Begegnung

 

Der handgeschriebene Absender sagte ihm nichts. Er öffnete den Briefumschlag. „Einladung zum Jubiläums - Klassentreffen der 10b“ stand vorne in verschnörkelter Computerschrift auf der Doppelkarte. Als er die Karte aufschlug, setzte sein Herz einen Schlag aus. Das Gruppenfoto „seiner“ 10b! Und hinten in der letzten Reihe stand sie: Carola, genannt Carli. Er kannte das Bild zu gut, hatte es nach jenem Schuljahr auf seinem Schreibtisch gestanden. Er musste sich setzen, bevor er weiter las. „Unsere Klasse feiert ihr 15-jähriges Abschluss-Jubiläum und wir würden uns freuen….“. Etliche Generationen Schüler waren seither vor ihm gesessen. Aber diese 10b…. Unterschrieben war mit zwei Namen, dem des letzten Klassensprechers und mit einem ihm unbekannten Namen. Als er die Karte zur Seite legte, um seinen Terminkalender zu holen, fiel sein Blick auf die Rückseite. „Kommst du? Das wäre schön! – Carola“ stand dort von Hand geschrieben. Dann war wohl die zweite Unterschrift von ihr – und sie war verheiratet. Ja, Carola war sicher das ungewöhnlichste Mädchen gewesen, das er in seiner bisherigen Arbeit als Lehrer kennen gelernt hatte, und sie hatte bei ihm  für einige Seelenverwirrungen gesorgt…

 

Er schaltete seine Espressomaschine ein und während sie sich brummend in Gang setzte, holte er das Fotoalbum mit den Bildern aus jener Zeit. Sie hatten sich über den Kanu-Verein an seinem ersten Dienstort kennen gelernt, denn er hatte in Carolas Klasse keinen Unterricht. Schon bei den ersten Gesprächen mit ihr war er fasziniert von ihrer Selbstsicherheit, ihrer Ausstrahlung und ihrer harmonischen Erscheinung. Wenn sie sich auf den Schulgängen oder im Pausenhof trafen, unterhielten sie sich etwas und tauschten ihre Alltagserlebnisse aus. Sie war dabei ganz unbefangen und natürlich - was sonst selten bei Schülerinnen in diesem Alter der Fall war.

 

Nach den Herbstferien wartete sie vor dem Lehrerzimmer auf ihn. Lächelnd übergab sie ihm einen Zettel. „Das soll ich Ihnen von meinem Vater geben! Es ist die Einladung zur Herbstfahrt des Kanuvereins. Kommen Sie mit?“ fragte Carola erwartungsvoll.  Beinahe wäre ihm ein: "Nur wenn du auch mit kommst!", herausgerutscht, aber so bedankte er sich freundlich und ließ seine Teilnahme noch im Ungewissen.

 

Ein paar Tage lang machte er einen Bogen um diese Einladung, doch als der Anmeldeschluss näher rückte, füllte er den Abrisszettel aus und steckte ihn in die Schultasche. In einer Pause suchte er das Klassenzimmer der 10b, fragte eine Schülergruppe vor der Tür nach Carola mit der Erklärung, er müsse ihr eine Mitteilung mitgeben.

 

Nach einigen „Carli, Carli!“ kam Carola aus dem Zimmer und er übergab ihr den Anmeldezettel. Sie warf einen Blick darauf und fragte: “Sie gehen doch mit?“ Und leise, mit einem Blick zu ihren Mitschülern, die aber durch eine Horde vorbei rennender Fünftklässler abgelenkt waren, sagte sie: „Ich habe gestern gefragt, ob Sie sich angemeldet haben. Und als noch nichts da war, habe ich mich für den Sonntag bei meinem Reitverein zum Arbeitsdienst eintragen lassen. Das kann ich jetzt nicht mehr absagen.“ Sie senkte den Kopf und stand unschlüssig vor ihm. „Vielleicht klappt es beim nächsten Termin!“ vertröstete er sie. Sie sah zu ihm auf, lächelte ihn an und flüsterte: „Das wäre schön!“ Dann wurde sie von den anderen Schülern mitgerissen und ins Klassenzimmer geschoben. Auf dem Weg zurück zum Lehrerzimmer wurde es ihm seltsam warm ums Herz, dieses „Das wäre schön!“ hatte ihn sehr berührt. Einerseits war er darüber beglückt, andererseits aber machte es ihm Angst. Sie war sechzehn, höchstens siebzehn, er zehn Jahre älter und dazu Lehrer an ihrer Schule! Er beschloss, Carola gegenüber sehr zurückhaltend zu sein, um nicht in eine dumme Geschichte verwickelt zu werden.

 

Es kam die winterliche Paddel-Pause und so war auch das Problem einer gemeinsamen Fahrt erst einmal vertagt. Obwohl er es nicht wollte, suchten seine Blicke doch immer wieder den Schulhof nach ihr ab, beobachtete er sie, wie sie mit ihren Mitschülern beisammen stand und sich unterhielt - immer in ihrer ruhigen, selbstsicheren Art. Er spürte, wie ihn dieses Mädchen immer mehr in ihren Bann zog und er sich immer weniger dagegen wehren konnte. In seinem Gefühlswirrwar tröstete er sich damit, dass es nur noch ein gutes viertel Jahr wäre, bis diese Klasse den Abschluss machen und die Schule verlassen würde.

 

Aber dann kam ein dienstlicher Anruf in den Weihnachtsferien. Ein Lehrer der 10b war verunglückt und fiel für mindestens vier Wochen aus. Der Schulleiter informierte ihn darüber, dass er in dieser Zeit die Vertretung in der Klasse übernehmen müsse. Es wurde ihm heiß und kalt bei dieser Nachricht. Sein Einwand, er habe noch nie in einer 10. Klasse unterrichtet, wurde mit dem Hinweis abgeschmettert, er sei ja noch jung und könne die Kinder in diesem Alter sicher gut motivieren. Und der verunglückte Kollege habe zugesichert, ihn mit Material zu versorgen. Man habe Vertrauen in ihn, dass er den Kollegen gut vertreten werde. Was sollte er darauf noch sagen?  Dass er nicht jeden Tag ein bestimmtes Mädchen vor sich im Unterricht sehen wolle, er nicht sicher sei, ob er seine Gefühle so verbergen könne, dass er und sie nicht zum Geschwätz oder gar zum Spott der Schule werden würden?

 

Mit klopfendem Herzen nahm er den Unterricht in der 10b auf. Er bemühte sich, Carola wie alle anderen Schüler und Schülerinnen zu behandeln, sie nicht häufiger dranzunehmen und ihre Wortmeldungen so neutral wie möglich zu kommentieren. Aber immer wieder bemerkte er ihre Blicke, die ihn intensiv musterten.

Bald änderte sich bei ihm etwas: Je länger er Carola vor sich sitzen sah, je häufiger er sie unauffällig betrachtete, wenn die Klasse mit einer Aufgabe beschäftigt war, desto mehr wurde ihm bewusst, dass sie kein Schulmädchen mehr war, sondern eine junge Frau. Und dass sie eine körperliche Ausstrahlung hatte, die ihn immer mehr verwirrte. Obwohl sie nie hautenge Shirts anhatte wie viele ihrer Mitschülerinnen, stellte er fest, dass sie schönen feste Brüste und eine schlanke Taille hatte. Als sie doch einmal spürte, wie er sie betrachtete, sah er, dass ihre Brustwarzen hart wurden und sich durch den Stoff  abzeichneten. Er musste sich schnell anderen Dingen zuwenden, um von diesem Anblick nicht zu sehr erregt zu werden. Doch immer häufiger tauchten diese für ihn beunruhigenden Bilder in ihm auf, wenn er abends im Bett lag.

 

Nach zwei Wochen, in denen er ein gutes Gefühl für die Klasse bekommen hatte, kam die Ankündigung eines Unterrichtsbesuchs, denn seine Verbeamtung stand an. Er entschloss sich, mit der Klasse ein Gedicht zu behandeln: „Im Nebel“ von Hermann Hesse. Das Gedicht zieht eine Parallele von einer Wanderung im Nebel, der die Welt um den Wanderer ausblendet und ihn einsam erscheinen lässt, zum Leben des Menschen, das immer wieder Einsamkeit mit sich bringt. Er glaubte nur, dass nur Satz „Leben ist Einsamsein“ in seiner Absolutheit für die Kinder schwer nachvollziehbar sein könnte. Und so war es dann auch.  Die Schüler und besonders die Schülerinnen arbeiteten interessiert mit und entdeckten von alleine, was das Gedicht ausdrücken wollte. Doch bei diesem Satz gab es ratlose Gesichter. Trotz seiner kleinen Hinweise fanden die Kinder keinen Zugang zu dieser „Behauptung“. Die Stunde drohte zu kippen, er wollte unbedingt vermeiden, eine Lösung zu präsentieren, aber es entstand nur eine immer unangenehmer werdende Stille.

 

Gerade wollte er doch mit einer Erklärung beginnen, da meldete sich Carola: „Ich glaube, damit ist gemeint, dass man auch ganz einsam ist, wenn man jemanden liebt, aber nicht mit ihm zusammen sein kann.“ Sie sagte das ganz ruhig und schlicht, doch jeder in der Klasse merkte: Carli gibt hier etwas sehr Persönliches preis. Und er wusste: Dieser Satz war eine Botschaft an ihn! Die Röte schoss ihm ins Gesicht und er drehte sich schnell zur Tafel, um diese Antwort als Stichwort festzuhalten. Mit leicht zittriger Schrift schrieb er „unerfüllte Liebe“. Nun war die Klasse motiviert. Das war eine Lebenserfahrung, die viele dieser Jungen und Mädchen schon gemacht hatten und plötzlich wagten auch andere, ihre persönlichen Erfahrungen mit Einsamkeit und dem Allein-Gelassen-Werden zu äußern. Trotz seiner tiefen Verwirrung konnte er nun die Gedichtbesprechung zu einem guten Abschluss bringen.

 

Die Klasse verließ seltsam nachdenklich den Raum, während er mit fahrigen Bewegungen seine Unterlagen zusammenpackte und um seine Fassung rang. Gerade als er nach der Prüfungskommission schaute, kam Carola durch den Mittelgang auf ihn zu. Ihre dunklen Augen blickten ihn ernst an, er meinte sogar etwas Wehmut ihn ihnen lesen zu können. Sie ging wortlos an ihm vorbei und er wusste nicht, ob sie sein leises „Danke, Carola!“ noch gehört hatte.

 

Früher als vorgesehen nahm der Kollege, den er vertreten hatte, den Unterricht wieder auf und so blieb ihm erspart, Carola täglich vor sich sitzen zu sehen. Nach der Gedichtsbesprechung waren ihre Begegnungen seltener als früher, es schien ihm, als zöge sich Carola bewusst zurück. Bei den wenigen, im Schulhaus unvermeidlichen Zusammentreffen war sie freundlich, aber distanziert. Trotzdem gelang es ihm nicht, sie in seinen Gedanken auszublenden, im Gegenteil. Sogar in seinen Träumen erschien sie ihm. Wenn er dann erwachte, war sein Glied hart und er konnte nicht anders als sich selbst befriedigen, Carola vor den Augen. Aber diese Momente waren alles andere als erleichternd, er fühlte sich hinterher nur schlecht und pervers. 

 

Er nahm seinen Espresso von der Maschine und schlug das Fotoalbum auf. Schnell hatte er es gefunden:  „Pfingsten: Wildwasserwoche in Südfrankreich“ stand auf dem ersten Blatt. Lange hatte er diese Bilder nicht mehr angeschaut, er hatte es, wie ihm jetzt auffiel, sogar vermieden.

 

Eigentlich wollte er damals nicht mit nach Südfrankreich fahren, als er erfuhr, dass auch Carolas Familie teilnehmen würde. Doch wenige Tage vor Beginn der Fahrt traf er Carolas Vater im Bootshaus. Er erzählte, Carola fühle sich nicht wohl und würde wohl zuhause bei der Oma bleiben müssen, denn sie wolle auch noch für die Abschlussprüfung lernen. Daraufhin hatte er keine Bedenken mehr und meldete sich noch kurzfristig an. Um so überraschter war er, als ihm bei der Ankunft auf dem Campingplatz eine lächelnde Carola entgegenkam. „Ich dachte, du würdest zuhause lernen“ begrüßte er sie verdattert. „Wollte ich auch, aber ich kann auch hier lernen.“ antwortete sie verschmitzt. „Es fehlt uns ja noch die gemeinsame Paddeltour, die Sie mir im Herbst versprochen haben. Deshalb bin ich ganz schnell gesund geworden!“ Herausfordernd schaute sie ihn an. Im Gegensatz zur Schule, wo sie immer sehr zurückhaltend gekleidet war, verhüllten jetzt eine knappe Sporthose und ein kleines Bikini-Oberteil nur wenig von ihrem Körper. Nur mit Mühe gelang es ihm, seine Blicke von so viel jugendlicher Schönheit zu lösen. So beiläufig wie möglich fragte er: “Weißt du, welche Zeltplätze für den Verein reserviert sind?“ „Ja, diese ganze Reihe hier ist für uns. Wir wohnen aber in der Hütte dort drüben, meine Mutter schläft nicht mehr so gern im Zelt“, erklärte sie ihm.  Es beruhigte ihn etwas, dass sie sich also nicht so oft über den Weg laufen würden.

 

Diese Bedenken stellten sich dann auch als unnötig heraus. Er war mit den Wildwasserfahrern jeden Tag auf irgendeinem anderen Fluss, sie blieb auf dem Campingplatz und lernte einige Stunden, wie er von ihr erfuhr. Wenn es dunkel wurde, trennte sich Alt und Jung, die einen saßen beim Wein zusammen, die anderen trafen sich am Tischkicker im Campingrestaurant. So arrangierten sie sich in diesem „gemeinsamen“ Urlaub, ohne in die Versuchung zu kommen, die bisherigen, selbst auferlegten Grenzen zu überschreiten  Nur eins änderte sich: Bei einem der abendlichen Volleyballspiele rutschte ihr das „du“ heraus, als sie sich nach einem Punktgewinn abklatschten. Sie entschuldigte sich, aber er meinte: „Wir können es hier im Verein dabei lassen, ich bin der Rolf. Aber küssen werde ich dich nicht!“ fügte er grinsend hinzu. Sie errötete und sah dabei noch hinreißender aus als sonst.

 

Er schlug die nächste Seite des Albums auf. „Abschlusstour Tarn“ hatte er vermerkt. Auf einem der Bilder war auch Carli zu sehen, entspannt im Kajak ihres Vaters sitzend, mit dem Blick auf die Felskulisse vor ihnen. Es war eine wunderschöne Fahrt durch eine herrliche Schlucht mit hohen Felswänden, die sich mit steilen, waldigen Talhängen abwechselten. Ein anders Bild zeigte die Gruppe bei der Mittagsrast. Hundert Schritte weiter oberhalb, war eine gute Badestelle gewesen, und bald hörte man von dort das Lachen und Rufen der Jugendlichen. Als nach einer Weile der ganze Trupp den Fluss herab geschwommen kam und sich vor ihrem Rastplatz lärmend tummelte, war er ebenfalls zu der Badestelle gelaufen.

 

Es schien niemand mehr da zu sein, doch als er um einen Felsen herumwatete, um in die Strömung des Flusses zu gelangen, rief jemand leise „Rolf!“ Er musste genau hinsehen, bis er Carola unter einem überhängenden Ast am Ufer sitzen sah. „Carli, was ist passiert?“ fragte er zurück und kroch unter dem Ast hindurch. Schluchzend saß Carola da, die Hände vor dem Gesicht und die Tränen tropften ihr auf den Schoß. „Was ist los?“ fragte er bestürzt. „Ach, nichts!“ entgegnete sie, doch ihr Schluchzen sagte das Gegenteil. Er setzte sich neben sie, fast zu nah, denn der Stein bot nicht viel Platz. Er sagte nichts, sondern legte nur den Arm um ihre Schulter. Es war ihm klar, dass es um ihre Beziehung ging. Nach einigen Augenblicken spürte er, dass sie sich langsam entspannte, ihr Schluchzen hörte auf und dann schmiegte sie sich an seine Schulter. Schweigend saßen sie so da, er begann tröstend über ihre Haare zu streicheln und sie drückte sich noch enger an ihn.

 

Nach einer Weile, in der er hin und her gerissen war zwischen dem Wunsch, sie an sich zu ziehen und der Angst, etwas auszulösen, das sie beide in noch größere Verwirrungen stürzen würde, löste er sich langsam von ihr und wollte sich erheben. Sie blickte zu ihm auf und ehe er reagieren konnte, hatte sie ihre Arme um seinen Hals geschlungen und ihren Körper fest an den seinen gepresst. Er wollte sie vorsichtig abwehren, doch als er die Verzweiflung und Sehsucht in ihr spürte, schloss auch er sie in seine Arme. So standen sie fest umschlungen eine stumme Ewigkeit, innerlich zerrissen und doch beglückt von der Nähe des anderen. Langsam nahm er ihren Körper wahr, ihre Wärme, die festen Brüste und den Druck ihres Unterleibes an dem seinen. Doch er spürte auch, wie sein Körper auf ihre Weiblichkeit, ihren Duft reagierte und er wollte vermeiden, dass sie seine beginnende Erregung erkannte. Aber es war zu spät, sie begann ganz langsam mit ihrem Unterleib sein wachsendes Glied zu reiben, ließ ihn deutlich spüren, dass sie eine begehrende Frau war und wusste, was zwischen ihnen geschah. Blitzschnell wurde ihm klar, dass sie am Rand eines Abgrundes standen. Noch einen Moment länger, und sie würden in einen Strudel stürzen, aus dem es kein Entrinnen mehr gab.

 

Er musste seine ganze Willenskraft aufbieten, um die Umarmung zu lösen. Er küsste sie auf die Stirn und flüsterte: “Carli, das war sehr schön und ich werde diesen Moment nie vergessen. Aber es wäre nicht gut, wenn wir auf diesem Weg weitergehen würden. Das will ich dir und deiner Familie nicht antun. Lass uns zu den anderen gehen!“  Sie senkte denn Kopf und sagte leise: “Ja, ich weiß, und doch ist es so schwer!“  Sie sah zu ihm auf, zog seinen Kopf heran und ihre Lippen berührten sanft sein Gesicht. Dann presste sie ihren Mund auf seinen und küsste ihn wild. Nach einigen Sekunden, in denen er das Begehren wie ein Feuer durch seinen Körper schießen fühlte, löste sie sich und flüsterte: “Davon habe ich jede Nacht geträumt. Einmal musste es wenigstens wahr werden!“ Sie wandte sich ab, ihre Hände berührten sich noch einmal und während sie das Ufer hochkletterte, stieg er ins Wasser und schwamm zum Rastplatz der Gruppe.

 

Das nächste Foto zeigte sie, wie sie allein auf einem großen Stein am Ufer saß und mit einer Hand ihre Haare aus dem Gesicht strich. „Lorelei“ hatte er darunter geschrieben. Ja, beinahe hätte sie ihn mit in die Tiefe gezogen. Wehmütig betrachtete er das Bild. Wie mochte sie jetzt aussehen?

 

An die letzten Wochen bis zur Entlassfeier der 10b konnte er sich kaum mehr erinnern, nur dass er noch lange danach eine tiefe Wehmut in sich gespürt hatte. „Leben ist Einsamsein“ ging es ihm dann manchmal durch den Kopf. Carola machte eine gute Prüfung, dann an einem Beruflichen Gymnasium ihr Abitur. In diesem Jahr wechselte er die Schule und seinen Wohnort. Dadurch riss auch die Verbindung über den Kanuverein zu ihrer Familie ab und seither hatte er nichts mehr von ihr gehört. Vor zehn Jahren lernte er auf einer Kanutour eine Kollegin kennen und sie heirateten. Doch nach etlichen Jahren, in denen sie sich auf Flüssen in der halben Welt herumgetrieben hatten, stellten sie fest, dass der Sport allein für ihre Ehe nicht tragfähig genug war und nach einem Jahr böser Streitereien endete es mit einer hässlichen, verletzenden Scheidung. Kinder hatten sie keine und so lebte er seit zwei Jahren allein.

 

Die Hektik des Schulbetriebes -es ging wieder den Prüfungen zu- ließ nicht viel Raum für Gedanken an das bevorstehende Klassentreffen und das Wiedersehen mit Carola. Aber in den letzten Tagen vor dem Termin wurde er immer unruhiger und gespannter. Er würde natürlich mit seinem geliebten rollenden Heim fahren, seinem kleinen Wohnmobil, denn er schätzte die Unabhängigkeit von Fahrplänen und Promillegrenzen. Und für sein Hobby, das Kajakfahren, gab es kein besseres Fahrzeug.

 

Und so schnurrte er voller Erwartungen am Samstagnachmittag los. Das Dorf, in dem das Treffen stattfinden sollte, lag am „Hausfluss“ seines damaligen Schulortes, und tatsächlich gab es noch die Uferwiese, die regelmäßig als Rastplatz bei den Vereinsfahrten gedient hatte.Er stellte das Wohnmobil unter den Schatten der großen Uferpappeln, packte einen Campingstuhl aus und setzte sich an den Fluss. „Eigentlich hätte man mich gar nicht einladen müssen, denn die kurze Zeit als Vertretungslehrer zählt ja nicht richtig!“, überlegte er. War Carola die treibende Kraft dafür gewesen?  Wenn ja, warum? Diese Gedanken ließen die Spannung in ihm weiter wachsen. Dann zog er sich um und machte sich auf den Weg zum angegeben Gasthaus.

 

Als er die Gaststube betrat, war es wie immer bei Klassentreffen: Zuerst das Rätselraten, wer denn da erscheint, dann großes Begrüßen mit Fragen wie „Erkennen Sie mich noch….an welcher Schule sind Sie jetzt…gefällt es Ihnen dort….haben Sie Familie?“ und so fort. Bei ihm als Vertretungslehrer hielt sich die Fragerei in Grenzen, allerdings erstaunte ihn eins: Viele der Schülerinnen und Schüler erinnerten sich an die Stunde mit der Gedichtbesprechung. Sie muss wohl einen tiefen Eindruck bei ihnen hinterlassen haben. Er setzte sich zu den Kolleginnen und Kollegen, die er noch kannte und versuchte mit ihnen in ein Gespräch zu kommen. Aber er war nicht so recht bei der Sache, denn Carola war immer noch nicht da. Dann wurde das Licht gelöscht und der Klassensprecher zeigte Bilder vom Schullandheim und verschiedenen Klassenfahrten. Die Vorführung war witzig zusammengestellt und es gab viel Gelächter.

 

Er stand hinten im Raum, um besser sehen zu können, als sich plötzlich eine Hand auf seinen Arm legte, eine Wange sich kurz an seine schmiegte und eine immer noch vertraute Stimme flüsterte: “Schön, dass du gekommen bist!“ Ihm stockte der Atem, sein Herz begann wie rasend zu pochen, doch als er sich zur Seite wandte, sah er nur noch, wie sich eine attraktive, junge Frau zu den Mitschülerinnen auf die Bank zwängte und sie leise begrüßte. Es war Carola. Aber zu seiner Enttäuschung  blieb es bei der Begrüßung. Nur einmal ertappte er sie dabei, wie sie ihn nachdenklich musterte, doch sie wich seinem Blick aus und drehte sich wieder ihren Nachbarn zu. Dabei wäre er zu gerne in ihrer Nähe gewesen, denn die vergangenen fünfzehn Jahre hatten aus dem jungen Mädchen eine anziehende, selbstsichere Frau gemacht, die auch die ehemaligen Klassenkameraden sichtlich beeindruckte. Alles das, was sie mit sechzehn Jahren schon auszeichnete, hatte sich verfestigt und zu einer ungewöhnlichen Ausstrahlung vereinigt.

 

Je länger der Abend wurde, desto mehr litt er unter dieser Distanz. Warum diese Einladung, warum diese Begrüßung im Dunkeln, wenn sie doch nicht miteinander redeten? Schließlich begann er sich darüber zu ärgern, überhaupt gekommen zu sein. Was sollte dieses „Theater“, wie er in seinem gekränkten Stolz dachte? Als sie sich dann zu ihrem ehemaligen Klassenlehrer setzte und mit ihm ein intensives Gespräch begann, fühlte er sich so zurückgesetzt, dass er die Bedienung heranwinkte und um die Rechnung bat. Nachdem er bezahlt hatte, holte er aus seinem Portemonnaie einen kleinen Adresszettel und zwängte sich durch die Tische zu Carola, die sich immer noch mit dem ehemaligen Klassenlehrer unterhielt. „Hier, meine Adresse, melde dich mal, wenn du Lust hast!“ unterbrach er die beiden, schob ihr den Zettel über den Tisch und wollte gehen. Carola beachtete den Zettel nicht, schaute ihn nur ernst an und sagte: „Kannst du noch zehn Minuten warten?“ Er nickte zögernd. „Ich warte drunten an der Brücke!“, brummte er. Immer noch wütend verabschiedete er sich flüchtig bei den Kolleginnen und Kollegen, bedankte sich beim Klassensprecher für die Einladung und verließ die Gaststätte.

 

Von der Brücke aus starrte er in das dunkle Wasser, immer noch verärgert und gekränkt. Er blickte nicht zurück auf den Weg, den sie kommen musste, sie sollte merken, dass er sauer war. Hinter einem Stein kreisten zwei Holzstücke endlos in einem Wasserwirbel und fanden nicht den Weg in die Strömung. „Wie Tiere im Käfig.“, dachte er. Dann stand Carola plötzlich neben ihm. Sie lehnte sich schweigend über das Geländer und folgte seinem Blick. „Immer im Kreis herum, zusammen, aber doch jedes für sich, einsam wie wir…“ unterbrach sie das Schweigen, ohne den Blick vom Wasser abzuwenden. Dann gab sie sich einen Ruck, drehte sich ihm zu, legte die Hand auf seinen Arm und sagte: „Entschuldige, ich weiß, dass es dir schwer gefallen ist, nicht mit mir sprechen zu können. Es ging mir genau so. Aber ich wollte dich auch erst einmal betrachten, ob du noch der bist, den ich in der Erinnerung habe.“ „Und zu welchem Ergebnis bist du gekommen?“, fragte er mit leicht verärgertem Unterton. „Das sage ich dir gleich,“ erwiderte sie ruhig, “aber erst muss ich dir erzählen, warum ich so lange mit unserem ehemaligen Klassenlehrer gesprochen habe.“ Sie verstummte und rang sichtlich nach Worten. „Wir haben das gleiche Schicksal, beide haben wir vor etwa einem Jahr unsere Partner verloren.“ Sie stockte. Er fasste die Hand, die auf seinem Arm lag. „Das tut mir leid!“ sagte er leise, „was ist passiert?“ „Mein Mann ist vor einem Jahr tödlich verunglückt….aber lass uns den Uferweg entlang gehen, dann spricht es sich leichter!“ bat sie. Als sie einige Schritte gegangen waren, legte er den Arm um ihre Schulter und fragte: „Ist es noch schlimm?“  Sie nickte. „Deshalb habe ich mit Herrn Schneider gesprochen. Ich wollte wissen, wie er mit dem Schmerz umgeht, mit den Erinnerungen und der Einsamkeit. Es geht ihm ähnlich wie mir, aber er spürt, dass sie langsam nachlassen und die Gedanken wieder frei werden. Ich hoffe, es ist bei mir bald auch so.“ Dann erzählte sie vom Unfall, von ihrem kleinen Sohn, der kurz vorher geboren worden war und wie sie versuchte, ihr Leben in den Griff zu bekommen.

 

Er hörte betroffen zu und sein Ärger war schnell einem tiefen Mitgefühl gewichen. Wie egoistisch hatte er sich vorher benommen!  Er zog Carola noch fester an sich, wollte sie spüren lassen, wie sehr er mitfühlte. Denn auch er war nach seiner Scheidung  in ein tiefes Loch gefallen und hatte lange gebraucht, zu einem normalen Leben zurückzufinden. Als ob sie seine Gedanken erraten hätte, sagte sie: “Du wolltest wissen, was ich bei dir heute Abend gesehen habe? Du bist ernster geworden, oft kriechst du in dich zurück. Ich glaube, auch bei dir hat das Leben Narben hinterlassen. Sag’, wie ist es dir ergangen?“

 

In wenigen Worten berichtete er von den vergangenen Jahren. Er wusste, er brauchte nicht viel zu erklären, sie würde verstehen, was hinter ihm lag. Schweigend liefen sie noch ein Stück. Dann hielt sie an und sagte leise: „Leben ist Einsamsein! Jeder ist allein! ….Weißt du noch?“  Ja, schrie es in ihm, ich weiß es, habe es oft erfahren und spüre es immer wieder. Leben ist Einsamsein! Ein Kloß bildete sich in seinem Hals, er wandte sich zum Ufer, blickte auf das Wasser und seine Augen füllten sich mit Tränen. Sie trat neben ihn, fragte: “Was ist dir, habe ich etwas Falsches gesagt?“ Er schüttelte den Kopf. Da bemerkte sie seine Tränen, nahm seinen Kopf zwischen ihre Hände und presste ihre Wange an seine. Er spürte, wie auch sie zu schluchzen begann und dann mischten sich ihre Tränen. Alle ihre Trauer und Verzweiflung, die sie in sich getragen hatten, brach aus ihnen heraus und löste sich in lang anhaltendem Schluchzen. Und in diesem Augenblick der Verletzlichkeit spürten sie, dass sie Vertrauen zueinander haben konnten. „Man sollte öfter miteinander weinen.“, meinte er verlegen. „Ja!“, erwiderte sie, „man ist dann nicht so einsam!“ 

 

Sie erschauerte, es war kühl geworden am Wasser. Er legte ihr seine Jacke über die Schultern und sie machten sich in Gedanken versunken auf den Rückweg. Als sie die Lichter des Dorfes sahen, fragte er: “Gehst du noch einmal zu den anderen?“ „Nein, ich habe mich schon verabschiedet. Eigentlich hatte ich vor, wieder nachhause zu fahren. Und du?“ „Ich bin unabhängig. Dort drüben steht meine rollende Zweitwohnung!“ antwortete er und zeigte zu seinem kleinen Wohnmobil. „Beneidenswert, davon träume ich schon lange. Du weißt ja, dass wir  alte Camper sind. Darf ich einen Blick hineinwerfen?“ „Ja gerne!“ freute er sich, so hatte er noch etwas Zeit bis zum Abschied gewonnen. Nachdem sie sich im Inneren des Wagens genau umgesehen hatte, setzte sie sich auf die Sitzbank und meinte: “Gemütlich hast du es hier drin!“ Während dessen hatte er Wasser auf den Herd gestellt. „Für einen Tee hast du doch noch Zeit?“ fragte er. Dann zog er die Rollos vor die Fenster, zündete eine Kerze an und stellte zwei Teetassen auf den Tisch. Lange noch saßen sie im Schein der Kerze und breiteten ihr Leben voreinander aus. Schließlich war es weit nach Mitternacht.

 

Als sie mit Mühe ein Gähnen unterdrückte, nahm er ihre Hände zwischen seine und schaute sie fragend an. Sie erwiderte seinen Blick und sagte dann zögernd: „Mein Sohn ist bei meiner Mutter, ich brauche eigentlich nicht nachhause zu fahren,“ und etwas verlegen lächelnd setzte sie hinzu.“ Vielleicht ist in deiner Zweitwohnung noch ein Plätzchen für mich frei?“  Sein Herz machte einen Sprung vor Glück und Erleichterung. Kein Abschied! „Ich kann dir mein Bett anbieten und ich schlafe auf der umgebauten Sitzgruppe. Oder du schläfst hier und ich im Bett, oder,“ er zögerte etwas, „wir teilen uns mein Bett, jeder in einer Ecke.“ Er bemerkte, wie sie überlegte Dann sagte sie entschlossen:“ Wir sind hier drin so nahe beieinander, da kann ich auch gleich neben dir schlafen!“ Und mit Ernst fügte sie hinzu: „Aber du musst mir versprechen, vorsichtig mit mir zu sein!“ Er nickte und meinte, das gelte wohl auch umgekehrt. Als er herzhaft gähnte, meinte sie, es wäre jetzt wohl Zeit für ein Stück Schlaf.

 

Er zeigte auf die Schiebetüre zum kleinen Bad und sagte: „Nach Ihnen, Madame!“ Mit einem frechen Blick, einem Powackeln und „Oui, Monsieur!“  verschwand sie. Er holte ein weißes T-Shirt aus dem Schrank und legte es für sie auf das Bett. Als sie wieder erschien, zeigte er darauf mit der Bemerkung: „Ein Baby Doll kann ich leider nicht anbieten!“ Sie schmunzelte nur und begann sich auszuziehen. Er hätte ihr gerne dabei zugesehen, aber er dachte an ihre Bitte und verschwand rücksichtsvoll im Toilettenraum. Als er herauskam, lag sie eingekuschelt unter seiner Decke. Er öffnete einen Schrank und holte sich die Ersatzdecke heraus. Dann zog er sich bis auf die Shorts aus, er spürte fast körperlich ihre Blicke im Rücken und eine gewisse Erregung breitete sich in ihm aus. Dann kroch er auf die freie Seite, rollte sich in die Decke und flüsterte: „Gibt es jetzt noch einen Gutenachtkuss?“ „Hol’ ihn dir!“ flüsterte sie zurück. Er beugte sich zu ihr hinüber, sie drehte sich zu ihm und bot ihm ihren Mund. Vorsichtig berührten seine Lippen die ihren, sie erwiderte behutsam die Berührung. Doch nach wenigen Sekunden löste sie sich von ihm und flüsterte: „Sei nicht enttäuscht, ich will dich nicht zurückweisen. Doch ich merke, ich bin noch nicht frei für mehr. Aber ich danke dir für diesen Abend, ich habe wieder Leben in mir gespürt. Schlaf’ gut!“ „Du auch!“, flüsterte er und drehte sich zurück auf seine Seite.

 

Er erwachte vom Streicheln einer Hand. Er brauchte einen Augenblick, um sich zurechtzufinden. Durch die Dachluke über ihm fiel graues Morgenlicht. Sie lag neben ihm, hatte ihren Kopf auf eine Hand gestützt und betrachtete ihn. „Du hast einen leichten Schlaf, ich wollte dich noch nicht wecken. Aber ich hatte einen eigenartigen Traum, von dem ich aufgewacht bin.“ Sie suchte nach den Bildern des Traumes, dann begann sie zu berichten:“ Wir beide liefen die Straße entlang, auf der der Sven ums Leben kam. Vielleicht wollte ich dir die Unfallstelle zeigen, ich weiß es nicht genau. Plötzlich war Sven da. Er kam lächelnd auf uns zu, begrüßte uns, ohne mich zu berühren, schaute mich nur an und sagte: Es ist in Ordnung. Mir geht es gut, du brauchst dir keine Sorgen mehr machen. Dann verschwand er. Ich empfand das als ganz normal, dass er ging. Ich hatte nicht einmal den Wunsch ihm zu folgen und war beruhigt, dass es ihm gut ging. Dann bin ich aufgewacht und es war auf einmal anders als sonst. Das Gedankenkarussell dreht sich nicht mehr, es verkrampft sich nichts mehr in mir, wenn ich an meinen Mann denke.“ Und mit Erleichterung in der Stimme fügte sie hinzu: “Jetzt bin sicher, er wäre einverstanden damit, dass ich hier neben dir liege.“ 

 

Sie streichelte ihn weiter, seufzte wohlig auf, als auch er ihren Körper vorsichtig zu ertasten begann, hob dann seine Decke an und schob ihren Körper über den seinen. Vorsichtig fanden sich ihre Lippen, noch voller Furcht, die Schatten der Vergangenheit könnten zurückkehren. Doch die neue Freiheit hatte Bestand. Je länger sie sich küssten und ihre Körper erkundeten, desto unbeschwerter fühlten sie sich. Ein tiefes Glücksgefühl durchströmte ihn, als sie sich aufrichtete und mit den Worten: „Ich will dir jetzt ganz nah sein!“ das T-Shirt über den Kopf zog und damit die letzte trennende Hülle abstreifte. Langsam senkte sie ihren Oberkörper, bis ihre harten Brustwarzen seine Haut berührten. Leicht wiegte sie sich hin und her und schenkte so ihren und seinen Brustwarzen Schauer von Lust.

 

Dann hob er sie etwas mehr über sich, begann sie vom Hals  immer weiter abwärts zu küssen, damit sein Mund erst die eine und dann die andere Brust verwöhnen konnte. „Welche ist noch nicht zufrieden?“ fragte er schelmisch. „Die linke….nein, die rechte….doch, die linke…!“, neckte sie ihn und er wechselte lachend von einer Brust zur anderen. Dann ließ sie sich wieder auf ihn fallen. Seine Hände wanderten über ihren Rücken und schoben sich auf ihr Gesäß. Zärtlich massierte er ihre Backen und im gleichen Rhythmus begann sie, ihren Unterleib gegen seinen zu pressen. Sie lagen stumm Wange an Wange, fühlten sich in den anderen hinein, wollten vorsichtig ihre Körper Vertrauen fassen lassen. Langsam öffnete sie ihre Beine etwas, gab seinem noch in den Shorts gefangenen Glied Platz, wenigstens durch den dünnen Stoff hindurch ihr  Lustzentrum zu verwöhnen. Sie massierte sich und gleichzeitig ihn, bis für ihn die Spannung fast unerträglich wurde.

 

Er unterbrach die Massage ihres Hinterteiles und griff langsam nach dem Bund der Shorts. „Jetzt darf sie entscheiden, ob wir den nächsten Schritt gehen wollen!“ dachte er. Langsam begann er die Hose nach unten zu streifen. Kaum hatte sie seine Bewegung gespürt, da hob sie ihren Unterleib an, um ihm das Ausziehen zu erleichtern. „Ja, ich will es auch!“ flüsterte sie, als ob sie seine Gedanken erraten hätte. Als sein hartes Glied befreit war, drückte sie ihren Unterleib noch einmal auf seine Härte, ließ sich dann zur Seite auf den Rücken rollen und spreizte weit ihre Beine. Sie sah ihm in die Augen. „Ich möchte dich über mir haben, deine Kraft spüren, wenn du in mir bist! - Komm!“ Er zögerte etwas und blickte hoch zur Ablage, wo ein paar Kondome versteckt waren. „Nein, du brauchst bei mir keine Angst zu haben, und dir vertraue ich!“ lächelte sie. Er legte sich zwischen ihre Schenkel, stützte sich ab und ertastete vorsichtig mit seiner Eichel den Weg in ihr Geheimnis. Er fühlte die Feuchtigkeit an ihrem Eingang, begann mit vorsichtigen Bewegungen sein Glied damit zu benetzen und drang dann gefühlvoll mit immer tiefer werden Stößen in sie ein. Als dann die Wurzel seines Gliedes ihre Klitoris erreichte, stöhnte sie laut auf und presste ihm ihren Leib entgegen. Er legte sich auf sie, stützte sich auf den Ellenbogen ab und suchte ihren Mund. Ihre Zungen umgarnten sich und langsam nahmen ihre Körper den uralten Rhythmus der Vereinigung auf. Im Gleichklang gelang es ihnen, immer höhere Gipfel der Lust zu erreichen, bis sie sich beide mit heftigem Stöhnen ineinander ergossen.

 

Lange lagen sie dann stumm aufeinander, sie massierte gedankenverloren seinen Rücken und er bedeckte mit kleinen Küssen ihr Gesicht. Dann flüsterte sie: “Gestern hätte ich nie geglaubt, dass es so weit kommen würde. Ich hatte noch so viel Schmerz in mir. Aber ich wollte dich treffen, weil du in meiner Erinnerung immer einen wichtigen Platz eingenommen hast. Du hast mich damals in meinen Jungmädchenträumen so einfühlsam gelenkt, dass ich unsere kurze Zeit nie vergessen konnte.“ Nach einer kleinen, nachdenklichen Pause fügte sie hinzu: „Und ich habe diesen einfühlsamen Mann jetzt wieder gefunden.“ Er legte sich neben sie, suchte nach den richtigen Worten. Dann richtete er sich auf und blickte ihr ernst in die Augen: „Weißt du, mir ist nie mehr ein Mädchen wie du begegnet. Ich habe immer wieder an dich gedacht. Seit ich allein bin, sogar sehr oft. Ich habe mir dabei überlegt, was du für eine Frau geworden sein könntest. Aber ich bin nie auf die Suche nach dir gegangen - ich hatte, um ehrlich zu sein, Angst vor der Wirklichkeit.“ Er schwieg. „Und jetzt?“, fragte sie erwartungsvoll und etwas ängstlich. „Jetzt kenne ich die Wirklichkeit!“, antwortete er lächelnd, „und sie ist schöner als ich zu träumen gewagt habe. Wenn wir behutsam miteinander umgehen, werden wir auch die Lasten der Vergangenheit abschütteln können.“

 

Wie um diese Worte zu bekräftigen, küsste er sie zärtlich. Dann hielt er inne und flüsterte ihr ins Ohr: “Und es ist wunderbar, dass wir gleich zu dritt sind!“ Tränen der Dankbarkeit füllten ihre Augen, sie zog ihn voller Liebe an sich und ihr langer Kuss der Dankbarkeit führte hinüber zu Begehren und Hingabe. Sie drehte ihn auf den Rücken, stützte sich über ihm mit den Händen ab, glitt nach unten, um mit ihren Brüsten sein Glied zu reiben. Als sie die nötige Härte spürte, schob sie ihren Unterleib darüber, nahm es zwischen ihren Schamlippen auf und massierte es voller Hingabe. Als er mit seinem Becken ihre Bewegungen erwidern wollte, sagte sie liebevoll:“ Nein, bewege dich nicht, genieße nur. Ich will, dass es ganz schön für dich wird!“

 

Als sie merkte, dass die Lust bei ihm eine Erlösung forderte, nahm sie sein Glied in sich auf, umschloss es bei jedem Senken ihres Unterleibes und während er dem Höhepunkt entgegenstrebte, betrachtete sie ihn und verfolgte, wie sich die Lust in seinem Gesicht spiegelte. Als sie merkte, dass er kurz vor dem Höhepunkt war, schlüpfte ihre rechte Hand hinunter zur Klitoris, um auch ihre Lust voranzutreiben. Mit geschlossenen Augen gab sie sich dann der Lust hin, und als er sich mit einem Schrei in ihr entlud, war auch sie so weit und von Lustkrämpfen geschüttelt sank sie auf ihn nieder.

 

Als sie wieder zu sich kamen, war der Raum von den ersten Sonnenstrahlen in goldenes Licht getaucht.

 

© Tacet