30° Grad - Martin

Es muss an der Hitze liegen! Anders kann ich es mir nicht erklären. Nein wirklich nicht.
Dabei sollte es doch ein Anstandsbesuch werden bei meiner neuen Nachbarin, und nun ...
 
... habe ich einen Engel an meinem Hals, einen verführerischen dazu, der mich küsst, heiß und innig. Sie trägt eine samtartige Augenbinde - mit integrierten Katzenohren? Um mich dreht sich die Welt. Alles scheint zu verschwimmen, und ich sehe nur noch sie. Sie, wie sie mit Augenbinde und leicht geöffneter Bluse an meinen Lippen klebt, mich verlockend küsst. Mir bleibt die Luft weg. Ihre Zunge sucht und findet, ich kann einfach nicht widerstehen. Was für eine Frau!
 
Sie zieht mich an meinem leicht geöffneten Hemd in ihre Wohnung und ich folge widerstandslos. „Oh Martin, mein Liebster, ich hab so auf dich gewartet!“, murmelt sie.  Wie schmerzlich für mich, denn ich bin nicht „Martin“. Wie gerne wäre ich es! Nur für ein paar Sekunden länger – bin ICH ER  - „Martin“.
 
Für sie bin ich Martin – ihr „Bettman“! Für sie wäre ich auch gerne Superman.
Sie drückt mich aufs Sofa. An ihrer Augenbinde sind tatsächlich Katzenohren! Sie setzt sich auf mich. Aus dem Engel wird eine Katze die sich geschmeidig an mich schmiegt. Sie bäumt ihren Oberkörper auf, lässt ihre Bluse nach hinten fallen. Rot geschminkte Nippel, verführerisch wie nie. Liebevoll hergerichtet für ihn - und ich bin nicht Martin!
 
In was für eine Situation bin ich geraten? Ich will, muss es ihr sagen und doch geht es nicht.
Sie hat mich! Ich bin wie gefangen. Sie hat mich an meiner empfindlichsten Stelle gepackt. Oh mein Gott! Oh mein Gott ist sie … heiß … feucht …  wild … nass. Sie will mich! Sie treibt mich an! Der mitgebrachte Blumenstrauß entgleitet mir.
 
Alles entgleitet mir! Es gibt nur noch sie und mich!
Alles entgleitet, gleitet hin zum gemeinsamen Höhepunkt.
 
Ihre Krallen tief in meiner Brust – ein Brandmal.
Erschöpftes Keuchen - sie auf mir. Sie ruht, schöpft neue Kraft.
Es gibt nur sie und mich.
 
Und Martin der zur Haustür hereinkommt!
Verdammt, ich muss weg!

Vorsichtig bugsiere ich mich unter ihr hervor, ziehe hastig meine Kleider zurecht. Noch immer liegt sie wohlig schnurrend auf dem Sofa.
 
Zusammengerollt wie eine Katze.
Selig schlafend.
 
„Schatz, es hat ein wenig länger gedauert – ich steckte im Stau fest!“,  höre ich noch seine Worte kurz bevor ich über den Balkon flüchte.
 
 
Das alles ist letzten Freitag passiert. Seitdem habe ich mich nicht getraut sie wiederzusehen. Ich sitze hier auf meiner Terrasse, und es erscheint mir wie ein Traum. Ich kann sie nicht vergessen. Ihre roten Nippel tanzen noch immer vor meinen Augen - jedesmal, wenn ich sie schließe.
 
„Sie sind mein neuer ... Nachbar – richtig?“
Bei diesen Worten zucke ich zusammen, weiß ich doch, dass sie es ist. Langsam drehe ich mich um – zur ihr.
 
„Richtig!“ Unwillkürlich muss ich schlucken: „Mein Name ist …“
„MARTIN?“, unterbricht sie mich.
 
„Nein! Leider nicht!“ Meine Stimme kratzt. Energisch raffe ich mich auf: „Nicht wirklich! Mein Name ist …“
 
„MARTIN!“, wiederholt sie bestimmend, aber setzt sanft fort: „Übrigens Martin … vielen Dank für die Blumen!“
Auf ihren Gesicht liegt ein wissendes Lächeln, dann dreht sie sich um und geht.
 
 
© Azraela

 

 







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