Weihnachtliches Logbuch







13. November 2009

 

„Geschafft – Feierabend!“ Mit diesem erfreuten Ausruf stürzte Ruprecht polternd ins Arbeitszimmer vom Nikolaus. Zwei schwarze Stiefel flogen hoch durch die Luft,  zeitgleich warf Ruprecht sich schwungvoll nach hinten, landete auf dem bequemen Wolkensofa und macht es sich dort gemütlich.

 

„Schön wäre es!“, gab ihm Nikolaus seufzend zu verstehen. „Machst du schon wieder Überstunden?“ Ruprechts Stimme klang vorwurfsvoll.  „Santa – noch mal! Nein, nun mal ehrlich - Klaus - du solltest ein wenig auf deine Gesundheit achten! Die Jüngsten sind wir ja schließlich alle beide nicht mehr!“

 

Nikolaus blickte Ruprecht nachdenklich an. Obwohl beide weit über 1500 Jahre waren - verglichen mit den Menschen, kam er äußerlich betrachtet ungefähr an das Alter von 60 heran, Ruprecht hingegen würde man auf höchstens auf 27 Lenze schätzen. Natürlich konnten sie beide auch älter aussehen - oder jünger! Je nachdem, wie es die Filmrolle oder der entsprechende Werbespot von ihnen verlangte. Im Erscheinungsbild waren sie beide wirklich äußerst flexibel.

 

„Wie kommt es eigentlich, dass du schon fertig bist? Die Liste der bösen Kinder ist in heutiger Zeit doch wesentlich voller als früher! Folglich müsstest du dich doch länger vorbereiten – oder?“, wollte Nikolaus wissen.

 

Begeistert triumphierte Ruprecht: „Pah – wofür gibt es die Vorschriften? Da steht doch schließlich genau drin, welche Strafe ab wie vielen Punkten folgt. Und die entsprechende Namensliste habe ich mir schon von den Wichteln in meinen Palm übertragen lassen. So einfach ist das!“ Nikolaus sah Ruprecht mit dem kleinen Computer winken. „Im Grunde gibt es die Vorschriften aber auch in Form einer Belohnungsliste für dich. Was also, lässt dich so lange arbeiten?“, fragte Ruprecht zurück.

 

Nikolaus seufzte tief. „Das da!“ Er deutete auf seinen Kamin hin. Als hätte dieser genau darauf gewartet,  kam augenblicklich ein Wunschzettel herein geflattert. „Ach du meine Güte!“, rief Ruprecht entsetzt aus. „Die alte Rohrpost! - Die gehört längst abgeschafft! Die braucht doch  eine ganze Nacht, bis sie hier am Pol eintrifft. In der heutigen Zeit ist das völlig inakzeptabel!  Zusätzlich sollten wir eine Deadline einrichten –  sagen wir – bis Ostern? Alle Anfragen, Wünsche und Bitten die später eintreffen, können dann einfach nicht mehr bearbeitet werden!“

 

Nikolaus sah Ruprecht verärgert an.

 

„Was? - Das machen die Menschen doch genauso!“, verteidigte sich Ruprecht sofort, schwieg dann aber. Nach einer Weile nahm Ruprecht das Gespräch wieder auf. „Sag mal Santa, selbst wenn jetzt noch Last-Minute-Wünsche eintreffen ... eben in unseren Wunschscanner eingeworfen, müsste sich dein Palm doch auch automatisch auf dem neusten Stand einstellen. Was also - lässt dich Überstunden schieben?“

 

„Dieses Menschenkind hier!“, war Santas Antwort. Er deutete Ruprecht an, durch das Erdenglas zu schauen. Das Erdenglas diente dem Nikolaus dazu, die Menschen der Erde genau beobachten zu können. Es stellte sich automatisch auf die gewünschte Person ein und zeigte sie – egal wo sie sich gerade befand. „Nun ja – um ein Kind handelt es sich ja nun schon seit bestimmt über 40 Jahren nicht  mehr!“, rief Ruprecht aus. „Also was...?“

 

„Verglichen mit unserem Alter sind wohl alle Menschen -  noch Kinder!“, unterbrach Nikolaus. „Außerdem kam dieser Wunsch, ihm zu Nikolaus mit vielen süßen Sachen zu bescheren von einem Kind.“

 

„OKAY – dann bescheren wir ihn mit vielen süßen Dingen! Wenn er nicht gerade zu viele finstere Sachen getrieben hat und somit schwarze Punkte auf seinen Seelenblatt hat, wo liegt dann das Problem?“, meinte Ruprecht gelassen. „Selbst wenn er böse war… „BESCHERE“ ich ihn dann eben mit meiner Rute. Zeig mal sein Datenblatt.“  Hektisch ergriff Ruprecht das Datenblatt, um es zu studieren. “Oha, 170 Goldpunkte? Das ist ja ein richtiger GOLDKNABE! Ist er bei den Pfadfindern? 170 … 170.... lass mich mal nachschauen, da ich hab’s! Das sind 50 Lebkuchenherzen, 30 Dominosteine ... “

 

„Gar nichts hast du!“, warf Nikolaus sofort ein. „Er darf nämlich nichts Süßes essen. Er reagiert allergisch auf Zucker. Genau da liegt mein Problem! Was bitte nun? Das findest du in keiner Liste! Wie soll ich ihm da etwas Süßes schenken? Hinzu kommt, dass ich ihn in seiner Kindheit nie habe bescheren dürfen – es war der Wunsch seiner Eltern. Dabei hätte er es mehr als nur verdient! Als er erwachsen wurde, war ich erleichtert, endlich war er aus meiner Verantwortung. Und nun? Kommt dieser Wunsch von einem Kind:

 

„Lieber Nikkolaus, unser Nachbar Markt glaubt gar überhaupt nicht mehr an Dich. In seinem ganzen Leben hat er noch niiiieee etwas Süßes von Dir bekommen. Dabei ist Mark wierklich ganz, ganz Lieb! Bestimmt hast du ihn nur aus fersehen vergessen. Darum wünsche ich mir, dass Mark zu Nikolaus viehle, viehle Süße Dinge bekommt. Bitte, bitte Du darfst Mark nicht vergessen! Deine Nicki

 

Ich wone An der Zuckerstrase 13, Du weist schon … “

 

Erneut sah Ruprecht durch das Erdenglas - nachdenklich. „Er hat nie etwas Süßes bekommen...?“

 

Die Tage danach erwischte Nikolaus Ruprecht häufig an seinem Erdenglas. „Na, hältst du Ausschau – nach ihm?“, fragte er flachsend. Die Art und Weise wie Ruprecht die Frage abwehrte, ließ ihn amüsiert auflachen. „Wenn du möchtest, kannst du mir den Fall abnehmen – es wäre mir eine große Erleichterung!“

 

Überraschenderweise sagte Ruprecht sofort zu. Natürlich musste die Sache nun noch durch den himmlischen Aufsichtsrat. Nach anfänglichem Zögern willigte er ein. Seit der Freigabe des Auftrages durch den Rat, war Ruprecht nicht mehr vom Erdenglas wegzubringen. „Das nenne ich mal ungewohnten Arbeitseifer!“, dachte Nikolaus innerlich schmunzelnd...

 

© Azraela                                                                                    Ihre Meinung?







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