Wintermorgen



© Carlito


 

Der 28. November - und es ist der erste wirkliche Wintertag. Wundervoll! Absolut wundervoll! Ich liebe den Winter, die glasklaren, eisstarrenden Morgen, die im hellen Sonnenlicht nur so funkeln. So als hätte der liebe Gott Diamanten über die Erde gestreut, um seine Kinder zu erfreuen.

 

Oh, mich hat er erfreut! Als ich heute früh meinen Vorhang aufzog, war ich entzückt von dem glitzrigen Anblick - und von dem klirrenden Frost. Es war mir da schon klar, dass ich nicht würde widerstehen können. Zu verlockend war der Reif auf den Gräsern, die eisigen Kristalle auf Pinien und Hecken. Allein der Anblick bescherte mir schon eine Gänsehaut. So ein Geschenk muss man ausnutzen. ICH muss es ausnutzen, denn schließlich bin ich nicht umsonst Mitglied im „Club der Polareisbären“. Bärin ersten Grades bin ich sogar! Das heißt, ich bin 4,5 km splitterfasernackt durch den Baikalsee geschwommen - bei 4 Grad Celsius. - Und als nächstes kommt die Beringstraße dran.

 

Oh ja, das war aufregend! Natürlich war ich nicht alleine. Es konnte also gar nichts passieren. Außerdem wussten die Männer alle, dass ich eine Bärin bin! *smile* Normale Eisschwimmer schwimmen im Badeanzug oder gar in Neopren! Aber das ist unser - meiner - nicht würdig. Wir sind Polareisbären! - ICH schwimme nackt!

 

Das Geheimnis daran ist, dass mir sehr schnell warm wird, wenn ich sehe, wie lüstern ihre Blicke mich begleiten - die der „ganzen Männer“ in Neopren oder in Badehose. Und wie schnell sie draußen sind, aus ihrem Neopren, wenn sie meine steifen Knospen sehen! - Oh nein! Dann ist mir nicht mehr kalt. Und ihnen wohl auch nicht.

 

Und wenn ich in das frostklirrende Wasser steige... Ahhhmmm! Es ist ein Gefühl wie Weihnachten! Wie die zärtlich-kühlen Finger eines Mannes, die sich langsam zwischen meine Schamlippen schieben - tiefer hinein in meinen Körper - in meine glühende Muschi. Arktische Kälte, wie ein hübscher Eiszapfen, drängt sich dazwischen, reibt in mir und liebkost mein Geschlecht - und heizt mir ein! Auch wenn es keiner glaubt: Es fühlt sich alles andere als kalt an!

 

Heute habe ich keinen See, den ich erst aufhacken muss, um hinein steigen zu können. Es ist auch gar nicht wirklich kalt. Die liebe Sonne scheint ja, und es hat nur minus 6 Grad, aber ich werde den Raureif genießen, zwischen meinen Zehen - und die Eisblumen an der Panoramascheibe meines Wintergartens, wenn ich meine Brüste dagegen presse. Schon die Vorstellung lässt meine Leidenschaft hochkochen. Also nichts wie raus! Auf dem Weg durch den Wintergarten streife ich mein dünnes Spitzennachthemdchen ab und lasse es achtlos fallen. Dann öffne ich genüsslich die große Türe und begrüße die Kälte des jungen Morgens. Eiswind küsst meine nackte Haut, liebkost meine Brustwarzen, stellt sie steil auf und rötet sie mit einem intensiven „Zungenkuss“ an der vereisten Scheibe. Stöhnend genieße ich diese winterliche Liebkosung.

 

Gott ist das schön! Purer Genuss! Lächelnd tanze ich in den Garten hinaus, laufe barfuß über die Wiese, als wollte ich Blumen pflücken - einen wundervollen Strauß eisiger Blüten, geboren aus Frost. Und wenn ich mich drehe, kann ich meine Spuren sehen, in der winterlichen Landschaft. Die Hitze meines Leibes brennt sie in die gefrorene Erde. Drückt ihr mein Brandmal auf! Aber auch die Sonnenstrahlen lecken bereits an den winterlichen Schmuckstücken aus Kristall, lassen sie noch einmal aufglühen in schimmernden Wassertropfen, die sie einhüllen. Die Hecke liegt noch im Schatten. Hier glitzert noch echtes Eis. Sehnsüchtig betrachte ich die frostige Pracht. Das ist mein Baikalsee! Dahinein will ich tauchen.

 

Und auf einmal ist da ein leises Winseln, wie... von einem Baby - oder... Nein! Vor mir im Schnee sitzt ein kleines, süßes, weißes Hundchen. Aus klaren, dunklen Augen sieht es mich an, so als verstünde sie... „Na, du Süße!“, flüstere ich und beuge mich hinunter - und sie kommt zutraulich näher, schnuppert an meinen Händen und lässt sich kraulen. Um den Hals trägt sie ein glitzerndes Halsband, wie aus Eiskristall: Ceilidh! „Was für ein schöner Name!“, lobe ich das Hundchen. „Wo ist dein Herrchen?“ Natürlich bekomme ich keine Antwort. Aber ebenso natürlich weiß ich: Sie ist nicht allein, die Kleine! Und ich kenne das Herrchen. Ein reiferer Herr so um die 37 - für mich in den besten Jahren. Und er gefällt mir. Also, was soll ich sagen? Er wird sein Hundchen suchen - und mich finden! Was für ein bezaubernder Gedanke.

 

Schnell husche ich ins Haus. Ceilidh folgt mir artig. „Liebchen, was möchtest du hören?“, frage ich leise und drücke auf meine Stereoanlage.  Es ertönt meine Lieblingsmelodie: Der schönste Walzer von Edvard Grieg. Oh ja, mein Hundchen liebt es - ebenso wie ich. Die Kleine hat Geschmack. Begeistert tanzt sie um mich herum - und Schwupps - sind wir schon wieder draußen. Wie ein Derwisch drehe ich mich um mich selber, streife die Hecke und all die weißen Kristalle stäuben herab, beglitzern meinen nackten Leib und schmücken Brüste und Hüften. Teuerstes Geschmeide funkelt in meinem Haar - goldblond, hier wie dort. Ein Diadem krönt meinen Busen. Diamanten - wie zwei Piercings - blitzen in dunkelroten Brustwarzen!

 

Zwischen Walzerklängen ein leises Pfeifen. Er lockt sein Hundchen. Und dann sehe ich ihn. Da steht er - und betrachtet aufmerksam unser Spiel mit der Lust - mit der Kälte und - miteinander. Seine Augen glitzern plötzlich - wie die Eiskristalle, in die ich meinen Körper hülle - und seine Blicke brennen genauso süß. Jetzt tanze ich nur noch für ihn.  Meine Hände spielen - und die Äste der Bäume lassen ihre süße Last auf mich herunterrieseln - hüllen mich in weiße, kühle Seidenschleier. Ist es jetzt die Hitze meiner Leidenschaft oder sind es seine heißen Blicke, die das Eis schmelzen lassen? Ich brauche dringend Abkühlung und so gleite ich hinab auf die Wiese, sinke in den Schnee und räkle mich - wie auf einem breiten Bett - auf unserer Liebesstatt. Zärtlich breite ich die Arme aus. „Kommst du zu mir, mein Liebster?“

 

Aber nein! Solche Ansinnen wären mir fremd. Soll er schauen, staunen,  - nicht mehr! - Siehst du, jetzt habe ich Flügel, behutsam in den Schnee gezeichnet von meinen Armen. Warte nur! Gleich habe ich einen Rock - wie ein Rauschgoldengel. Schlanke Beine verleihen ihm Gestalt. Sag, du! Wo schaust du nur hin? Ich spreize meine Schenkel und skizziere einen Rock - aus Goldbrokat. Und wo hast du deine Augen? Dein Hundchen ist da dezenter. Es leckt und schnuppert an meinem Hals, den Armen und dann...

 

...dann ist Grieg verklungen und der Schnee-Engel getaut. Der Zauber des jungen Morgens ist verflogen, aber für einen kurzen Augenblick hat er uns verbunden. Ich habe es genossen ... aber ob du mich so schnell vergessen wirst, wenn du jetzt nach Hause gehst?

 

*Ice Swimming: International Ice Swimming Association

 

©BvS                                                                                                     Ihre Meinung?