Gedanken einer 16-jährigen Jungfrau

Erinnerung an eine große Liebe


Ich sehe dich - und mein Herz hüpft. Mein Magen dreht sich um und der kalte Schweiß bricht mir aus. Was ist das nur? Grippe? Jedes Mal werde ich kreidebleich und mir wird schlecht. Ich versuche mich so klein, wie nur möglich zu machen. Nur nicht auffallen. Bitte! Du siehst mich gar nicht! Am Liebsten wäre ich gar nicht da - oder doch? Was wäre, wenn wir alleine wären? Wäre mir dann wohler? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich nicht verzichten kann – auf dich. Ich möchte dich sehen, bei dir sein, möchte dich vielleicht sogar berühren, aber da bin ich mir wirklich nicht so sicher. 

 

Nur frag’ mich nichts! Bitte, frag’ mich nichts. Du musst es mir glauben: Ich weiß alles! Noch nie habe ich soviel gelernt, und ich tue es nur für dich. Ich möchte wissen, was du weißt, deine Interessen teilen, aber wenn du mich fragst, stehe ich nur da und stottere dumm. Warum bekomme ich kein Wort heraus, wenn deine stahlblauen Augen mich ansehen? Warum ist mein Hirn wie leergefegt? Es ist nichts mehr vorhanden - keine Erinnerung, kein Wissen - nicht einmal mehr mein Name. Warum? Ich glaube, so muss sich ein Kaninchen fühlen vor der Schlange - kurz bevor es gefressen wird.

 

Und doch will ich gar nicht entkommen. Ich will stehen bleiben und in deine Augen schauen - darin versinken. Deine Grübchen bewundern und mir überlegen, ob ich wohl küssen kann. Würdest du mich küssen wollen? - Was ist es nur, das mich zu solchen Überlegungen bringt? Ist es dein Mund? Diese schmalen Lippen, die sich so streng aufeinander pressen? Oder der Gedanke wie bezaubernd sie lächeln können, wenn ich nicht gerade wie ein Idiot aussehe?

 

Ich sollte nach der Antwort graben in den Tiefen meines Gedächtnisses. Nach der Auskunft suchen, die du von mir haben willst - von mir erwartest. Kann ich aber doch nicht. Ich bin so durcheinander. Du verwirrst mich so sehr. Das heißt! Eigentlich kannst du gar nicht dafür, und eigentlich weiß ich auch nicht, was es ist. Was ich weiß ist: Du ziehst mich an! Ich beginne erst zu leben in deiner Nähe.

 

Du bist so schön, so sexy. Dein Duft ist in meinem Kopf gespeichert. Nie wieder werde ich ihn loswerden - will ich ihn loswerden. – So verlockend! Und diese Augen! Eisblau! Wie sie strahlen können - mein Herz in Glück tauchen. Und dann wieder können sie mein Blut zu Eis gefrieren, mich augenblicklich erstarren lassen.

 

Deine Anwesenheit reduziert mich zu einem zitternden Häuflein Mensch. Ein weibliches Menschlein, das einfach nicht weiterweiß. Geh nur nicht fort - fort von mir. Bleib hier - bei mir - in meiner Nähe. Ohne dieses verrückt-machende Gefühl, das du mir gibst, werde ich ganz sicher sterben. Ich brauche dich! - Habe ich mich verliebt? Verliebt in dich?

 

Was ist das bloß? Ist es Liebe? Ist das wirklich Liebe, wenn einen alle Kraft verlässt? Wenn einem schlecht wird? Der Kreislauf einbricht, die Knie den Dienst versagen und die Sprache stockt? - Das kann doch nicht Liebe sein! - Das ist eine Krankheit! Ganz bestimmt muss es ein schweres Leiden sein. Es fühlt sich an wie Siechtum und Tod. - Nein, Liebe muss etwas anderes sein! Etwas Herrliches! Etwas Strahlendes - Wunderbares! So etwas wie... du!

 

Großer Gott, ist das Sehnsucht? Ich denke im Kreis! Finde kein Ende. Rund herum und rund herum und rund herum! Und es gibt nur einen Mittelpunkt: Dich! Egal ob ich wache oder schlafe - ich bin bestürzt - verunsichert von Gefühlen, die ich nicht kenne, nicht einordnen kann - und die mich doch süchtig machen wie einen Junkie.

 

Ich liebe es - das Gefühl wenn mir der Atem stockt - weil du den Raum betrittst. Ich liebe die Gänsehaut, die mich überkommt, wenn ich nachts in meinem Bett liege und an dich denke. Wenn mich deine Finger sachte berühren -  in meiner Fantasie - und ich mich frage, ob ich das möchte. Ob ich mir mehr wünschen würde - von dir. Was wäre wenn - du mich in deine Arme nähmst? Wäre ich glücklich? - Wenn deine Hände mich streichelten, sanft meinen Rücken hinab glitten, meinen Po umfassten, um mich noch fester an dich zu drücken? - Ich weiß es einfach nicht! Aber will ich es denn wissen? Will ich das wirklich wissen?

 

Warum ist mir bloß schon wieder schlecht? Das kann nur daran liegen, dass ich keine Luft bekomme bei dieser Vorstellung und doch denke ich nichts anderes mehr. Nur noch du! Was wäre, wenn du mehr wolltest? Mehr als mich halten? Mehr als sanft deine Lippen auf meine legen? Mehr als deine Hände auf heiß-kalter Haut? - Was, wenn du meine Brüste berührtest? Drücktest? Was wenn...?

 

Wo ist die Wand? Die Wand muss doch ruhig stehen. Ich muss mich einfach festhalten - irgendwo. Ein riesiger Strudel zieht mich hinaus in die rasende See meiner Wünsche. Oder will ich das vielleicht? - Langsam, ganz langsam! Nur nicht verheddern! Ruhig! Warum zittere ich nur so? Warum ängstigt mich der Gedanke, den ich ersehne? – „Keine Angst, Kleine! Du musst ja gar nichts. Weder denken, noch tun - und doch!“ Ich wünschte... Was zwingt mir diese Gedanken in meinen Kopf? Diese Sehnsüchte? Bist wirklich du es, der mich erbeben lässt?

 

Ich kuschle mich in meine Decken und denke - träume dich zu mir. Fantasiere mich in deine Arme - die mich beschützen. Deine zärtlichen Lippen an meinem Hals, dein warmer Atem in meinem Haar. Wie geborgen ich mich fühle - und wie unsicher. Und doch wird es besser mit jeder Nacht, die du bei mir bist. Mit jedem Tag, an dem ich dich fühle - in meinem Herzen.

 

Was ist es nur? Ist es Sehnsucht? Begehren? Liebe? - Aber Gedanken sind ja nicht alles. Ich weiß es, da ist noch mehr. Viel mehr zwischen Mann und Frau! Irdischeres - Körperlichkeit! Ich weiß es - theoretisch! Warum wird mir so flau, wenn ich daran denke? Wenn ich daran denke, dass ich nicht weiß, was - wie es sein könnte? Muss ich Angst haben - davor? - Würde ich es können?

 

Würdest du ES wollen? - Liebe ? Sex? - Wollen von mir? - Und wenn... würde es mir gefallen? Würde ich es dir schenken? - Ich weiß es nicht! Ich weiß es einfach nicht. Nie in meinem Leben war ich so ratlos, so verunsichert. Wäre ich gut? Gut genug - für dich?

 

Dennoch! Ich kann nicht anders. Ich muss an dich denken. Muss mir vorstellen wie es wäre: Würdest du mich begehren? Denn auch wenn mich der Gedanke ängstigt, gibt es nichts, das ich mir sehnlicher wünschte. Dass du mich liebtest - diese Vorstellung weckt mehr Gefühle in mir, als alles andere auf dieser Welt. Dieser Wunschtraum lässt mich schweben. Und wenn er denn wahr würde...

 

Ja, du würdest es bekommen! - Alles! Alles, was auch immer du begehrtest! Und wenn es mir nicht gefiele? - Unwichtig! Es wäre belanglos - völlig egal! - Denn nur du bist mir unentbehrlich! Nur du bist unverzichtbar - lebenswichtig! -  Nur du bist mir alles - alles wert! Denn es ist ja Liebe! - Liebe und Leid! - Muss es wohl sein: La maladie d’amour! Jetzt verstehe ich auch, was das heißen soll, denn ich habe schon wieder so ein Kribbeln im Bauch. Mir ist schon wieder schlecht!


Sag mir... ob das wohl heilbar ist?

©BvS

 

 

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