Bettensuche

„Verzeihung, könnten Sie mir bitte ihren Meterstock leihen? Nur einen kurzen Augenblick!“ Ich nehme die leise, freundliche Frauenstimme mit einer merklichen Zeitverzögerung war. Meine Gedanken kreisen um das enge Treppenhaus, um Innenkurve und Raumdiagonale – und wie der Lattenrost in die Dachwohnung kommt. Ich strecke meine Hand mit dem Zollstock einfach in Richtung Stimme… sinniere weiter. Fühle wie jemand greift, lasse los und komme zum Schluss, dass - wenn die Beine abgeschraubt werden… ‚Es geht’. Option eins ist OK, Beine lassen sich abschrauben. Jetzt das nächste Modell.

 

Nein, sie ist kein Model, die zwei Schritte weiter - an einem Französischen Bett - versucht den Zollstock zu „entwirren“. Ich sehe sie im Halbprofil im leichten Gegenlicht. Eine Wohltat für meine Augen erfrischt mein Denken und erfreut meine Seele. Anmutig, stimmig, zur Stimme passend.

 

Sie merkt, dass ich jetzt ‚da’ bin und hält mir fast anklagend das Zollstockknäuel hin. „Ist das weniger als 145,5 cm?“ Und deutet auf die Breite des Bettes. Die Stimme eine Spure verlegen. Ihre Augen gespannt erwartungsvoll, mich musternd. Ich zeige ihr das Schild 165 cm. „Oh! Hm…“ Sie wird richtig lebendig, quirlig. „Aber das Bett hier ist doch für Zwei zu schmal!“ Hüpft über meinen Zollstock, saust um das Bettgestell und zeigt mit beleidigter Mine auf ein ca. 140 cm Bett. „Oh, ich habe lang auf einer 120cm Matratze geschlafen - meine beiden Kinder sind darin entstanden.“, kläre ich sie auf.

 

„Die Matratze ist nur… wie viel?“ Ich lege den Zollstock auf, „120 cm“ Sie fährt sich mit beiden Händen seitlich ins halblange voluminöse Haar, plustert es auf, pustet die Luft durch die Nase. „Nur weil sie einen Freund hat kann ich doch nicht ein neues Zimmer kaufen!“, bricht es aus ihr heraus. Sie setzt sich entmutigt auf das 120 cm breite Bett. Anmutig sitzt sie da, den Kopf leicht gesenkt. Das rötlichblonde Haar schimmert golden im Licht der Lampen. Sportlich elegant gekleidet ist sie. Eine adrette, gepflegte Erscheinung, und ich ertappe mich bei „weiterführenden Gedanken“. Ich setze mich auf die andere Seite - vis à vis.

 

Langsam klappt sie den Zollstock zusammen. „Dafür habe ich kein Geld - für ein neues Zimmer. In ihrem Zimmer, mit den alten Möbeln ist nur 145,5 cm Platz.“ Sie schaut mich traurig an. „Wer ist sie... und hat jetzt einen Freund?“ Ihr Gesicht verklärt sich, wird weich - sanft. Sie beginnt zu erzählen. Ihre Tochter ist 17, bald 18 und hat seit sechs Wochen ihren ersten festen Freund und seit vier Wochen schlafen sie regelmäßig in ihrem Zimmer. Jetzt hat sie sich über ihr schmales Mädchenbett beschwert, dass sie immer die Matratze auf den Boden legen müssen, und dass immer einer am Morgen daneben liegt, meistens sie, die Tochter.

 

Bilder werden wach, wie ich mit meiner Frau auf aktiven 120 cm geschlafen, nicht geschlafen, nein, wir haben andere Dinge gemacht. Die Erinnerungen müssen in meinem Gesicht ablesbar sein, denn… „Sie denken an Ihre 120 cm Zeit zurück!“ Ihr Gesicht, ihre Miene so anteilsvoll, so mitfühlend wie es nur Frauen können. Am Liebsten würde ich sie mit auf das Bett ziehen und ihr zeigen was man alles bei 120 cm anstellen - ausleben kann. „Legen sie sich hin!“ Zeitgleich liegen wir nebeneinander auf 120 cm, drehen uns voneinander, potzen mit dem Po zusammen, drehen uns zueinander, berühren uns mit den Ellbogen und Knien. Ich sehe ihr Gesicht, die funkelnden Augen, die kraus gezogene Nase, das verhaltene Zögern. Das Warten darauf was jetzt folgt - ob da noch mehr kommt? Ich helfe ihr hoch. Ihre Röte im Gesicht bleibt. Ein etwas belegtes „Überzeugt?“ von mir, wird mit einem stummen Nicken quittiert.

 

Gedankenverloren betrachte ich das Nebenmodell, eine 180cm Ausführung auf Rollen und Doppelmatratze 220 lang. Passt nicht durch das Treppenhaus - 220cm! Unbemerkt steht sie neben mir, wie jemand der zu mir gehört. „ Für wen ist denn dieses große Bett?“, kommt keck die Frage. „Für meine Tochter und ihren Mann!“ Mit dem Aussprechen, erkenne nicht nur ich die Komik der Situation. Wir müssen beide herzlich lachen. „Und ich liege allein im eigenen Bett!“, entfährt es mir. „Und hören sich an, wie wild sie es treiben!“, ergänzt sie. Ich merke wie meine Lampe angeht, und sie erschrocken ob soviel Offenheit, reißt die Augen weit auf, Hand vor dem Mund. Wir prusten beide ein zweites Mal los.

 

Ich nehme meinen ganzen Mut in beide Hände. „Und… angetestet wie schön es zu zweit sein könnte?“ Ihren Augen werden dunkel, ihre Lippen schmal, ihr Gesicht wirkt auf einmal verhärmt. Sie steht vor mir, ihre Hände übereinander gelegt, auf dem Schambein aufliegend, nervös die Finger knetend. Verspannte Haltung - ihr ganzer Körper auf Abwehr!

 

„Kaffee! Gehen wir Kaffee trinken?“, versuche ich den Sprung aus den Fettnäpfchen – ohne gleich ins nächste zu tapsen. „Nein! Erst finden wir ein Bett für ihre Tochter.“ Sie knüpft den Faden wieder. „Warum braucht sie ein neues Bett?“ - „Das Alte ist zu schmal - 120 cm!“ Ich erzähle ihr, dass sie mit ihrer Familie vier Wochen in die Heimat kommt und sie bei mir - mit ihren drei Männern - die Dachwohnung bevölkert.

 

Die Nähe dieser Frau, ihre erneute quirlige Fröhlichkeit, die verblüffenden Gedankensprünge – Querverbindungen - Kombinationen bringen mich zum Staunen. Sie schaffen in mir eine Basis der ersten Begehrlichkeit. Schlussendlich entscheiden „wir uns“ für das erste Modell. „Was machen sie mit dem alten Bett?“ Die praktische Frage. „Caritas, oder Robin Hood“. Kling – Klang – Plopp. Der Groschen fällt langsam… und wir lächeln einverständlich. „Wie viel wollen sie dafür haben?“ - „Einmal Kaffee ausgeben - und bei mir abholen!“ Sie holt auch Blaubeerkuchen dazu. Ich erzähle ihr von meiner Tochter, meinem Sohn, den Enkeln die alle in der weiten Welt wohnen. Still hört sie zu. Ihr Gesicht lächelt mit, wenn ich Lustiges erzähle. Die Augen werden dunkel, wenn meine Stimme traurig wird und erinnert mich… „Wir“ müssen das Bett in der Warenausgabe abholen!“, lenkt sie ab, als ich beginne Fragen zu stellen.

 

Sie ist mit der S-Bahn gekommen… „Hält doch da vorne… keine 300 Meter! Kostet mich nichts. Ich habe eine M-Karte.“ Sie hat so ein entwaffnendes Lächeln. „Mein Auto ist eh zu klein, ein Clio!“ Sie möchte das Bett für ihre Tochter sehen – wissen, ob das ginge, und ob es von mir bis zum Bahnhof weit sei. Für Samstag kann sie ein größeres Auto organisieren. Erst auf dem Weg zur Kasse merken wir, dass wir noch namenlos waren. „Becker!“ - „Heister!“ Irgendwie glubschen unsere Augen ungläubig. Erneut lachen wir. „Peter!“ – „Silvia!“ Dann, diese kleinen Alltäglichkeiten, die ein Zusammenleben erleichtern. Während ich bezahle, räumt Silvia die blauen Taschen voll… räumt – nicht stopft! Lässt mich den Wagen schieben – hat sich aber den Abholschein geschnappt. „Ich geh schon Mal vor, während du das Auto umbaust!“

 

Nun stehen wir in der Dachwohnung, schauen über die Stadt in die eine Richtung, und in die Wohnstuben, wenn wir den Kopf drehen. Sie steht neben mir. Beide sind wir leicht erhitzt, haben wir doch die Matratze von dem neuen Bett mit nach oben geschleppt. Ihre Nähe, ihr bloßes Neben-mir-Stehen, ihre Haltung als gehöre ich zu ihr… oder sie zu mir, irritiert mich! Ihr Parfüm, ihr eigener Duft – der Duft ihrer Haare… Vor meinem inneren Auge sehe ich erneut ihr Gesicht nach dem Wortspiel, ihre abwehrende Haltung, ihre Hände schützend vor ihrer Scham.

 

Da ist ein Bruch in meiner Stimmung, eine Schwelle die mich hemmt. Mein Vorpreschen, sie Überfahren, meine plumpe Anmache hat einmal mehr alles versaut. Ihr natürliches, selbstverständliches „Nahsein“ macht das sich „Näher - Kommen“ für mich so schwer erkennbar – nicht erkennbar. „Hier… Prüfsitzen, Prüfwippen, Prüfliegen, das volle Programm!“, und zeige auf das Bett. Sie setzt sich, schlüpft aus den Schuhen, schwingt die Beine hoch und rutscht durch.

 

Und ich… Trottel! „Ich hole schon mal die nächsten Teile.“ Lasse sie allein. An der Tür zur Treppe höre ich einen unterdrückten Schrei, einen Ausbruch - „Verdammt, verdammt - was habe ich jetzt wieder falsch gemacht?“ - und irgendetwas fliegt polternd zu Boden. Ich flitze in das Zimmer zurück. Sie steht neben dem Bett. Beide Hände zu Fäusten geballt vor den Mund gepresst und mit einem Fuß auf den Boden stampfend. Ein Häufchen Verzweiflung. In meiner Trauer alles verquert zu haben, packe ich ihren Kopf mit beiden Händen: „Silvia, du hast nicht verkehrt gemacht! Ich habe Dich überfahren mit meiner plumpen Anmache! Deine Abwehr ist normal!“ Lasse sie los. Unter der Tür, „Ich bringe dich nachher zum Bahnhof.“

 

In mir ist alles durcheinander. Endlich wieder eine Frau, bei der alle sechs Sinne hüpfen, Salto schlagen… zum Flic - Flac ansetzen. Scheiß Euphorie, verdammter Überschwang… diese… immer diese Brechstangentechnik. All das schießt durch meinen Kopf, als ich die drei Stockwerke runter sause, mehr fallend als gehend. Schnappe mir ein Seitenteil und stapfe hoch. Silvia steht wie Frau Lot erstarrt vor dem Bett.

 

"Komm, ich bringe dich zum Bahnhof!“ Ich bücke mich und sammle ihre Schuhe ein. „Nein!“ Nur das eine Wort, deutlich und bestimmt. „Nicht bevor ‚DU’ mir, mit mir auf dem Bett liegend gesagt hast WARUM!“ Langsam setzt sie sich auf die Bettkante und streckt die Arme nach mir. „Komm!“ Dieses „Komm“ mit so viel Zartheit, Sehnsucht, Anmut. Verletzte Eitelkeit, Trotz, Selbstmitleid, ja fast eine Wehleidigkeit macht sich in mir breit. Sie versucht meine Unbeherrschtheit zu rechtfertigen.

 

„Ich möchte es dir erklären, warum ich so regiert habe. Ich möchte es dir ganz leise ins Ohr flüstern.“, wispert sie kaum hörbar. „Sie öffnet sich! Sie bittet um Gehör – sie möchte gehört werden. Du bist ihr nicht gleichgültig… Nicht einer, den man „abhakt!“, bringt mich meine innere Stimme zu Vernunft. Ich bücke mich und stelle ihre Schuhe vor das Bett und öffne die Bändchen meiner Schuhe. Fühle ihre verströmende Wärme, ihre Hände in meinem Haar, wie sie es verwuschelt. Hochschwingen der Beine und nach hinten rücken, mir Platz machen ist eine fließend e Bewegung.

 

Sie hat genaue Vorstellungen wie sie mir ihr Geheimnis anvertrauen möchte und drückt mich sanft auf den Rücken, schiebt mir ein Kissen unter den Kopf. Legt sich mit einem Bein in meinen Schritt… Ich fühle ihr Schambein an meinem Hüftknochen… ihr Gesicht in der Hals- Schulterbeuge, ihr Mund an meinem linken Ohr. Ihr Duft vom Haar und aus ihrem Ausschnitt macht mich schnüffeln. Die Weichheit ihrer Brust auf meiner Brust, die Zartheit ihrer Wange an meiner stoppeligen. Ich fühle Feuchtigkeit… ihre Tränen. Instinktiv streichle ich ihren Rücken… die eine erreichbare Pobacke – zurück zum Rücken - stütze mit der anderen Hand ihren Kopf… mit den Fingerspitzen schmeichle ich ihre Kopfhaut.

 

Minutenlang verharren wir, jeder dem anderen verzeihend, ihm vermittelnd, dass er mehr geben möchte… ihm das Gefühl gebend… ihn bittend, es anzunehmen. „Ich fühle deinen Herzschlag. Ich habe noch nie in den Armen eines Mannes seinen Herzschlag gefühlt!“ Ihre Lippen schmeicheln an meinem Ohr, erregen mich. Ich fühle ihre Zunge, ein zarter Biss, ein gehauchter Kuss und sie beginnt zu erzählen. Von ihrer Angst nur wieder die Geliebte zu werden, zu sein. Immer im Dunkeln, in der Ferne, im Hintergrund geliebt – gebraucht zu werden. Der Blitzableiter zu sein - eine Bittstellerin… die Wartende. Sich nie neben dem geliebten Mann zeigen zu dürfen, stolz auf ihn zeigen. Sich offen ihm zugehörig fühlen.

 

Ihre Tochter… der Vater hat sie drei Monate vor der Geburt verlassen – unverheiratet, als seine Geliebte. Vor vier Jahre - ihr Geliebter hat sich scheiden lassen, um sie nach der Scheidung ebenfalls zu verlassen. Seither ist sie keine Bindung mehr eingegangen. Sie liegt einfach still in meinen Armen. Ich höre ihren ruhigen Atem, rieche sie als Frau, fühle ihr Gewicht und das sich Entspannen ihres Körpers.

 

 „Heute Nachmittag!“ beginnt sie wieder. „Ich musste mich überwinden dich anzusprechen. Du sahst so unnahbar aus – abweisend – distanziert, fast grimmig - knurrig. Aber du hattest ein Zollstock, und als ich ihn anfasste… es war, als würde eine Materie fließen, etwas von mir Besitz ergreifen… ein Zauberstab. Ich war so durcheinander, ich konnte ihn nicht aufklappen. Ich musste ganz nahe neben dir stehen, dir in die Augen sehen - deinen Händen zuschauen wie sie arbeiten… wie sie mich anfassen.“ Sie stockt in ihrer Erzählung. „Dich riechen, dein Rasierwasser – als wir auf dem Bett lagen, hatte ich den Drang mich in deine Arme zu legen, an dir zu schnüffeln!“ Sie presst sich fest an mich. „Ich habe Angst mich zu verlieben!“

 

Die Dämmerung verwischt die Konturen. In der Ferne rollt ein Zug… der Kirchturm schlägt sieben und ich bin gelähmt, unfähig zu verstehen was mir diese Frau sagen will, gesagt hat! Unfähig ihr meine Gefühle zu offenbaren. Sanft löse ich mich – rolle sie auf den Rücken. Ihr Kleid ist hoch gerutscht und ich sehe ihr Höschen durch die Strumpfhose schimmern… die Wölbung ihres Schambeines. Einer Regung folgend küsse ich ihre Scham und ziehe ihr das Kleid über die Beine. Streiche ihr das Haar aus dem Gesicht. Küsse Nasenspitze, Augenlider… lege meinen Mund an ihr Ohr… ein stiller Kuss… „Bleib!“

 

Sie packt mich an den Haaren an den Ohren. Zieht mein Kopf hoch „Hier in diesem Haus?“ Ich nicke. „Wir gehen zusammen einkaufen… bei Plus, bei Aldi - Lidl, beim Metzger, beim Bäcker!“ Ich schüttle den Kopf. „Brot backe ich selber.“ Sie windet sich aus meiner Umarmung. „Meine Kleider dürfen in deinem Schrank hängen? Meine Zahnbürste neben deiner in einem Glas stehen?“ Springt hoch steht auf dem Bett, hüpft wie ein kleines Mädchen, lässt sich auf mich fallen. „Ist das schön sich zu verlieben!“

 

Es trifft mich wie ein Schock. Ich alter Bock, der mindestens 15 Jahre älter ist, soll diese Frau bekommen! Nicht für einen schnellen Fick. Widerstand regt sich, meine schwarze Seele beginnt zu rumoren. Misstrauen breitet sich bei mir aus, „Raffiniertes Luder! Achtung! Sie sucht einen Versorger!“ Sie kniet zwischen meinen Beinen. Knöpft mir das Hemd auf und legt ihr Gesicht auf meine nackte Brust. Sie angelt sich eine Hand von mir und legt sie auf ihren Kopf. „Halt mich fest… nur festhalten… nur still liegen!“ Ich fühle, wie sich ihre kleine Faust in meine Achselhöhle schleicht… die andere Hand – ihr Finger an meiner Wange liegend - mich streichelnd… des Nächsten Wärme fühlend.

 

Diese Haltung, diese Position, genau die gleichen Worte… das war das Versöhnungsritual meiner verstorbenen Frau…- immer wenn wir uns stritten… das erste Mal, eine Woche nach unserem Kennenlernen. Je nachdem wie weit ihre Versöhnungsbereitschaft war. Nach einer kleine Spanne Zeit öffnete sie ihre Bluse oder schob ihren Pullover hoch und es folgten leidenschaftliche Momente - oder sie löste sich von mir: “Ich mache Tee!“ Dann gab es noch offene Fragen.

 

Diese Duplizität bricht bei mir den letzten Damm, den letzten Widerstand. Meine Verspannungen lösen sich und ein unendliches Bedürfnis nach Zärtlichkeit, nach Begehrt-Werden, nach Nahe-Sein, macht sich in mir breit. Ihr Kleid hat hinten, vom Poansatz bis zur Schulter ein Reißverschluss. Mit den Fingerkuppen fahre ich dem Reißverschluss entlang, massiere sachte ihren Nacken - und zurück zum Poansatz. „Wenn du liegen bleibst, öffne ich dir das Kleid -werde ich dich öffnen!“ Ich strecke mich ein wenig und gebe ihr einen kleinen Klaps auf den Po. „Wenn du nicht willst, so steh auf. Ich warte dann auf dich!“

 

Das Brummen und Fiepen von einem Handy bringt uns ins Jetzt zurück. „O Gott!“ Silvia rollt mit einer Bewegung über mich und wühlt in ihren verstreuten Sachen nach dem Störenfried. Sie steht mitten im Raum. Das nächtliche Restlicht vom Dachfenster beleuchtet ihren Körper, die festen Brüsten, das kleine Bäuchlein und – herrlich - ihren lockigen, dichten Busch.

 

Sie meldet sich und lauscht… lächelt, greift sich zwischen die Beine, zeigt mir Schulter zuckend ihre verschmierte Hand… lauscht. Wortlos greife ich mein Unterhemd trockne ihre Hand. Höre eine junge, weibliche Stimme die aufgeregt ihrer Mutter erzählt, dass die Eltern von ihrem Freund ihr erlauben, auch bei ihm zu übernachten… aber erst wenn sie achtzehn ist! Silvia grätscht leicht die Beine, so dass ich sie „säubern“ kann. Ich gehe still ins Badezimmer und lehne mich an das Waschbecken und wasche mein Gesicht. Keine innere Stimme die mich „warnt“, die mir „Vorhaltungen“ macht. Hinter meinen geschlossenen Augen taucht das Gesicht von meiner verstorbenen Frau auf, mit dem mir so vertrauten, amüsierten Grinsen. Sie streckt mir die Zunge raus, als ob sie sagen wollte: „Ätsch, jetzt hat es dich wieder!“ und entschwindet.

 

© S’Rüebli