Vorwitzig

„Tschüss… schönes Wochenende!“

Günter hat mich am Flughafen abgesetzt.

Langweilige zwei Stunden bis die Maschine geht…

wenn überhaupt…

bei diesem Wetter.

Schneetreiben seit dem frühen Morgen.

Die Business-Lounge ist gut besucht,

da praktisch alle Flüge verspätet sind.

Hinten, beim Fikus, sehe ich noch einen Platz.

 

Schiet…

steht eine Tasche drauf,

auf dem Nachbarsitz eine Dame mit über den Laptop geneigten Kopf…

tief in die Betrachtung versunken.

„Ist hier…?“

Fast ein Hochschrecken,

fliegender Blick,

Einklappen des Deckels, als wollte sie etwas verbergen…

Gedanken sortieren. 

„Ja, bitte!“

Ich reiche ihr ihre Tasche.

Sofort vertieft sie sich wieder in das Geschehen auf dem Monitor.

 

Ich installiere mich.

Getränke holen… sehe ihre leere Kaffeetasse.

„Noch ein Kaffee? Ich hole welchen!“

Lächelndes Aufblicken

„Ja gerne!“

„Und wie?“

„Mit einem Kirsch, wenn’s geht!“

Amüsiertes Funkeln in ihren Augen.

Sie ist eine Stattliche und der Laptop hat in ihrem Lap eine gute Auflage.

Gute Fünfzig, elegant staffiert … bestens hergerichtet.

 

Kirsch finde ich und auch ein Williams.

Zeitung raus und lesen.

Die Verhandlungen haben mich heute doch geschafft.

Ich habe mich auf „Entspannen“ programmiert!

Ein Blick aus dem Fenster…

mächtiges Schneetreiben…

und!

„Gute Frau!“,

wirbelt es durch meinen Kopf.

„Physik! –

Gnädigste…

 Physik… müsste „frau“ beherrschen…“

„Einfallwinkel = Ausfallwinkel!“

 

Der Monitor spiegelt sich im nachtdunklen Fenster hinter ihr

und meine müden Augen werden putzmunter.

Mein schlapper Kreislauf beginnt zu traben.

Mein Williams ist mit einem Schluck weg.

Die hat einen Lesbentrailer am Laufen…

Ups, jetzt Standfotos…

jetzt ein Text, eine Seite für Frauen…

Sie vertieft sich.

Kurzes Flimmern …

Jungs – appetitliche Exemplare,

als Akt.

 

Zwei Seiten, die ich auch kenne,

längeres Verweilen bei dieser schwarzen Seite.

stöbern, lesen…

unruhiges Hinlümmeln in den Sitz…

sich bequem einkuscheln.

Dabei rutscht eine Klarsichthülle mit mehreren Blättern zu Boden,

direkt vor meine Füße.

Sie merkt es nicht.

 

Ich hebe sie auf, schiebe sie in die Hülle bis auf ein Blatt.

Hüstle, gebe ihr die Hülle.

Schreibe auf die Rückseite des letzten Blattes,

www.beatricevonstein.de

und reiche es ihr nach…

lächle…

grinse wissend.

Verstecke mich hinter die Zeitung…

lese.

 

Raschelnde Seide,

Geschäftiges Wuscheln und sie steht vor mir.

Schalk in den Augen,

ein lustiges Grinsen überzieht ihr Gesicht.

„Möchte S’Rüebli auch noch Kaffee-Williams?“

In die Frage ein Knacken im Lautsprecher:

 „Der Flug nach D ist storniert.

Passagiere mit Flugnummer XY melden sich bitte bei…“

„Danke, nein!

S’Rüebli muss sich um ein Hotelzimmer kümmern.“

„Dann kannst du ja mein Ticket auch gleich mitnehmen!“

Kramt in ihrer Tasche.

„Bis wir an der Reihe sind, gibt es sowieso nur noch Doppelzimmer!“

auf die Traube um den Schalter deutend.

„Hoffentlich!“,

brummelt es aus ihrer Tasche.

 

©S’Rüebli

 

 

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