Endlich



© Sinnenflut



 

... wie dieser Mann mich in seinen Bann zog, seit unserem ersten Augenkontakt! Ich hatte immer das Gefühl, dass unter dieser scheinbar eiskalten Hülle ein Vulkan brodelte, den ich erobern müsse. An dieser Eroberung arbeitete ich bereits seit längerem. Amand, Engländer mit französischer Mutter, lebte schon einige Jahre in unserer Stadt. So lange kannten wir uns auch. Mich faszinierte immer wieder seine Mischung aus leichtlebigem, französischem Charme und englischer Steifheit, hinter der er alles versteckte. Mein Verlangen nach Amand, diesem wunderschönen Mann, wuchs mit der Zeit und nahm nicht ab. Immer, wenn ich frustriert aufgeben wollte, kam er mir einen Schritt entgegen. Mit einem kleinen, fordernden Lächeln, einem bezwingenden Blick oder einer flüchtigen Berührung. Mehr geschah nicht zwischen uns. Seine Augen, grau-blau mit langen Wimpern, wie bei einer Frau, konnten so herrlich verführerisch flirten. Dieser muskulöse, formvollendete, durchtrainierte Körper hatte es mir angetan - beherrschte mein Denken. Wenn ich an Amand dachte, waren alle Sinne auf Sex ausgerichtet, animalischen, besitzergreifenden, fordernden Sex! Seine sinnlichen, heißen Lippen sollten mich in den Wahnsinn treiben.  Das wollte ich! Davon träumte ich, und das schürte mein Verlangen.

 

Satt und zufrieden tupfe ich mir mit der Serviette über den Mund. Mein Blick bleibt an seinem Gesicht hängen. Ja, es stimmt mich zufrieden. Der Mann an meinem Tisch, Amand, dieser gute Freund mit sehr sinnlicher Ausstrahlung, hat mich heute zum Dinner eingeladen. Meine Freude vermittelt mir berauschende Sinnlichkeit. Einen ganzen Abend an seiner Seite, ein Geschenk!

 

In den letzten Monaten schrieb er an seiner Dissertation. Trotzdem fand er die Zeit, ab und an mit mir zu telefonieren und - nach dem Austausch allgemeiner Neuigkeiten - zu flirten. Flirten am Telefon! Inzwischen erwartete ich seine Telefonate mit wachsender Begierde. Meine Enttäuschung war groß, wenn es nicht er war, wenn es läutete. Die Hoffnung stirbt zuletzt... wusste ich und wartete auf den Moment des Aufbrechens seiner Begierde. Ich wartete auf diese Herausforderung. Ich würde sie annehmen und wollte sie unter allen Umständen bestehen.

 

Während des Dinners flirte ich mit ihm. Er bleibt scheinbar kalt, dafür simmert meine Hitze, kurz vor dem Ausbruch, knapp unter der Haut. Der Mann macht mich noch wahnsinnig!

 

Vor einem dreiviertel Jahr hatte ich ihn zufällig gesehen. Damals, in der angesagten Disco, beobachtete ich ihn heimlich. Er umwarb eine schlanke schwarze Katze. Sie spielte, setzte sanft ihre Krallen ein. Geküsst haben sie sich nicht! Zum Glück, ich hätte ihr die Augen ausgeratzt, so eifersüchtig wie ich reagierte. Einige Wochen ignorierte ich seine Anrufe oder hatte immer wenig Zeit zum Plaudern. Heute ärgerte ich mich darüber, denn diese Katze hatte sich bei einer Bekannten ausgelassen, dass nichts gewesen wäre und er sie im Regen stehen gelassen hatte. Das versöhnte mich wieder.

 

Und jetzt, jetzt bin ich total high! Ich bestehe nur noch aus Schmetterlingen! Ich schwebe und bleibe ganz cool! Gebe mir große Mühe, mir nichts anmerken zu lassen. Vorhin, beim Dessert, kam seine Hand über den Tisch. „Excuse me! Du hast da etwas... Sahne an deinen Lippen.“, wischte sie mit dem Finger ab und hielt ihn sich vor den Mund. Lüstern, wirklich lüstern war sein Blick, als er die Sahne von seinem Finger schleckte. Mir schoss die Röte vom Hals ins Gesicht. „Doreen, du bist die entzückendste Lady, die ich kenne... endlich taust du langsam auf, bist nicht so... so... reserviert... unnahbar wie sonst. Du siehst heute besonders bezaubernd aus!“ Ich habe das Gefühl, ich werde leuchtend rot wie eine reife Tomate. Er küsst meine Fingerspitzen... „Darf ich dich noch auf einen Mokka einladen?“ Ich nicke nur.

 

Wie wir in seine Küche gekommen sind weiß ich nicht. Er kocht türkischen Mokka und flachst und flirtet, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Lüstern gleitet meine Zungenspitze über die Lippen. „Das hat Konsequenzen!“, flüstert er an meinem Ohr und lächelt, dass mir der Verstand abhanden kommt. Ich bin mir vollkommen klar darüber, welche Konsequenzen er meint. Das will ich! Und wie! Süchtig hängen meine Augen an seinen Lippen, als er einen Kuss auf meinen Mundwinkel haucht. Sacht fühle ich diesem Hauch nach, ziehe seinen Kopf ohne Widerstand zu mir und verlange: „Mehr!“ –

 

„Wieviel... mehr?“ Seine Stimme, rau vor Verlangen, „Darling, sag,... wieviel MEHR sein soll...“ Ich bringe kein Wort hervor, beiße leicht in seine Unterlippe, lege meine angestaute Sehnsucht in diesen Kuss, ergebe mich seiner sinnlichen Dominanz. Kräftige Hände heben mich auf die Arbeitsplatte, streifen die Träger des Top über die Arme... nun wehre ich mich doch. „Nicht so schnell... bitte... ich möchte genießen!“

 

„Ja, kannst du... später... seit unserem... ersten Kontakt...“, verlangend umfassen seine Hände meine Brüste, kneifen zart die prallen Knospen zwischen den Fingern, dass ich aufstöhne. Seinen Kuss spüre ich als ziehendes Verlangen im Unterleib. Wahnsinn, so war ich noch nie begehrt, gefordert, überwältigt worden. Der Inhalt meiner feuchten Träume könnte sich erfüllen. „Ich begehre dich! Vom ersten Augenblick an... hmmm, diese süßen Knospen...“ Er knabbert, saugt... mir stockt der Atem vor Erregung, die Hitze staut sich weiter unten. „Darling, Doreen... bitte verzeih, aber ich muss dich haben... jetzt!“ In fliegender Hast befreit er mich von meiner Kleidung, trägt mich auf sein großes französisches Bett. Interessiert sehe ich zu, wie er sich entblättert... bis auf den Slip, den ich fixiere. Ich denke noch – „lecker!“, dann lande ich schwungvoll auf dem Bauch, werde meines Slips und des BHs entledigt. Besitzergreifend fassen seine Hände nach meiner Brust. „Baby, du bist so weich und sanft, lass mich schauen, wo noch...“ 

 

Langsam wandert seine Hand über meinen Bauch, streift den Nabel. Tastet sich durch die begehrende Hitze, bis ich stöhne und mich vor Verlangen winde. Ich will mehr! Seine Männlichkeit und Härte möchte ich spüren. Er gibt sie mir nicht! Steigert nur die süße Qual meiner Erregung und Sinnlichkeit. „Oh, Darling, Baby, warte, noch ein wenig... gleich... du bist so wunderbar... so, voller Verlangen!“ Ich stöhne, als sein Mund mein geschwollenes Fleisch berührt. Sorgfältig, mit Genuss, lässt er wie ein Kater, der die Sahneschüssel ausschleckt, seine Zunge immer wieder in meinem Nest wandern, um dann alles zu verschlingen. Er saugt, knabbert, lässt seiner Begierde die Zügel schießen! Mich heben Wellen der Lust an, tragen mich in das Land der Träume. Ich zerfließe, werde neu geboren, um wieder und wieder zu vergehen.

 

Haltsuchend umklammern meine Hände das Laken, das ich mir in den Mund gestopft habe, um meine Lustschreie zu dämpfen. Er gibt nicht auf, streichelt mein pralle PErle und versenkt langsam, millimeterweise seine Finger in meineer feuchten Grotte. Als er endlich ankommt, schreie ich erneut. Das Trommeln und die heiße Berührung meines Juwels lässt meinen Körper zittern und beben. Tief aus meinem Innern steigt ein Schluchzen... ein Wimmern, bis ich mich ergebe und Wogen der Begierde in mir fluten, an meine Grenzen stoßen, sich überlagern, auftürmen, in die Höhe peitschen. In mir tost ein Orkan! Mein Ich im Zentrum wird ruhig, ausgeglichen, friedlich, still. Er trägt mich nach oben!  Ich tauche ein, in eine neue Erlebniswelt des Seins. Ich halte aus, spüre die nächste Flutwelle kraftvoll, doch sanft anrollen, wieder und wieder werde ich mitgerissen, bin im unendlichen Fließen der Sinnlichkeit gefangen - reine Empfindung.

 

Unbewusst nehme ich sein langsames Eindringen wahr. Heiß füllt er mich aus, taucht ab, hebt mich über die Flutwellen, schenkt Licht. Gleißendes Licht wird zu heißer Lava, zu Feuer, zu alles verzehrenden Flammen der sündigen, sinnlichen Hölle. Ich löse mich auf! Amand, der Vulkan hatte mich besiegt, besitzergreifend, verzehrend verschlungen. Meine Definition von Lust, Sinnlichkeit und Begierde, will ich ab heute nur noch durch ihn erleben.

Mein Liebster, mein Leben!

 

Ich fühle mich wohl, geborgen und zu Hause in diesem sinnlichen Wahnsinn.

Davon habe ich jahrelang geträumt.

 

„I love you, Amand!“

 

© murr 21.10.2009