Tür der Träume

 

Als sie heimkam, war sie müde. Der Ferienjob schaffte sie. Sie war nicht daran gewöhnt, acht Stunden am Tag zu stehen und das fünf Tage hintereinander. Aber nun verkaufte sie Süßigkeiten im Kaufhaus, und das war kein schlechter Job. Gut bezahlt. Wenn sie nur nicht so müde wäre. Völlig erschöpft kam sie nach Hause. Gott sei Dank hatte sie jetzt ein Wochenende zur Erholung. Kein Mensch erwartete sie. Ihre Eltern waren noch bei der Arbeit und ihr Bruder Robert anscheinend schon auf dem Tennisplatz, aber es war ihr recht so. Sie würde unter die Dusche gehen und sich dann in ihrem Zimmer aufs Bett legen und nur noch schlafen. Wunderbar! Schon der Gedanken erfüllte sie mit Dankbarkeit.

 

Blanca ging kurz in die Küche und schnappte sich den Krug mit Eistee, der im Kühlschrank stand und schnitt sich eine halbe Honigmelone in mundgerechte Stücke. Das würde reichen. Bei dieser Hitze hatte sie sowieso kaum Hunger. Etwas Flüssiges war ihr bei Weitem lieber. So beladen stieg sie hinauf in den zweiten Stock des Hauses, wo sich ihr Reich befand. Ihr Vater hatte für sie, sein Augensternchen, den Dachboden ausgebaut. Dieser Teil des Hauses war ihr ausschließliches Refugium.

 

Erleichtert streifte sie sich in ihrem Zimmer die Schuhe von den bloßen Füßen und kickte sie unter das Bett. Wunderbar - der weiche Holzboden schmeichelte ihren Fußsohlen. Kühl und angenehm. Sie stellte ihr „Abendessen“ auf den Nachttisch und knöpfte ihre Kleid auf, streifte es von den Schultern und hängte es auf einen Bügel. In rosa BH und Höschen stand sie vor dem Bett und überlegte.

 

Ihr Blick fiel in den Spiegel. Gut sah sie aus. Groß und gut gebaut. Ihr Haar hatte die Farbe von dunklem Waldhonig und nachdem sie Honig-Shampoo verwendete, roch es auch so. Ihre schräg stehenden, blauen Augen konnten blitzen wie Diamanten. Im Großen und Ganzen gefiel sie sich. Nur ihr Mund war ihr zu groß, zu voll und zu auffallend. Aber das war eigentlich das Einzige, was ihr missfiel. Blanca griff nach hinten und hakte den Büstenhalter auf und ließ ihn fallen. Ihre Brüste wippten - und sie lächelte - bis sie ihn sah. Im Spiegel hinter ihr stand er: Manuel!

 

Gott, musste sie müde sein! Sie schüttelte den Kopf. Manuel! Das konnte nicht sein, aber sie hatte ihn doch sofort wiedererkannt. Wie lange hatte sie ihn nicht mehr gesehen? - Jahre? - Wie sehr hatte sie ihn vermisst!

Es gab aber keinen Manuel! Sie wusste es doch. Manuel war ihr "Harvey" gewesen - in Kindertagen, ihr „unsichtbarer Freund"; und ihre Eltern hatten so lange auf sie eingeredet, bis sie es endlich kapierte. Manuel war eine Fantasie, ein Wunschtraum ihrer Kinderzeit, und schließlich war er dann auch verschwunden.

 

Blanca hatte sich wochenlang in den Schlaf geweint. Dieser Verlust hatte sie tiefer getroffen, als der verstorbene Wellensittich, den sie eh nie gewollt hatte. Ihre Familie hielt sie allerdings für verrückt. Manuel war doch immer bei ihr gewesen! Sie waren zusammen aufgewachsen. Er war nur zwei Jahre älter, und er wartete immer auf sie in ihrem neuen Zimmer unter dem Dach! Dort hatten sie gespielt. Dort hatte sie ihn lesen und schreiben gelehrt, und dort hatten sie geredet - stundenlang geredet. Nur ein einziges Mal hatte er sie mitgenommen. Und da waren sie an einem wundervollen, weißen Strand gewesen - oder war es öfter gewesen? Aber irgendwann hatte sie ihm dann - unter dem Einfluss ihrer Eltern - erklärt, dass es ihn gar nicht gab, dass er nur ein Produkt ihrer Fantasie war!

 

Er hatte sie nur angesehen - traurig - und dann hatte er sie in die Arme genommen und auf beide Augen geküsst. „Ja, wenn das so ist ... dann sollte ich wohl nicht mehr kommen!“, hatte er gesagt, und dann war er verschwunden. Sie hatte ihn seither nie mehr gesehen. Zwölf war sie gewesen, damals. Das war nun sieben Jahre her - sie hatte ihn doch längst vergessen, dachte sie. Und da stand er nun hinter ihr und betrachtete sie im Spiegel.

 

Blanca hatte ihn sofort erkannt - auch wenn er sich sehr verändert hatte. Erwachsen war er geworden - so wie sie! Er musste jetzt 21 Jahre sein. Wie ein Pirat sah er aus - mit funkelnden Augen. Groß und schlaksig. Sein langes, dunkles Haar fiel lockig bis auf die Schultern und er trug einen goldenen Ring im Ohr. Seine „Garderobe“ bestand eigentlich nur aus Fetzen - und er war barfuß. Aber er sah so schön aus, dass ihr Herz bebte! - „Verdammt, er ist nicht real!“ - Entschlossen zog sie ihr Höschen aus und warf sich aufs Bett. Sie würde auf die Dusche verzichten! Schlafen war das Einzige, das helfen würde.

 

Sie schlief wirklich sofort ein, so erschöpft wie sie war, aber ihre Träume waren wirr. Irgendwie war sie wieder an dem schönen Strand gelandet - mit Manuel. Sie hatten zusammen eine große Sandburg gebaut, und er hatte sie schwimmen gelehrt. Blanca erinnerte sich, wie sie mit ihren Eltern dann zum ersten Mal nach Italien in Urlaub gefahren war, und auch das Erstaunen von Vater und Mutter fiel ihr wieder ein, als sie sahen, dass ihre kleine Tochter schwimmen konnte wie ein Fisch.

 

Auch der Schmerz erwachte wieder - in ihrem Traum. Die Trauer, als er sich verabschiedet hatte. Sie hatte es gewusst, damals: Er würde nicht wieder kommen. Sie hatte ihn enttäuscht, aber sie wusste doch selber nicht, was sie denken sollte. Ihre Eltern hatten darüber gesprochen, sie zu einem Psychotherapeuten zu bringen. Sie waren so sehr besorgt. Wie hätte sie ihnen erklären können, dass Manuel durch die Wand kam - in ihrem Zimmer unter dem Dach? Und das schon lange Jahre! Dass er ihr Freund war, fast ein Bruder! Sie vertraute ihm, aber auch er wusste viele Dinge nicht zu erklären - war ein Kind wie sie. Vielleicht hatten ja doch ihre Eltern Recht? Sie waren erwachsen!

 

Aber dann veränderte sich der Traum - wurde freundlicher, angenehmer. Manuel kam zurück zu ihr. Er saß auf dem Bett und betrachtete sie - mit glitzernden Augen. Seine Hand lag auf ihrem Arm und langsam, ganz langsam begann sie sich zu bewegen. Er streichelte sie. So zärtlich und liebevoll, dass sie schnurrte vor Entzücken. Offenbar nahm er das als Zustimmung und seine Hände machten sich selbständig, liebkosten ihren nackten Körper - und Blanca genoss diesen Traum. Manuel berührte ihren Bauch, befühlte zärtlich ihre Brüste und drückte sanft die harten Knospen. Er beugte sich über sie und hauchte sie an. Blanca stöhnte vor Sehnsucht und hob sie ihm entgegen. Schließlich war es ihr Traum! Und er saugte so wundervoll!

 

Seine Hände glitten indes weiter, tiefer hinab über ihre Schenkel zu den Knien, um dann an die Innenseite wandern und - fast heimlich - wieder höher hinauf zu tasten. Oh Mann! War das ein Traum! Blanca schwelgte in dem Gefühl, so berührt zu werden. Genüsslich öffnete sie die Beine und hoffte, es möge nicht aufhören. Und es hörte nicht auf. Manuel legte seine Hand auf ihre Scham und drückte sanft. Wie wundervoll sich seine Hände anfühlten! Sie wollte mehr - träumen - fühlen! Und, als wüsste er um ihre Sehnsüchte, beugte er sich über sie und ...

 

In diesem Augenblick knallte zwei Stock tiefer die Haustür ins Schloss. Blanca schreckte hoch, und er zog seine Hände zurück. Bis sie sich gefangen hatte und wieder in der Realität angekommen war, sah sie nur noch einen Schatten, der über die Wand glitt ... und verschwand. „Ich bin daaaa ... - wer noooch?“, hörte sie die laute Stimme ihres Bruders. So ein Trottel! Nun hatte er sie aufgeweckt, und sie hatte doch so wunderschön geträumt. So aufregend! Sie verwünschte ihn, aber sie stand auf und versperrte ihre Zimmertür. Ihn brauchte sie gerade noch! Wenn sie hier nackt auf dem Bett lag und lustvolle Träume hatte, sollte er bleiben wo der Pfeffer wuchs!

 

Nun konnte sie genausogut Duschen gehen! Erst als das lauwarme Wasser über ihren Körper rauschte, fielen ihr seine Hände wieder ein. „Manuel!“, flüsterte sie. „Wenn ich dich doch wieder hätte!“ Sie griff nach dem Duschgel und ließ es in ihre Hand tropfen. Es sah aus wie flüssiger Honig! Genüsslich verrieb sie es um ihre Brüste. Wie steil ihre Brustwarzen standen, wenn er sie berührte - sogar, wenn sie nur an ihn dachte! Blanca schloss die Augen und rieb, massierte und knetete ihren Busen. Langsam ließ sie ihre Hände tiefer wandern. Es fühlte sich so sinnlich an. Der Traum von Manuel weckte Sehnsüchte in ihr, die ihr Klaus nicht mal in seinem Bett bescheren konnte. Es war ganz richtig gewesen mit ihm Schluss zu machen. Sie liebte ihn nicht. Er war ihr Studienobjekt gewesen - so wie sie seines war. Sie grinste. Er war Student der Medizin, und sie war wohl seine „Leiche“ gewesen! Aber jetzt war es vorbei. Sie hatte jetzt Manuel!

 

„Blödsinn!“ Sie hatte Manuel nicht! Manuel war nicht existent, aber sie sehnte sich doch so nach ihm! Ihre Hände waren angekommen! Zärtlich kraulte sie ihr Lockenwäldchen. Der Zeigefinger glitt tiefer - und ihre Gedanken zu ihm zurück. Wie wäre es weitergegangen mit ihm? Wenn Robert nicht ... Sie stellte sich vor, wie es gewesen wäre, wenn er ... spreizte ihre Schenkel und kraulte intensiver. Wenn er sie jetzt sehen könnte! Behutsam öffnete sie ihre Scham. „Schau her, Manuel! - Gefällt dir, was du siehst?“ Oh ja! Es würde ihm gefallen. Bestimmt! Sie griff zur Dusche und regulierte den Wasserstrahl. „Das könntest du sein!“, stöhnte sie und ließ den kühlen Strahl auf ihre Muschi niederprasseln. Begehren floss mit dem Wasser über ihren Leib. Oh ja! Sie wollte ihn! „Manuel! Komm doch zurück! Vielleicht war ich ja verrückt damals - aber es war doch so schön!“

 

Und aufeinmal spürte sie seine Hände! Von hinten umarmte er sie, griff nach ihren Brüsten und knetete gefühlvoll. Sie konnte doch ganz deutlich seinen Körper wahrnehmen! Den nackten Leib eines Mannes, der sich an sie drängte! - Oh nein! Sie würde die Augen jetzt nicht öffnen. Sonst wäre er wieder verschwunden! Sie würde weitermachen. „Jaahhh!“ Ihre Fingerspitze umkreiste den prallen Kitzler. Der Honigduft mischte sich mit der angenehmen Schärfe von Kampfer. Manuel! Das musste Manuel sein! Hatte er nicht schon immer so gerochen? Sie erinnerte sich doch so genau. Konnte man solche Gefühle, solche Sinneswahrnehmungen und Düfte ... fantasieren? Was hatte sie sich da bloß einreden lassen! Man konnte sich doch nicht einen nackten Mann halluzinieren. Einen geilen, nackten Mann!

 

Sie spürte ihn doch. Sie spürte seinen Phallus an ihrem bloßen, nassen Po. Er rieb sich an ihren Backen, drängte sich zwischen ihre glitschigen Oberschenkel - ganz oben, da, wo sie ihn bereits an den Schamlippen spüren konnte. Bereitwillig öffnete sie ihre Beine und ließ ihn ein, drängte ihm ihr Hinterteil entgegen - schob sich förmlich auf ihn! Stöhnend drückte er sich hinein. Seine Eichel dazwischen. Blanca beugte sich vor. „Tu es!“, bettelte sie. „Ich will dich jetzt spüren - Manuel!“ Sie hängte die Brause ein, hielt sich an der Wand fest und reckte sich ihm entgegen. Warme, große Hände umfassten ihre Hüften und richteten sie aus, und dann drang er ein, dieser wundervolle, steife Zauberstab.

 

Man konnte sich doch keinen Schwanz einbilden! Da war sie sicher. Jetzt riss sie die Augen auf. Er konnte nicht verschwinden! Er steckte tief in ihr und machte sie so wild! Sie konnte sich jetzt nicht umdrehen, sie konnten jetzt nur noch reagieren. Sie bewegte sich, wippte mit dem Unterleib, stieß - ließ sich stoßen, und ihr Bewusstsein driftete davon ... an den Strand ihrer Träume. Ihr Körper antwortete ihm - zitterte, bebte in wildem Verlangen. Sie lag in seinen Armen und das Meer rauschte. Alles um sie herum drehte sich, und dann verschwamm ihre Wahrnehmung.

 

Als sie erwachte, lag sie auf ihrem Bett. Sie war alleine. - Was war geschehen? War etwas geschehen? Eine Decke war über ihren nackten Leib gebreitet und sie war trocken. Blanca war verwirrt. Manuel! Konnte man so etwas träumen? War es möglich, derart lebhafte Träume zu haben? Verdammt! Sie hatte doch sogar einen Orgasmus ... fantasiert? Sie schob ihre Hand zwischen die Beine.

 

Ohne Zweifel: Sie war erregt. Ihre Scham war geschwollen und nass! Aber war da noch mehr? Oder doch nicht? Sie stand auf und betrachtete sich im Spiegel. Nachdenklich! Sie sah aus ... irgendwie zufrieden. Wie eine Frau nach der Liebe aussehen sollte. Und sie ...? Zum Donnerwetter! Sie wusste nicht mal, ob sie nun Sex gehabt hatte - oder eben nicht! Aber ... wieso zur Hölle war ihr Haar feucht?

 

„Manuel!“ Ratlos sank sie auf ihr Bett zurück. All die zauberhaften Erinnerungen, die sie so geliebt hatte, kamen zurück. Eines Tages, als sie nach Hause kam - in ihr nagelneues Zimmer unter dem Dach, da saß ER auf dem Boden und schaute mit großen Augen zu ihr auf: Manuel! Er hatte ihren Teddybären in der Hand, und als sie eintrat, hielt er ihn ihr entgegen und fragte: „Was ist das?“ Komischweise erschien es ihr gar nicht seltsam, dass er da war. Sie erklärte ihm, dass das ein Tier sei - und er schüttelte den Kopf: „Das glaube ich nicht!“, erklärte er. „Solche Tiere gibt es gar nicht!“ So hatten sie sich kennengelernt. Blanca war gerade in die Schule gekommen - und Manuel hatte keine Ahnung, wovon sie sprach. Da wo er herkam, gab es keine Schule!

 

Blanca erinnerte sich. Sie waren schnell Freunde geworden, und irgendwann hatte er begonnen, mit ihr Hausaufgaben zu machen. Er lernte lesen und schreiben und rechnen. Und ihre Eltern waren begeistert von den Fleißaufgaben, die ihr Kind machte. Es war ihnen nicht beizubringen, dass das nicht ihre Schrift war! Sie lächelte in diese Erinnerungen versunken. Wie glücklich war diese Zeit gewesen. Und nun? Sie stand vor einer grundsätzlichen Frage: Hatte sie tatsächlich einen realen Freund - und seit heute einen Mann und Liebhaber? - Oder hatte sie einfach zuviel Fantasie?

 

Sie griff nach dem Eistee und trank durstig. Was für eine vertrackte Situation! Als sie den Tee zurückstellen wollte, sah sie es. Neben ihrem Kopfkissen lag eine Muschel - und darin eine große, blau-schimmernde Perle! „Eines Tages finde ich sie, die blaue Perle der ewigen Freundschaft - und dann schenke ich sie dir!“ Das hatte Manuel ihr versprochen, aber er durfte noch nicht mit hinausfahren aufs Meer. Er war noch zu klein gewesen zum Perlentauchen. Seim Vater hatte es ihm erklärt, und er war wütend gewesen. Blanca erinnerte sich. –

 

Und da lag sie nun - diese blaue Perle! Behutsam nahm sie sie in die Hand. Er war zurückgekommen, um sein Versprechen einzulösen! Verzückt betrachtete sie dieses zweifache Wunder! Sie musste das jetzt wissen! Verdammt, war sie nun verrückt - oder nicht? Allein diese Möglichkeit machte sie wahnsinnig! „Manuel!“, murmelte sie. „Manuel! Hilf mir! Sag mir, ob ich den Verstand verliere!“

 

Wie gut, dass keiner sie vermissen würde. Ihre Familie war inzwischen daran gewöhnt, dass sie sich nach der ungewohnten Ferienarbeit ausruhen musste, und so würde sie ihr Zimmer heute nicht mehr verlassen. Aber was wäre, wenn? Wenn Manuel tatsächlich kam ... zu ihr ... in ihr Zimmer? Sie sollte sich vielleicht anziehen! Blanca musste schmunzeln. Schließlich hatte er sie bereits vernascht - unter der Dusche! Oder doch nicht? Sie stand auf und griff sich ein weißes Batisthemd. Es gehörte eigentlich ihrem Bruder, und sie lieh es sich manchmal aus. Das war genug - für zuhause - obwohl es beileibe nicht viel war. Und als sie sich umdrehte, stand da ... ER!

 

Von Schwäche übermannt, sank sie auf ihr Bett. „Manuel!“, hauchte sie. „Weißt du, Blanca, ich habe dich niemals vergessen!“, begann er das Gespräch, als müsse er nur fortsetzen, wo er gestern geendet hatte. Sie starrte ihn an wie ein Gespenst. „Manuel!“ Mehr brachte sie einfach nicht heraus. Sie starrte nur seine nackten Beine an. Braungebrannt und muskulös. „Was ist?“, fragte er schroff. „Kommst du jetzt mit oder was?“ Er nahm einfach ihre Hand und zog sie hoch, zerrte sie hinter sich her und verschwand - durch die Außenwand.

 

Sie war verrückt! Jetzt wusste sie es! Als ihre Hand verschwand, war sie jedoch nicht mehr so sicher. Sie zuckte zurück, aber er ließ sie nicht los. Sie spürte ihn, auch wenn sie ihn nicht mehr sah. Blanca wollte - musste nun Gewissheit haben, also ... stieß sie hinein - in eine Wand, die keine war. Es war jedenfalls nichts zu spüren. Kein Hindernis, kein bisschen Materie. Weiter? -  Oder nicht? - Das war nicht mehr die Frage, als sie plötzlich nach vorne gerissen wurde - hinein - hindurch - und in Manuels Armen landete. Ihre bloßen Füße versanken in warmem Sand und weiches Abendlicht hüllte sie ein. Sie stand am Strand ihrer Träume.

 

Hier war sie schon einmal gewesen. Blanca erinnerte sich. Und doch hatte sie geglaubt, sie hätte das alles nur geträumt - oder halluziniert. Schon wieder gaben ihre Knie nach. Manuel löste das Problem. Er nahm sie einfach in die Arme und hob sie hoch - und dann trug er sie hinein, in ihr ganz privates Märchen.

 

Blanca sah sich nicht um. Viel zu sehr war sie gefangen in dem Wissen, in seinen Armen zu liegen. Viel zu sehr irritierte sie sein nackter Bauch an ihrer Haut, und dieser sinnverwirrende Duft nach Meer, nach Männlichkeit - und nach ihm. Wahnsinn! Sie war nicht verrückt und doch war das alles hier verrückter, als alles Bisherige in ihrem Leben. Wieso nur fühlte es sich alles so vertraut an?

 

„Na und?“, fragte er schroff. „Verstehst du es nun?“ Und nachdem sie nicht reagierte, schob er nach: „Erkennst du es nun wieder? - Du warst doch oft schon hier - mit mir!“ Ja, sie erinnerte sich. Langsam tauchten die Erlebnisse, die sie mit ihm verbanden, wieder aus der Tiefe ihres Gedächtnisses auf. Blanca hatte das alles vergessen - verdrängt, um „normal“ zu funktionieren. Sprachlos sah sie ihn an und nickte.

 

Irgendwie schien er zu merken, dass all dies nicht so war, wie er es sich ausgemalt hatte. In seinem Kopf hatte sie ihn einfach verlassen. Anders hatte er sich das Geschehen nicht erklären können. Sie hatte eben andere, bessere Freunde gefunden - und ihn einfach aus ihrem Leben gestrichen. Nun dämmerte ihm, dass dem nicht so war. Noch konnte er es sich nicht erklären, aber er verstand, dass sie immer noch seine Freundin war.

 

Leise begann er zu reden. Erklärte ihr, wie verloren er sich gefühlt hatte, als sie ihn „rausgeworfen“ hatte. „Es gibt dich ja gar nicht!“, hatte er interpretiert mit: „Es gibt dich nicht mehr - für mich!“ Er hatte nichts begriffen und war verletzt und beleidigt von dannen gezogen, hatte sich geschworen, sie nie mehr wiederzusehen, aber aus seinem Herzen war sie nicht verschwunden. „Und so bin ich dann eben ab und zu heimlich gekommen. Wenigstens anschauen musste ich dich doch!“

 

Blanca musterte ihn erstaunt. Das waren also ihre Träume. Sie hatte ihn doch wiedergesehen, nicht nur fantasiert. Wie schön er war! Das vertraute Gesicht hatte sich verändert - war markanter geworden. Er trug einen Drei-Tage-Bart, aber seine dunklen Augen blitzten wie ehedem - und sein Mund war genauso sinnlichen geschwungen, wie sie ihn Erinnerung hatte. Instinktiv schmiegte sie sich näher an ihn - und Manuel lächelte.

 

„Obwohl ...“, begann er und sein Lächeln wurde breiter. „Manchmal haben so heimliche Besuche schon auch was für sich!“ Blanca stutzte. Wenn sie an heute Nachmittag dachte, wurde ihr auf einmal sehr heiß. Er war da gewesen: Bei ihr - in ihr! Sie wurde knallrot. Manuel schmunzelte. „Nein, das hab ich nicht gemeint!“, murmelte er. „Das war das ... erste Mal - heute!“ Jetzt wurde er rot. „Verzeihst du mir? - Ich konnte einfach nicht widerstehen - und dabei wollte ich dich doch nur ein einziges Mal berühren! - Aber ... aber ... du hast mich herausgefordert. Du ... du hast so gebettelt. Du warst so süß! So geil! - Ich dachte du weißt, dass ich ... dass ...! Ach Blanca, ich liebe dich doch!“ Er brach ab.

 

Solch intime Geheimnisse kannte kein anderer. Sie war schon immer seine Vertraute gewesen. Nur bei ihr war er sicher, dass er sich Schwächen erlauben konnte und auch, dass sie ihrer beider Geheimnis bleiben würden. „Ich hab aber noch nie ... ich meine, ich hab dich noch nie ...!“ Jetzt kam er doch ins Stottern. –

 

Inzwischen war er angekommen. Mit ihr in seinen Armen ließ er sich nieder. Er setzte sich auf einen großen, abgestorbenen Baum, der an der Wasserlinie lag, direkt an der Klippe. Die Sonne sank dampfend ins Meer - aber Blanca hatte kein Auge dafür. „Was hast du gemacht?“, wollte sie wissen. „Ich hab immer nur geschaut!“, beteuerte er. „Zugeschaut!“, kam kleinlaut hinterher. Blanca spürte, wie eine Gänsehaut ihren Körper überzog. Noch war ihr nicht völlig klar, was er meinte, aber wenn das stimmte, was sie vermutete ... hatte sie jeden Grund zu erröten. Sie musste da jetzt Klarheit haben. „Wobei hast du zugeschaut?“ - „Na, du weißt schon!“ Manuel sah jetzt angelegentlich aufs Meer hinaus, aber dann überlegte er es sich. Er zog sie noch näher an sich, sah in ihre Augen und begann leise und eindringlich zu erzählen:

 

„Zum ersten Mal ... war es vor zwei Jahren. Du kamst nach Hause und ich war schon da. Ich saß auf deinem Schreibtischstuhl und erschrak zu Tode, als du ins Zimmer stürmtest, aber du hast mir keinen Blick gegönnt und hast begonnen dir deine Kleidung vom Leib zu reißen. Als du unter die Dusche bist, bin ich - sprachlos - verschwunden!“ Blanca erinnerte sich daran. Sie hatte ihn gesehen. Aber sie war so verärgert gewesen und dann auch das noch! Manuel! Eine Fama! Sie hatte beschlossen, ihr Hirngespinst einfach zu ignorieren - und richtig! Er war verschwunden.

 

„Aber letzte Woche ...“, begann er noch leiser. „Da kam ich erst, als du schon im Bett warst. Du hattest geschlafen, aber vielleicht habe ich dich geweckt.“ Blanca stöhnte entsetzt. Sie wusste sofort, was jetzt kam. Sie hatte ... Oh Gott! Das konnte doch nicht wahr sein! Sie hatte sich befriedigt und er ... - Und was noch schlimmer war, war, dass sie ihn gesehen hatte. Der Gedanke an ihn und dass er zusah, hatte sie besonders erregt. Allerdings war er da noch ein Trugbild gewesen. Kein Mann aus Fleisch und Blut!

 

Nun aber hielt sie dieses „Trugbild“ in seinen Armen und ihr bloßer Po auf seinen nackten Schenkeln machte sie verrückt. Sie konnte seine Erregung nur zu deutlich spüren. Dort! Und seine Hände waren inzwischen zu ihren Brüsten gewandert, und sie hatte nicht die Kraft, ihnen Einhalt zu gebieten. „Es war wundervoll dir zuzusehen!“, flüsterte er ihr ins Ohr. Wieso klopfte nur ihr Herz so schnell? Seine Hände, die hingebungsvoll ihre Brüste massierten, entflammten ihr Blut. War er nicht schon immer ihr sehnsüchtigster Traum gewesen? War es nicht er, an den sie dachte, wenn sie ...

 

„Wie schön du ausgesehen hast! Zuerst konnte ich nur ein langes, schlankes Bein sehen, das unter der Decke hervorkam und ... ich sah, wie deine Decke sich bewegte!“ Blanca stöhnte - vor Scham und auch vor Erregung. Sie wusste wirklich nicht, ob er aufhören sollte, oder ... „Dann ist dir wohl zu warm geworden - und du hast deine Bettdecke weiter hinab geschoben.“ Sein Atmen war jetzt auch zu einem unkontrollierten Keuchen mutiert, aber er hörte nicht auf. Zu erregend war dieses Spiel, konnte er schließlich spüren, wie Blanca reagierte, auch wenn er seine Hände nicht frei hatte, Manuel fühlte die warme Feuchtigkeit an seinem Oberschenkel.

 

„Wie gerne hätte ich deinen Busen berührt!“, stöhnte er und drückte sanft ihre Brustwarzen zwischen seinen Fingern. Der warme Hauch seines Atems richtete ihr alle Härchen auf der Haut auf. „Das hab ich mich nicht getraut!“, stammelte er weiter. „Aber angesehen ... angesehen hab ich sie - deine Brüste. Sie haben gezittert ... und ... und ... bei jedem Stoß ... sind sie gehüpft. - Ich habe gebetet, dass du die Decke ganz abwirfst und mir zeigst ...“ Manuel rang nach Luft, als er spürte, wie Blanca ihren Unterleib an ihm rieb. „Ich will dich so sehr!“, raunte er - und dann küsste er sie.

 

Blanca versank in diesem Kuss. Ja, sie wollte auch! Sie wollte ihn haben. Sich von ihm lieben lassen. Langsam ließen sie sich von dem Baumstamm nach hinten hinunter gleiten und streckten sich im warmen Sand aus. „Du bist keine Einbildung!“, flüsterte Blanca. Lächelnd schüttelte Manuel den Kopf. Sein Vater hatte es ihm erklärt - damals. Das heißt, er hatte versucht einem Kind das Unerklärliche verständlich zu machen. Er hatte ihm gesagt, es sei eine Türe in eine andere Welt. Jetzt aber kannte er die Wahrheit: Es war eine Möglichkeit seine Sehnsüchte zu verwirklichen. Es war die Tür der Träume! Und seine Träume würden jetzt wahr werden.

 

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