Süßer die Glocken... 2


Süßer die Glocken... 3




  

Als die Taxitür ins Schloss fiel, zuckte Lucien zusammen. „Kein Zurück mehr!“, dachte er, wechselte einen Blick mit Gerhard neben ihm und schaute starr nach vorn. Zehn Minuten später hielt das Taxi vor einem der Altbauten, die für das Viertel typisch waren. Gerhard bezahlte, der Fahrer bedankte sich für das Trinkgeld, und mit der für seinen Berufsstand sprichwörtlichen Kodderschnauze wünschte er eine „angenehme Nachtruhe“. Stumm stiegen sie die beiden Treppen hinauf, in den zweiten Stock, dann stand Lucien im hellen Licht des Flurs, schaute auf glänzendes Parkett, hinein in eine großzügige Wohnung. Als Gerhard ihm aus dem Mantel half, durchzuckte es ihn wieder wie ein elektrischer Schlag.

 

Sie nahmen in dem großen, modern und sehr geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmer Platz, der Jüngere auf dem Sessel, der Hausherr auf dem Sofa, jeder ein Glas dunkelgelben Grappas in der Hand. "Magst du dich nicht zu mir setzen?", fragte Gerhard, "du hast doch noch ein Pfand einzulösen." Lucien zögerte, sein Herz schlug ihm bis zum Hals, er rang mit sich, er ahnte, dass es mit jedem Schritt unmöglicher werden würde, sich zurückzuziehen. Er wollte doch auch, aber zugleich hielt ihn etwas zurück. Er stürzte den Grappa, der dafür viel zu schade war, entschlossen hinunter, erhob sich und setzte sich neben Gerhard auf das weiche Sofa.

 

Der Ältere legte den Arm um Luciens Schultern und sagte sanft: "Hab keine Angst, lass einfach geschehen, was geschehen muss." Die Wärme in seinem Magen, die angenehme Stimme und das Gefühl einer gewissen Unausweichlichkeit machten Lucien gefügig. Ihre Münder trafen sich zu einem langen, leidenschaftlichen Kuss, Lucien fühlte sich weich und nachgiebig, allein sein Glied war steinhart. Gerhard streichelte Luciens Gesicht, ließ die Hände über das Hemd wandern und knöpfte es langsam auf. "Was für ein kokettes Früchtchen!", sagte er lächelnd, als er die nachtblaue Seide sah. "Hast du das für mich angezogen?"

 

Und während Lucien ins Stammeln geriet, glitten Gerhards Hände über die Brust, spielten zart an den Brustwarzen unter dem Stoff, lösten schließlich den Gürtel der Jeans und öffneten die Hose. Lucien stöhnte bei den Berührungen, die bei aller Zärtlichkeit auch die Entschlossenheit eines Eroberers verrieten, er erwiderte die festen, feuchten Küsse und dachte mit leichtem Schauer daran, wie Gerhard wohl nackt aussehen würde.

 

"Magst du mich ins Schlafzimmer begleiten?", fragte der Ältere schließlich – und Lucien ließ sich an die Hand nehmen. Gemeinsam betraten sie den fast ganz in Weiß gehaltenen Raum mit dem großen Bett, das, wie Lucien sofort sah, mit seidener Bettwäsche bezogen war. Gerhard entkleidete den Jüngeren, und als Lucien nur noch im Body vor ihm stand, rief er sichtlich begeistert aus: "Wie wunderbar dir das steht!" Dann entledigte er sich seiner Kleidung, wobei ihm Lucien gebannt zuschaute. Gerhards kräftige Brust war leicht behaart, das Haar schimmerte schon silbrig, er war kräftig gebaut, mit ein paar Pölsterchen, wie sie bei den meisten Männern um die 50 üblich sind, und einem kleinen Bauchansatz. Lucien fand es erotisch, ihn erregte der Kontrast des männlichen Körpers zu seinem eigenen schlanken Knabenkörper, der jenseits von Achselhöhlen und Scham unbehaart war.

 

Dann zog Gerhard seine seidenen Boxershorts aus, und Lucien sah aus dem ebenfalls leicht ergrauten Schamhaar einen dicken, erigierten Penis aufragen, bei dessen Anblick ihn eine gewaltige Lust durchfuhr. Der stattliche nackte Mann zog den Knaben an sich und küsste ihn lange auf den Mund, ihre Zungen spielten neckisch miteinander, und Lucien spürte Gerhards Geschlecht an seinem eigenen. "Unsere Schwänze küssen sich auch", dachte er und fand sich schrecklich albern und kitschig. Seine Knie fühlten sich wie Pudding an, so dass Gerhard ihn halten und zum Bett führen musste.

 

Die seidene Bettwäsche schmeichelte Luciens Haut, sein ganzer Körper kam ihm wie eine offene Sinnesfläche vor, als sein Liebhaber ihn in die Arme nahm und ihn wie mit Zauberhänden verwöhnte. "Mein süßer seidener Knabe", flüsterte Gerhard ihm zu, während sein Zeigefinger auf das Zärtlichste Luciens engen Anus erkundete. Der Jüngere wimmerte leise vor Lust, ihm war, als müsse er sofort kommen. "Du machst mich verrückt!", murmelte er wie in Trance, und wie von ferne hörte er Gerhard sagen: "Aber ja, genieß es, mein Kleiner!"

 

Für einen unsichtbaren Betrachter war das ein herrlicher Anblick: Luciens schlanker, zarter Körper in dem seidigen Stoff, ein Kissen unter seinem kleinen, straffen Popo, die langen Beine emporgereckt, sein Glied aufragend; und vor ihm der Ältere, kniend, mit seinem gepflegten, stattlichen Leib, dem stolz aufgerichteten Geschlecht, dem feuchtglänzenden Purpur der Eichel. Wie zärtlich er die Rosette des Jüngeren entblätterte, wie liebevoll und geduldig er mit seinen Fingern den Anus stimulierte und eincremte. Lucien fühlte sich verwöhnt und begehrt, als habe er endlich gefunden, wonach er sich so vage sehnte.

 

Es war ein unbeschreiblicher Moment, als Gerhards prächtige Männlichkeit nach langen Versuchen in Luciens Lustpforte eindrang. Lucien war vor Geilheit völlig von Sinnen, der leichte Schmerz machte ihm nichts aus. Und er wusste auch nicht, warum er gerade in diesem Moment an den einzigen Pornofilm dachte, den er je gesehen hatte. Warum hatte der Mann, der dort penetriert wurde, bloß ein schlaffes Glied gehabt? Gefiel es ihm nicht? Lucines Geschlecht war so steif, dass es ihn beinahe schmerzte, er genoss jede Bewegung des Älteren, genoss das Keuchen, liebkoste Gerhards kräftige Brust, streichelte die silbrigen Haare, wollte ihn einfach nur, wollte sich ihm hingeben.

 

Dann zerbrach unter lautem Aufstöhnen Gerhards Härte, sein Liebessaft schäumte den Jüngeren aus, der winselnd vor Lust unter ihm lag, beglückt und besamt. "Nun bist du keine Jungfrau mehr!", flüsterte ihm Gerhard zu, während er Luciens Gesicht streichelte und ihn seidenweich auf den Mund küsste. "Bring mich hin, Gerhard!", hauchte Lucien und fühlte, wie der erschlaffende Penis seines Liebhabers aus der engen Öffnung glitt, wie die sämige Flüssigkeit aus ihr tropfte und Gerhards gepflegte Hände sich um Luciens prallen Schaft legten. Der Jüngere hielt sich nicht lange, Gerhards kundige Finger spielten an Luciens Vorhaut, und schon spritzte der geile Knabe mit einem Aufschrei auf den Bauch seines Liebhabers. Dann sanken sie sich in die Arme.

 

Es war nicht das letzte Mal in dieser Nacht, dass sie sich liebten, sie konnten gar nicht genug voneinander bekommen. Gerhard war fasziniert von der Hingabe des Jüngeren, der ihn mit großen Augen anschaute und leise "Bitte, nimm mich!" hauchte. Und wie er ihn nahm! Er hatte das Gefühl, so potent und stark zu sein, befeuert durch das Begehren dieses göttlichen Knaben, wie er ihn bei sich nannte. Lucien hatte sich noch nie so begehrt gefühlt, keine Frau hatte ihm dieses Gefühl gegeben, und der Moment, als der Penis seines Lovers in ihn eingedrungen war, hatte ihn berauscht. Er hatte ihn in sich, hatte sich ihm geöffnet, ihn empfangen, und die Lust, die er dabei empfand, übertraf alles, was er bis dahin gefühlt hatte, wenn sein Geschlecht in eine Frau eingedrungen war. Nein, er war kein Eroberer, kein Eindringling; er wollte erobert werden, das dämmerte ihm allmählich, und als Gerhard sich in ihm verströmt hatte, war das wie die Ankunft auf dem Gipfel eines Achttausenders. Mit diesen und anderen wolkigen Gedanken schlief er ein, neben dem Mann, der all das ausgelöst hatte.

 

© Pierre