Das "Dings"

 

Als ich aus meinem Bett krieche, ist er schon auf! Seltsam! Samstag ist doch der Tag, an dem Paul endlich einmal schlafen kann - und das auch tut. Normalerweise mache ich das Frühstück. Heute nicht! Was ist los? Ich bin noch nicht ganz wach. Wäre er neben mir gelegen wie jeden Samstag, hätte ich mich umgedreht und weitergeschlafen. So aber... Was ist los? Geht es ihm nicht gut? Hat das blöde Telefon wieder mal geschellt, und ich habe es nicht gehört? Verflixt! Um diese Zeit ist mein Gehirn noch nicht funktionsfähig. Nicht am Samstag!

 

Verschlafen setze ich mich auf und greife zum Kamm. Ich hasse es, umgekämmt durch meine Wohnung zu schwanen. Okay, das ist eine Macke - ist aber so! Barfuß tappe ich durch den Flur und spitze in die Küche. Wir haben eine riesengroße Wohnküche... und der Tisch ist gedeckt. Donnerwetter! Leise schleiche ich weiter ins Bad. Zähneputzen und ein bisschen Katzenwäsche.

 

Als ich in die Küche komme, kocht mein Mann Eier! Auf meinem Teller liegt ein Kuvert... „Meinem Liebling - zum Valentin!“ - Oh! Ja! Alles klar! Mein Kopf schaltet sich ein. „Guten Morgen, mein Bär!“ Ich umarme ihn von hinten und schmiege mich - immer noch müde - an seinen breiten Rücken. Er ist so schön warm. Ich weiß nicht, was das ist, aber dieser Mann macht mich einfach glücklich. Nicht, dass er mir jede Woche Blumen brächte, nein! Er ist auch gar nicht der tollste Salonlöwe, aber er ist so süß! Paul ist immer da für mich, wenn ich ihn wirklich brauche. Dafür hat er einfach ein untrügliches Gespür. Und charmant ist er - unnachahmlich! Aber das Allerwichtigste von allem: Paul liebt mich!

 

Ich greife zum Kuvert und öffne. Fein! Ein Gutschein für meinen Lieblings-Friseur. Paul dreht sich um und grinst lausbubenhaft. „Du hast ja keinen Zweifel daran gelassen, was du möchtest!“ Ich muss lachen. Ja, er hat recht. Ich habe letzte Woche - mal so ganz nebenbei - erwähnt, dass er nicht zum Blumenladen müsse, anstehen. Ich liebe nun mal meine Friseurbesuche! Also wäre es doch blöd, wenn ich drei Mal Blumen bekäme, oder? Aber Männer sind ja da nicht so besonders einfallsreich. Also! Man kann ja schließlich ein bisschen Hilfestellung geben, oder? Ich finde es dämlich dazusitzen und darauf zu warten, das er genau das trifft, was ich mit einbilde, während er sich den Kopf zermartert, womit er mich glücklich machen könnte. Denn das will er doch, mein Paul. Das weiß ich ja. Also!

 

Die Eier sind noch nicht fertig und so kann ich noch mal kurz verschwinden. Schließlich habe ich ja auch eine Überraschung für meinen Schatz. Gott sei Dank gestern noch rechtzeitig angekommen - mit der Post. Wie gut, dass es das Internet gibt. Allerdings habe ich gar nicht an Valentin gedacht, als ich das bestellte. Es ist auch gar nicht in erster Linie für ihn, sondern für mich - aber ich denke, dass ihm das egal sein wird. Er hat ganz sicher seinen Spaß daran. Hoffe ich!

 

Ich stehe im Schlafzimmer und ziehe die kleine Schublade an meinem Nachtkästchen auf. Da glänzt es mich so schön harmlos an - das „Dings“, und ich frage mich ob ich verrucht bin. Könnte schon sein, ja! Aber ehrlich gesagt: Ich bin es gern! Für meinen einzigen Bären bin ich wirklich gerne ein bisschen unzüchtig! - Tja nun! Ähmm... Was mache ich denn nun? Ich hätte gestern üben sollen - vielleicht! Gott, wie kann man sich nur so anstellen! Ist doch ganz klar, was damit zu geschehen hat. Hab ich doch schon gewusst, als ich es bestellt habe, dieses „Dings“!

 

Ich greife diese etwas groß geratene „Heidelbeere“ aus Silber und hebe es hoch. Es schwingt daran hin und her. Faszinierend! Vorsichtig wiege ich es in der Hand und bin wieder mal erstaunt über das Gewicht. Freilich stand das in der Angabe des Herstellers drin. Die Maße sind schließlich wichtig - vor allem für den Goldschmied. Ist ja schließlich Handarbeit und doch auch ein Kostenfaktor! Für mich jetzt zwar nicht in erster Linie - oder doch schon auch, denn billig ist das „Schmuckstück“ ja nicht gerade - aber für mich ist „Passform“ wichtiger. - Wenn ich es jetzt fallen lasse, habe ich eine gebrochene Zehe! Peng!

 

Ein bisschen ratlos bin ich schon. Vor allem habe ich jetzt nicht gerade alle Zeit der Welt. Es gibt gleich Frühstück! Also hebe ich „es“ hoch und lasse es baumeln - direkt über meinem Gesicht. „Es“ berührt meine Lippen. Kalt! Ich lecke mal kurz. Fühlt sich gut an. Mund auf! Wie sich das drin anfühlt - in meinem Mund? Seltsam! Mann, ist das „Dings“ groß! Riesig! Ähmm... Also wirklich! Ich muss meinen Mund förmlich aufreißen, um es unterzubringen. - „Kommst du jetzt zum Frühstück, Liebling?“ –

 

Schreck lass nach! Nun aber! Ob ich mich dazu hinlege? Geht vielleicht besser so. Zumindest das erste Mal. Wie bei allem anderen, braucht man auch hier ein bisschen Übung bis es so sitzt, wie es soll. Nun aber zurück in die Küche. Sogar eine Kerze brennt. Ist er nicht süß, meine Schatz? Bloß... ich trau mich nicht mich hinzusetzten! Blöd! Spür ich es nun, das „Dings“, oder nicht?

 

„Los, dusslige Kuh, setz dich!“ Also gut! Wusste ich es doch, es geht. Die Eier kann ich heute gar nicht richtig genießen. Irgendwie fehlt mir die Konzentrationsfähigkeit. Orangensaft! Wunderbar. „Magst du noch einen?“ - „Gerne!“ Toast und Käse - und Cappuccino. Wieso bin ich so nervös? Mein Paul lacht. Ob er was gemerkt hat? Blödsinn! Das Frühstück rast an mir vorüber - und nun... Es ist soweit. Ich will ihm sein Geschenk „überreichen“. Also drehe ich mich seitwärts und stütze meinen bloßen Fuß auf seine Eckbank. Paul streichelt mein Bein. Ja, ähmmm... Ich ziehe mein Nachthemd ein Stückchen in die Höhe - und Paul macht große Augen. Seine Hand gleitet höher - darunter - und ich lächle, verlockend. Ich denke, er hat es verstanden. Er lüpft den Saum des Hemdes und schaut... mir geradewegs zwischen die Schenkel.

 

Ich sehe, wie er die Luft anhält. „Ist es das, wofür ich es halte?“, flüstert er rau. Ich glaube, ich werde rot, aber ich lächle tapfer und nicke. Mann, wir sind schon so lange verheiratet! Ist das nicht dämlich, sich da noch zu genieren? „Süß!“ Er greift zu und spielt mit dem Kettchen und dem „Beerchen“ daran - zupft. „Ähmm... hält das jetzt so, oder musst du da zusammenzwicken?“ Ich grinse. „Es hält von allein.“ - „Geh mal ein paar Schritte!“ Ich werde schon wieder rot. „Warum?“ - „Ich will mal hören...“ Ich stehe auf, stoße mit dem Becken. Paul nickt sinnend. „Ja, das hört man!“ Blödsinn! Das hört man nicht! Hoffentlich nicht! Ich gehe ein paar Schritte. - Verdammt! Man kann es wirklich hören.

 

Paul grinst frech. „Du solltest dir was ausdenken... für den Fall, dass die Kinder es hören. Du kannst ja schlecht sagen: „Das sind meine Geisha-Kugeln!““ So ein Mist. Was mache ich denn nun? Damit habe ich nicht gerechnet. Er albert weiter. „Immer wenn es jetzt hinter mir klackt, bist das du!“ Ich schmier ihm gleich eine! Aber der Spruch ist gar nicht so verkehrt. Wenn ich sage: „Das sind meine Geisha-Kugeln!“, glaubt das kein Mensch. Das ist dann bloß ein Witz gewesen, oder? Wie gut, dass sie momentan nicht da sind, die Kinder. Ich werde später drüber nachdenken. Jetzt muss ich erst mal wohin.

 

Ich gehe zur Toilette und stehe vor dem Spiegel. Mal sehen! Ich hebe das Nachthemd und gucke. Aus meiner rasierten Muschi baumelt ein Silberkettchen mit einer kleinen Kugel dran - zwischen meinen Schenkeln. Ist das nicht zu lang? Egal! Schaut jedenfalls heiß aus. Vor allem, wenn ich mir halterlose Strümpfe dazu vorstelle. Aber nun...

 

Als ich zurück komme in die Küche, bin ich etwas blass um die Nase. „Was ist los?“ Ich setze mich. Mann, ich muss mich erst mal erholen - von diesem Schrecken. „Ich habe soeben...“ Meine Stimme kratzt. Ich räuspere mich. „Ich hätte soeben beinahe unsere Kloschüssel zerschossen!“ Langsam gewinnt mein Sinn für Humor die Oberhand. Ich grinse „Also, drücken sollte man nicht - mit diesem „Dings“!“ Der Groschen fällt langsam, aber dann beginnt er zu lachen, bis sein Gesicht knallrot ist. „Stell dir bloß mal vor, es wäre davongewitscht!“ Ich kichere hysterisch. „Den Anruf beim Abwasseramt hättest du machen dürfen!“ Paul streckt mir die Hand entgegen. „Gib mal her!“ Es glänzt schon wieder sauber und harmlos. Ich lege es in seine Hand und beobachte, wie er es interessiert untersucht. „Wahnsinn, wie schwer das ist!“ Das habe ich auch schon festgestellt. Paul steht auf und geht zur Tür. Er lässt es baumeln, das „Dings“ und lächelt. „Komm, Liebchen!“ Und nun? Was wird das jetzt? „Das will ich dir jetzt mal selber... anprobieren. Schließlich ist Valentin!“ Und sein Lächeln dabei ist geradezu unwiderstehlich.

 

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