Urlaub ohne W.

 

Blaschek lag auf dem Rücken. Seinen kleiner werdenden Schwanz hielt er noch zärtlich in der Hand. Das spermadurchtränkte Taschentuch krönte seinen stattlichen Bauch auf charmante Weise. Blaschek war in Eile gewesen, seine Frau konnte jederzeit reinschneien.

 

Befriedigt lag er da, die Hose auf die Oberschenkel gezogen und dachte besorgt an den nächsten Tag. Er würde mit Karin nach Griechenland fliegen. Seit langen Jahren ihrer Ehe der erste Urlaub. In einem schwachen Moment hatte er ihrem Drängen nachgegeben und in die Reise eingewilligt. Dabei hasste Blaschek nichts mehr, als aus seiner Routine gerissen zu werden. Doch Karin hatte gebucht. Zwei Wochen Halbpension auf Patmos. Zwei Wochen Sonne auf einer der kleinsten Inseln der Ägäis. Wo er doch sonst nie raus ins Freie ging, höchstens mal ins Stadion.

 

Missmutig sah er sich schon mit shortbekleideten Familien ins Flugzeug steigen, inmitten von Familienoberhäuptern, die ihre Schäfchen mit der Videokamera verewigten wie sie die Gangway hochtrampelten.

 

Doch das war nur der Anfang seiner Alpträume.

 

Was Blaschek wirklich den Angstschweiß unter die Hoden trieb, war das gemeinsame Hotelzimmer. - Zuhause hatten sie schon seit langem getrennte Schlafzimmer - und daran hatte er sich gewöhnt. Wie und wo sollte er seiner feuchten Sucht nachgehen?? Blaschek musste, ja musste, täglich mindestens drei bis viermal wichsen.

 

Als er seine Frau an der Tür hörte, hatte er gerade noch Zeit die Hose hochzuziehen. Mit einem Bier in der Hand empfing er sie. Karin sah müde aus, im Vorbeigehen gab sie ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange.

 

Im Flugzeug bestellte Blaschek einen Whiskey, zur Beruhigung. Früh am Morgen hatte er als Abschiedsritual von seinem Zimmer, gleich dreimal Hand an sich gelegt. Damit hoffte er den ersten Tag gut zu überstehen. Er war bereits erschöpft. In seiner Verzweiflung über die bevorstehende Trockenzeit, hatte er sogar überlegt, es Karin zu gestehen. Dann hatte er diese Idee aber schnell wieder verworfen. Das würde die Magie zerstören und er hatte auch Angst vor ihren strengen Augen.

 

Trotz der Morgengymnastik in der Unterhose wurde Blaschek schon wieder erregt. Das gleichmäßige Surren der Triebwerke, trieb ihn ziemlich bald nach dem Start auf die Toilette. Er packte seinen unruhigen Freund, stöhnte verhalten, nahm rechtzeitig eines der Papierhandtücher aus dem Spender und wischte sich dann noch sorgsam damit  ab, bevor er es dem höllisch lärmenden Schlug der Airbustoilette übergab.

 

Beschwingt tänzelte er zurück an seinen Platz und Karin freute sich über seine endlich aufkommende Urlaubsstimmung.

 

Den ersten Morgen saß Blaschek ziemlich käsig auf der Hotelterrasse. Bis jetzt war alles gut gelaufen. Seine Morgenlatte hatte er erfolgreich und unbemerkt unter der Dusche entsorgen können. Dazu hatte er laut eines seiner Fußballlieder geschmettert, um nicht doch unkontrollierte Geräusche von sich zu geben. Nach dem Frühstück ging es gleich ab zum Strand. Die Sonne knallte gnadenlos auf Blascheks bleichen Bürokörper, die Decke war dauernd voller Sand, soviel er auch wischte und schüttelte.

 

Unruhig wälzte er sich hin und her und verfluchte die körnige Situation. Er fragte sich zum millionsten Mal, was das Erholsame am Strandurlaub sein sollte. Alle sprachen deutsch und stanken nach dem gleichen Sonnenschutzmittel. Blaschek würgte.

 

"Ich geh mal aufs Zimmer Schatz und ruh mich ein bisschen aus. Ich vertrage die Sonne nicht, Liebling..."

 

"Ist gut, ich komm gleich nach."

 

"Lass dir nur Zeit Schatz, genieße das Meer."

 

Als sie kurz darauf ins Zimmer kam, hatte er gerade noch Zeit, das Taschentuch unter die Matratze zu schieben.

 

Die Tage wurden, einer nach dem anderen, von der Sonne verschluckt. Blaschek genoss den griechischen Honig und fügte sich. Doch gestern war die Duschnummer ausgefallen. Karin war reingeplatzt und ewig vor dem Spiegel rumgestanden. Blaschek kam fast um hinter dem dürftig bemessenen, verschimmelten Duschvorhang.

 

Er war gereizt heute. Sehr. Beim Frühstück schlug er vor ein Auto zu mieten, um die Insel zu erforschen. Er brauchte Action. Bei den Quadratmetern können wir das doch zu Fuß machen. Obwohl sie Recht hatte, war Blaschek sauer. Rumwandern, das auch noch. Er fügte sich. Dachte sowieso nur an sein ständig größer werdendes Problem. Stundenlang wanderten sie über steiniges Brachland und zerkratzten sich die Beine.

 

"Diese Aussicht, traumhaft. Riechst du den wilden Thymian, Liebling."

 

Ja, wild. Wie ein wilder Stier lief Blaschek plötzlich durch die Macchia auf einen großen Dornbusch zu. Im Rennen rief er Karin zu:

 

"Geh, schon mal weiter, ich muss mal, Durchfall..."

 

Sie sah ihn erstaunt an und schlenderte zögerlich weiter. Hinter dem Dornbusch hockte sich Blaschek mit dem Rücken zu Karin auf den Boden, nestelte ungeschickt vor Entzugserscheinungen, seinen vernachlässigten Liebling heraus und rieb und presste ihn wie ein Rasender. Die Spuke lief ihm aus dem Mundwinkel. Gerade als er verzweifelt versuchte sein Taschentuch aus der Hosentasche zu zerren, rief sie:

 

"Wo bleibst du Liebling?"

 

Blaschek gab einen herzzerreißenden Schmerzenslaut von sich und presste ein "Ich kann nicht!" hervor.

 

Karin schüttelte verwundert den Kopf und Blaschek benetzte wie der große Onan den griechischen Boden mit seinem Samen.

 

In gekrümmter Haltung, die Hände auf den Unterleib gepresst und einem Herz erweichendem Stöhnen schlurfte er dann hinter dem Busch hervor.

 

"Was ist los, was hast du?"

 

"Schreckliche Bauchkrämpfe...ahh...oh..nein..."

 

Dabei krümmte er sich noch ein bisschen mehr, und Karin blies sofort zur Rückkehr.

 

Im Hotelzimmer musste er sich aufs Bett legen, Kamillentee trinken und seine Frau mühevoll davon überzeugen, alleine an den Strand zu gehen.

 

Endlich verlassen, verfiel Blaschek in einen Serienrausch. Er wichste sich die Seele aus dem Leib. Als Karin zurückkam, schlief er erschöpft - mit Schweißtropfen auf der heißen Stirn. Diesem überzeugenden Umstand hatte er drei Krankheitstage mit sich allein im Hotel zu verdanken. Systematisch nutzte er die geschenkte Zeit, um auf Vorrat zu masturbieren. Und hoffte, dass das überhaupt möglich war. Aber kann man auf Vorrat Schlafen, Trinken, Vögeln???

 

Die  Tage nach der Krankheit, kam er in der Tat sehr gut mit seiner Duschnummer über die Runden. Es muss allerdings hinzugefügt werden, dass er sich angewöhnt hatte, abends, wenn sie vom Strand zurückkamen, noch einmal zu duschen.

 

Blaschek fühlte sich wider Erwarten ausgezeichnet. Zufrieden und erholt. Sogar die ägäische Sonne tat ihm jetzt recht gut. Nur das Gefühl, die Sportschau zweimal zu versäumen machte ihn weiterhin wütend.

 

Doch auf Dauer reichten die Duschnummern gerade aus, um ihn an der Kippe des gerade noch Aushaltbaren zu lassen. Nur so konnte er sich erklären, dass er am elften Tag nach langem wieder einmal versucht hatte, mit Karin zu schlafen. Dabei war Sex schon seit ewigen Zeiten tabu. Karin fand das Gewetze und Gekeuche lächerlich. Irgendwann hatte Blaschek aufgegeben und angefangen, Liebe auf eigene Faust zu machen.

 

Doch diesmal ließen ihn seine prallen Eier, die Meeresluft und die halbnackten Körper am Strand von einer Erotik zu zweit träumen. Nach dem dritten "Lass das!", hatte er sich resigniert in eine Kneipe getrollt. Der Sternenhimmel hatte ihn zusätzlich melancholisch gemacht. Er trank schneller als sonst, verbot sich jegliche Sentimentalität. Bald war der Urlaub vorbei und er konnte in die Sicherheit seiner Arbeitsroutine zurückkehren und seinen Zauberstab nach Lust und Laune tanzen lassen.

 

Noch ein Tag, und noch einer. Kommst du mit zum Minigolfplatz, da ist es schön schattig. Ich glaub´ ich brauch mal eine Sonnenpause. Blaschek war mit seinen Gedanken weit weg, wie in Trance schmierte er sich ein Brötchen, das er dann auf dem Teller liegen ließ.

 

"Blaschek?"

 

"Ja, ...ja, ich hol die Tasche."

 

Im Spiegel des Toilettentisches betrachtete er sein Gesicht, Minigolfspielen, Minigolfspielen memorierte er wie eine Gebetsmühle. Er fühlte sich wieder fiebrig. Langsam holte er die Strandtasche aus rotem Plastik, leerte den Inhalt aufs Bett, setzte sich auf den Rand der Schlafstätte, riss seine vernachlässigte Rute heraus und rieb sie schnell und gierig. Die Angst, von Karin ertappt zu werden, beflügelte ihn. Konzentriert pumpte er seinen milchigen Saft in die übergestülpte Tasche. Mit großer Genugtuung beobachtete er dann wie sich die klebrige Masse langsam in einer Ecke der wieder umgedrehten Strandtasche sammelte. Zufrieden nahm er die Flasche mit dem fast durchsichtigen Sonnengel und vermischte ein paar kräftige Spritzer davon mit dem Sperma. Tolle Mischung: Blaschek blend mit Sonnenschutzfaktor 15.

 

Dann warf er die unverschlossene Gelflasche in die rote Plastiktasche, direkt auf das Sperma, stopfte die Sachen wieder hinein und lief pfeifend die Treppe runter auf die Terrasse.

 

"Wo bleibst du nur so lange??"

 

Auf dem Minigolfplatz entdeckte Karin die Bescherung.

 

"Ach nein! Das Sonnengel ist ausgelaufen, die Flasche war offen. Schau dir diese Sauerei an."

 

Während sie sich das Spermagel im Gesicht verrieb, um zumindest noch einen Teil des teueren Sonnenschutzmittels zu retten, biss Blaschek auf den Minigolfball. Er hätte laut losbrüllen können. Beim Spiel gewann er jede Runde haushoch. Er war blendend in Form.

 

Zurück im Hotel wusch Karin die Badetasche im Waschbecken gründlich aus. Blaschek überstand die letzten zwei Tage unbeschadet. Das Bild von Karin, die sich das Gesicht mit seinem Saft einschmierte, half ihm über die letzte Trockenzeit hinweg. Zuhause hängte er die rote Strandtasche in seinem Zimmer an die Tür. Sie beflügelte ihn fortan bei seinem einsamen Handwerk.

 

© Sab Schönmayr