LH 738

 

Irgendwie kam er ihr bekannt vor. Der gutaussehende Mann saß zwei Reihen vor ihr in der Boeing 747. Woher kannte sie ihn bloß? Immer wieder suchte ihn ihr Blick. Dieses Profil! Woher kannte sie es? Diese kühne Adlernase, die kurze Oberlippe! - „Er hat einen zärtlichen Mund“, fiel ihr plötzlich ein. „Wie es wohl wäre, ihn zu küssen?“ - Was für unmögliche Gedanken sie hatte. War sie jetzt völlig durchgeknallt? Er war ein Fremder! Obwohl er ihr so vertraut erschien?

 

Die dunklen, lockigen Haare ringelten sich lang in den Nacken. Verwegen sah er aus - irgendwie wagemutig. Vielleicht so, wie sie sich immer einen Piraten vorgestellt hatte. Woher kannte sie ihn? Sie war sich nicht ganz sicher.

 

Hannelore kam gerade von einer Urlaubsreise zurück, und sie hatte sich gut erholt. Allerdings hatte sie sich lange nicht so gut amüsiert, wie sie es erwartet hatte. Leider! Eigentlich gehörte zumindest ein Flirt zu ihrem Wohlbefinden, und damit war es nichts gewesen. Lauter Paare säumten ihren Weg. Nett! Ja, das schon, aber ein einziger Single-Mann hätte ihr ja genügt. Wenn es denn der Richtige gewesen wäre.

 

Ihr Blick glitt über seine Schulter, den Arm. Sein Sakko saß ausgezeichnet und sie glaubte die Muskulatur darunter zu erahnen. Das rechte Bein hatte er weit von sich gestreckt. Auch hier fiel der Stoff der Hose ganz exakt - cognacfarben. Ein dunkelbrauner Mokassin gab dem Outfit ein bisschen Pfiff. Wenn er den Kopf wandte, bekam sie einen Stich mitten durchs Herz. So als wäre er derjenige, auf den sie gewartet hatte. Und immer noch hatte sie keinen Schimmer, wohin sie ihn stecken musste. Aber schließlich war es egal. Ihr Urlaub war beendet. Die Chance auf Liebe - oder zumindest auf einen Flirt - war vorüber.

 

Mit geschlossenen Augen entspannte sie sich, dämmerte ein bisschen vor sich hin. „Könnte ich bitte vor dem Essen eine Bloody Mary bekommen?“, hörte sie eine vertraute Stimme. Sie riss die Augen auf. Sie kannte ihn! Sie war auf einmal ganz sicher. Nur woher? - Und immer noch sah sie nicht mehr, als sein markantes Profil. Schließlich konnte sie doch nicht aufstehen und zwei Reihen vor gehen um zu sehen, wie er von vorne aussah, aber sie hatte ja Zeit. So ein Flug von Hongkong nach Frankfurt dauerte, und man lernte viele Menschen kennen während dieser Zeit - zwangsläufig - also richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf das Essen, das gerade serviert wurde.

 

Vielleicht war es der wirklich ausgezeichnete Rotwein, der verhinderte, dass sie mitbekam, wie ihr „Bekannter“ aufstand und nach hinten kam. Er war schon fast vorbei, als sie es aus den Augenwinkeln registrierte. Sie drehte den Kopf um ihm nachzusehen, als er auch schon zurückkam. Verdutzt starrte er sie an. „Hanne?“, fragte er unsicher und immer noch schaute sie, wie ein ratloses Häschen. Dann lachte er auf. „Ja!“, schmunzelte er selbstsicher. „Du bist es!“ Und als er sah, dass sie keine Ahnung hatte, wovon er redete, fügte er schnell hinzu: „1997 - Der 1. Mai! Die Maiwanderung! Die Maiwanderung mit Anette und Gabi und ...!“

 

Wie ein Blitz zuckte die Erinnerung durch ihr Gehirn. „Bernhard!“ Sie musste lachen, doch gleichzeitig überzog eine dunkle Röte ihr Gesicht und Dekolleté. Es war eine besondere „Wanderung“ gewesen. „Ich komme gleich zurück!“, bat er kurz um Entschuldigung und verschwand. Hannelore war froh darüber. Sie musste erst ihre Gedanken sortieren. Mai 1997! Herrlicher Sonnenschein - sie und ihre zwei Freundinnen waren aufgebrochen zu einer Wanderung hinein in den Frühling. Das heißt, sie waren nicht alleine. Die ganze Klasse hatte beschlossen, das keimende Frühjahr zu begrüßen, aber sie drei waren eben immer zusammen - und so liefen sie auch hier nebeneinander.

 

Unterwegs gesellten sich zwei junge Männer zu ihnen: Bernhard und Reinhold. Sie hatten eine Menge Spaß miteinander, und auch in dem Ausflugslokal saßen sie bei ihnen. Sie tranken Beerenwein - und da hatte das Verhängnis begonnen. Reinhold hatte sich verabschiedet. Er hatte wohl keine Zeit mehr gehabt, und so waren sie zu viert weiter gezogen. Alle vier waren sie angeheitert und lustig über die Maßen. Die ganze Angelegenheit hatte Spaß gemacht. Wirklich!

 

Und dann hatte Bernhard begonnen sie reihum in seine Arme zunehmen ... und bei Anette hatte er es probiert. Nur kurz hatte er ihr einen zärtlichen Kuss auf den Mund gedrückt, und sie hatte ihm keine geklebt - möglicherweise, weil sie ihn mochte, möglicherweise auch weil sie einen kleinen Schwips hatte. Vielleicht küsste er auch einfach zu gut. Auf jeden Fall bekam er plötzlich Oberwasser. Er küsste sie gleich nochmal. Heftiger diesmal.

 

Hanne und Gabi lachten. Auch die anderen Mädels hatten es gesehen und gelacht. Niemand fand etwas dabei. Das ließ er sich nicht entgehen. Am anderen Arm hatte er Gabi und noch im Kuss zog er sie näher - und als Anette Luft holte, küsste er Gabi. Nein, er ließ Anette nicht los, er drehte nur den Kopf. Und die Mädchen kicherten - mit roten Ohren. Was für eine aufregende Situation - und überhaupt nicht gefährlich. Sie waren zu dritt! Was konnte schon passieren? Erste Lust!

 

Als er die beiden anderen losließ und zu ihr kam, fand sie es ganz normal, und doch war es anders, als bei den beiden anderen. Sie nahm er richtig in seine Arme, zog sie dicht an seinen aufgewühlten Leib und küsste sie inniglich. Er musste auch nicht aufpassen auf die zweite Frau in seinem Arm. Da war nur sie! Und er küsste wirklich gut. Sein Mund verführte sie zu diesem unglaublichen Spiel: Drei Mädchen und ein Mann! Keine von ihnen war verliebt. Gott sei Dank! Sonst hätten sie es wohl nicht ertragen, aber so - war es ein Spiel - nicht mehr!

 

Den ganzen Weg nach Hause war es so weitergegangen. Immer wieder hakte er sich ein - zwischen Gabi und Anette - und liebkoste sie abwechselnd. Küsste mal die Dunkle und dann wieder die Rothaarige. Aber immer wieder ließ er sie los, um zu ihr zu kommen. Dann sah er ihr tief in die Augen - flehte mit Blicken um ihr Einverständnis - und zog sie ganz langsam an sich. Küsste sie - zärtlicher als die beiden anderen. Zumindest hatte sie es so empfunden. Sie hatte sich wohlgefühlt in seinen Armen. Beinahe hatte sie sich verliebt. Zumindest ein bisschen. Aber diese Vierer Konstellation ließ nicht zu, dass sie ihr Herz verlor, nicht an so einen Mann. Sie wollte die Einzige sein!

 

„Hast du hier noch Platz!“, fragte er, als er sich zu ihr setzte, bevor sie auch nur eine Chance hatte abzulehnen. Sie nickte. Was blieb ihr übrig? Ihr Gesicht war schon wieder hochrot. „Du warst doch damals auch dabei, oder? - Was für eine blöde Frage. Hannelore nickte atemlos. „Weißt du,“ sagte er leise, „ich hab ja damals ein paar mehr von euch geküsst. Ich glaube es waren drei, aber ich bin nicht ganz sicher.“ - Konnte das sein? Er wusste es nicht mehr? Er wusste nicht, dass sie ...?

 

Hanne lachte. „Ja, du warst ganz schön aktiv damals!“, flachste sie unbefangen - d.h. so gut es ihr gelingen wollte. Er grinste - jungenhaft. - Verflixt! Er gefiel ihr immer noch. „Weißt du,“ gestand er zutraulich, da war eine dabei ...“ Sein Blick wurde auf einmal verträumt. „Also! Eine war Anette, das weiß ich. Wir waren ja eigentlich wie Bruder und Schwester. Es war das einzige Mal, dass ich sie geküsst habe.“ Er sprach wohl eher zu sich selber, als zu ihr. Es kam ihr vor, als ordne er seine Gedanken. Sie nickte nur und hielt den Mund.

 

„Die andere war Gabi, ich weiß es. Sie war mir immer ein bisschen über. Zu gescheit, weißt du!“, erklärte er seine Gefühle. „Aber ...“ Er stockte - richtete seinen Blick in die Vergangenheit zurück. „Da war doch noch eine ... - oder?“ Er wurde unsicher, sah sie fragend an. Hannelore nickte - wie unter Hypnose.

 

„Ja, ich weiß es!“, bestätigte er. „Das heißt ...“ Er zögerte. „Ich habe es immer geglaubt. Da ist eine Erinnerung, die ich nie vergessen habe, ein Gefühl, das ...“ Bernhard schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht mehr genau!“, flüsterte er traurig, doch dann hob er den Kopf und strahlte sie an. „Du weißt, wer dabei war?“ Ein Stich fuhr ihr ins Herz. Er hatte es vergessen. Er hatte SIE vergessen. Sie zwang sich zu einem Lächeln. „Ja, ich weiß es!“ Sie nickte geheimnisvoll. Sie würde es ihm nicht sagen! Bestimmt nicht. Er zog sie ja nicht einmal in Erwägung. - Wieso tat das nur so weh?

 

Hannelore zwang sich zu einem überzeugenden Lächeln. „Es wäre doch sehr indiskret von mir, wenn ich dir das jetzt sagen würde. Wenn überhaupt, dann muss ich sie erst mal fragen. Wer weiß, ob sie das überhaupt will?“ Bernhard nickte langsam. Sie sah ihm die Enttäuschung an - er sah die ihre nicht! Aber auch er hatte sich schnell gefangen. Es war ja schon so lange her. „Wie geht es dir?“ Den Rest des Fluges verbrachten sie mit Berichten über ihr Leben. Die Ausbildung, die Karriere, die Liebe. Sie stellten fest, dass sie beide alleine waren. Er Single - sie frisch getrennt, nach einer langjährigen Beziehung. Man sollte sich wieder sehen! Sie hatten es beschlossen - an diesem Tag.

 

Und sie sahen sich wieder. Bereits acht Tage später saßen sie in einem gemütlichen, italienischen Ristaurante aßen Lasagne und tranken Chianti. Irgendwie war sie ihm vertraut. Bernhard wunderte sich. Sie war doch immer die Unnahbare gewesen. „Weißt du, du warst die Einzige bei der keiner von uns je landen konnte!“ Natürlich würde sie das wissen, dachte er. Wieso erzählte er ihr es bloß?

 

Umso erstaunter war er, als sie ihm sagte: „Es gab da schon mal einen ...“ Er ließ sie gar nicht zu Wort kommen. „WAS?“, erregte er sich. „Bei DIR ist einer gelandet? - Und der Hundesohn hat es uns nicht verraten!“ Der Gedanke gefiel ihm gar nicht. Erstens hatten sie sich ja gegenseitige Offenheit gelobt und zweitens ... Er sah sie plötzlich in den Armen eines anderen Mannes. Eine Vorstellung, die ihm überhaupt nicht gefiel. „Wer war es?“, knurrte er unwillig.

 

Hannelore bemerkte seinen Gedankengang nicht. Sie war verstrickt in ihre Bemühungen richtigzustellen, was er verdreht hatte. Diese Sicht der Dinge war ihr peinlich. „Nein! Ich war nie mit einem von euch „Dorfcasanovas“ im Bett! Ich hab mich nur einmal verliebt ... äh ... na ja! Einer hat mir halt gefallen! Aber das war alles. Er hat es nicht einmal bemerkt.“ Bernhard sah sie an. Mit großen Augen. „Was für ein Idiot!“, stöhnte er aus tiefster Seele - und Hannelore nickte zustimmend.

 

Sie kam für ihn nicht in Frage. Es war doch ganz deutlich. Wieso hatte sie sich Hoffnungen gemacht - vorige Woche - im Flugzeug? -

„Hast du sie schon gefragt?“ Die vertrauliche Stimmung zwischen ihnen war dahin. Hanne wusste sofort, wen er meinte, aber was sollte sie nun antworten? -

„Wen?“, stellte sie sich dumm.

„Na, du weißt doch!“ Bernhard wand sich. Auf einmal war es ihm unangenehm. „Die „Dritte“ - von damals!“ Er senkte den Kopf. Noch einmal würde er nicht fragen. -

„Nein! Ich hab sie noch nicht erreicht!“, schwindelte Hannelore und dann fühlte sie, wie ihr das Blut in den Kopf stieg. Sie musste eine Lösung finden. So ging das nicht weiter! Im Lügen war sie gar nicht gut. Vielleicht sollte sie ihn nicht mehr treffen. Er gefiel ihr immer noch zu gut, aber er war nun mal nicht interessiert. Und es tat einfach zu weh. Sie würde ihn nicht wiedersehen! Heute noch - dieses eine Mal noch - und das würde es dann gewesen sein. Eine Ausrede würde ihr schon einfallen. Bernhard würde es nicht einmal bemerken. Er war in seinen Gedanken viel zu sehr mit der „Dritten im Bunde“ beschäftigt. Eifersucht regte sich tief in ihr. So etwas Blödes! Wie konnte sie eifersüchtig sein - auf - sich selber!?

 

Immer wenn sie dieses Thema umschifft hatten, verstanden sie sich ausgezeichnet - und so wurde der Abend auch noch wunderbar. Harmonisch und unterhaltsam. Sie hatte viele Gemeinsamkeiten. Dieselben Vorlieben beim Essen, denselben Geschmack bei der Auswahl der Weine. Als er jedoch am späten Abend vorschlug noch zum Tanzen zu gehen, lehnte sie ab. Wenn sie erst noch feststellte, dass er gerne tanzte - möglicherweise sogar noch gut, dann würde es ihr noch schwerer fallen, ihn nicht mehr wiederzusehen.

 

„Ich bin müde!“, gab sie vor. Bernhard war sofort von ritterlicher Hilfsbereitschaft. Natürlich würde er sie heimbringen, obwohl es ihm schwer fiel, sich von ihr zu trennen. Warum war er nur gar so rücksichtsvoll? Sie wurde immer trauriger. Als sie vor ihrer Haustüre angekommen waren, war sie den Tränen nahe. Sie wollte sich noch nicht von ihm trennen, und wenn es denn schon heute das letzte Mal wäre, dann bitte noch nicht jetzt. „Magst du noch einen Cappuccino bei mir trinken?“, fragte sie unsicher.

 

Bernhards Gesicht leuchtete auf. Er spürte, dass etwas nicht stimmte, ganz und gar nicht stimmte, aber er hatte keine Erklärung dafür. Schon auf dem Rückflug von Hongkong hatten sie sich so wunderbar verstanden. Er hatte ihr Treffen beinahe nicht erwarten können. Diese eine Woche hatte sich für ihn gezogen - schlimmer als ein Jahr! Und nun? Der Abend war so schön gewesen - bis, ja bis! Was war schief gegangen? Er wollte doch nur eine winzige Auskunft. Trotzdem! Er sollte nicht mehr fragen. Sie reagierte sauer, wenn er fragte. Aber er musste es doch wissen! Denn seit damals gingen ihm die Küsse dieser „dritten“ Frau nicht mehr aus seinem Herzen, ihr Duft, den er in seinem Kopf gespeichert hatte. Oft schon hatte er sich selbst ein Bein gestellt. Immer wenn er eine neue Freundin hatte und es ernst wurde, roch er SIE! Und dann war es vorbei mit der neuen. Wenn ihn erst die Erinnerung eingeholt hatte, nützte ihn auch der Versuch nichts mehr.

 

Also würde er auch mit Hannelore keinen Cappuccino trinken. Er mochte sie wirklich gerne, aber wenn er sie in seine Arme nahm, würde ihn seine Sehnsucht einholen - und das würde ihr wehtun. Das wollte er nicht. Also würde er jetzt nach Hause gehen - und dann würde er es beenden. Beenden bevor es zu spät war. „Nein, danke, Hannelore, ich bin auch schon ein bisschen müde!“, lehnte er deshalb ab. Er würde noch warten, bis sie den Schlüssel im Schloss hatte und aufsperrte, dann ...

 

Als sie die Türe öffnete wusste sie, es ging nicht anders. Sie würde ihre Tränen nicht verbergen können - oder sie müsste ihn richtig brüskieren und ohne weiteres Wort gehen. Ohne sich umzudrehen, ohne Adieu - und das hatte er auch nicht verdient.

 

Also schüttelte sie ihr blondes Haar zurück und sah ihn an. Ihre blauen Augen glitzerten in Tränen. „Gute Nacht, Bernhard!“, flüsterte sie. Ihre Stimme gehorchte nur mühsam. Sie sah sein Erstaunen.

 

Weinte sie? - Warum weinte sie? Herrgott! Was hatte er falsch gemacht? - Versteh einer die Frauen! - Hatte er sie verletzt? - Egal! Jetzt musste er sie trösten. „Hanne!“ Ein Schritt noch und dann zog er sie behutsam in seine Arme. Sein Finger streichelte ihr das Haar aus dem Gesicht. „Nicht, Hanne, nicht!“, murmelte er und seine Lippen streiften ihre Stirn. „Nicht weinen!“ Wie gut sie duftete. So vertraut. Woher kannte er bloß diesen Duft? Warmes Weißbrot - Honig und eine Spur Zimt. Ihre großen Augen schillerten feucht - so verwirrend - und dann hob sie ihm ihren Mund entgegen. Da konnte er nicht widerstehen - wirklich nicht! Er atmete tief. Auf einmal war alles anders - anders als sonst. Hier und jetzt war er da angekommen, wo er sein sollte. Keine Ablenkung - keine Erinnerung - nur noch sie! Er trat einen Schritt zurück und setze sich auf die kleine Mauer, die ihre Treppe begrenzte und zog sie auf seinen Schoß. Mit vielen kleinen Küssen begrüßte er sie in seinem Leben. Dieser unnachahmliche Duft! Süß und würzig. „Du bist es gewesen!“, flüsterte er, wühlte seine Finger in ihr Haar und umfasste ihr Gesicht. Die blauen Augen leuchteten. „Du warst die „Dritte“!“ Sein Mund näherte sich ihr - ganz langsam. „Du bist die Einzige!“, murmelte er und dann küsste er sie, als müsse er die verlorene Zeit ausradieren - mit diesem Kuss.

 

Hannelore kuschelte sich an ihn. War plötzlich so glücklich - in seiner Umarmung. In seiner Wärme war sie zuhause. Sie vergrub ihr Gesicht an seinem Hals und war zufrieden - zufrieden bei ihm zu sein. Es war so schön auf seinem Schoß. Von ihm gehalten, getröstet zu werden. Seine Fingerspitzen in ihrem Haar, auf ihrer Haut, fühlten sich an wie Sonnenstrahlen. Sie wärmten ihr Herz. Die vielen kleinen Küsse - wie ein sanfter Schauer des Glücks. Aber dann wurden sie länger, seine Küsse. Intensiver! Süßer! Tiefer! Seine Hände neugieriger, und ihre Gefühle stiegen an, wie die Flut bei der Schneeschmelze. Er taute das Eis. Wie prickelnd es war in seinen Armen - wie aufregend. Hannelore vergaß ihre Umwelt. Sie hatte so oft an ihn gedacht in dieser letzten Woche, so oft von ihm geträumt.

 

„Doch noch einen Cappuccino?“, murmelte sie an seinem Ohr. Bernhard nickte und dann folgte er ihr doch hinein - und ein Ende dieser „Beziehung“ war in meilenweite Ferne gerückt. Erstrecht als sie drinnen begann sich auszuziehen. Natürlich zog sie ihren Mantel aus - ganz logisch! Warum nur erschien es ihm wie ein Striptease? Er trat hinter sie und nahm ihr den Mantel ab - hängte ihn an die Garderobe. Dann schlang er seine Arme um sie und zog sie fest an sich. Wie süß sie sich anschmiegte! Wie bezaubernd sie ihren Kopf wandte, zu ihm aufschaute! Er liebkoste ihre Wange, küsste ihr Ohr, seufzte verlangend - und begann behutsam ihre Bluse aufzuknöpfen. Einen Knopf nach dem anderen. Als er den Stoff beiseite schob, hielt er den Atem an. Welche eine Aussicht von oben! Welch ein bezauberndes Dekolleté! Was für süße Brüste! Er musste sie berühren! Er musste! Seine Hände streichelten über ihren Bauch hinauf. Sollte er sich trauen? Ihre Seufzer machten ihm Mut. Langsam hob er die Hände, legte sie auf diesen aufregenden Busen, umfasste ihn behutsam und drückte. Und Hannelore stöhnte! - Sie war einverstanden. Sie würden heute Nacht - jetzt ...

 

Wie eine Schlange wand sie sich in seinen Armen, drehte sich und dann küsste sie ihn, dass ihm die Luft ausging. „Komm!“, flüsterte sie und zog ihn ins Wohnzimmer. Die Bluse blieb im Flur zurück. Bernhard schob sein Hemd von den Schultern. Das war okay, oder? Sie wollte ihn doch - oh ja, sie wollte! Ihre Blicke forschten - neugierig - aufregend - ihn erregend! Seine Hände am Bund dieser umwerfenden Hose. Hannelore hielt inne in ihrer Bewegung. Wie großartig er aussah in dieser cognacfabrenen, eleganten Lederhose. Seine braune Haut, die nackte, glatte Brust, im Kontrast zu dem weichen, rauen Leder. So sexy! „Jaah!“ Sie würde ihn haben! Seine Hose fiel - er stieg heraus.

 

Was für große Kulleraugen sie doch hatte! Wie konnte er sie nur vergessen!?! Diese Frau konnte man nicht vergessen! Er hatte sie ja auch nicht vergessen. Nicht wirklich! In seinem Kopf war sie immer gewesen. Wenn er auch nicht wusste, wer sie war! Hannelore ging um den niederen Glastisch herum, blieb stehen und sah ihn an. Dann griff sie unter ihren weitschwingenden, kurzen Rock und streifte ein champagnerfarbenes Seidenhöschen hinab, ließ es einfach fallen. Bernhard streckte seine Hände nach ihr aus. Aber anstatt zu ihm zu kommen, kniete sie sich auf den spiegelnden Tisch.

 

Donnerwetter! Was für ein Bild. Ihre Schenkel ließen ihm Raum für forschende Blicke. Im Glas konnte er es sehen! Lange, bloße Schenkel und dazwischen: Ein dunkelblonder, lockender Urwald. „Lass mich noch mehr sehen!“, flüsterte er heiser und Hannelore spreizte ihre Beine noch ein Stückchen weiter. Wie sexy sie war! Der süße, bloße Busen, der Rock, der die schmale Taille betonte und dann die nackten, gespreizten Beine über einem absolut umwerfenden Spiegelbild. Seine Hand griff von vorne zwischen ihre Beine - unter den Stoff, berührte ihre Haut und glitt langsam an der Innenseite ihres Oberschenkels nach oben. Ganz langsam! Ganz vorsichtig! Bevor er sie berührte, hielt er inne. Seine Blicke folgten den Bildern im spiegelnden Glas - er riss sie los - gewaltsam - sah in ihre Augen. Er fühlte ihre Wärme. Sein Daumen streifte behutsam an ihrer Spalte entlang, teilte die weichen Härchen. Die Fingerspitzen streichelten, tasteten - ganz sanft - vor und zurück. Und dann spürte er es: Süße Tautropfen, tief zwischen ihren Schenkeln. Eine Fingerkuppe schob sich tiefer, wurde benetzt von dem quellenden Nektar. Nasse Glätte! Verlockende Wärme! Er drängte seine Hand noch tiefer zwischen ihre Schamlippen, glitt wieder nach vorne - und berührte zärtlich die vollkommene Perle, die sie seufzen machte.

 

Dieser spiegelnde Tisch. Er kam sich vor wie ein Voyeur. Dieses indiskrete Bild - sie wusste davon, ließ es ihn sehen - und doch! Es machte ihn verrückter, als jeder direkte Blick zwischen ihre Schenkel es vermocht hätte. Und dennoch konzentrierte er sich mehr denn je auf die Empfindungen seiner Finger. Das Gefühl in ihrem Inneren. Wie weich und feucht sie sich anfühlte. Delikat wie eine schimmernde Auster. Ihr Becken drängte sich ihm entgegen. Ihr gesamter Körper spannte sich, ein Bogen aus Sehnsucht. Das goldene Haar floss wie eine Flut aus Sonnenschein über ihre Schultern. Sie war so schön, so begehrenswert - und er war so geil! In dem Augenblick als er seine Finger ganz in sie versenkte, entzog sie sich ihm plötzlich.

 

„Ich kann nicht länger warten!“, stöhnte sie und griff nach ihm, zog ihn heran. „Komm!“ Sie drehte sich um und kniete sich auf die rote Ledercouch. Dann beugte sie sich nach vorne, bot ihm ihren Rücken und zog den Rock in die Höhe. Bernhard blieb die Luft weg. Was für ein geiler Anblick! Ein runder, nackter Po und dazwischen - umkränzt von goldblonden Löckchen - eine glänzende, einladend geöffnete Muschi, die es nicht erwarten konnte, von ihm aufgespießt zu werden. Blitzschnell riss er sich den Slip vom Leib und kniete sich zwischen ihre Schenkel. Eine Hand hielt seinen Phallus umfasst und drückte ihn an die Stelle ihrer beider Sehnsucht. Mit der anderen tastete er nach ihrer Brust. „So komm schon!“ bettelte sie atemlos und stieß ihm entgegen. „Tu’s schon! - Schieb ihn rein!“

 

Mit einem tiefen Stoß eroberte er sie. Stieß ganz und gar in sie hinein, verhielt mitten im Schwung. Was für ein Taumel der Gefühle! „Du bist so heiß!“, keuchte er, und dann begann er sich langsam und rhythmisch zu bewegen. „Jaah!“, seufzte er, „oh jaah! Großer Gott! Du fühlst dich so gut an. Du machst mich so geil. - Jetzt weiß ich, warum ich dich nie vergessen habe!“ Seine Bewegungen wurden schneller, härter.

 

Hannelore keuchte: „Du hast mich vergessen! - Aber jetzt - jetzt wirst du - mich nie mehr - vergessen!“ Sie wimmerte leise. „Nie - nie - nie - nie mehr!“ Ihre Stimme brach, sie schluchzte beinahe hysterisch vor Lust. „Oh jaah! - Duuuh! - Bernhard! - Schneller! - Ja! - Nimm mich! - Bitte - bitte - bitte! - Mach schon! - Ich liebe dich! - Jaah - jaa - ja - ja - jaa - jaaah - jaaaaaaaaaahh!“ Stöhnend wand sie sich. Ihr Becken kreiste. Ihr Fleisch rieb um seine Spitze, reizte ihn bis zum Wahnsinn. Jetzt, jetzt musste er ... „Hanne - Hanne - Hanne! - Ich muss - muss jetzt - ich muss dich haben! - Jetzt!!“ Er stieß seine Worte im Takt seiner Stöße aus - immer lauter - und lauter! „Du musst die Glut löschen!“, flehte Hannelore. „Spritz!“

 

Er stieß einen Schrei aus, der sie erzittern ließ und überschwemmte sie mit seiner tosenden Flut. Wie die allesverschlingende Brandung des Meeres tobten die Wellen der Lust über sie hinweg. Langsam sank Bernhard über sie, hielt sie fest in seinen Armen. Gemeinsam ließen sie sich auf die Couch sinken, kuschelten sich aneinander.

 

„Danke, meine süß duftende Geliebte!“, flüsterte er heiser und küsste ihre Schläfe. Ich danke Gott, für diesen Lufthansa-Flug, denn er hat mich dich wiederfinden lassen - und nun sag mir, was ist das für ein Duft? Ich habe ihn niemals vergessen! Ich konnte DICH niemals vergessen!“ Hannelore hielt ihm lächelnd ihr Handgelenk unter die Nase. „Zimt, Liebling! Es ist Zimt, Bernhard. Zimt - und ich!“


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