Weihnachtliches Logbuch 3


Weihnachtliches Logbuch







7. Dezember 2009


 

Rückblick Nikolaus 06. Dezember:

 

Gestern war es soweit: Nikolaus! Die normale Arbeit hatte Ruprecht längst erledigt. Nun war der  Spezialauftrag an der Reihe – eine süße Bescherung zu Nikolaus für Mark.

 

Mark Anfang 60, führte ein geregeltes Leben. Die Weihnachtszeit rückte erneut näher. Für  alleinstehende Menschen nicht unbedingt die schönste Zeit. Zu allem Überfluss hatte Mark über Nacht eine Erkältung angeflogen. Heute würde er sich besonders früh ins Bett packen. Wie lange er geschlafen hatte, wusste er nicht. Er wurde wach durch … auch das konnte er nicht genau benennen.

 

Als er ins unbeleuchtete Wohnzimmer kam, bemerkte er gleich den silbrig weißen Schimmer auf seinen Balkon und die dunkle Gestalt die sich dort, mit dem Rücken zu ihm, emsig zu schaffen machte.  Das Aufreißen der Balkontür und sein energischer Aufruf: „Was bitte, machen sie da auf meinem Balkon?!“, war reine Reaktion! Wie unvernünftig das von ihm gewesen war, begriff er in dem Moment, als sich die Person umdrehte -  aber da war es für ihn längst zu spät.

 

„Was bitte, machen Sie da auf meinem Balkon?!“, hallte es in Ruprechts Ohren.

 

MIST - auf dem Balkon hockend, mitten im Auftrag - ERWISCHT! Und ausgerechnet bei dem wichtigen Spezialauftrag. Normalerweise konnten die Menschen weder den Nikolaus noch Ruprecht sehen, beide trugen einen Schutzschild, der sie unsichtbar machte – wie also? „FIEBER!“, erkannte Ruprecht finster. Ihre Blicke trafen sich: „ERSTARRE!“

 

Das war die einzige Abwehr, die auch bei Fieber funktionierte. Lange durfte Ruprecht diesen Zustand allerdings nicht aufrecht halten, der Mensch würde sonst sterben. Ein kurzer Gedanke nur: „LÖSEN!“

 

In der Balkontür lehnte ein nun heftig nach Luft ringender Mann.

 

Was war nur geschehen? Von ihm überrascht, hatte sich die dunkle Gestalt Mark zugewandt. Er blickte in zwei eisig blaue Augen. Ein kalter Schauer jagte über seinen Rücken, dann konnte Mark sich plötzlich nicht mehr bewegen! Nur weiterhin in ihre kalt strahlenden Augen starren. Sie schien über irgendetwas verärgert. Dann aber änderte sie ihren Blick und er konnte erleichtert durchatmen.

 

Eine Frau mit himmlischer Ausstrahlung kam auf ihn zu. „Was zum Teufel machst du hier?“, hörte er sie unfreundlich fragen. „Willst du dir den Tod holen? - Marsch zurück in dein Wohnzimmer.“

 

Perplex tat Mark wie sie befahl. Sie folgte ihm und schloss die Balkontür hinter sich.  Dann lief sie  unruhig in seiner Wohnung auf und ab – dabei schimpfte sie in einer für ihn unverständlichen Sprache. Sie wirkte unheimlich. War sie eine Diebin? „Ich möchte, dass Sie meine Wohnung verlassen. Auf der Stelle!“ verkündete Mark energisch. „Das geht leider nicht!“, fauchte sie ihn an. „Wieso...?“

 

„Na, weil du mich gesehen hast – Menschenskind! Einen schönen Salat hast du mir da eingebrockt… obwohl, vielleicht hat da auch ein Kobold oder einer vom Elfenteam mitgewirkt?  Menschenkind, konntest du nicht einen Augenblick länger im Bett bleiben? Ich war so gut wie fertig mit meinem Auftrag. Verflucht! – Es ist zum in die Luft gehen!“

 

Für Mark klang das alles wie eine Betätigung: Sie war eine Diebin! Deswegen hatte sie auch einen großen schwarzen Sack dabei. Damit sie das Diebesgut besser ... auf ihrer durchaus ansprechenden Figur … allein ihre Taille - einfach sexy - auf ihren hohen schlanken Beinen … davontragen konnte.

 

Keiner würde heute, zum Nikolaustag, Verdacht schöpfen. Dabei hatte sie es mit ihrer Ausstrahlung gar nicht nötig. Sie … hätte einfach nur zu Fragen brauchen. Mark konnte das alles nicht richtig glauben. Erst recht nicht, dass eine wirklich unfassbare Schönheit vor ihm schwebte. S-c-h-w-e-b-t-e? Richtig!  Ruprecht war bei ihrem letzten Satz buchstäblich in die Luft gegangen.  

 

Das war zu viel für seinen geschwächten Kreislauf. Seine Sinne schwanden. Dennoch erreichte er den Boden nicht. Ruprecht hatte ihn rechtzeitig aufgefangen, hielt ihn sicher in ihren Armen. Da lag er in den Armen dieser Frau. „Wer sind Sie?“, fragte Mark benommen.

 

Ruprecht legte ihn vorsichtig auf sein Sofa und erklärte dann, wer sie war. „Komisch, ich glaubte immer Ruprecht sei ein Mann!“ meinte Mark „Einige glauben auch gar nicht an den Nikolaus!“, erwiderte sie zynisch und sah ihn wissend an. „Na ja, immerhin hast du wenigstens an mich geglaubt!“ fuhr sie lächelnd fort. „Und siehe – hier bin ich!“

 

„Nikolaus? Ruprecht - eine Frau? -  Ich kann es noch immer nicht richtig fassen!“, gestand Mark.

 

Was sollte Ruprecht machen? Um es zu belegen nahm sie einen kleinen Beutel zur Hand, warf schwarzen Staub über sich und zog ihre Kapuze über. Aus Erfahrung wusste sie, nun wirkte sie groß, düster und nicht im Entferntesten mehr wie eine Frau.

 

Marks erschrockene Reaktion bestätigte,  dass er ihr nun glaubte. Also warf sie etwas Weißstaub über sich und verwandelte sich zurück. Überall wo der weiße Staub auf den dunklen traf, funkelte es silbern auf. Dabei knisterte es. Es kam dem Funkeln einer Wunderkerze gleich.  Übrig blieb ein eine saubere Ruprecht.

 

„Mach das bitte noch mal!“, bat Mark verzaubert.

 

„Nur wenn du es dir vom Herzen wünscht! Damit ich endlich gehen kann. Denn nach § 13 des Koboldgesetzes ist ein höheres Wesen dazu verpflichtet solange bei dem Menschen zu bleiben, der es gesehen hat, bis sein innigster Wunsch erfüllt wurde.“ Sie erklärte weiter, dass es dabei egal sei, ob er sich eine Atombombe wünschte, oder dass sämtliche Möbel seiner Wohnung mit einemmal aus Gold bestünden. Egal was - es würde ihm erfüllt werden. Gleichzeitig warnte sie aber auch vor möglichen Konsequenzen, die aus seinem Wunsch entstehen könnten. – Nicht, dass er womöglich einen verhängnisvollen Tod unter Goldmöbeln fände, weil der Architekt seinen Wunsch nicht in der Statik des Hauses berücksichtigt hatte.

 

„Also - wünsch dir was! Soll ich mich noch mal verwandeln?“

 

Das war es Mark aber dann doch nicht wert. Ganz im Gegenteil. Ruprecht sollte noch ein bisschen bleiben. Er wollte ihre Nähe noch ein bisschen genießen - mehr über sie erfahren. Unter den Vorwand seinen Wunsch genau durchdenken zu wollen, beschloss er Tee zu kochen und lud Ruprecht ein. Warum reagierte sie darauf nur so argwöhnisch? Er hatte nicht die leiseste Ahnung. 

 

Als der Tee fertig war, saßen sie im Wohnzimmer. Ruprecht machte mit einem Mal einen leicht verkrampften Eindruck. Sie wirkte nervös. Unruhig ließ sie ihren Blick über sein Bücherregal streichen. „Ich sammle Geschichten!“, erklärte er ihr. „Soll ich dir welche vorlesen?“

 

„NEIN!“, fuhr Ruprecht erschrocken auf. „Ich meine, das ist nicht nötig – kenne ich doch selber mehr als genug!“, ergänzte sie im ruhigeren Ton. Merkwürdig - warum wurden ihre Wangen  schlagartig rot?

 

Sie begann zu erzählen. Er musste lachen, als sie ihm von ihren ersten Strafaktionen bei den Jungs erzählte – die ihr allesamt misslangen, weil sie da noch aussah wie eine Frau.  Mark lauschte gespannt. Ruprecht wusste viele lustige Geschichten aus ihren Leben. Sie wirkte dabei so natürlich – so menschlich! Mark erlaubte sich, sie genauer zu betrachten. Er konnte dabei nicht sagen, was ihm an ihr nicht gefiel. Lucie fiel ihm ein, im Grunde konnte man beide überhaupt nicht miteinander vergleichen. Ruprecht wirkte gegen die zierliche Lucie – sportlich, geradezu burschikos. Dennoch sagte ihm Ruprecht mehr zu. Ein Wunsch keimte in ihn auf. Am liebsten würde er …Ruprecht … so wie Lucie...

 

Ein goldenes Lichtlein, so klein wie ein Stecknadelkopf schwebte plötzlich leuchtend durch den Raum. Es wuchs, wurde heller und größer. Ruprecht schien erfreut. Sie lächelte und öffnete ihre Hand. Das Lichtlein kam zu ihr und setzte sich dort. „Denk weiter Mark – dein Wunsch wird gerade geboren – er muss noch ein wenig wachsen, dann weiß ich genau - was du dir von Herzen wünscht!“

 

„Alles was er sich gerade … dachte?“, schoss es ihm durch den Sinn „Was war, wenn sie ihn gar nicht wollte? Wahrscheinlich würde sie ihn danach für den Rest seines Lebens versohlen. Mark erschrak bei diesen Gedanken. Das Lichtlein erlosch.  „Warum hast du nicht weitergedacht?“, fuhr Ruprecht ihn an.“ „Weil mir plötzlich mögliche Konsequenzen in den Sinn kamen!“, stammelte er verlegen.

 

Ruprecht wirkte verärgert. Sie sprang auf und lief unruhig im Zimmer auf und ab. Mark durchdachte seine Lage.  Ruprecht war zu stolz, niemals würde sie... Im Grunde hatte er sie schon verletzt, indem er sie gesehen hatte. Ihr Verhalten zeigte: Sie wollte nur noch weg.

 

„Könntest du bitte aufhören, so durch mein Zimmer zu rasen? Ich kann mich gar nicht konzentrieren!“ Ruprecht war gerade weit von ihm entfernt. „Ich rase doch gar nicht. Im Gegenteil, ich bewege mich geradezu langsam. DAS passiert wenn ich rase.“

 

Mark hatte noch nicht einmal geblinzelt – schon stand sie dicht vor ihm. Er blickte in ihre Augen, sah ihren Mund. So nah! Sein Herz klopfte. Wie wundervoll sie duftete. Automatisch stand bei Mark alles in Alarmbereitschaft. Er schloss seine Augen. Wie gerne hätte er durch ihr Haar gestreichelt.

 

Ein heller Lichtschein ließ ihn aufschauen. Es war wieder da, das Lichtlein. Und hier so dicht in ihrer Nähe, schien es so schnell zu wachsen, wie die Männlichkeit in seiner Hose. Wenn es so weiter ginge, würde sie gleich alles erfahren. All seine Wünsche – nach ihr.  Andere Gedanken, er brauchte musste… Nur wie? – Noch immer stand sie so angenehm dicht vor ihm, befand er  sich in ihren Bann. So schön! Sie war so wunderschön! So jung und er? Er fühlte sich mit einem mal alt – hässlich. Das Licht erlosch!

 

„Woran hast du gerade gedacht? Sag es mir!“ Selbst im aufgebrachten Zustand wirkte sie –einfach nur schön. „Warum bist du eigentlich zu mir gekommen?“, lenkte er ab. War ich so unartig?“

 

Zum ersten Mal sah er sie herzhaft lachen. „Ganz im Gegenteil, du Goldjunge!“ - Eigentlich fällst du ganz und gar nicht in meine Kategorie.“ Sie erklärte ihm, wie es zu dem Tausch gekommen war. „Wegen deiner Allergie – ich habe mir da etwas ausgedacht! Es ist auf dem Balkon!“

 

Das wollte Mark natürlich sofort sehen. Als er den Balkon betrat, entdeckte er was sie meinte. Sie hatte eine Zuckerlandschaft aus Schnee geschaffen. Die Eis-Elben hatten ihr dabei geholfen, den Rest hatte sie mit dem Polarkristall geschaffen. Er betrachtete all die künstlerischen Figuren. Es war fantastisch.

 

„Danke! Das ist ein wirklich schönes Geschenk von dir!“ Mark erkannte  die Sorgfalt, die sie in diese Landschaft gesteckt hatte. Für einen Moment vergaß er völlig wer sie war. Liebevoll drückte er sie an sich und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.

 

„Danke, liebe Ruprecht!“, sagte er warm. Sie wirkte verlegen, sagte aber nichts. Erneut glomm ein Licht auf – aber nur kurz – denn, als würde er bestraft fühlte sich Mark mit einem mal schlapp in den Beinen. Ihm wurde kalt und zittrig. Erneut war Ruprecht flugs an seiner Seite. Sie drängte ihn zurück ins Bett zu gehen. 

 

„Sorgst du dich um etwa um mich?“, wollte er wissen.

 

„Nein! Im Bett schläfst du hoffentlich ein. Im Traum kann sich dein Wunsch dann schneller manifestieren!“, erwiderte sie schnell. Doch irgendwie glaubte Mark ihr das nicht so recht.

 

Als er auf seiner Bettkante saß, zögerte er für einen Augenblick. Er war nackt unter seinem Bademantel. Sollte er etwa so ins Bett? Immerhin war sie anwesend. Dann entschloss er sich, so ins Bett zu gehen wie immer – und das war nackt.

 

Schnell schlüpfte er unter seine Bettdecke. Schlafen konnte er allerdings nicht. Wie denn auch, wenn sie im Schneidersitz anderthalb Meter über seinem Bett schwebte. Von dort starrte sie unentwegt auf ihn herab.

 

„Ruprecht – so kann ich nicht schlafen! Kannst du nicht im Nebenraum warten? Oder dich ein bisschen  angepasster platzieren?“

 

„Im Nebenraum entgeht mir womöglich die Entstehung deines Wunsches, dass geht also nicht, aber… bin ich so - angepasst genug?

 

Mark spürte sie plötzlich neben sich im Bett liegen. Mit nacktem Körper kuschelte sie sich an.

 

„Bist du völlig nackt?“, wollte er wissen. „Ja, so wie du! Ist etwas verkehrt?“

 

„Nein!“, flüsterte er leise. Wenn Ruprecht wüsste, wie sehr sie ihn erregte. Da lag er  - mit der hübschesten Frau in seinem Bett... und sollte schlafen? Sein kleiner Freund war hellwach. ER war hellwach.

 

Wahrscheinlich würde jeden Moment wieder das verräterische Licht im Raum erscheinen. Mark bemühte sich ruhig zu tun. Liebevoll nahm er Ruprecht in seine Arme. Sie kuschelte ihren Kopf auf seine Brust. „Dein Herz schlägt aber schnell!“ meinte sie. - War das ein Wunder?

 

 Ob Ruprecht seinen steifen „Zustand“ schon bemerkt hatte? Was sie wohl dachte?  Zum Glück schien sie eingeschlafen zu sein. Welche Erleichterung. Er musste sich etwas überlegen. Ob er sich kurz Luft verschaffen sollte - während sie schlief? Gerade als er Hand an sich legen wollte, bewegte sich Ruprecht im Schlaf. Sie schien zu träumen. Ihr Becken bewegte sich auf ihm, bis ihr Schoß  genau auf seiner erregtesten Stelle zu liegen kam. Er stöhnte. Wahnsinn! Er spürte ihre warme Spalte. Und nun begann sie sich im Schlaf auch noch an ihm zu reiben.

 

Was für ein heißes Gefühl. Sein Schwanz pochte. Jede Faser seines Körpers fühlte sich zu ihr hingezogen. Er war kurz davor seine Beherrschung zu verlieren und wie ein wildes Tier über sie herzufallen. Das wollte er nicht - er musste sie loswerden. Schnell.

 

„Oh Ruprecht!“, stöhnte er. Sie wurde wach und blickte mit erstaunten Augen auf den keuchenden Mark unter ihr. Das Zimmer war hell erleuchtet.

 

„Ruprecht schnell! Mein Wunsch!“ In seinem erregten Zustand konnte Mark gar nicht richtig sprechen, nur keuchen. „Ich wünsche mir, dass du mich gesund machst! LOS, mach schon!“ Seine Stimme blieb ihm vor lauter  Anspannung weg. Er klang krächzend. Warum dauerte es nur so lange, bis sie reagierte?

 

„Mach schon!“ wiederholte er verzweifelt.

 

„Was genau soll ich denn kurieren?“, fragte Ruprecht aufeinmal mit wissenden Lächeln. In seiner Aufregung übersah Mark ihren Blick.

 

„Alles!“ rief er. „Mein Fieber - mir ist total heiß! Ich fühle mich angeschlagen, unruhig, verspannt – Ruprecht, ich kann einfach nicht mehr! Bitte …“

 

„Okay!“, erwiderte sie. „Aber nicht hier!“

 

ZZZZZZZZZZZZzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzZZZZZZZZZZZZZZZZZZZZZ!

 

„Santa - wir haben das Signal von Ruprecht verloren!“, rief der Weihnachtswichtel verzweifelt. „Was sollen wir nun machen?“ Das Erdenglas war sonst sehr zuverlässig.

 

„Nichts – wir werden warten!“, antwortete Santa seufzend. Was würde wohl noch alles geschehen?

 

© Azraela





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