Der Talisman

 

Er ist es. Sein Kajak liegt über der Hochwassermarke, sein Zelt steht daneben. Ein zweites Kajak ist dabei, auch ein zweites Zelt. Ich wusste, dass er hier draußen ist, steht doch sein Auto am Hafen, vor dreizehn Jahren hat er mir diese Stelle selber gezeigt. Wie war ich damals Stolz, als mich diese rauen herzlichen, kameradschaftlichen Männer für würdig befanden, mich Anfängerin mitzunehmen. Was hat Karl damals gesagt „Du hast Biss… den Rest kann man lernen!“

 

Sie ist auch meine Lieblingsstelle. Wir, Susanne und ich wollten schon gestern Abend hier ankommen - nur der Unfallstau war nicht geplant und die Tide wartet nicht. So mussten wir die nächste Tide abwarten und sind heute Morgen beim ersten Licht gestartet.

 

Karl! Ihn hier zu wissen stimmt mich glücklich. War er doch derjenige, der mir das reiten auf der Walze lernte, mir die Angst vor der Brandung nahm, an mich glaubte, mich forderte. Er war mein Lehrer, mein Ausbilder… ein Vorbild. Nicht nur fürs Kajak. Wie war einer seiner Sprüche wenn ich vor Aufregung und Vorfreude wie eine hungrige Wespe rumsurrte. „Spar dir dein hibbeliges Fütchen für deinen Freund, konzentrier dich.“ Er war mein Mentor, oft Vaterersatz, der Onkel den man auch heikle Dinge fragen durfte.

 

Schwimmweste ausziehen. Zelt aufbauen um ein paar Stunden Schlaf nachholen sind die nächsten Dinge. Im Zelt neben seinem Zelt höre ich rascheln, ein Brummeln – Tuscheln - kurzes Kickern, ein Reißverschluss.

 

Sein Grauschopf taucht auf. Seine nackten, braungebrannten Schultern schieben sich durch den Eingang und Karl steht vor mir. Verwuscheltes Haar, seine grauen Augen – wach - sich umsehend. Ein willkommenes Lächeln überzieht sein Gesicht „Guten Morgen, Antje“  Unwillkürlich muss ich lächeln. Karl hat seine Boxershort hintenrum an und auch noch verkehrt. Da steht er: Breiter muskulöser Brustkorb, sein Bauch ist weg, schmale Hüfte, stämmige Beine und ein kleines Horn beult die Short. Wirkt kein bisschen als alter Mann - im Gegenteil… sein Horn!

 

Ich laufe ihm entgegen. Er soll mich in seine Arme nehmen, wie er es immer getan hat. Auf einmal sehne ich mich nach seinen starken Armen. Nach seiner Hand - eher Pranke im Nacken, wenn er den Zeigefinger in meinen Zopf schiebt, mich mit den anderen Fingern sanft festhält. Die andere Hand sich ins Kreuz legt, mich an seinen Körper heran zieht, meine Brüste sich an seiner Brust drücken, sein Hüftknochen an meinem Bauch zu spüren ist… er mich in die Arme nimmt, wie ein Mann.  Wenn er meinen Kopf dreht um die Schläfen zu küssen, ihn nach hinten biegt um meine Stirn zu küssen.

 

Nein, mehr hat er nie geküsst - bei mir. Dieses Ritual ist mit Karl einzig. - Nur einmal, als er hört dass ich schwanger bin. Da hat er mir die Bluse aus der Hose gezogen und meinen nackten Bauch geküsst. Karl macht einen Schritt zur Seite streckt mir die Hand entgegen, weicht weiter aus. Ich packe seine Pranke, lege sie um meine Hüfte schiebe eine Hand unter seine Achsel, die andere auf die Schulter… schmiege mich an ihn… will meine Küsse auf die Schläfen, auf die Stirn. Ich sehe seine Augen voller Schalk, sein altes Grinsen, das Grinsen wenn er die Antwort schon kennt, bevor ich die Frage richtig stellen konnte.

 

Fühle seine Hand die Wange entlang in den Nacken gleiten, sein Zeigefinger im Zopf - ein Prickeln durchzieht meinen Körper - Erregung - fühle seine Lippen an der Schläfe und… rieche die Frau, den frischen Duft einer erregten Vulva. So riecht ein Mann nur, wenn er sich soeben gelöst hat. Ich zucke zusammen. Er merkt es. In mir stürzen die Gefühle durcheinander, wirbeln durch meinen Körper. Ich rieche zum ersten Mal eine fremde Frau, so frisch.

 

Karl biegt mein Kopf nach hinten… ich fühle seinen Mund auf meinen Lippen, seine Zunge stößt zu wie eine Lanze, ein Schwert dringt im meinen Mund, wühlt sich unter meine Zunge- kitzelt am Gaumen. Sein Mund, Zunge und Lippen sind getränkt von ihren Säften. Ein Stich im Bauch ein Druck unter dem Brustbein, und als er meine Pobacke packt öffne ich die Beine, klemme mich an seinen Oberschenkel. Abrupt zieht er die Zunge zurück und instinktiv stoße ich nach wühle meinerseits bei ihm. Susanne ruft etwas und beim Lösen fasse ich intuitiv nach seinem fast steifen feucht-klebrigen Horn. Diese Berührung löst erneut einen Schub an Begehren, an Geilheit in mir aus.

 

Wortlos dreht er sich um und geht zur Dünenwurzel, versucht zu pinkeln, steht und wartet. In mir kullern alle Gedanken durcheinander. Ich sehe Karl zum ersten Mal als potenten Mann, den Mann der mich viele Jahre wie eine Tochter behandelte, bei dem ich Stunden- Nächtelang in seinem Büro saß und ihm ungefragt darlegte warum ich schon wieder einen Mann vor die Tür gesetzt habe. Sein einziger Kommentar war dann, „Warte, bis einer dich vor die Tür setzt.“

 

Dann, krank vor Liebeskummer, lag ich betrunken in seinem Garten. Er zog mich aus, wischte mir den Po sauber, duschte mich und legt mich ins Bett. – Er pflegte mich zwei Tage. Hörte mir zu und grinst wie eben auch. Dieser Mann hat mich vorhin als Frau geküsst, gewusst, dass er nach Frau schmeckt, nach Fotze riecht. Durch seine gegrätschte Beine sehe ich den Strahl… wie er meinen Namen pinkelt - „Antje“ zurück schwenkt und beim Punkt vom j ein tiefes Loch strullert - abschüttelt. Vor dem Zelt zieht er die Short aus. Als er sich bückt um hinein zu kriechen, sehe ich sein halbsteifes Gehänge. Der Stich ins Herz kam sofort und ich wurde auf die Frau eifersüchtig. Eifersüchtig… als ‚Tochter’ oder als ‚Frau’?

 

Susanne winkt mich zu den beiden Booten, zeigt ins Cockpit von ihr. „Alexa J.“ Alexa! Alexa aus Stade! Diese kleinbrüstige, breithüftige, dickschenklige, kurzbeinige, diese fade Stupsnase liegt im Zelt und lässt sich vom ‚meinem Klaus’ die Muschi aussaugen, knabbert mit ihren Kaninchenzähnen an seinem Schwanz, lässt sich von hinten rammeln, reitet ihn. Wie zum Hohn höre ich leises Fleischklatschen. Susanne lacht mich aus. „Du dichtest dem Wind deinen Frust an!“

  

Irgendwann fordert die Natur ihr Recht und bevor ich in meinen Schlafsack krieche, lege ich ihm mein Höschen ins Vorzelt. Als ich aufwache ist es Mittag und die Blase drückt. Ich öffne mein Zelt. Klaus und Alexa sind verschwunden. Vor mir liegt mein Höschen. Das Ergebnis meiner Erregung nach oben gedreht und dazwischen duftende Spermatropfen… noch leicht feucht.

 

Fast fröhlich hocke ich mich nackt über seine Pinkelstelle und treffe das Loch von j-Tüpfelchen. Der Wind weht zwischen meinen Beinen - fährt ins Kraushaar vom Busch. So wird sich die sanft streichelnde Pranke von Klaus anfühlen. Das Höschen eingerollt unter meinem Kopfkissen ist der Talisman für sein Versprechen.

 

© S’Rüebli                                                                                          Ihre Meinung?