Laudatio

 

Ich stehe im Türrahmen, frisch geduscht, rasiert, gedeot und splitternackt. Du liegst noch auf dem Bett, so, wie ich dich vor einer halben Stunde verlassen habe. Linkes Bein gestreckt, rechtes abgespreizt und angewinkelt – die Ferse an die Innenseite vom linken Knie angelegt. Dein Intimstes meinen Blicken darbietend. Beide Arme über dem Kopf – die Hände ineinander verschränkt. Den Kopf leicht zur Seite gedreht - die Augen geschlossen… ein seliges Lächeln auf den Lippen. Dein Gesicht strahlt eine große Befriedigung - Zufriedenheit aus. Ich sehe dich so liegen und mich übermannt eine tiefe Liebe, Zuneigung, Zugehörigkeit…, symbiotische Verbundenheit.

 

Beide Brüste streben seitlich auseinander, die erregten Warzen stehen wie die Steinmännchen auf den Berggipfeln. Die Vulva, deine Muschi, die beiden Schamlippen – noch leicht geschwollen, aufgeklappt wie Blütenblätter und die Perle leicht hervorlugend. Dein Busch ist getrimmt, ja schön gepflegt, gepflegt durch mich…, vorgestern erst habe ich dir die Seiten „schön ausgeputzt“, deine Perle frei geschnitten, eine Lichtung um die Lippen gelegt. Als würden sie durch ein Guckloch gucken. Das Bettlaken unter dir ist nass…, genässt von uns.

 

Ja…, dich hat es nach langer, langer Zeit wieder erwischt. Bei dir klingt der Höhepunkt noch nach - so wie es bei dir immer war, wenn! Dich jetzt in deinen Empfindungen zu stören, wäre ein Frevel. Auch wenn es mich drängt, dir nahe zu sein und mit dir zusammen das Zurückkommen zu genießen. Früher schon hast du mich öfters weggeschickt, mich nicht teilhaben lassen an deinem Rausch, an deinem langsamen Gleiten… zurück in die Gegenwart. Als ich mich von dir löste und du liegen geblieben bist, nicht angefangen hast dich zu „reinigen“, wusste ich, dass es in dir - tief im Innersten - geklungen hat; dass etwas passiert ist, an das wir beide nicht mehr glaubten.

 

Meine Erinnerungen beginnen zu rollen… Wann habe ich dich das letzte Mal so gesehen? Ich kann es nicht sagen – zehn Jahre, acht oder zwölf? Ja, orgasmusähnliche Wallungen sind nicht selten. Nur - so abheben wie eben, das tiefe Frausein, das Klingen im ganzen Körper, das Eintauchen in diese vierte Dimension, ist immer etwas Seltenes gewesen. Auch in unseren Sturm- und Drangzeiten nicht alltäglich. Im Gegenteil! Momente wie heute waren immer besondere Momente, in deinem - unserem Leben.

 

Diese Momente, die wie ein Prallschutz, wie ein Deich Schutz bieten, wenn die ständigen Erosionen an unserer Liebe, unserem Zusammenleben und unserem Zusammenhalt nagten und immer noch nagen. Wie sie alle Gefährdungen zurück drängten, abwehrten - jedes Mal, wenn ein Dammbruch drohte, wenn die Brandungen des Lebens Breschen geschlagen haben! Immer, wenn die Prallwand löcherig wurde, haben wir uns „eingeigelt“. Dann hat einer von uns die Notleine gezogen. Wir haben uns auf unsere Werte besonnen, unsere Liebebriefe hervorgekramt, uns unsere Träume und Wünsche zugeflüstert. Die von damals, die von gestern und die von heute. Dabei haben wir festgestellt, dass wir noch sehr lange leben müssen, um auch nur einen Teil davon zu verwirklichen. Die Breschen in den Dämmen haben wir repariert, nicht geflickt! Bei dem Verfüllen der Risse und Verstärken der Prallwand erfuhren wir die alte Vertrautheit, das völlige Vertrauen den Glauben an „uns“ aufs Neue - gekrönt mit Momenten wie diese.

 

Ich sehe deinen Bauch mit den Schwangerschaftsstreifen. Ja, die drei Schwangerschaften haben an deinem Körper Spuren hinterlassen - innen und außen. Die inneren Spuren haben dein Empfinden lange Zeit beeinträchtigt, und dann kam bei dir der erste große Bruch. Auch die ersten echten Krisen in unserer Ehe. „Ich brauche das nicht mehr!“, war dein Standardspruch, wenn ich mein Balzritual einleitete. Regelmäßig hast du Streit vom Zaun gebrochen, nur um mich auf Distanz zu halten - als Schutzschild. Zum Glück war ich in dieser Zeit beruflich gefordert und oft über längere Perioden nur „stundenweise“ zuhause.

 

In dieser Periode habe ich festgestellt, dass Frauen, die in mir einen Klang verursachen, sehr selten sind. Dass Frauen die dann auch noch einen Hall erzeugen, nicht dabei waren. Viele haben sich Mühe gegeben, mich in ihrem Bett und an ihrem Tisch zu behalten. Ich habe es dir erklärt - damals, dass Frauen in mein Leben kommen werden - gekommen sind. Da hast du nur stumm geweint und versucht mich freizugeben. Ich habe die Freiheit genutzt. Sie genutzt, nur um festzustellen, dass du, neben mir liegend - stumm und traurig weinend, weil auch ich nicht glücklich bin - einen Klang in mir erzeugst, einen Hall, der alles andere übertönt. Dieses Wissen gab uns die Kraft, uns zu besinnen. Es löste in dir die Spannungen, und du legtest dich wieder in meine Arme.

 

Mein Balzritual: Wie oft hast du gelächelt, wenn ich in dein Ohrläppchen biss - dir dabei Unanständiges ins Ohr flüsterte. „Bin latent bümserech!“ oder „Mein Großer möchte mit deiner Kleinen spielen!“ Wenn dir kalt war, murmelte ich: „Dir fehlt mein Tauchsieder!“ oder „Lass unsere Hormönchen Sackhüpfen!“

 

Ich musste unser „Sesam-öffne-Dich“ lernen, wie einst Ali Baba seinen fürchterlichen Zungenbrecherreim. Erst wenn ich den beherrschte, öffneten sich deine Köstlichkeiten.

 

Wenn wir allein sind, beginne immer ich! Immer, seit du zum ersten Mal schwanger warst. Auch heute noch - soeben auch! Ich küsse deinen Bauch, kitzle mit der Zunge die Vertiefung in deinem Nabel. Ich danke ihm für die schönen Stunden - meine Referenz dafür, dass du mir drei prächtige Kinder geschenkt hast, die wir gemeinsam zu großartigen Menschen geformt haben.

 

Als ich dich kennen lernte, konnte ich, wenn du dich gereckt und dich dabei ganz lang gemacht hast, mit meinen Händen deine Taille umspannen. Durch diese schmale Taille kam dein Becken zur Geltung - deine festen Schenkel. Ein „geländegängiges Fahrgestell“, nannte ich es damals, und das warst du, bist du - geländegängig. Du warst immer dabei bei den Bergtouren. Manchmal bist du unter Todesverachtung die Klamm hochgeklettert. Dann hast du oben gesessen wie ein Bärenjunges, das zu hoch in den Baum geklettert ist und sich jetzt nicht mehr runtertraut.

 

Ja, danach, nach solchen Touren, da warst du – bist du hemmungslos, so, als ob du dir zur Belohnung deinen Mann gönntest. Eine Extraration davon. Dann forderst du mich auf, ein drittes, ein viertes Mal zu kommen. Das letzte Mal war es in Neufundland, vor zwei Jahren, als der Vorläufer eines Hurrikans uns auf den Strand spülte und wir um unser Kajak und unsere Ausrüstung kämpften. Einmal vor und einmal nach dem Zelt-Aufbauen und dann in der Nacht, als die Seelöwen brüllten. Es waren heftige Vereinigungen, und du rocktest mit. Dein Rausch verflog schnell, so als müsstest du gleich wieder wachsam sein. Nicht so wie heute. Heute fühlst du dich geborgen im sicheren Nest - zwischen all den vertrauten Dingen.

  

Die große, lange Narbe auf der rechten Seite, der Blinddarm. Da bist du dem Tod zu zweiten Mal von der Schippe gesprungen - Notoperation. Als Fachfrau verstandest du das „Fachchinesisch“, wusstest, wie schlimm es um dich stand. Bange Stunden, bange Tage - und als wir die ländliche Vierbett-Krankenstation verlassen konnten, schien die Sonne besonders hell.

 

Auch mich erwischte das Leben manchmal auf dem verkehrten Fuß. Ein tiefer Knick in der Karriere - als ich glaubte, über den Berg zu sein. Ich, der Erfolgsverwöhnte, der Macher, war plötzlich „Frühstückdirektor“ für besondere Aufgaben, die keiner brauchte. Wurde zum Zyniker, Hypochonder, Misanthrop - wurde impotent! Du hast es ertragen, mitgetragen, zu mir gehalten. Auch du hast deine Erfahrungen mit Männern gemacht. Mit solchen, die - als ich verwundbar war - bei dir gebaggert haben. Mit Erfolg gebaggert. Auch du wollest es wissen: Wolltest wissen, ob dass, was man sich so erzählt, auch für dich gilt. Keiner der Galane hat dir eine Alternative aufgezeigt. Sie schenkten dir höchstens einen temporären Rausch - und nachher den schalen Geschmack im Mund von einer durchzechten Nacht, etwas, das du aus meinen Erzählungen kanntest.

 

Jetzt - zum nächsten Pfingstfest in sechs Wochen - sind es 15 Jahre her, dass unsere Kinder ohne ihre Partner bei uns am Tisch saßen: Familienrat. Alle drei wollten Wetten abschließen, ob wir uns trennen würden oder nicht. Es ging nicht! Keiner von den dreien wollte auf „Trennen“ setzen. Dieses Vertrauen in uns warf uns beide einfach um!

 

In dieser Nacht hast du mich wie früher… konsumiert. Ich, der bis dahin eine ED hatte, war einfach nur Schwanz - und den dritten Einsatz haben wir beide, aus Erschöpfungsgründen einfach „verschlafen“. Unsere Blagen haben natürlich wie früher „Girphant“ gespielt – ein Geschöpf mit Giraffehals und Elefantenohren - und beim Frühstück entsprechend respektlose Kommentare fallen lassen. Inzwischen werden unsere Trennungsdrohungen, wenn es wieder einmal kracht, milde lächelnd „zur Kenntnis genommen“. Fragt sich jetzt, wer „altersweise“ ist! So wechselten wir uns in den letzten zehn Jahren ab. Einer von uns brauchte immer den Beistand und die Fürsprache des anderen.

 

In deinem Kopf muss im Moment ein schöner Film ablaufen. Dein Becken beginnt sich zu bewegen, als suche es Kontakt, deine Hände streicheln über die Brüste, eine wandert weiter in deinen Busch. Mit den Fingerkuppen spannst du die Haut, spannst die Umgebung um deine Knospe, massierst sie indirekt. Dich so offen – lüstern - begehrend zu sehen, stellt mich direkt wieder auf. Mein Verlangen, dich wieder in die Sphären der Lust zu schicken setzt direkt ein. Ist an mir sichtbar und verblüfft mich.

 

Sie ist auch für dich sichtbar, denn du ziehst die Nase kraus, machst einen lächelnden Kussmund. Du streckst mir die Hand entgegen, streckst auch das angewinkelte Bein und öffnest dich - einladend, lockend, verlangend.

 

Dein Körper duftet, riecht, schmeckt noch nach mir – nach unserer letzten Vereinigung. Nach den Säften aus deinem Fötzchen, die ich dir vorher großzügig mit meinem nassen Gesicht auf Brust, Wangen, Lippen und Haaren verteilt habe. – Sie berauschen mich sofort erneut, nehmen meine Sinne gefangen. Lassen mich dir verfallen. Nein, mein Schwanz ist nicht zum Bersten voll, nicht hammerhart und nicht ellenlang. Er ist wollüstig, freudig erregt, geladen mit Lust. Begierig, dich auf eine tragende Woge der Sinnlichkeit zu setzen, um nach einem langen Surf zusammen im Brecher der Lust unterzugehen, um atemlos nach Luft schnappend aufzutauchen.

 

Mein „Großer“ findet deine „Kleine“ von allein, hüpft in ihr Stübchen, und wir beide müssen lachen, befreit lachen. „An was denkst du?“, wisperst du in meinen Mund hinein. „Tscherwald“ ist meine Antwort. Dein Gesicht verklärt sich. „Meine ersten Stößchen -“ deine Lippen verschließen meinen Mund, Schalk glitzert in deinen Augen - „in mein Schößchen!“, gluckst du, als Sprechen wieder möglich ist. Deine Beine fassen mich noch fester um die Hüften, zwingen mich in deinen Rhythmus. Ich rocke mit und wir entschwinden.

 

Wasser prasselt auf unsere Körper, und du rubbelst mir mit der „chinesischen Gurke“ den Rücken. Wir besprechen den Tag. In zehn Stunden kommen die ersten Gäste. Eine Vielzahl Gäste werden kommen. Sie - wir werden mit DIR zusammen in deinen Geburtstag hinein feiern.


Deinen Siebzigsten!

 

© S'Rüebli                                                                                    Ihre Meinung?