Dumm gelaufen

 

Was nützt dir denn bloß der Charakter,

wenn er, wie Fesseln dich behindert?

Du wärst am Ende lieber nackter

und könntest schwelgen – unvermindert.

 

Was nützt Moral dir sondergleichen,

die Ehr und Anseh’n bringt dir ein.

Sich an ein Weibchen anzuschleichen,

kann doch gewiss kein Fehler sein?

 

Man lebt viel lieber so nach Gusto,

ganz ungehindert, frank und frei.

Doch vor Publikum da tu so,

als wär dir nicht nach Gaunerei.

 

Und doch, zwei schöne Frauenbeine,

bringen den Fidibus auf Trab.

Erinnerst dich nicht an die Eine,

der Treue du geschwor’n – zum Grab.

 

Und so lebst du froh dein Leben,

liebst dich durch die Damenreih’n.

Hast nicht darauf Acht gegeben,

was dem Weib zu Haus fiel ein.

 

Und dann siehst du plötzlich Eine,

so von hinten richtig nett…

Musst erkennen: Es war Deine!

Jetzt liegt sie in Nachbars Bett!

 

Fand - wie du zu Recht bemängelt -

auch den Charakter hinderlich.

Hat sich flugs davon geschlängelt…

- Und nu is det liederlich?

 

Es wird dir plötzlich sonnenklar:

Sie war verlockend gut im Bett!

Doch leider ist im Grunde wahr:

Was andre ham, det wär grad nett!

 

© BvS

Jan 2009