Hammer und Amboss

(Homosexuell)




 

Björn war heiß. Fürchterlich heiß. So heiß, dass ihm fast schlecht wurde. Er hatte nicht gewusst, dass Seidenbettwäsche so heiß werden konnte. Unruhig rutschte er herum.

 

Vor ein paar Stunden hatte ihn Annabelle nach einem fürchterlichen Streit aus der gemeinsamen Wohnung geworfen. Im Grunde war das falsch herum – es war seine Wohnung, doch hatte er gute Miene zum bösen Spiel gemacht und war die drei Treppen hoch zu Thorsten, einem alten Freund und Arbeitskollegen, gestiefelt, um sich ein Hotelzimmer zu organisieren. Thorsten hatte ihn ausgelacht. „Komm mal runter, Björn! Um halb elf kriegst du kein vernünftiges Zimmer mehr." Björn hatte mit belegter Stimme Dutzende von Argumenten für ein Hotelzimmer angeführt. Ein langer, nachdenklicher Blick von Thorsten, der Björns doch eigentlich kristallklare Argumente in sinnloses Gestammel verwandelte. „Björn … hör’ auf mit dem Rumgezicke!"

 

Thorsten hatte ziemlich amüsiert geklungen. „Bleib heute Nacht einfach hier und morgen klären Du und diese Ziege das Thema." Natürlich. Logisch. Die pragmatische Lösung. Die Thorsten-Lösung. Nur … in Thorstens winziger Wohnung gab es keine Couch. Also der Boden. Für eine Nacht würde das schon gehen. „Du kannst bei mir im Bett pennen." Björns Herz hatte bis in seine Kehle, seinen Kopf geschlagen. „Deine Jungfernschaft ist bei mir in … guten Händen." Thorstens dunkle Stimme klang sardonisch. Björns Hände hatten sich geballt und wieder geöffnet und wieder geballt und geöffnet, denn das war das zentrale Problem. Der Grund, warum er solche Schwierigkeiten hatte, eine Nacht bei einem alten Kumpan aus vergangenen Schultagen, bei einem Kollegen und Freund zu verbringen – Thorsten war schwul.

 

Und nun lag Thorstens warme, männliche Präsenz keinen Meter entfernt neben ihm. Vorsichtig versuchte Björn eine weniger ungemütliche Position zu finden. Wenn wenigstens seine Blase voll wäre! Er war doch nicht schwul. Wie konnte es sein, dass …? Wieder rutschte Björn unruhig hin und her. Verfluchte sich gleich darauf, denn das spinnwebgleiche Streicheln der glatten Seide ließ sein Glied nur stärker anschwellen. „Schwule … Schwule … tragen rosa Tüllsachen … trinken süße Cocktails und … und … kichern wie Schulmädchen!" zuckte eine Summe von höchst kindischen Vorurteilen durch Björns erstarrtes Hirn. Ein leiser Schnarchlaut von Thorsten lachte ihn aus. Thorsten trug Leder, Wolle, Leinen und gut geschnittene Anzüge. Thorsten trank Bier, Met und staubtrockenen Weißwein. Thorsten hatte soviel mit einem Schulmädchen gemein wie ein Schmiedehammer mit dem sprichwörtlichen Wattebällchen. Nur Kichern … das konnte er. Und grinsen, lächeln, lachen. Schallend lachen, von ganz tief unten.

 

Verdammt, verdammt, verdammt! Björn versuchte, dem sachten, sanften Rieseln in seinem Bauch Herr zu werden. Wälzte sich herum und kassierte weitere seidige Streicheleinheiten. „Sag mal ...", klang Thorstens tiefe Stimme etwas schleppend. „Hast du Ameisen im Hintern?" – „Ich … ich muss nur mal auf’s Klo!" log Björn, warf die Decke zurück und stand auf. Fluchte innerlich über seine Unachtsamkeit, spürte die Röte in seinem Gesicht, schimpfte auf die Helligkeit der Straßenbeleuchtung. „Ich seh’s." Knochentrocken Thorstens Kommentar, während sein Blick langsam und genüsslich von Björns erigiertem Penis über den kraftvollen, sehnigen Körper zum Gesicht glitt. Blaue Augen trafen auf braune. Björn spürte ein schmerzhaftes, lustvolles Ziehen von seinen Hoden in den Bauch. Senkte verlegen die Augen.

 

„Wie alt bist du eigentlich, Kleiner?" Thorsten hörte sich sehr nachdenklich an. „33 … was soll das? Das weißt du doch!" – „Ich wollte mich nur vergewissern, dass der … der Bub, der hier gerade vor Scham versinkt, weil er ‘ne Latte hat, und du dieselbe Person sind." Tiefes Seufzen. „Und was für eine prachtvolle Latte!" Björn warf Thorsten einen schnellen Blick zu. Ein breites, laszives Lächeln zierte das kantige, etwas harte Gesicht. Der muskulöse Körper lag wie eine Fleisch gewordene Statue im milchigen Licht. Und da … unter der dünnen Decke war Thorstens Erregung deutlich zu erkennen. Leises Lachen klang aus dem Bett. „Ich hab damit keine Probleme, Björn. Ich kriege nun mal öfter einen Steifen, wenn ich einen attraktiven Mann sehe." Mit seltsam belegter Stimme: „Vor allem, wenn ich diesen Mann begehre." Ein elektrischer Schlag zuckte durch Björn. Diesem speziellen Thema waren sie seit Jahren aus dem Weg gegangen. Seit jener Party, als Thorsten – ein wenig angetrunken – Björn seine … seine Liebe gestanden hatte. Björn hatte ihn nicht weggestoßen, hatte sich nicht abgewandt. Er hatte reglos, wortlos gestanden, benommen von dem tobenden Sturm in seinem Innern. Anschließend hatte er sich fürchterlich besoffen.

 

„Du hast jetzt zwei Möglichkeiten, Kleiner." klang die tiefe Stimme. „Du gehst auf’s Klo und ..." Eine eindeutige Handbewegung. „... oder du krabbelst wieder ins Bett und tust, was ein Mann eben tut." – „Ich … wenn ich … ich versaue dir doch die Bettwäsche!" Warum klang er nur so … so kieksig? Thorsten rollte die Augen. „Na und? Dann wechselst du sie halt morgen früh. Wenn du blöde Hete das erforderliche handwerkliche Geschick dazu hast, heißt das." Schalkhaft funkelnde Augen, spöttisches Grinsen. Björn setzte sich in Bewegung. Dann setzte sein Herz aus. Die falsche Richtung! Er glitt wieder ins Bett zurück statt in die zeitweilige Sicherheit der Toilette zu flüchten. Rasend setzte sein Herzschlag wieder ein. Thorsten schmunzelte und hauchte ihm einen Kuss zu.

 

„Was nun?", fragte sich Björn, als er neben Thorsten lag. Näher als beabsichtigt. Er biss die Zähne zusammen, griff entschlossen zwischen seine Beine und … es fühlte sich an, als ob er sich mit den schweren Schmiedehandschuhen am Ohr kratzte. „He, Süßer!" Die weiche, dunkle Stimme war keine Handspanne entfernt. Ein Hauch warmen Atems kitzelte sein Ohr, ließ einen … wohligen Schauer über seine Haut huschen. „Was du da in der Hand hast, ist ein Penis." fuhr Thorsten mit gelindem Spott fort. „Ein Körperteil voller Blutgefäße und Nerven. Höchst empfindlich, höchst sensibel. Du solltest da nicht mit ‘ner Grobfeile ran." – „Was soll ich denn sonst machen? Polierpaste nehmen?" Leises Kichern. „Interessante Idee. Für den Anfang würden wohl zwei, drei Tropfen Olivenöl auf die Eichel ..." Das Zucken kam von ganz tief unten.

 

Björn bog sich in den Hüften. „Na, was ist denn das?" fragte Thorsten ironisch. „Halt den Mund, du … Tucke!" – „Hast du mal meine Negligées gesehen?" Negligées? Dieser Kerl wie ein Stahlträger trug Negligées? Vor Björns geistigem Auge tanzen verführerische Nichtigkeiten, wie Annabelle sie trug. „Oh Gott!" stöhnte er. Fauchte Thorsten dann an: „Du … du … Tom of Finland!" – „Oha … meine süße Hete kennt sich aber aus." spöttelte Thorsten. Aufgebracht warf sich Björn herum und starrte Thorsten in die Augen. „Du … du … rosa Tüllmonster!" Ein, zwei Herzschläge Schweigen. Dann zuckte es in Thorstens Gesicht, in seinem Körper. Ein tiefer, tiefer Atemzug. Glucksen quoll empor wie frisches, kühles Wasser aus einer grundlosen Quelle. Thorsten warf den Kopf nach hinten und lachte schallend. Björn blickte den vor Heiterkeit bebenden Mann böse an. Verpasste ihm einen scharfen, harten Schlag gegen die oberen Brustmuskeln. Noch einen. „Hilf mir doch, du Blödmann. Hilf mir doch endlich! Was soll ich nur tun?"

 

„Das ..." Immer noch schwer atmend vor Lachen tippte Thorsten drei, vier Mal auf die Stirn von Björn. „... ist dein zentrales Problem. Da oben in deinem hübschen Kopf hast du die Welt in feste Kategorien eingeteilt. Was ist. Was sein darf. Was nicht sein kann. Und wehe, irgendwas ist mal … anders. Lass dich fallen, Süßer. Folge deinem Herzen. Höre auf deinen Bauch." Der Finger streichelte unendlich sanft und doch kraftvoll von der Mitte der Stirn über Björns Augenbraue, am Augenwinkel vorbei, über die Wange zum Ohr. Folgte, stöberte, erkundete die delikaten Linien des Ohrs, während eine warme, feste Hand sich sachte an Björns stoppelige Wange legte. Bevor er nachdenken konnte, schmiegte Björn seine Wange gegen Thorstens Hand. Ein scharfer, harter Atemzug. Nicht von ihm. Er wollte … wollte … Die Vorstellung raubte Björn fast den Atmen. Schnell griff er mit beiden Händen nach Thorstens Hand, nahm sie aus seinem Gesicht und blickte die Handfläche an, als habe er so etwas noch nie gesehen. Senkte zaghaft, unsicher, voll keimendem Begehren den Kopf, bis seine Lippen den Handteller berührten. Der Geruch von frischem Schweiß. Der Geschmack von Salz. Hatte Thorsten sich damit … berührt?

 

Björns fiel das Atmen, das Denken schwer. Ganz langsam berührte er die Hand mit der Zungenspitze. Wie Feuer brandete es durch seinen Körper, erregte, verwirrte, befriedigte ihn. Von Thorsten kam ausnahmsweise kein Kommentar. Seine tiefblauen Augen sogen sich an Björns Gesicht fest. Sein Atem ging schwerer. Björn ließ die Hand los. Senkte wie gegen einen großen Widerstand seinen Kopf, seine Schultern, seinen Oberkörper. Haut berührte Haut. Björn barg den Kopf an der Schulter des anderen Mannes. Der schob ihm sanft den Arm um die Flanke, unter Björns Arm hindurch, hinab zu den schmalen Hüften. Die Hand lag locker auf Björns Bauch. Björn drehte seinen Kopf, so dass seine Wange auf Thorstens Brust lag. Roch den anderen Mann. Metallisch. Herb. Wild. Spürte Thorstens Lippen in seinem Haar, auf seinem Kopf. Drehte sich weiter und weiter, bis er Thorsten ins Gesicht sah.

 

Ein schmaler, etwas kantiger Schädel. Ein herbes, männliches Gesicht, das jetzt weich und zart aussah. Spinnennetze von Lachfältchen in den Augenwinkeln. Björn schob sich langsam an Thorsten empor. Drehte sich weiter, um entspannter zu liegen. Spürte mit einem leisen Schauder, wie sein Glied sacht über Thorstens Schenkel glitt. Zog scharf den Atem ein, als eine unbekannte, glatte, harte … Präsenz seinen Schenkel berührte. Thorstens Miene war reines Begehren. Ein leiser Laut klang aus seiner Kehle. Björn küsste Thorstens Lachfältchen. Empfing einen Kuss auf den Adamsapfel. Hauch einer Zungenspitze, die seine Kehle entlang glitt. Nahm Thorstens glühendes Gesicht zwischen seine Hände, streichelte die Schläfen, die Ohren. Spürte die kräftigen, trotz aller Pflege leicht rauen Hände. Hinab glitten sie, kneteten seine festen, schmalen Hüften. Wurden zu zehn harten Fingern und gruben fast schmerzhafte Spuren der Liebkosung in seine Flanken, seinen Rücken, seine Schulterblätter. Björn ließ seine Hände vom Gesicht hinab auf die schwellenden Oberarme des anderen Mannes gleiten. Genoss das Spiel von Bizeps und Trizeps unter der Haut.

 

Thorsten hob leicht den Kopf. Begehrend, bittend. Björn senkte seinen Kopf, öffnete leicht und etwas unsicher seine Lippen. Wie würde …? Die Lippen Thorstens waren trocken und schmal. Björn erwiderte den sanften Kuss. Spürte eine fauchende Flamme von seinem Mund durch den Körper fahren. Forderte mehr. Stürmischer. Pochte mit seiner Zungenspitze an Thorstens Mund und fand Einlass. Ließ eine Hand auf Thorstens Brust gleiten, massierte die Muskeln, knetete die … Brust, streichelte den Hof und die harte Brustwarze. Zunge kreiste um Zunge. Zunge stieß an Zunge. Eine Hand glitt über den glatten, festen Bauch. Tiefer. Atem fauchte in Atem wie eine Esse. Eine leichte, fragende Berührung. Björn stieß hart den Atem aus und die Hüften nach vorne. Sein Glied glitt in die halb geöffnete Hand des anderen wie in die Vulva einer Frau. Die Hand schloss sich fest um sein Glied. Glitt ein, zwei Mal kraftvoll streichelnd auf und ab. Verschwand, um eine feste Pobacke zu erkunden. Björns Atem fauchte in einem langen, tiefen Seufzer aus den brennenden Lungen. Er barg sich wie ein Ertrinkender an der muskulösen Brust seines … Freundes?

 

„Thorsten ..." – „Ja, Björn?" Beide Stimmen klangen schwer, belegt, heiser. „Ich … ich hab’ Schiss vor … vor Analverkehr." Ein Kuss, noch ein Kuss auf seine Schlüsselbeine. Die Wärme von Thorstens Lachen hüllte Björn ein wie eine Liebkosung. Eine Hand streichelte seine Schläfe, legte sich sanft auf seine Wange. Björn schmiegte sich an. Mit scheinbarer Entrüstung spottete Thorsten: „Das ist alles nur dieser widernatürliche, fremdgeschlechtliche Sex, sag’ ich dir!" Ernsthafter: „Wir haben die Freiheit, einander zu sein, was wir wollen." Björn schloss die Augen und wartete, bis sich die Woge schlagartiger Erregung gebrochen hatte. „Mach mich nicht scharf, Kerl!" wisperte er. Eine spöttisch gehobene Augenbraue. Björn leckte die Lippen. „Das is jetzt nicht einfach" murmelte er. Blicke fest in Thorstens blaue Augen. Schluckte hart. Noch ein paar Schritte, ein paar Worte und es gab kein Zurück. „Bei meinem … meinem ersten Mal ..." Thorstens Augen weiteten sich und sein Körper zuckte gierig. „.... will ich … dass du mich nimmst." Ein endlose Winzigkeit noch. Björn sprach die Worte als zerbeiße er Steine: „Ich will … mich … dir ..." Jetzt. „... hingeben."

 

Thorstens kraftvolle Arme schlagen sich um den schlankeren, sehnigen Freund. „Björn … Liebster … Kleiner … ich …" Feuchtigkeit schimmerte in Thorstens Augen. Zärtlich küsste Björn den Freund … den Geliebten. „Ich bin gesprungen, Alter. Vielleicht wird’s mich zerschmettern. Vielleicht lerne ich fliegen. Thorsten …" Zögern vor dem ungewohnten, neuen Wort. „Liebster … bring mich zum Fliegen!" Zwei Körper verschmolzen in einem endlos scheinenden Kuss. Dann schob Thorsten mit sanfter Kraft Björn ein Stück von sich. Drehte ihn zugleich, so dass der andere auf dem Rücken zu liegen kam. Zwei Finger streichelten leicht von seiner Stirn über Nase, Mund und Hals. Glitten über Hals, Brust und Bauch, bis sie kurz die Eichel von Björns Glied berührten. Wurden zur Hand und wichen nach links, nach rechts. Massierten die festen Schenkel. Streichelten die bebenden Flanken. Kneteten die zitternden Muskelpakete des Bauchs. Und wieder hinab in zarter Festigkeit über das bebende, zuckende, erregte Fleisch, tiefer noch, bis sich Thorstens Hand sacht um Björns Hoden schloss. Und wieder empor wie ein Riesenrad, wie ein Feuerrad, das langsam und torkelnd vor Björns Augen zu kreisen begann.

 

Begehrend hob er den Kopf. Empfing einen Kuss. Ein Dutzend Küsse. Eine Flut von Küssen. Augen und Schläfen, Mund und Nase. Wangen und Kinn, Hals und Brust. Thorstens Zunge spielte um Björns Brustwarzen. Die Zähne bissen spielerisch in das zarte, harte Gewebe. Die Lippen saugten. Björns Atem ging keuchend. Sein Körper bebte. Mit zitternden Händen streichelte er die Schultern, den Rücken des anderen. Reichte tiefer und tiefer, bis er das dichte Gebüsch von Thorstens Scham kraulte. Fasste zu. Spürte zuckende, pulsierende, feste Wollust. „Bitte … bitte ..." Björn wusste nicht, ob er oder Thorsten oder sie gemeinsam wimmerten. Genoss, forderte, gab. Wurde von Gier, von Geilheit, von Lust überwältigt. Öffnete die Beine wie eine Frau. Schubste, drücke, stieß den anderen zwischen seine gespreizten Schenkel. Thorsten nahm Björns Kopf in beide Hände. Senkte seinen Kopf und küsste den anderen. Seine Zunge forderte, bat, erhielt Einlass. Kreiste und stieß und wurde gestoßen.

 

Da … Mit einem Wimmern stieß Björn seine Hüften nach oben. Spürte, wie Härte auf Härte traf. Sich umkreiste, drückte, auseinander wich, stieß, verschmolz. Seine Hände hatten sich in Thorstens Rückenmuskeln gekrallt, doch wichen diese Muskeln nicht im Schmerz. Wie glühendes Eisen formten sie sich unter den Händen des Schmiedes. Behielten Kraft und Elastizität. Wurden Stahl. Verwandelt, veredelt. Auf und ab glitten Hüften zwischen Schenkeln, sausten die Hämmer auf den Amboss der Lust. Plötzlich stieß Thorsten Björn mit aller Kraft in die Kissen, beugte den Körper in den Hüften weit zurück und riss den Mund in lautlosem Schrei auf. Björns Hände klammerten sich an Thorstens Arme. Riss sich empor, um den Mund des Geliebten mit seinem Mund zu decken, mit seinem Atem zu füllen. Weißglühende Hitze, als Atem in Atem fauchte. Wie flüssiges Metall beim Abstich die klebrige Nässe zwischen ihren Beinen. Flimmern vor den Augen, als die Luft knapp wurde. Dann ruhte das Werk.

 

Später, nach viel zu kurzer Rast, lagen sie aneinander gekuschelt. Thorsten streichelte Björn die Haare. Der malte mit dem Zeigefinger sinnlose Figuren auf Thorstens Brust. Das erste, graue Licht fiel durch’s Fenster. „Ich mach’ heute krank." wisperte Björn. Thorsten nickte. „Ich auch. Ich halte keine acht Stunden durch." – „Wir leiden an … an … postkoitaler Insuffizienz!" Thorsten grinste. „Blödmann!" Ein Kuss auf den verschwitzten Schopf. „Ich liebe dich." Björn hauchte eine Antwort auf Thorstens Brust. „Ich liebe dich." Er räkelte sich, grub sich genüsslich tiefer in die Umarmung des anderen Mann. „Ich glaube fast, dass deswegen alle meine Weibergeschichten so schief gingen." Thorsten nickte nachdenklich. „Das ist gut möglich." Dann: „Was ist mit Annabelle?" Björn zuckte gleichmütig die Achseln. „Sie hat gestern wieder mal mit mir Schluss gemacht. Ich weiß nicht, ob sie’s dieses Mal ernst gemeint hat. Ich meine es dieses Mal ernst." – „Sie wird dir die Eier abreißen, wenn sie mitkriegt, dass wir beide ..." Björn schüttelte den Kopf. Blickte Thorsten in die Augen, während tausend Teufelchen in seinen Augen tanzen. „Wird sie nicht." – „So?" – „Sie wird schnurren wie eine satte Katze, denn ..." Björns Grinsen war diabolisch. „... sie hat sozusagen die Exklusivrechte, über mein Coming-out zu tratschen." Thorstens donnerndes Lachen und Björns stilles Schmunzeln begrüßten den jungen Tag.

 

© Arne                                                                                            Ihre Meinung?