, was geschah. Er merkte, dass er sich aufgehoben fühlte, sich entspannen konnte.

 

Sie setzte sich kurz über Eck ihm dicht gegenüber auf die Couch, griff nach seinen Händen und sah ihm erneut in die Augen. Ihre Augen – bernsteinfarben, mit dunklem Kranz um die Iris,  ganz natürlich von dunklen, dichten Wimpern umgeben – hatten ihm schon immer Herzschlagungereimtheiten verursacht und sein Hirn arbeitete wieder nur noch auf Anweisung mit sämtlichen Sinnen zusammen... diese unglaublichen Augen fingen ihn nun auf. Er spürte, wie ihre warmen, weichen Finger seine  Unterarme emporstrichen, bis in die Armbeugen, seinen Ellenbogen umfingen und ihren zierlichen und doch griffigen Körper in seine Richtung zogen. Sie erhob sich und nahm mit fragendem Blick seitlich auf seinen Knien platz, aufmerksam nach seiner Reaktion forschend. Marten schloss zustimmend kurz die Augen. Er fühlte seinen – oder ihren? – Puls auf seinen Oberschenkeln, ließ ihren Oberkörper an seinen sinken und strich ihr Kleid sorgsam glatt, bevor er sie mit beiden Armen umfasste und noch näher an sich heranzog.

 

Minutenlang überließen sie sich der gegenseitigen Wärme, genossen die Nähe des anderen und lauschten nur auf die sich anpassenden Herzschlag - und Atemgeräusche.

 

Martens Atem flatterte in ähnlichem Maße wie seine Hose im Schritt – er war nach allem Erstaunen fast nicht weiter überrascht, als er plötzlich ihre Lippen auf seinen spürte; das altvertraute unruhig-neugierige Zucken ihrer Zunge, ihr unschuldiges und doch gieriges Verlangen nach seiner Erwiderung. Wie vor Jahrzehnten griff er mit einer Hand nach ihrem Hinterkopf, streichelte ihren Schopf während des Kusses und wie als Teenager schmiegte sie sich in diese Bewegung.

 

„Marten?“ Ihre leicht raue Stimme ließ ihn aus seinem beginnenden Versinken aufhorchen. „Marten, ich wünsche mir heute mit dir einen unvergesslichen Tag!“

 

Unfähig jeglicher Worte, drückte er sie – fast unmerklich und doch eindeutig – an sich. Alexa rückte herum, setzte sich nun rittlings auf seinen Schoß und begann langsam, aber fordernd, sein sorgfältig ausgewähltes Hemd vom Kragen her aufzuknöpfen. Nach jedem Knopf hielt sie kurz inne, neigte den Kopf leicht und küsste die sichtbar gewordene, glatte Haut mit sanfter Bewegung, bevor sie ihm das Hemd aus der Hose zog und ihn ganz selbstverständlich des Stoffes entledigte. Da er sie auch im Sitzen noch um mehr als Haupteslänge überragte, war es ihr nun ein Leichtes, ihren kleinen festen Busen an seine empfindliche, nackte Brust zu schmiegen und ihren Kopf zärtlich an seine Schulter sinken zu lassen während ihre Arme seinen Hals umschlangen. Allerdings nicht ohne mehr oder minder zufällig seine beiden Brustwarzen zu streifen und in starr aufgerichtete, glühende Punkte zu verwandeln.

 

Marten lehnte sich leicht zurück – auch um der enger werdenden Hose nebst Inhalt mehr Raum zu schaffen – und schloss erneut die Augen.

 

Nach wie vor fühlte er sich – all dieser unerwarteten Geschehnisse zum Trotz – sicher aufgehoben und traute sich nun seinerseits, sie direkt zu berühren.

 

Ihre Haut an Hals und Schultern, das ausgeschnittene Kleid – ein kurzer, elektrisierender Streichler bis in den Rand ihres Kragens, über die Festigkeit des Korsettstücks, übergehend in ihren wohlgeformten, hervorspringenden Po unter dem Kleid.

 

Marten fuhr mit beiden Händen parallel an ihrem Körper hinab, vom Po in Richtung Oberschenkel und Kleidende – und auf die nackte Haut ihrer Beine. Vorsichtig, ganz vorsichtig bis zum Knie, um dann Zentimeter für Zentimeter in die entgegengesetzte Richtung wieder zurück zu streichen.

 

Ihre aufgerichteten Härchen wiesen ihm den richtigen Weg. Zärtliche Millimeter bis zum Kleidansatz, die Wärme ihrer Haut aufnehmend auf der Oberseite der Oberschenkel weiter, ohne Unterbrechung zur Außenseite hin  – fühlte er  wirklich kein Höschen?? – über ihren Po gestreichelt...

 

Marten versuchte atemlos einen kurzen Blick auf sie zu werfen, wurde jedoch sofort mit sanft bestimmenden Küssen daran gehindert, registrierte ihre Hände an seinem Hosengürtel, tastete sich an ihr weiter vorwärts.

 

Am Steiß bekam er die Schnürung des Korsetts zu fassen, zog die Bänder ganz langsam auf und lockerte die zauberhafte Umhüllung.

 

Er hielt inne, atmete bewusst und konzentriert ein und aus, bevor er Alexa umschlang, sich selbst und sie behutsam auf die Füße stellte und ihr mit einer flüssigen Bewegung das Kleid abstreifte. Ganz natürlich und vollkommen nackt stand sie vor ihm, entzückend weiblich, ihre runden hochangesetzten Brüste, wie die ganze zierliche Gestalt mit einer Gänsehaut überzogen, die die mädchenhaft kleinen Brustwarzen besonders hervorstehen ließ, die Arme in Richtung seiner Hüfte gestreckt – wie zum Festhalten. Sein Blick schweifte tiefer, zum sorgsam rasierten Dreieck auf dem Schamhügel, zum großen sichelförmigen Leberfleck an der linken Leiste – warum kam er ihm so bekannt vor? Hatte er sie als unschuldiger Jüngling etwa doch schon einmal bis hier… oder warum kannte er dieses „Geheimnis“??? – bis hin zu ihren leicht gebräunten Beinen und den Füßen mit den dezent lackierten Nägeln.

 

Völlig gebannt vom Anblick, gefangen in seiner Begeisterung fühlte er seine Hosen fallen, behutsam über seinen aufgerichteten Penis geschoben und dann der Schwerkraft überlassen.

 

Marten spürte ihre fordernden Blicke, ihre plötzlich kühlen Hände huschten von seiner Hüfte in Richtung Nabel und von dort mittig hinab zu seinem pulsierenden, wiedererweckten und nun voll erigierten Glied. Er kam nicht dazu, ihrem ruckartig ausgestoßenen Atem länger zu lauschen, weil sie sich plötzlich niederhockte und er ihre Lippen auf seinem Unterleib spürte.

 

Er hielt die Luft an.

 

Unterhalb des Nabels schien sein Körper durch ihre Berührungen zu brennen.

 

Sie küsste, hinterließ einen heißen Pfad nach unten, bevor er sie an seiner Eichel fühlte. Ganz sanft schob sie sich mit der Zunge unter seine minimal beschnittene Vorhaut und reizte ihn mit kreisender Bewegung zu einem wohligen Aufseufzen. Mit kleinen entschlossenen Bewegungen der Lippen brachte sie ihn zum Brodeln, ihre Zunge ließ ihn beinahe jetzt schon die Kontrolle verlieren. Er stöhnte. Alexa ließ ihn los, richtete sich auf und blickte zu ihm hoch.

 

In enger Umarmung ließen sie sich wieder auf der breiten, eiskalt scheinenden Couch nieder. Die Frau in seinen Armen erschauderte kurz, folgte aber seiner sanften Führung und legte sich neben ihn. Seitlich aufgestützt hatte Marten nun eine Hand frei, mit der er ihr zärtlich die Haarsträhnen von Gesicht und Hals strich, um dann auf Erkundungstour über ihren Körper zu gehen. Sie schloss die Augen und überließ sich Marten vertrauensvoll.

 

Erregend wanderten seine Finger über ihren Busen, liebkosten die kaum markstückgroßen Warzenhöfe und ihre sehr dunklen Brustwarzen nacheinander und glitten weiter über die samtweiche Haut ihres Bauches, der wie ihr ganzer Körper von einer entzückenden Gänsehaut überzogen war. Marten spürte das ewig vermisste Verlangen, mehr von diesem kostbaren Körper zu fühlen, sie überall gleichzeitig zu berühren, anzufassen, zu riechen und zu schmecken - als Alexa sich zu ihm hochzog und ihn küsste.

 

Sie dirigierte ihn seine Position zu verändern, zog ihn näher an sich, zwischen ihre Beine und umfing ihn mit ihren Schenkeln. Marten lag nun beinahe auf ihr, fühlte den Gleichschlag ihrer Herzen, etwas schneller als normal vielleicht, aber unglaublich vertraut und friedlich.

 

Er löste sich vorsichtig von ihr, und schob sich, beidhändig ihren Körper streichelnd auf seine Knie. Noch immer umgeben von ihren Beinen konnte er seinen zärtlichen Weg fortsetzen, über die Leisten – die kleine braune Sichel küsste er zusätzlich und nahm dabei erstmals den süßlichen Duft in unmittelbarer Nähe wahr. Seine Hände wurden magisch angezogen. Etwas zittrig strich er zum allerersten Mal ganz behutsam über ihren pulsierenden Schambereich.

 

Zurückversetzt in jugendliche Faszination intensivierte er diese Bewegung, zog mit seinen Daumen ihre Lusthöhle etwas auf und erblickte ihre rosigen, vor Erregung leicht geschwollenen und feuchten Schamlippen.

 

Ihr hörbar eingesogener Atem signalisierte ihm, dass seine Neugier ihr gefiel.

 

Mit einer Hand öffnete er ihre Lippen abermals, fuhr mit einem Finger der anderen durch den Spalt und näherte sich ihrer im Kerzenlicht glänzenden Perle. Ganz vorsichtig kreiste er sie ein, berührte sie kaum – und doch genug, um Alexa wohlig wimmernd zusammenfahren zu lassen.

 

Ihre spürbare Spannung ließ auch Marten erschauern. Ganz langsam hob er sich mit dem Oberkörper über Alexa, bis sein völlig aufgerichteter Penis genau vor ihrer pochenden Scheide stand.

 

Beide konnten die Lust des anderen fühlen, die Gier und Neugier, den Wunsch nach Einigung, die Kraft des Gemeinsamen.

 

Sie genossen den Augenblick, bevor Alexa ihren Oberkörper hochdrückte, sich an Marten presste und ihn dann mit dem Druck ihrer Oberschenkel langsam in sich hineinschob.

 

Sie hielt den Atem an, fühlte ihr Ausgefülltsein, seine Wärme und Größe und gleichzeitig die Kontraktion ihres Beckenbodens.

 

Marten drang tief ein, gespannt und erleichtert, glückselig und atemlos, gehalten und zärtlich gedrückt.

 

Sie sahen sich in die Augen und wachen Blickes brachte Marten sie beide mit wenigen, kleinen Bewegungen in ungeahnte Höhen ihrer Erregung.

 

Dieses – noch so jungfräuliche –  Gefühl des Gemeinsamen, diese unglaubliche Spannung, die Magie ihrer Körper…

 

Gemeinsam aufstöhnend entlud sich der Liebende in Alexa, die ihn mit aller Kraft an und in sich drückte.

 

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Erst viel später am Tag, als sie erfrischt und glücklich nebeneinander lagen, ein Glas von Martens mitgebrachtem Wein genießend, fragte Alexa, ob Marten sich wohl noch an ihr altes Versprechen erinnerte? 

 

© MIKA