Fünf-Finger-Symphonie



© BvS


- nur für dich -


 

Ich weiß es ja,

das klingt, als wären fünf Finger seltsame Instrumente,

die hier zum Einsatz kommen,

aber er hat es mir so gesagt -

und glauben Sie mir:

ER weiß, wovon er spricht!

 

Eigentlich bin ich nicht besonders musikalisch,

aber bei ihm ist mir, als hörte ich Himmelsmusik.

Göttliche Weisen!

Als ich erwache, umgeben mich Engelschöre.

Sie singen allein für mich.

Ich selber werde zum Himmelsinstrument.

Warmer Wind weht über meinen begehrlichen Leib -

und ich fühle seine nackte Haut an meiner, seine Lippen auf meinen.

Oh wie gern ich ihn küsse.

Es ist wundervoll, so wundervoll mit ihm zu verschmelzen.

 

Den ersten Satz habe ich wohl noch in süßen Träumen erlebt,

denn ich bin schon so empfänglich für ihn - weit offen!

Und ich verschmachte danach ihm meine Schenkel noch weiter zu spreizen -

will ihm noch mehr zeigen,

schenken,

Raum lassen für seine hinreißende Zärtlichkeit.

 

Fingerspitzen spielen im Tal, bringen mich zum Klingen wie eine Amati.

Sanfte Schwingungen vibrieren

und lassen den tiefen, dunklen See im Innern der Schlucht

zärtliche kleinen Wellen schlagen,

so, als ob ein Stern hineingefallen sei.

Wie konzentrische Kreise breitet sinnliche Lust sich aus,

erobert Tal und Höhen,

trägt süße erotische Schwingungen hinaus in die Welt.

 

Dieser sanfte Daumen, der die Streicher anführt

- allegro ma non troppo -

lebhaft, aber nicht zu rasch kitzelt er den Gipfel,

der über dem Eingang zum Canyon wacht.

Leise summend falle ich in diese zauberhafte Melodie ein

- Adagio zunächst.

Ich gebe mich ganz seiner Führung anheim.

Er ist mein Dirigent, dem ich bedingungslos folge,

mein Solist, der mich mitreißt

- accelerando -

animato, con anima!

 

Oh, wie geneigt der zweite Satz mich zurücklässt.

Schwärmerisch begehrlich.

Fingerspitzen tippen, berühren behutsam das Ufergelände,

tauchen kurz ein, erkunden die Temperatur -

und sind schon wieder entschwunden.

Tief im Inneren kann ich die Resonanz spüren

- capriccioso.

Doch zunehmend schwillt die Musik an, braust auf und schäumt über

- brioso -

feurig!

Sein Appassionata weckt all meine Sinne, erregt mein Gemüt.

 

Nun möchte ich endlich, wie die perlenden Töne

- dolcissimo -

meinen Gefühlen freien Lauf lassen,

will seinem Maß folgen, dränge noch weiter, schneller

- con grazia.

 

Ich kann ihn fühlen - scherzando - meinen Liebsten!

Und doch will ich noch mehr.

Viel mehr!

Jetzt bin ich verrückt danach, diese Zaubermelodie anschwellen zu spüren,

ein Crescendo der Sinne.

Ich muss den letzten Satz genießen.

 

Sein Bogenstrich inspiriert mich

- und seine Oboe d’amore weht silbern über meine Haut,

wie der Mistral, aus dem sie geboren wurde.

"Komm tiefer, Liebling! Lass dein Solo zum Duett  geraten und nimm mich mit."

Unser Allegro furioso trägt uns hinauf - in den Himmel der Wollust.

"Jetzt, oh jaah, jetzt!

Fühlst du das Beben, Liebling, das Pulsieren?"

 


"Liebster, mein Liebster - du hältst mein Herz!"

 

© BvS

 

 

 

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