Hexenmeisters Duett

inspiriert von BvS

"Kunst verbindet"


Diese junge gärende Weiblichkeit auf dem Weg zur Frau irritiert mich aufs Höchste; kann doch ein Kenner schon die Endformen dieser schönen Wesen „sehen“, so wie sie sich - wenn sie ausgewachsen sind - der Männlichkeit präsentieren werden. Jede für sich eine „unikate Wucht“. Und in dieser Weiblichkeit steckt ein Potenzial, die sofort erkennt, wo meine Schwäche liegt. Ich hasse diese Situationen, die mich irritieren – verwirren – verunsichern. Ich hasse mich und meine robuste Art, mit den Schülerinnen umzugehen.

 

Und sie nützen es aus – weidlich. Sie genießen meine Verlegenheit und werten meine Raubeinigkeit, mein Toben, mein Rumpelstilzchengehabe als Machismo. Sie geben mir aber den nötigen Schutz gegen die Verführungskünste meiner Schülerinnen.

 

Ich bin erst seit ein paar Wochen an diesem Gymnasium, einer Schule für „Höhere Töchter“! Puh. Man hat mich gerufen, mich, der für die Kunst lebt, Kunst unterrichtet, Künstler ist. Jetzt endlich nach sechs Jahren meine erste volle Stelle.

 

In der letzten Stunde habe ich mit der Klasse die Nacktheit in der Kunst besprochen und die Art, durch Weglassen die Phantasie anzuregen - anzustacheln, die Konzentration zu verdichten… Matisse – Picasso! Ich habe ihnen die heutige Arbeit angekündigt. Eine kleine Rache für die ständigen Versuche, mich mit ihren unfertigen Reizen zu reizen, um damit ihre Interesselosigkeit zu kaschieren. Nicht verwunderlich, dass heute Plätze frei bleiben, provoziere ich doch neben der Phantasie und der sexuellen Neugier auch den Mut der jungen Weiblichkeit. Ich habe der Klasse die Aufgabe gestellt, die Vorderansicht eines Rückenaktes von Picasso zu interpretieren. Eine Vergrößerung des Originals habe ich an die Tafel gehängt.

 

Mit der Schnoddrigkeit und Unbefangenheit der Jugend versuchen die Mädels, mich zu Kompromissen zu verleiten, und prompt verfalle ich wieder in meine Rolle als Polterknecht. Mit meinem Ärger über mich selbst tigere ich ruhelos zwischen den Bankreihen umher, knurre, lästere und spotte über die ersten schüchternen Striche und dilettantischen Kritzeleien, als es an der Türe klopft, und bevor ich mein „Ja herein“ rufe, steht eine neue, junge Weiblichkeit im Raum.

 

Ich kenne sie nicht - schon mal gesehen, ja. Ihr Habitus signalisiert eine Schülerin, obwohl… egal! „Setz dich hin!“ Die kommt mir gerade recht. Zudem zu spät! Ich will keine Ausrede, keine neue Diskussion mehr hören. Als sie ansetzt zu sprechen, donnere ich los: „Mund halten und arbeiten!“ Dieses Zögern, dieser Blick - ihre Haltung provozierte mich erneut: „Mach!“ Ich staune selber über meine heftige Knurrstimme. Die soll endlich anfangen, und ich drücke ihr den Kohlestift in die Hand, „Los!“

 

Vereinzeltes Kichern, verstohlene Blicke aus der Klasse. Kokett flirtende Augen, krause Nasen, erstes Aufblitzen von Zwickeln unter hochgerutschten Minis. Dann die Steigerung: Sich durch die Shirts drückende Brustwarzen, das Auflegen der Brüstchen auf die Bank, ein Verschwinden der linken Hand in den Schoß und theatralisches Haareraufen. Der übliche, latente Spannungsaufbau der sich übenden Weiblichkeit. Oh, diese verdammte Bande nützt meine Sensibilität schamlos aus!

 

Die Atmosphäre wird von Minute zu Minute geladener. Ich merke, wie die Situation zu entgleiten beginnt. Und sie? Sie scheint sich wohlzufühlen. Aktive Sitzhaltung, entspannt fliegt ihr Stift über das Papier. Die Neugierde lenkt meine Schritte zu ihr, der Unbekannten. Ich schaue ihr über die Schulter und: Kruzitürken, hat die es an den Ohren! „Donnerwetter!“ Ich schnappe mir das Blatt. „Wir hatten gesagt, wir drehen den Akt um! Von vorne! Von vorne!“ Ein Blick in die Klasse… die Hälfte gaffender Augenpaare tauchen weg. Ihr Blick… unerschrocken, fragend - ihr Mund und Nasenrücken etwas gespannt. Ich knalle ihr in meiner Verlegenheit ein neues Blatt aufs Pult. Im Zerreißen ihrer Skizze sehe ich die geschwungenen Linien, die stimmigen Proportionen, die zentrische Verteilung auf dem Blatt und bekomme einen Stich in den Bauch. Nein, das ist keine „normale Schülerin“, und ich beginne sie anzusehen.

 

Unruhe lenkt mich ab. Bürgermeisters Tochter lässt als Modell ihre Brüstchen sehen, und im Runterziehen ihres Shirts streckt sie mir auch noch die Zunge raus. Unverschämt dieses Benehmen, aber es kommt Bewegung in die Malerei… endlich. Beruhigend! Beruhigend für mich! Der Bann ist gebrochen. Pfarrers Zwillinge stellen sich beide hin, zeigen den Kameradinnen den Schwung ihrer Hüfte, den Ansatz ihrer Schenkel. Jetzt kommt Fahrt in die Arbeiten. Ich muss in Bewegung bleiben. Es ist kaum zum Aushalten. In meinem Kopf tickt es: Diese spitzen Brüstchen in die Hand nehmen… mit geschlossenen Augen. Sie in der Hand wiegen, die Nippel mit der Fingerkuppe erforschen und sofort in Ton modellieren. Über die schmalen Hüften streicheln - über die kleinen, strammen Backen und sie mit der Raspel in Speckstein verewigen.

 

SIE linst immer wieder zu mir, schaut, was ich mache, wie ich reagiere, taxiert mein Tun. Im Vorbeigehen sehe ich ihr Blatt. Wusste ich es doch! Sie lässt sich nichts anmerken, sich nicht durch meine Nähe irritieren. Es ist mein Schlagwort, das „Donnerwetter!“, und es entschlüpft mir wieder, diesmal vor Bewunderung. Es ist, als würde meine Stimme sie zusammenzucken lassen. Burschikose Haarpracht, zierlich, eigentlich nicht wie eine Schülerin… Kein Babyspeck füllt ihre Arme, schlanke Hände, freistehende Ohrläppchen. Ich sehe sie nur von der Seite. Schön geformte Beine - erwachsene Beine.

 

„Ich habe Sie noch nie hier gesehen!“, beginne ich die Konversation. Wie sie still und ungezwungen weiter mit Anmut ihre Striche setzt mit. Oder ist das Sicherheit? Das feine Lächeln um ihren Mund mutiert zu einem Grinsen. „Die spielt mit mir!“, wirbelt es in meinem Kopf. Sie hat den Ball aufgenommen, ein kurzes Innenhalten, ein sinnierender Blick in die Ferne, kurzes Feststellen meiner Anwesenheit, und mit zwei schnellen Strichen hat der Akt zwei Brüste. Sie richtet sich auf, gibt den Blick frei auf „ihre“ Vorderansicht. Die Hand mit dem Stift wandert nach außen, vom Blatt weg. Wie unter einem Zauber greife ich nach dem Stift, fühle beim Herausziehen aus ihrer Hand einen kurzen signalisierenden Widerstand. Es ist mein Herz, das spricht: “Ich stehe auf ein bisschen mehr!“ Ich ziehe die Linie weiter - das Volumen vergrößernd. Beim Aufschauen sehe ich in dunkle, wache Augen, feine Linien um diesen sinnlich lächelnden Mund, Grübchen in den Wangen. Ihr Blick wandert an ihrem Körper hinunter, schaut auf ihren Busen, und ihr Lächeln wird schelmisch. Weib! Schon wieder Weib! In meinem Hals wird es eng. Sie stellt einen Bezug her - zu sich und dem Akt! Soll sie haben!

 

Im selben Moment implodiert in mir der Spieltrieb, und alle Verklemmtheit und Unsicherheit fallen von mir ab. Ein herrlich befreiendes Gefühl stellt sich ein, löst die Verspannungen in meiner Seele. Ich glühe am ganzen Körper. Die Härchen auf meinem Handrücken laden sich statisch auf, stehen zu Berge. Der Stift liegt noch nicht ganz auf dem Pult, als ihre Hand schon nach ihm greift… und in sicherer Führung den Brüsten Nippel gibt. Ihr Gesicht glüht wie meines - und die Zunge gleitet im Takt des Stiftes über ihre Lippen. Als sie aufblickt… stehen auch ihre Nippel!

 

Ja, kleine Teufelin, das kannst du haben! Herrlich! Wunderbar! Seit langer Zeit wieder ein Duett! Noch nie habe ich mit einer Frau so etwas gemacht. Als Student ja, eine Art "Round Robin". Die Klasse ist vergessen, und die Klasse hat mich vergessen. Alle sind froh, nicht mein Ziel zu sein. Sie arbeiten emsig, um mich nicht zu „wecken“.

 

Auch meine Nippelchen reiben lustvoll am Stoff, und das Hemd klebt am Rücken. Ich ertappe mich, wie ich ihr hektisch den Stift entziehe. Sie richtet sich auf, zeigt mir stolz ihre Brust. Als ich den Stift ansetze, sehe ich ihre Brüste vor mir - den Busen und möchte nur noch sie zeichnen. Ich ziehe die Linie nach, verwische mit der Fingerkuppe die Kohle, umrunde die beiden Warzen, unterlege die Biegung - und fühle mental diese beiden „Schönen“ in meiner Hand, ihre Nippel zwischen meinen Fingern. Ja, sie zuckt. Und ja, sie wiegt ihren Oberkörper… mit jedem Fingerwisch. Sie weiß, dass ich sie streichle, dass ich versuche, sie zu erregen. Und sie weiß auch, dass ich erregt bin - und sie setzt alles daran, dass diese Erregung nicht abklingt.

 

Sie greift erneut zum Stift und lässt ihn übers Papier fliegen, schraffiert, schattiert, vertieft den Nabel, verwischt mit der Fingerkuppe einzelne Konturen, gibt dem Bauch Plastizität. Sie verwirrt mich. „Sie sind gut!“, entfährt es mir. Ja, sie ist gut, und ich nehme ihr den Stift ab. Sie ist aufs Höchste gespannt – erregt. Ihre Beine, die Füße trippeln unter dem Pult. Es ist wie ein Fieber… alle beide kitzeln wir uns gegenseitig hoch, puschen weiter und weiter. Sie gibt intuitiv die Position vor. Skizziert die Haltung… das vorgeschobene Becken… das aufgestellte Bein… den abgestützten Arm. Ich folge mit den Rundungen am Po, der Weichheit der Schenkel, der Straffheit des Bäuchleins und der Tiefe des Nabels. Wieder reibe ich - mit der Rückseite des Fingers. Ich kratze mit dem Nagel, wische mit der Fingerkuppe und fixiere gleichzeitig ihre gepflegten Hände, die schlanken Finger mit marmorierten Fingernägeln.

 

Die anmutige Haltung vom Stift… Das Ziehen der Linie aus dem Handgelenk signalisiert Übung - und Begabung. Begierig erwarte ich ihre nächste Aktion, wissend, dass wir angekommen sind - am Punkt ohne Wiederkehr. Auf einmal verzögert sie die Fortsetzung. Sie fühlt - denke ich - wie ich. In diesem Bruchteil der Zeit entscheidet sich mein klügeres Ich für: „GEH!“ Und als hätte sie es als Befehl gehört… Lasziv und langsam führt sie den Stift zwischen die unvollendeten Schenkel. Ein kurzer Strich noch, ein Schlenker der Hand - eine Vulva! Abstrakt noch, karg - ohne Potenzial. Doch sie punktet mit dem Stift, setzt Kohle aufs Blatt …wischt. Die Vulva… sie wird plastisch, verströmt Erotik - und ich rieche ihren Duft, ihre Erregung, ihre Bereitschaft. Und „ihre“ Beine – die Knie öffnen und schließen sich. Mit dieser Bewegung pumpt sie ihren Duft in den Raum, und ich bin heiß - und ich bin ruhig, denn sie hat es bemerkt.

 

Jetzt bekommen ihre Bewegungen eine neue Qualität. Es sind die Bewegungen einer Wissenden - wissend, dass ihr „Partner“ mit ihr im Einklang harmoniert. Die Hektik ist weg. Ich lege zu ihrer Beruhigung meine Hand auf ihre Schulter. Sie hebt sie mir entgegen, erhöht den Druck. Ihre Nasenflügel blähen sich… tiefes Durchatmen, kurzes Verweilen und dann - dieser Blick… direkt, offen, dunkel glänzend. Die Lippen leicht geöffnet, die Enden der Schneidezähne freigebend. Einladend! Bereit, meine Zunge zu empfangen, und ich ertappe mich, wie sie verlangend züngelt. Sie sieht es und zuckt zusammen - und bevor sie eine weitere Bewegung macht, habe ich den Stift in der Hand… er fliegt über das Blatt… öffnet die Vulva und gibt ihr Kontur. Ich korrigiere leicht, öffne sie weiter, zeichne meines Schwanzes Wunsch. Mit der Fingerkuppe touchiere ich diese - ihre Lippen, lasse sie schwellen – wische einen Schatten über das Schambein! Sie wird unruhig. Ja, sie hat es erkannt. Mental bin ich bei ihr - vor den letzten Strichen!

 

Sie beugt sich vor, und eine statische Elektronenladung durchflutet mich, als ihre beiden Spitzchen sanft über meine Arm streichen. Sie drückt sie fester gegen meinen Arm, und im Aufstehen entreißt sie mir den Stift. Fast brutal setzt sie drei Striche in die Orchidee. Kopulation! Das Rauschen des Blutes in meinen Ohren, der sich verdunkelnde Blick sind die Vorboten dieser letzten Steigerung.

 

Von irgendwo höre ich ihre Stimme wie eine sphärische Melodie: „… Frau Mertens morgen ihre Stunde übernimmt!“ Sie reicht mir den Stift, und meine aufkommende Verwirrung macht mich glücklich. „… muss zurück ins Sekretariat!“ Sie steht vor mir, drei Handbreit, und ich blicke auf ihre Haare hinab. Ihr Duft steigt direkt in meine Nase – ich sehe den Akt auf dem Pult und höre wieder durch den Nebel: „Danke für Ihre Nachhilfe!“ Und dann ist sie entschwunden. Mechanisch rolle ich ihre Zeichnung zusammen und stecke sie in meine Tasche. Noch begreife ich gar nicht richtig, was in den letzten Minuten geschah.

 

Als ich aufblicke, schaue ich in zweieinhalb Dutzend Augenpaare, Augenpaare von jungen Frauen, die mich mit unglaublicher Sanftheit und tiefem Verständnis anschauen. Flüsternd - wispernd fast höre ich eine Stimme aus dem Raum: „Er hat sich verliebt!“ 

Stille.

Nur das leise Schaben der Kohle auf dem Papier.

 

© S‘Rüebli




Variationen über ein Thema

 

Kunst verbindet - BvS

 

Verhext - Tacet

 

Die Wahrheit hinter den Dingen - Carlito

 

Ekkehard - BvS

 

Eins (mit zwei Sternchen) - Azraela