Warten auf den Funken

 

Seit anderthalb Stunde tuckere ich hinter den Schneepflügen her,

den Scheibenwischer auf Schnellgang.

Vorne flackert Blaulicht,

 und die beiden Räumer drosseln ihre Geschwindigkeit.

Rote Kelle…

Stopp.

„Nein… die Autobahn ist dicht!

Die LKWs stehen quer,

es ist kein Durchkommen!“

Punkt.

 

„Unten links,

zwei Kilometer,

in der Post sind noch Zimmer frei!“,

nuschelt der freundliche Polizist.

So stelle ich mir den Service vor.

Daran kann ich mich direkt gewöhnen.

Die Post ist gut sichtbar und Platz direkt neben dem Eingang.

 

Vor mir steht eine Dame…

Weiter, modischer Mantel,

Schal über den Kopf gezogen,

Stiefel.

Rheinischer Dialekt.

 Koffer neben sich stehend.

„Nein, nur noch Doppelzimmer!

Nach hinten oder zur Straße?“

„Das nach hinten, bitte.“

„Im zweiten Stock Nr.36… hier die Treppe hoch.“

 

Mit den Worten,

„Sie wollen wohl das letzte Zimmer haben?“,

weckt mich die mollige Wirtin ich aus meinem Sinnieren.

„Ist dem Zimmer 36 gegenüber.“

 

„Wenn Sie noch essen möchten, dann bitte gleich kommen,

da der Koch bei diesem Wetter auch nach Hause möchte.“

„Was gibt’s heute?“

Meine Frage.

„Sauerbraten mit Spätzle!“

„Auh ja!“

Kommt es von der Treppe her - und von mir

 unisono.

 

Als ich mein Zimmer aufschließe,

sehe ich ihre Tür halb offen…

Ich höre ich sie rufen,

stelle meinen Koffer ab und gehe in ihr Zimmer.

 

Stiefelknecht!

Den hätte sie in Auto vergessen…

Ob ich ihr helfen könnte?

Ein bittendes Lächeln.

Sie sitzt im Stuhl zuckt mit der Schulter:

„Es geht nicht ohne!“,

und streckt mit ein Bein entgegen.

 

Als Reiter ist mir „Stiefelziehen“ ein bekanntes Ritual.

Ich drehe ihr meinen Rücken zu, nehme ihr Bein zwischen meine…

Beide Hände an die Hacke und ziehen…

Ich ziehe sie durch den Raum.

 Ups!

Wir prusten beide los… lachen.

„Das andere Bein…

den Fuß…

… ja, die Sohle gegen meine Pobacke stemmen.“

 

Langsam gleitet der Stiefel von Fuß…

Ich klemme ihr Bein zwischen den meinen fest,

damit ich nicht das Gleichgewicht verliere.

Denn sie drückt kräftig mit dem anderen Bein.

Ich fühle ihren Fuß an meinem Gemächt,

fühle wie sie ihn spannt…

kurz verweilt.

 

Um das andre Bein aufzunehmen, drehe ich mich halb um.

Sehe sie halb aus dem Stuhl gezogen…

ihr hoch gerutschtes Kleid…

ihre schönen, ausgewachsenen Schenkel

und den grünen Slip durch ihre Strumpfhose schimmern.

„Flinke Augen sehen mehr!“, denke ich.

 

 

 

Ich nehme das andere Bein… ziehe…

als sie beginnt zu stöhnen, zappeln.

„Ich habe ein Krampf in der Wade!“, presst sie heraus.

Bein strecken…

hoch drücken…

Fußspitze spannen.

Ich fixiere sie im Stuhl,

indem ich mein Knie an ihren Po drücke und das Bein an meinen Körper.

Hundertfach im Sport angewendet.

Die Komik der Situation wird uns erst klar,

als der Zweite Stiefel vom Bein ist.

Verlegen brummeln wir beide:

 „Bis gleich!“,

und ich belege mein Zimmer.

 

Die Spätzle sind Spitze,

der Sauerbraten noch spitzer

und Rebekka mir gegenüber sitzend…

ist einsame Spitze!

 

Die Konversation springt hin und her.

Wir lachen, staunen über das Wissen des Anderen…

seine Episoden und Schwänke…

Und der Trollinger schmeckt immer besser.

Der zweitoberste Knopf von ihrem Kleid öffnete sich wie von selbst,

als ihre Hand so - per Zufall - darüber streicht.

Unsere Beine, zwischen den anderen Beinen,

fühlen sich geborgen und behütet.

Unsere beiden „Schalks“ wetteiferten,

 den anderen beim Flirten zu übertreffen.

 

Es fehlt nur noch der Funken!

 

***

 

Der Schnee und das Chaos vor der Tür haben wir verdrängt…

Vergessen!

Als sich die Tür öffnet,

 und ein Ehepaar mit einer Fünfjährigen in die Gaststube kommt…

fragender Blick zur Wirtin.

 

Rebekka ergreift die Initiative.

 

Sie nimmt meinen, auf dem Tisch liegenden Zimmerschlüssel,

und drückt ihn mir in die Hand.

„Den brauchen wir nicht mehr!“

 

©S’Rüebli

 

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Teil 2 - Funkenflug