Die Beichte

 

 

Wie jeden Sonntag saß er nach der Messe auf seiner Seite des Beichtstuhls und wartete auf seine Schäfchen. Wie jeden Sonntag hoffte er, dass auch sie wieder zur Beichte kommen würde – und betete zugleich, sie möge diesmal fern bleiben.

Doch sie blieb nicht fern.

Sie blieb niemals fern.

 

Längst erkannte er sie am Klackern ihrer Stöckelschuhe auf dem harten Kirchenboden, an der Art, wie sie langsam, fast zärtlich, die Tür zur „Sünderseite“ des Beichtstuhls öffnete und am Rascheln ihrer Kleider, wenn sie sich in den kleinen Verschlag ihm gegenüber setzte.

Und an ihrer Stimme natürlich.

 

Sie mochte um die 40 sein. Ihre Stimme war dunkel und tief, weich wie Samt und gnadenlos verführerisch. Und sie wollte nichts anderes als ihn zu verführen. Er wusste das, doch er war machtlos dagegen.

 

Natürlich wusste er, wer sie war und wie sie aussah. Schon nach ihrem ersten Besuch hatte er der Versuchung nicht widerstehen können, ihr nachzuspionieren, als sie – nach ihrer ersten Beichte – den Beichtstuhl verließ und zwischen den Kirchenbänken hindurch zum Ausgang ging.

Sie war etwas größer als er, schlank, elegant. Ihr schwarz gelocktes Haar fiel über ihre Schultern herab.

Und sie war die Ehefrau eines seiner Kirchenvorstände.

 

Ob sie auch ihrem Mann von ihren Sünden erzählte? Wohl kaum, dachte er. Dafür war ER schließlich da: um sich ihre Verfehlungen anzuhören und sie von ihren Sünden loszusprechen. Manchmal hasste er seinen Beruf, seine Berufung ...

 

„Vater, ich habe gesündigt!“

Immer waren das ihre ersten Worte. So auch heute.

 

„In Gedanken? Oder auch in Taten?“

Immer war das seine erste Antwort.

 

„Beides!“ sagte sie. „Ich hatte unzüchtige Gedanken. Und ich habe unzüchtige Dinge getan!“

 

Er nickte. Was sie natürlich, durch eine Bretterwand von ihm getrennt, nicht sehen konnte. Sein leises Stöhnen hingegen hörte sie wohl. Und das Geräusch, das er machte, wenn seine Hand unter die Soutane glitt und sich dort um seinen steifen Schwengel schloss.

 

„Sprich!“

 

„Gestern Abend – mein Gatte war außer Haus und ich saß allein auf meinem Sofa – da besuchte mich, wie so oft, der Dämon unreiner Gedanken.“

 

„Und du hast ihn nicht fortgeschickt, wie ich dir geraten habe?“

 

„Ich habe es versucht, doch ich konnte es nicht!“ Sie seufzte. „Er flüsterte in meinen Gedanken.“

 

„Und was waren seine Worte?“

 

„Geh ins Schlafzimmer“, sagte er, „zieh dich aus und lege dich aufs Bett!“

 

„Und du folgtest seinem Befehl?“

 

„Ja.“ Ihre Stimme klang ehrlich resigniert. „Ich wollte es nicht. Aber ich tat es.“

 

Wieder nickte er still vor sich hin. Wie gut er sie verstand! Der Druck seiner Hand um seinen Schwengel verstärkte sich.

 

„Und was geschah dann?“

 

„Ich lag auf meinem Bett – nackt, wie Gott mich schuf – und begann damit, mich selbst zu streicheln.“

 

„Du hast der Versuchung nicht widerstehen können und dir selber Lust verschafft?“

 

„Ja. Ich habe meine Brüste gestreichelt. Sie sind ... nun ja ... sie sind recht üppig. Ohne Mühe vermag ich es, mit der Zungenspitze meine Brustwarzen zu erreichen. Auch das habe ich getan. Ich habe mir selbst die Nippel geleckt, bis sie ganz steif und hart waren.“

 

Ob sie wusste, was er auf seiner Seite des Beichtstuhls trieb? „Sicher weiß sie es!“, dachte er. „Sie spielt mit mir!“ Doch er hatte nicht die Kraft, dieses Spiel zu beenden. Und ihr schneller werdender Atem verriet ihm, dass auch sie ihr geheimes Spiel erregend fand.

 

„Und wie ging es weiter?“

 

„Der Dämon unreiner Gedanken ließ in meinem Kopf ein Bild entstehen. Eine Vision, wenn sie so wollen, Vater, eine verwirrende, schmutzige Vision, die mich dennoch sehr erregte.“

 

Er stöhnte auf. Die Bewegungen seiner Hand beschleunigten sich. Sein Glied pulsierte vor Erregung.

 

„Erzähl mir von dieser Vision!“ sagte er.

 

„Es war folgendermaßen: Plötzlich lag nicht mehr in meinem Bett. Ich lag auf einem großen Tisch aus Stein. Auf einer Art Altar. Kalt und hart spürte ich die Unebenheiten des roh behauenen Felsen in meinem Rücken.

Es war kalt in diesem Raum. Ich fror. Gänsehaut überzog meinen Körper.

Und es war dunkel. Nur ein paar Kerzen brannten und schufen um mich herum einen Kreis aus flackerndem Licht, in dessen Mitte ich mich befand.

Dann kamen sie. Einer nach dem anderen traten sie aus dem Dunkel jenseits des Lichtkreises hervor und bildeten bald einen Kreis um den Altartisch, auf dem ich lag. Sie trugen lange, dunkle Gewänder. Die ähnelten eurer Soutane und wurden von weißen, um ihrer Taillen geschlungenen Kordeln gehalten. Ihre Gesichter sah ich nicht. Sie blieben unter den dunklen Kapuzen ihrer Gewänder verborgen.“

 

„Wie viele waren es?“

 

„Ich weiß es nicht genau. Acht? Vielleicht zehn?“

 

„Und was geschah dann?“

 

„Ich hatte Angst. Zugleich aber erregte es mich sehr, so völlig nackt ihren Blicken preisgegeben zu sein. Meine Brustwarzen versteiften sich nun auch ohne jegliche Stimulation. Und ich spürte, wie mein Geschlecht feucht wurde.“

 

Sein Geschlecht war prall, als wollte es bersten. Immer schneller schob er mit Hand die Vorhaut hin und her. Immer kräftiger wurde der Druck, den er auf seinen Schwanz ausübte.

Sie wusste genau, was sie tat! Heimlich verfluchte er sie dafür. Zugleich genoss er die Erregung, die sie ihm verschaffte, und ersehnte sich nichts mehr als endlich seine Erlösung darin zu finden.

 

„Die Männer standen also um mich herum“, fuhr sie fort. Sie sprach jetzt schneller. Vielleicht hatte auch ihre Hand den Weg zu ihrem Geschlecht gefunden? „Dann – als habe es ein geheimes Zeichen dafür gegeben – öffneten sie gleichzeitig die Knoten an den Kordeln um ihre Gewänder. Die Kordeln fielen zu Boden, die Gewänder öffneten sich und ich sah, dass sie darunter allesamt nackt waren. Ihre unterschiedlich stark erregten Schwänze sprangen mit entgegen – ein Anblick, der mich schier um den Verstand brachte.

Ohne dass mir das bewusst gewesen wäre, glitten meine Hände zwischen meine Beine und ich begann, mich dort – vor den Augen dieser halbnackten Männer – selbst zu befriedigen.

Ihnen schien dieser Anblick zu gefallen. Schnell richteten sich auch die letzten Schwänze zu ihrer vollen Größe auf.

Einige der Männer begannen damit, ihre Schwengel zu wichsen. Andere traten zu mir an den Altartisch. Ihre Hände griffen nach meinem Körper, streichelten meine Haut, massierten meine Brüste. Ihre Lippen bedeckten meinen Leib mit Küssen. Zwei von ihnen saugten an meinen Brustwarzen. Einer kletterte zwischen meinen weit gespreizten Beinen zu mir auf den Tisch und setzte mit seiner Zunge fort, was meine Hände begonnen hatten.

Zwei andere positionierten sich so neben meinem Kopf, dass ihre Schwänze mein Gesicht berührten. Da ließ ich auch die letzten Hemmungen fallen, nahm erst den einen, dann den anderen in meinen Mund, manchmal auch beide zugleich, ließ meine Zunge an ihnen entlang gleiten und saugte an ihren prallen Eicheln.“

 

Längst versuchte er nicht mehr zu verbergen, was er auf seiner Seite des Beichtstuhls tat. Er stöhnte laut. Nicht mehr lange, dann würden ihre Erzählung und seine Hand ihn zum Höhepunkt gebracht haben.

 

„Weiter!“ stammelte er atemlos. „Was geschah weiter?“

 

„Ich kann es kaum beschreiben. Es geschah so viel. Und so vieles geschah gleichzeitig. Einer nach dem anderen kamen die Männer zu mir auf den Steintisch, legten sich auf mich, knieten zwischen meinen Beinen, stießen ihre Schwengel tief in meine allzu bereite Fotze!“

 

Wenn sie begann, solche Ausdrücke zu gebrauchen – das wusste er inzwischen – war auch sie kurz vor dem Höhepunkt!

 

„Sie fickten mich. Einer nach dem anderen. Manchmal mehrere gleichzeitig. Und sie fickten nicht nur die Öffnung meines Körpers, die der Herrgott dafür vorgesehen hat.“

 

„Und du?“

 

„Ich?“ Sie atmete schwer. „Ich hab es genossen! Jeden ihrer Stöße habe ich genossen. Jeden neuen, jeden anders geformten Schwanz habe ich genossen. Sie benutzten mich. Sie machten mich geil. Sie trieben mich unaufhaltsam zum Höhepunkt.“

 

„Und die Männer?“ fragte er weiter. „Sind sie auch zum Höhepunkt gekommen?“

 

„Oh ja!“ lachte sie heiser. „Sie sind auch gekommen! Nachdem sie mich befriedigt hatten – nicht nur einmal, sondern viele Male! – stellten sie sich noch einmal im Kreis um mich herum. Sie massierten ihre prallen Schwänze. Schneller und schneller. Und dann kamen sie! Einer nach dem anderen spritzten sie ihre Lust aus sich heraus. Ihr weißes, klebriges Sperma klatschte auf meinen Körper, bedeckte mein Gesicht, meine Brüste, meinen Schoß.

Einige rieben ihre erschlaffenden Schwengel an meiner Haut. Andere ließen sie von mir sauber lecken. Wieder andere verschwanden, nachdem sie gekommen waren, ohne ein Wort in der Dunkelheit jenseits des Lichtkreises, den die herunterbrennenden Kerzen schufen.“

 

Längst war auch er gekommen. Hatte gespürt, wie sein Sperma sich in seine Hand ergoss. Hielt – befriedigt und voll schlechten Gewissens – seine Hand fest um sein Glied geschlossen, bis sein Orgasmus verebbt und seine Erregung verklungen war.

 

„Und dann bist du aufgewacht?“

 

„Ja.“ Ihre Stimme kam wie aus weiter Ferne. „Dann bin ich aufgewacht. Nackt lag ich wieder auf meinem weichen Bett. Der Dämon unreiner Gedanken war verschwunden. Das Laken unter mir war feucht von Schweiß und anderem – und ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil bald mein Gatte heimkehren und seinen ehelichen Pflichten nachgehen wollen würde. Nicht ahnend, dass ich ihn kurz zuvor – wenn auch nur in Gedanken – mit einer ganzen Horde anderer Männer betrogen hatte. Was soll ich tun?“

 

Er versuchte sie zu beruhigen. „Nichts sollst du tun! Du hast deine Sünden gebeichtet. Kraft meines Amtes spreche ich dich davon frei. Geh. Bete drei Ave Maria und sündige hinfort nicht mehr.“

 

Doch noch während er diese Worte sprach, wusste er, dass sie am nächsten Sonntag wiederkommen würde. Und sie würde neue Sünden beichten. Und er würde ihr erneut zuhören und sich von ihrer Stimme selbst zu neuen Sünden hinreißen lassen. Der Dämon unreiner Gedanken hatte nicht nur sie, er hatte auch ihn fest im Griff. Sie beteten nicht zu Maria, der Mutter Gottes, sondern zu Maria Magdalena, der großen Sünderin – und so würde es immer sein. Bis ans Ende ihrer Tage ...

 

© Dreaming Dolphin