Escort-Gentleman




Eigentlich wusste er nicht so recht, wen er besser fand. So ein dämliches Problem. Es gab da zwei, die seine Gedanken okkupierten. Er, Hendrik, der erklärte Fan dieser Erotikseite hatte zwei Lieblingsautorinnen. Na ja, eigentlich nur eine. Die erste und ursprüngliche war Anita Isiris. Was schrieb sie für heiße Geschichten - er liebte sie! Jede einzelne der fast hundert Stories hatte er gelesen. - Was heißt gelesen? Verschlungen hatte er sie! Er hielt A.I. für die absolut Beste!

 

Sie schrieb einfach genauso, wie er es liebte. Er mochte es zum Beispiel nicht, wenn die Autoren seitenlang herumfabulierten ohne etwas zu sagen, bzw. so pomadig oder romantisch verklärt daherkamen, dass ihm die Butter vom Tisch tropfte, aber er wusste natürlich, dass Stil Geschmackssache war. Trotzdem sollte ein Text, dem das Attribut „literarisch“ angeheftet werden sollte, den Stil nicht völlig vernachlässigen. Das war seine Meinung, die er auch öffentlich lautstark vertrat. A.I. schrieb deutlich, drastisch und sie war stilistisch wesentlich besser, als die andere.

 

Diese zweite Autorin gab es noch nicht lange und er wusste eigentlich auch gar nicht, ob er sie da haben wollte - auf „seiner“ Seite? Beatrice von Stein schlug ein, wie eine Bombe. Es gab jede Menge Leser, die sie einfach anhimmelten. Zu blöd! Und A.I. zollte ihr auch noch neidlos Lob. So ging das aber nicht! Jedenfalls nicht mir ihm. Er würde ihr schon Paroli bieten. Seine Kommentare zu ihren Geschichten fielen deshalb auch immer bissig aus. Er kritisierte diese Autorin immer wieder, spottete weidlich und - er mochte ihre Geschichten nicht, obwohl er auf sie reagierte. Sie machten ihn an - und zwar kräftig. Eine halbe Seite, und er war geil. Und genau das war es, was er wollte, was er brauchte - auch beruflich.

 

Nach geraumer Zeit erwischte er sich dabei, dass er BvS las, wenn er dieses besondere Bedürfnis hatte. Wenn er scharf werden wollte, waren ihre Geschichten einfach wirksam. Es gefiel ihm nicht, denn sie waren nicht so, wie er es bevorzugte, aber eben doch so, dass er reagierte. Sie waren zu romantisch, viel zu schmalzig und doch so deutlich, dass sein Schwanz zuckte, bevor er sich versah. Es war ihm tatsächlich schon passiert, dass er seine gesamte Computertastatur …! Nein, er konnte sie nicht leiden, diese Frau, mitsamt ihren geilen Geschichten, denn schließlich war, was er brauchte, nur ein steifer Schwanz - zur Befriedigung seiner Kundinnen, nicht eigene Lust! Doch manchmal hatte er sich nicht in der Gewalt - aber das passierte ihm nur bei ihr. Verfluchte Hexe!

 

Inzwischen fiel er schon auf, wenn er im Forum über sie herzog. Hendrik fand immer etwas auszusetzen. Mal waren ihm die Mädels zu jung, dann wieder passte die Stellung nicht, oder das Vorspiel war zu lang. Warum, in Gottes Namen, kam sie nicht zum Punkt? Er wollte es schnell und herrisch. Am liebsten von hinten und ohne besondere Vorbereitung. Die Frauen hatten sich nach ihm zu richten. Außerdem wurden sie schon scharf genug, wenn er ihnen seinen Schwanz zeigte. Da war er ganz sicher. Er hatte nur dummerweise den falschen Job.

 

Diese Gesülze regte ihn auf - und doch wusste er, wenn er weiter las, lohnte es sich. Sie zwang ihm ihr Vorspiel auf - wie seine Kundinnen. Aber es wurde schließlich noch so geil, dass auch er auf seine Kosten kam, und das war es ja, was er wollte. Manchmal! - Gleichzeitig hasste er es. Sie hatte Macht über ihn - zumindest über seinen Schwanz - aber sie machte ihn auch so scharf, dass es lief wie geschmiert. Er konnte die hässlichste Kundin ficken, ohne mit der Wimper zu zucken. Ein Klick in seinem Kopf, „ihre“ Story lief ab - und er auch!

 

Es hatte sich schon herumgesprochen. Der „Bulle“ nannte man ihn! Seine Agentur gab ihm vorzugsweise die „Problemfälle“, denn er war „standfest“. Dabei war es ganz einfach. SIE war so zuverlässig. Alles, was sie schrieb, war erregend - wenn auch nicht sein Geschmack. Vielleicht war es ja gerade das. Er wurde ärgerlich. Frauen hatten untergeben zu sein, devot! - Nicht bei ihr! Bei ihr war Sex ein Spiel - ihr Spiel - und diese Schlappschwänze, die sie beschrieb, schienen es auch noch zu genießen! Diese Kuh hatte ja keine Ahnung, wie ein richtiger Mann fickte - wie ER fickte! Diese Hexe! Die würde er gerne mal so richtig durchziehen, ihr zeigen, was Sache war. Und immer mehr verselbstständigte sich diese ganze Angelegenheit. Wann immer er SIE „brauchte“ - was dank seines Jobs oft war, stand SIE zur Verfügung. Am Anfang waren es ihre Geschichten, die er im Kopf hatte, aber zunehmend okkupierte SIE seine Gedanken. Er hasste es, aber er wusste auch: Es machte ihn spitz bis in die Haarspitzen. Dieses Mistweib! SIE sollte ihn mal buchen! Er würde ihr die Flötentöne schon beibringen.

 

Heute Nacht hatte er jedoch eine neue Kundin. Bei jeder Neuen stellte er Mutmaßungen an. Wie sah sie aus? Was würde sie wollen? Wie würde sie sich benehmen? Wäre sie überlegen oder, so wie er es liebte: Devot? Die meisten Kundinnen waren das leider nicht. Sie waren Karrierefrauen, die ihn „geschäftlich“ locker in die Tasche stecken konnten, und sie waren diejenigen, die bezahlten! Wer zahlt, gibt an! Ein blödes Scheißspiel! - Sein Lustbringer hatte nur zu funktionieren. Wenn nicht der, dann ein anderer. Basta!

 

Und seine Info für heute? Alter Adel - aus Frankreich. Die Lady besaß ein Weingut - geldig ohne Ende. Eine unbefriedigte Mittvierzigerin, schätzte er. Zu fett und faltig, um einen Lover aufzutun - und der Alte würde sich mehr mit seinen Reben vergnügen, als mit ihr. Ha! Hendrik grinste vor sich hin. Er würde ihr schon zeigen, was ein richtiger Mann mit ihr machte …

 

Der „Bulle“ bereitete sich vor, ging unter die Dusche und rasierte sich noch mal - sicherheitshalber. Die Kundinnen wollten keine Kratzer auf ihrer zarten Haut. Er knurrte. Heute würde er auf die Elegante machen. Alter Adel! Da konnte sie schon was verlangen. Sein neuer Nadelstreifenanzug würde es sein. Schließlich konnte er mithalten …, aber mit jedem weiteren Gedanken wurde er ärgerlicher. Frau von ...! - Wie diese heiße Sexautorin - bei EzN! Natürlich war sie es nicht. Er wusste es. So was wie ihn, hatte die nicht nötig. Einen Callboy! Sämtliche Männer Deutschlands oder zumindest alle Leser würden sich die Finger lecken - nach ihr, oder zumindest nach ihrer heißen Möse! Es ihr zu besorgen! Hendrik stand in der Dusche, und sein Schwanz war so hart, dass er leise vor sich hinfluchte. Wieso machte ihn die Vorstellung so verrückt, dieses Weib zu vögeln? Am Liebsten hätte er sich einen runtergeholt, aber dazu war es jetzt zu spät.

 

Als Henrdrik die Suite betrat, war sein Kiefer so verkniffen, dass er sich zu einem Lächeln zwingen musste. Er stand in einem großen Wohnraum - sehr edel, aber leer. Seine Chefin, Frau Auberg, hatte ihm diese Kundin besonders ans Herz gelegt. Es war da wohl ein persönlicher Hintergrund zu vermuten - und so hatte sie ihn extra noch mal instruiert. Diese Kundin sei eine besondere Lady und auch so zu behandeln. Na, er würde die Lady schon „behandeln“! Sein Lächeln entgleiste bei dieser Überlegung. Ruhelos ging er weiter. Wo war das Schlafzimmer? Wenn nur sein Schwanz nicht so hart gewesen wäre. Er schmerzte in dem flammenden Verlangen zu ficken.

 

Jetzt hatte er den Arbeitsraum erreicht. Ja, dieses Weib musste Geld haben ohne Ende. Er wusste, was diese Suiten kosteten. Sein Kiefer mahlte, die Zähne knirschten, doch dann lächelte er grausam. Er würde sie ficken! Dazu war er hier. Nur dazu! Wieso war es heute so anders? Normalerweise empfand er sogar eine gewisse, distanzierte Zärtlichkeit für seine Kundinnen. Sie wollten schließlich ihn - bezahlten sogar dafür. Diesmal jedoch war er wütend. Zwar nicht auf diese Kundin, sondern auf die Frau in seinem Kopf, aber … Verdammt! Er durfte es nicht vergessen! Sie war eine bevorzugte Kundin!

 

Das Schlafzimmer! Leise betrat er den eleganten Raum. Die Jalousien waren heruntergelassen und es herrschte angenehmes Halbdunkel. Da kniete sie auf dem Bett. Hendrik sah nur einen aufreizenden Arsch und Beine in halterlosen Strümpfen. Der kurze Rock machte es möglich. Sie beugte sich hinab, reckte ihm ihre Kehrseite zu. Offensichtlich hatte sie es nötig. Das war zwar nicht vereinbart, aber bitte schön! Schließlich war er flexibel. Leise trat er näher. Dunkles Haar und ein draller Körper - mehr sah er nicht. Es war ihm ja auch völlig egal.

 

Hendrik kniete sich hinter sie, legte eine Hand auf ihren glatten Schenkel. Sie drehte sich um und sah ihn erstaunt an. Doch dann lächelte sie. Hendrik war ein gutaussehender Mann. „Hallo!“, flüsterte sie. „Hallo!“, gab er zurück. „Frau von …!“, tönte es in seinem Kopf. Er biss die Zähne zusammen und fasste nach ihren Hüften. Sie quiekte leise. Sehr schön! Sollte sie sich überraschen lassen. Mit einem Ruck zog er sie näher, schob ihr den Rock über den breiten Hintern hinauf. Sie trug nur einen String. Sehr praktisch veranlagt, die Dame! Erneut grinste er – diesmal belustigt. „Lass mich nur machen!“ Als sie versuchte sich umzudrehen, drückte er sie hinunter, das Gesicht in die Kissen. Seine Hand glitt zwischen ihre Beine und nahm ihre Möse in Besitz. Geil! - „Rühr dich nicht von der Stelle!“ Er hörte selber, dass seine Stimme bedrohlich klang. Rasch öffnete er seine Hose und hatte auch schon mit der geübten Bewegung eines Profis sein Kondom übergestreift.

 

Fast grob packte er ihre Hüften und riss sie zu sich heran. Den String zur Seite! Sein Schwanz zuckte. Ficken! In seinem Geist sah er SIE, diese geile Internethexe. Er würde ihr zeigen, dass das hier sein Spiel war, oh ja! Er drückte der Frau auf dem Bett seinen Ständer zwischen die Schamlippen und drang mit einem harten Stoß ein. Hendrik hörte sie stöhnen. Ob vor Schmerz oder vor Lust - es interessierte ihn nicht. Er stieß - tief und hart. Das hier war kein Job. Es war Revanche. „Jetzt wirst du mal richtig durchgefickt!“, keuchte er und dann gab er alles. - Was nicht besonders viel war - zugegebenermaßen - dazu war er zu geil. Aber es würde genügen, sie zu demütigen, ihr zu zeigen, dass das kein Spiel war für arrogante Weiber. Mit lautem Stöhnen spritzte er ab. Der weiche, nachgiebige Körper unter ihm streckte sich auf dem Bett aus, dehnte sich - wohlig? Jedenfalls schien es ihr keineswegs unangenehm zu sein. Hendrik war irritiert.

 

Als er sich den Pariser abstreifte, hörte er die Stimmen zweier Frauen. Hatte sie eine „Party“ geplant? Kein Problem! Er würde auch drei von ihrer Sorte … „Da kommen deine lüsternen Gespielinnen!“, spottete er mit einem bösen Ton in der Stimme. Die derangierte Holde auf dem Bett rappelte sich auf, beeilte sich ihren Rock zu richten. Hendrik hatte es nicht eilig. Sein Schwanz war schon wieder im Aufwärtstrend. Sollten sie ruhig sehen, was er zu bieten hatte.

 

Als seine Chefin mit einer gepflegten, hellblonden Lady um die vierzig in der Türe stand, nahm seine Irritation zu. Sie sah ihn fragend an. Die Frau auf dem Bett beeilte sich, das Weite zu suchen. Beinahe untertänig drängte sie sich an den Damen vorbei.

 

„Kann ich bitte erfahren, was das hier ist, Hendrik?“ Die Stimme seiner Chefin ernüchterte ihn. Langsam dämmerte ihm, dass er einen Fehler begangen hatte. Sein Kopf hatte zwei Frauen verquickt, die nichts miteinander zu tun hatten. Augenblicklich fiel sein Phallus in sich zusammen. Diese Situation war peinlich - hochnotpeinlich. „Entschuldige bitte, Annabell“, wandte sie sich an die zweite Frau, „aber normalerweise sind unsere Herren nicht so ... unüberlegt!“ Dann sprach sie ihn an. „Darf ich bekannt machen: Annabell Gräfin von Siméon.“ Mit einer Handbewegung stellte sie ihn vor. „Hendrik … in Aktion!“ Das leise Lächeln dieser Lady beschämte ihn. „Erfreut!“, murmelte sie ironisch.

 

„Wer war denn eigentlich die Kleine, die du da so rasch mal auf die Schnelle …?“ Langsam gewann ihr Gefühl für die Komik der Situation die Oberhand. Hendrik zuckte die Schultern. „Danke, wir benötigen dich nicht mehr!“, verabschiedete ihn Frau Auberg, nachdem sie sich mit einem schnellen Blick zu ihrer Freundin vergewissert hatte, dass sie in ihrem Sinn handelte.

 

Und nun? Was sollte er jetzt tun? Schadensbegrenzung war angesagt. Deswegen packte er kommentarlos sein „Handwerkszeug“ wieder ein und verließ mit einer knappen Verbeugung das Zimmer. „Wer war denn nun die Kleine, die in den Genuss gekommen ist?“, hörte er noch die bekannte Stimme. Annabell von Siméons Stimme antwortete amüsiert: „Vermutlich das Zimmermädchen, das ich gebeten hatte, meinen Ohrring zu suchen! - Vielleicht hat er einen Hang zum Küchenpersonal!“ Und dann brach sie in silberhelles Gelächter aus. Frau Auberg fiel in das Lachen ein und sie verschluckte sich fast, als sie sagte: „Gott sei Dank ist das nicht bei jemand Wichtigem passiert, sondern bei dir, Annabell! - Aber das hat man davon, wenn man dir mal was Gutes tun will. - Nächstes Mal bekommst du wieder „was Richtiges“!“

 

„Was Richtiges!“ Hendrik stöhnte innerlich. Wenn sich das herumsprach! Trottel, der er war. Er hatte die falsche Frau gefickt - und noch dazu das Zimmermädchen. Dabei war die Gräfin von Siméon eine bezaubernde Frau gewesen. Es hätte bestimmt Spaß gemacht - mit ihr, aber eine zweite Chance würde er nicht bekommen.

Scheiße! Verfluchte BvS! 

 

© BvS

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