30° Grad


Raphael Gensert liest BvS





 

 

Es ist neun Uhr und ich bin gerade aufgewacht.

Ich schwitze. 30° Grad im Schatten.

Gott sei Dank habe ich frei.

Gut, dann springe ich jetzt unter die Dusche und kühle mich ab.

Lauwarmes Wasser läuft an meinem Körper entlang,

und ich fühle mich endlich wieder wie ein Mensch.

Eigentlich will ich gar nicht wieder raus hier.

Trotzdem, ich bin hungrig.

Abtrocknen ist nicht.

Ich ziehe mein kurzärmeliges, weißes Lieblingshemd aus dem Schrank

und schlüpfe hinein – das genügt.

Es klebt an mir, aber noch fühle ich mich wohl.

In der Küche schnappe ich mir ein Joghurt aus dem Kühlschrank

und lasse einen Espresso aus dem Automaten.

Mit der Zeitung unter dem Arm betrete ich die Terrasse.

Ich habe gestern vergessen die Markise einzuziehen.

Gut so!

 

Der leise Wind auf der noch feuchten Haut tut gut,

und ich setze mich in den Liegestuhl und blättere.

Wann habe ich schon mal die Zeit gemütlich Zeitung zu lesen?


„Tom? Hast du eine …“

Ihre Frage hängt in der Luft, und ich sehe auf.


Vor mir steht Sasha, meine Nachbarin, und sie starrt mich an.

Um genau zu sein, sie starrt zwischen meine Schenkel,

dahin, wo es gerade jetzt eigentlich nichts zu sehen gibt.

Unter diesem Blick ändert sich das allerdings schnell.

Ein Schauer überläuft mich, als ich sehe,

wie steil ihre Knospen sich durch dieses kurze, rote Etwas bohren,

das sie trägt.


„Was brauchst du, Sash?“


„Ich wollte mir Eistee machen und brauche eine Zitrone!“

Ich stehe auf.

Ich habe Zitronen in der Küche.

Sasha geht hinter mir, und mir ist plötzlich sehr bewusst,

dass ich nur dieses kurze Oberhemd trage

und darunter barfuß vom Hals bis zu den Zehen bin.

Ich kann ihren Blick spüren.

Er brennt wie Feuerglut von meinen Hinterbacken

über die Oberschenkel in die Kniekehlen.

Und noch etwas anderes kann ich fühlen.

Mein Schwanz lugt schon recht deutlich unter dem Hemd hervor.

Ich muss grinsen.

 

Schwungvoll drehe ich mich um, eine Zitrone in der Hand

und recke sie meiner Nachbarin entgegen.

Sasha sieht die Zitrone nicht an,

und ausgerechnet da spüre ich den Zipfel meines Hemdes kitzeln.

Himmel, ich muss schon wieder grinsen.

Sie sieht aber auch gar zu süß aus.

Anbetungswürdig.

Und wie fasziniert sie meinen neugierigen Ständer mit den Augen vermisst!

Irgendwie inspiriert sie mich wirklich,

und das blöde Hemd wird immer kürzer!

Der Wind frischt auf, und obwohl es heiß ist wie die Hölle,

fühle ich mich richtig gut.

 

„Willst du nun Eistee - oder vielleicht Eiskaffee?“

Ich deute auf die Espressomaschine,

und dieses kleine, freche Biest feixt über alle vier Backen, als sie antwortet:

„Eiskaffee ist gut.- Hast du Sahne dazu?“

In Gedanken hat sie den „Sahnespender“ wohl schon im Mund!

Aber bevor ich mir noch darüber klar bin, dass ich bisher nur glaubte,

der Tag sei heiß, wird mir richtig heiß.

Meine bildhübsche Nachbarin geht vor mir in die Knie und greift kichernd zu.

„Da bekommt doch der Begriff

„Sahnesteif“

plötzlich eine ganz neue Bedeutung, Tommiboy!“


Ja, was soll ich sagen?

Eigentlich hat sie Recht!

 

© BvS