2. Januar 2008

 

Oskar schiebt die Mülltonne durch den Durchlass auf die Straße.

Sechs Uhr morgens… so was Blödes, hat er die doch glatt vergessen, gestern Abend.

 

So können Weiber uns den Kopf verdrehen! Und zur Strafe muss er jetzt raus, sich von diesem warmen, weichen Weib lösen… raus in die Kälte, bei minus 4 Grad.

 

Oskar ist kein bisschen missmutig, gluckst innerlich… freut sich schon auf die quiekende Zappelei, wenn er sich… so kalt wie er nun ist… an die nackte, bettwarme Erika anschmiegt.

 

Gestern… am Nachmittag, als sie von Spaziergang zurückkamen, hat er ihr seine kalten Hände unter den Rock geschoben, und die sinnliche Rangelei ist in eine zärtliche Schmuserei mit finalen Folgen ausgeartet.

 

In der Küche füllt er die Bettflasche mit warmem Wasser, zur Abmilderung.

Leise schleicht er sich unter die Bettdecke… rutscht langsam in die andere Hälfte… rollt mit einem Ruck, an die… in seinen Fleecepullover und Hose geschlüpfte Erika!

 

Lachen, quieken - sie freuen sich über den Gag. Keine Gegenwehr, als er ihr mit seinen kalten Händen über ihre strammen Pobacken streichelt, sie sich - freiwillig - den Fleecepullover hochschiebt, um seinen kühlen Körper zu spüren.

 

Gemeinsam strampeln sie die Hose weg, und als sein kalter Oberschenkel fest gegen ihre Muschel drückt, überkommt sie ein Flash, ein erstes Flattern im Bauch, und er fühlt eine warme Hand an seiner Pinne…  Die netteste Aufforderung zum ersten Seelenfrühstück.

 

Vor vierzig Stunden hat er sie getroffen - am Briefkasten, als sie die Post holte. Sie wohnt seit vier Jahren hier im Haus, fünfte Etage - unter dem Dach. Er kam aus dem Keller mit Rotwein und Champagner unter dem Arm.

 

„Riecht aber gut aus Ihrer Wohnung!“ - „Kaninchen in Rotwein“ - „Sicher mit Klößen und Rotkohl?“ - „Polenta und Fenchel in Parmesan!“, korrigiert Oskar. „Und bei Ihnen?“ Drucksen, Ausweichen - Verlegenheit. „Nudeln mit Ketchup!“, flachst Oskar. „So ungefähr.“ Trocken, hektisch fast, diese Antwort, und dann entflieht sie die Treppe hoch.

 

Noch sechs Stunden im alten Jahr und Oskar nimmt allen Mut zusammen. Er füllt zwei Gläser mit Sherry und stapft die fünf Etagen hoch… drei Mal durchatmen… auf drei zählen und klingeln!

 

„Wer ist da?“ Durch die Tür. „Hermes, der Götterbote! Er möchte Sie zum Kaninchenessen abholen.“ Kurzes Knirschen im Schloss und die Tür fliegt auf. Erika steht vor ihm, im kleinen, kniefreien Schwarzen, raffinierte Strümpfe, elegante Pumps, Haare hoch gesteckt, fachfraulich geschminkt, funkelnde Swarovskikette.

 

Oskar versinkt vor Verlegenheit… stammelt. „Oh Entschuldigung! Wie konnte ich so blöd sein! Klar, eine Frau wie Sie... hat Verehrer… Einladungen!“ Er verbeugt sich leicht, will sich umdrehen - gehen.

 

Eine schlanke Hand greift nach einem der Sherrygläser. „Ja, ich habe einen Verehrer!“ Lächelt, strahlt… „Vor fünf Sekunden hat er mir seine Aufmerksamkeit offenbart!“ Sie tritt zurück. „Kommen Sie rein! Ich muss nur das Nudelwasser absetzen und den Fernseher ausschalten.“

 

Perplex steht Oskar vor ihrer Tür… hinter der Tür… sprachlos überrumpelt. Zu schnell für ihn. Im Fernseher läuft die Zauberflöte. Sie lächelt - flüstert im Vorbeigehen: „Eine DVD!“

 

Sie begreift sein Staunen über ihr Outfit. „Das mache ich öfters… mich schön anziehen, schminken… besonders, wenn ich mich einsam fühle, so wie heute.“ Sie riecht am Glas, „Prost, dem Götterboten! Seit einer Minute hast auch du eine Verehrerin.“

 

„Ich koche, wenn ich einsam bin!“, brabbelt Oskar vor sich hin. - „Ich koche noch lieber, wenn es jemandem schmeckt!“, aus der Starre erwachend.

 

„Wollen wir es versuchen?"

 


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