Hungergefühle

Ein leerer Magen

– und ein voller Kopf.

Komische Kombination.


Tief durchatmen ...

und weiter den Gedanken nachhängen.

 

Hättewärewenn ...
„Der „hättich“ hat nie gelebt!“,

hatte sie einmal geschrieben.

Warum ist sie nur ebenso inkonsequent wie er?

Warum kann Sie nicht schlüssig zu ihren Aussagen handeln –

und er genauso wenig?

Und warum kommt er zu keinem Ergebnis?

War es doch in den letzten Jahren mit den Frauen immer einfach gewesen

– unbeschwert –

und er war sicher gewesen das Richtige zu tun,

oder mit den Konsequenzen leben zu können.

Und jetzt?

Kommt eine Frau in sein Leben

– in sein geregeltes Leben mit langjähriger Freundin,

gemeinsamem Hund und einer schönen Wohnung.

Alles bestens.

Und dann sie –

ein Jahr älter als er und eine ähnliche Selbstverständlichkeit,

dass der eigene Partner nicht der letzte körperliche Partner sein kann.

 

Das ist ja auch seine Meinung, ganz klar.

Ebenso klar,

dass er dasselbe seiner Freundin gönnen würde.


Doch bei ihr war irgendwie alles viel schwieriger.

Sie war auf eine seltsame Art gefährlich für ihn,

weil sie so offensichtlich anders war.

Anders als jede andere Frau,

die er je kennen gelernt hatte.
Nein,

die Richtige für eine Beziehung war sie sicher nicht.

Obwohl -

vielleicht gerade das.

 

***
Jetzt erstmal etwas essen –

sonst kann man ja nicht mal die essentiellsten Gedanken klar fassen.

***


Ob er ihr eine SMS schreiben soll?

Wenn nur der Kopf nicht wäre – der immer sagt:

„Geh ihr nicht auf die Nerven –

sie soll dich wollen, nicht nur du sie!“


Wollte er sie überhaupt?
Gute Frage.
Ja!

Auf jeden Fall wollte er sie.

Einmal hatten sie sich geküsst –

und er hatte von ihrer Haut gekostet.

Sie war eine Frau deren Feuchtigkeit auf der Haut man genießen und lieben,

begehren konnte.

Alle Sinne gespannt,

jedes Tasten fühlte Neuland,

spannendes, wunderschönes Land.
 
War er etwa verliebt?

Eine noch bessere Frage.
Hmmm ...

ganz ehrlich –

wohl schon.

Nicht so wie er seine Freundin liebte.

Anders, völlig anders.


Sie hatte einmal gesagt

wenn Sie neben ihrer Beziehung eine Geschichte mit jemand anderem hätte,

dann würde Sie diesen Menschen auch lieben.

Leiden,

wenn sie nicht bei ihm wäre

- und wenn es wieder auseinander gehen müsste.
Warum musste er sich daran jetzt auch gewöhnen?

 

Er hatte bereits Affären gehabt während einer Beziehung.

Und es war bisher immer so problemlos gewesen.

Guter aufregender Sex

mit einer aufregenden hübschen Frau.

Das ganze sorglos für beide –

ohne Verpflichtungen und doch mit viel Zuneigung.

Eine rundum wunderbare Sache

und abgesehen vom schlechten Gewissen

auch eine Erfrischungskur.
Seine Freundin hatte einmal kurz nach Beginn einer längeren Affäre gesagt

wie schön es doch wäre,

dass er wieder so gut drauf sei

und sie beide wieder so viel Spaß miteinander hätten.

Was für eine unglaubliche Situation.

Doch auch diese Affäre beendete sich selbst irgendwann und jetzt...

war alles so schwierig.


Nein,

sie wollte ihn nicht für eine Beziehung.

Zumindest sagte sie es nicht,

und sie sagte oft was sie wollte.
Also doch eine SMS:

„Würde Dich sehr gern heute noch sehen. Lieber Gruß M“
Das war wenigstens ehrlich.

Nein,

er wollte nicht unbedingt mit ihr ins Bett –

das heißt natürlich schon aber nicht zwingend.

Er wollte sie verstehen,

sich verstehen,

wenigstens ein wenig.

 

***
Puh – jetzt mal eine Pizza in den Ofen.

Sein Magen reagierte eh schon empfindlich auf Beziehungsprobleme.

***


Naja,

Probleme ja, aber welche Beziehung?

Sie war aufregend –

sehr.

Eine Frau, die wusste was sie wollte.

So etwas zog ihn schon immer an.

Ob sie zu viel für ihn war?

Hmm...

diese Frage konnte er weder mit ja noch mit nein beantworten.
Doch roch sie so gut –

bei ihr störten ihn weder die Achselhaare

noch sonst etwas was er bei anderen Frauen furchtbar fand.

Es passte alles zu ihr.

Wenn Sie ihm gegenüber saß –

immer noch eine Modelfigur,

wenn auch mit etwas mehr Oberweite –

perfekt!

Dazu ihr Gesicht,

ihre feine leicht nach oben gebogene Nase,

sie lief viel barfuß herum.

Hatte einen schönen flachen Bauch mit einem Piercing.

 

Und sie konnte sich wirklich fallen lassen –

das hatte er schon bemerkt.

Als er Sie einmal im Arm hatte bei einem Abschiedskuss...

und Sie sich fallen ließ in seine Hände.

Was für eine Frau.

Was für eine wunderbare Frau!


Eine Droge war sie, und er hatte von ihr probiert.

Was man mit ihr alles anstellen könnte.

Wenn sie wollte.

Und doch,

wenn er ehrlich war,

 stellte er sich schon die Frage was wäre

wenn sie sich einfach hingeben würde.

Wäre sie dann noch so interessant?

 

Sie war anders als er.

Ihre Prioritäten, ihr Leben,

so vieles anders und so vieles gemein.
Und er bekam sie nicht aus seinen Gedanken heraus.


Da eine SMS zurück!

Nein,

von seiner Freundin vom Seminar aus.

Morgen kommt sie wieder und dann hatte er keine Zeit mehr.

 

Warum schrieb SIE nicht zurück – keine SMS mehr.

Wenn sie nicht will, dann eben nicht.

Die Nacht ist jung –

es kann noch viel passieren.
Und was alles passieren könnte.

Ihr langsam die Kleidung vom Leib schälen

und jede zur Vorschein kommende Haut küssen,

streicheln, fest halten und massieren.

Sie ziehen und drücken,

sich an ihr reiben,

sie lecken.

Sie genießen –

das war es was er gerne machen würde.

Er könnte von ihr kosten,

herausfinden wie sie schmeckt,

ihre Haut,

ihr Schweiß,

ihr Mund,

ihr Schoß.

Sie genießen.

Denn das war was sie für ihn sein könnte:

Genuss!


Und jetzt?

Ist die kopfliche Selbstbeherrschung dahin.

Alles weg,

verloren.

Verloren in ihr - und in ihm.

Ob sie das beabsichtigt?

Wohl nicht,

dafür ist sie nicht der Typ.

Sie ist keine Frau für Spielchen –

das musste er schmerzhaft erkennen.
Und immer wieder die quälende Frage:

Wäre sie ebenso interessant,

wenn sie leichter erreichbarer wäre?

 

***
Oh – die Pizza.

Also Schluss mit der Grübelei.

***

 

Er sollte wieder zu sich kommen,

zu sich selbst.

Ja,

das klingt schon besser.
Also auf!

Etwas Essen und dann mit dem Hund durch die Nacht –

so schön stürmisch da draußen.

Stürmisch wie das Leben!

 

© il professore