Weihnachtszeit

- Für Dirk -


 

So berauscht sich Dirk beim intimen Schmusen mit dieser, ihm unbekannten Frau auch fühlte, mit einem Ruck löste er sich plötzlich von ihr. Sie konnten doch unmöglich hier ... mitten auf dem Weihnachtsmarkt. Nein, sein Engelchen wollte er mit keinem teilen und erst recht nicht vor all den Leuten hier vernaschen!

 

„Komm, lass uns gehen!“, bat er.

 

Der Rückweg zum Fahrzeug gestaltete sich langwieriger als erwartet. Sein Engelchen wusste ihn einfach an zu vielen Stellen zu verlocken, und nur zu gerne gab er sich ihren süßen Versuchungen immer wieder hin. Sie waren einfach himmlisch gut – allesamt!

 

Er musste sich schon lange nicht mehr derart beherrschen, um den Verkehrsregeln entsprechend, seine Aufmerksamkeit ganz dem Straßenverkehr zu widmen. Er schaffte es zu 99 % - nicht!

 

Wer war nur diese faszinierende Frau? Wo kam sie her? Wieso fühlte er sich wie Wachs in ihren Händen, so sicher in ihren Armen, in seinen tiefsten Gefühlen verstanden und geborgen? Aus dem Nichts auftauchend hatte sie ihn einfach angeflogen, ihn umarmt und geküsst. Dann hatte sie sich als sein Engelchen vorgestellt, und er hatte sich augenblicklich verliebt. Verliebt in eine ihm völlig Unbekannte. So etwas war ihm noch nie passiert. Sein Verstand schlug Alarm, etwas anders schlug auch Alarm. Seine Hose war ihm längst viel zu eng. 

 

Endlich angekommen! Er schloss die Haustür auf und trat in den Hausflur. Sein Engelchen aber blieb draußen stehen. Was? Warum zögerte sie? „Du musst mich in deinem Heim willkommen heißen!“, beantwortete sie seinen fragenden Blick. Erleichtert atmete er auf. „Also dann – Engelchen, willkommen bei mir zu Hause!“ Sein Versuch seine Einladung durch einen Kuss auf ihre Wange zu bestätigen, endete erneut in einem langen, intensiven Zungenkuss, der ihm den Atem raubte. Sie drängten in den Hausflur, dabei kam er zu Fall. Mit einem Mal sah sich Dirk im Treppenflur mit dem Rücken auf den Treppen liegen, eine wunderhübsche Frau über ihn gebeugt. Er fühlte sich befreit - als seine Hose geöffnet wurde. Sein Engelchen legte ihre Lippen an, und im selben Augenblick erlebte er, wie gut Engel Flöte zu spielen wissen.

 

Was für ein Zauberspiel. Ein ganzes Blasorchester. Er war dabei anscheinend zu laut geworden, seine Nachbarin aus der ersten Etage kam heraus. Ihr kleines Kind auf dem Arm haltend, starrte sie ihn böse an. Plötzlich aber lächelte sie verständnisvoll, drehte sich um und verschwand. Dirk nutzte die Unterbrechung, um mit seinem Engelchen in seine Wohnung zu gelangen. Dort angekommen bettete er sie auf Kissen. Er kostete Met, den Honigwein der Götter, der  ursprünglich nicht von dem Honig der Bienen - sondern direkt aus dem Nektar der Engel stammt. Sein Engelchen lehrte ihn in dieser Nacht noch viele himmlische Dinge. Vor allem aber lernte er durch sie die genaue Bedeutung kennen – wenn es heißt:

 

 „Süßer die Glocken nie klingen, als zu der Weihnachtszeit....“

 

 

© Azraela

 

 







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