Meine armen Füße




© Sinnenflut


Diese blöde Party! Warum hat er mich da auch noch hinschleppen müssen? Ich kann nicht mehr. Mir tut alles weh. Seit heute früh um 5 Uhr bin ich auf den Beinen. Die Präsentation ist gut gelaufen, und ich habe gesiegt. Ich habe umwerfend ausgesehen, in meinem weißen Kostüm. So braungebrannt wie ich bin, ist das aber auch kein Wunder! Und die Marilyn-Schuhe, die meine langen, nackten Beine noch länger erscheinen ließen, als sie eh schon sind, taten ein Übriges. Abgesehen davon, dass ich wirklich gut bin, bin ich auch noch schön. Sexy! Meine blonde Lockenmähne wehte immer im richtigen Moment und mein Schmollmund hat sie total fasziniert, meine Geschäftspartner. Es war ein Triumph.

 

Allerdings dachte ich, ich könnte den jetzt mit Jean feiern, zuhause in unserem Bett! Aber nein! Er muss noch zu dieser Party, wo ich keinen Menschen kenne. Ich komme mir vor, wie das fünfte Rad am Wagen. Hänge hier an der Bar herum und langweile mich. Ich bin müde – erschöpft. Meine Beine schmerzen. Ich glaube, ich bekomme gleich einen Wadenkrampf. Ist ja auch klar! 18 Stunden auf 12 cm Absätzen. Meine Füße tun so weh und nun muss ich hier aushalten. Zumindest bis Jean wieder auftaucht. Wo ist er bloß hin verschwunden?

 

„Sie sehen aus, als ob Sie Schmerzen hätten!“ Eine dunkle, warme Stimme, direkt neben mir, schreckt mich auf. Der dazugehörige Mann ist echt sehenswert. Zu jeder anderen Zeit, hätte ich Interesse an ihm signalisiert, aber mir ist nicht nach Flirten. Ich bin zu kaputt. „Verzeihen Sie, aber ich möchte nur noch nach Hause in mein Bett. Ich bin keine gute Gesprächspartnerin, heute!“, versuche ich eine Erklärung. „Mir tun die Füße weh!“ – Er schmunzelt. „Das verstehe ich gut!“ - So ein Blödsinn. Als ob ein Mann nachvollziehen könnte, was das für Schmerzen sind. Die haben es gut – mit ihren Tretern. 12 cm Absätze sind Folterwerkzeuge!

 

„Soll ich Ihnen die Füße massieren? Ich bin gut darin! Ich tue das immer für meine Frau!“ Meine Gedanken überschlagen sich. „Er kann massieren! Eine Massage für meine geschundenen Füße – wundervoll! Er ist verheiratet! Keine Komplikationen! - Mach schon: Gib ihm deine Füße!“ Und ohne mein Hirn einzuschalten, ohne auch nur eine Sekunde zu überlegen, wo ich bin, strecke ich ihm meinen Fuß entgegen. Er greift zu und zieht ihn zu sich heran.

 

Jetzt wird mir klar, wo ich sitze. Auf einem Barhocker! Auf einem hohen Barhocker! In irgendeiner Kneipe - auf einer Party, von der ich nicht mal weiß, wer sie gibt. Mein enger, kurzer Rock rutscht noch höher und ich kippe fast vom Stuhl. Automatisch spreize ich die Beine, um das Gleichgewicht zu halten und gehe ins Hohlkreuz. Von den Tischen aus, hat man jetzt eine grandiose Aussicht – auf mich! Ich versuche meinen Fuß zurückzubekommen, aber er hält ihn fest. Seine Hand streichelt meinen Knöchel, die Wade hinauf und wieder hinab. Er hat einen angenehm festen Griff! Völlig selbstverständlich streift er meinen Schuh ab und stellt ihn vor sich auf den Tresen. Wie das aussieht! Wie ein Signal!

 

Dann dreht er sich noch ein Stück mir zu und greift zu, mit beiden Händen. Er fasst seitlich in die Fußwölbung und massiert. Ich stöhne auf vor Behagen. Großer Gott, tut das gut! Mann, das ist besser als Sex! Bis gerade eben war ich entschlossen, dieses Spielchen zu beenden. Aber jetzt ist es kein Spiel mehr. Es ist Erlösung! Er ist ein Profi! Arzt! Masseur! Physiotherapeut! Irgend so was! „Schöne Füße haben Sie!“, murmelte er, und Lust fällt mich an, wie ein hungriger Wolf! Ich hab eine Gänsehaut – überall! Und außerdem macht es mich an, zu wissen, dass er den „Blick ins Paradies“ hat. Ich denke auch nicht daran, das irgendwie zu vermeiden.

 

Seine Hände streifen an den Seiten entlang, umgreifen meine Ferse und massieren an der Achillessehne entlang, bis zum Knöchel. Mann oh Mann tut das gut! Dann legt er meinen Fuß in seinen Schoß und widmet sich den Zehen. In meinem Kopf fahren die Gedanken Karussell. „Wie gut, dass ich immer regelmäßig zur Pediküre gehe! Meine Füße sind sehenswert – und der neue Lack erst! – Wie warm seine Schenkel sind! Und was spüre ich da? Ist das nun…? Oder doch nicht?“ Ich strecke mein Bein mitsamt dem daran befindlichen Fuß – und taste. Bingo! Es macht nicht nur mich verrückt! Er schaut auf und lächelt. „Tut mir Leid! DAS ließ sich nicht vermeiden!“ Frecher Hund! Und doch: Es fühlt sich an, wie ein Kompliment – auch wenn er mir dabei zwischen die Beine sieht.

 

Seine Finger reiben an jedem einzelnen Zeh, entspannen den kleinsten Muskel. Wie sich das anfühlt: Er schiebt seine Fingerspitze in den Zwischenraum zwischen meinem großen Zeh und dem daneben, knetet mein Fleisch und… fickt er mich etwa? Also mir ist dieser Gedanke gekommen. Rein und raus - schiebt er den vorwitzigen Finger. Als er meinen Blick sieht, macht er doch weiter. Massiert über den Rist und zurück. Hinunter auf die Fußsohle, drückt den Fuß nach oben und bearbeitet meinen Fußballen. Ich kann nicht anders! Ich muss stöhnen! Es ist so eine unglaubliche Erleichterung. Gefühle, wie an Weihnachten! „Ich habe gar nicht gewusst, dass ich so empfindlich bin – an den Füßen!“ Er schmunzelt. „Ja, viele Frauen wissen nicht, dass die Füße durchaus erogene Zonen sein können!“ Sein Lächeln wird noch breiter. „Viele Männer wissen es übrigens auch nicht!“ Jetzt grinse ich. „Ja, meiner beispielsweise!“

 

Dann reitet mich ein kleines Teufelchen. „So, so! Dann spielen Sie jetzt mit meinen erogenen Zonen?“ Er nickt. „Lassen Sie Ihre Finger bloß da unten. Mehr gibt es nicht!“ – Schon wieder steckt sein Finger dazwischen. „Ich habe doch schon mehr!“, flüstert er heiser. Ich glaube, ich werde rot – und heiß wird mir auch. Langsam lässt er mein Bein hinunter, stellt den Fuß auf die Stange des Barhockers und hält mir die Hand hin. „Der nächste bitte!“ Ich überlege nur kurz, dann hebe ich den Fuß und lege ihn vertrauensvoll in seine Hand. Behutsam zieht er ihn höher, achtet darauf, mich nicht vom Stuhl zu werfen. Gleichzeitig spreizt er meine Beine. Ich habe den Eindruck, weiter, als es unbedingt sein müsste und muss mir ein Schmunzeln verkneifen. Er tut mir so gut, soll er doch…

 

Wenn ich jetzt die Augen schließe, sieht er das Gesicht meiner Leidenschaft. Wären wir alleine, ich würde ihn sofort auf mich ziehen – über mich. Wieso sehne ich mich nach diesem Mann? Ich kenne ihn doch gar nicht. Und doch möchte ich sein Gewicht auf mir spüren, seine Hände auf meinem Körper – an ganz anderer Stelle. Ja, genau an der Stelle, die er sich gerade so angelegentlich betrachtet. Bin ich schon so feucht, dass er es sehen kann? Jedenfalls habe ich gerade das Gefühl überzusprudeln. Und er hält meinen Fuß in seiner Hand und drückt von unten mitten auf die Ferse. Mein Unterleib vibriert plötzlich. Ob das etwas damit zu tun hat? Ich bin mir ziemlich sicher. „Zündeln Sie eigentlich absichtlich?“, frage ich keck – und er wird wirklich ein bisschen rot. „Umwerfend, der Junge! Allein hier sein, müsste man jetzt. Oh ja! Du würdest mir gehören!“ Gott sei Dank kann er nicht Gedanken lesen.

 

Seine Blicke streicheln mich. So, als sähe ich es nicht, tasten sie sich an meinen Beinen empor. Dabei blickt er mir immer wieder mal kurz in die Augen. „Willst du noch? Darf ich noch?“, soll das wohl heißen. Oh ja, ich will noch. Seine Hand schiebt sich über meinen Rist und umfasst dann mein Fußgewölbe. Die Fingerspitzen liegen jetzt zwischen Ballen und Ferse – und ich stelle mir vor, es wäre meine Muschi – in seiner Hand. Was ist das bloß? Ich hätte nie geglaubt, dass mein Fuß in seiner Hand so erotisch sein könnte. Dass mich das so stimulieren könnte, so lüstern machen. Aber es ist so. Ich wollte er würde mehr berühren, als nur meine Zehenspitzen!

 

„Ist es jetzt besser?“, fragt er so leise, dass nur ich es hören kann. Ich nicke. Vorsichtig, ohne meinen Fuß los zu lassen, steht er auf, beugt sich über ihn und küsst mich auf den Knöchel. Dann hebt er mein Bein noch höher, immer darauf bedacht mich nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen, und drückt seine Lippen auf meine Zehenspitzen. Ganz kurz kann ich seine Zunge fühlen, die von unten zwischen zwei Zehen leckt. Es fühlt sich an, also ob… Dann greift er zu meinem Schuh, streift ihn über und stellt meinen Fuß behutsam ab. Er verbeugt sich leicht. „Es war mir ein Genuss!“, murmelt er und dann ist er auch schon im Halbdunkel der Bar verschwunden.

Es ist inzwischen halb Zwölf. „Jetzt können wir gehen!“, höre ich Jeans Stimme neben mir. Hat er ihn gesehen? Ist er deswegen…? „Ich bin müde!“ Ach ja! Er ist müde! Wie eigenartig. Ich inzwischen nicht mehr. Mir wäre jetzt nach tanzen gehen. Aber das sage ich ihm nicht. Denn eigentlich will ich ihn nicht dabei haben. Wenn ich mir vorstelle… einen Walzer in „seinen“ Armen! „Ihm“ würde ich nicht nur meine Füße anvertrauen. Jean ist inzwischen an der Türe, und ich sitze immer noch auf diesem hohen Barhocker herum. Gerade als ich denke: „Kavaliere sind wohl ausgestorben!“, reicht „er“ mir die Hand, um mir herunter zu helfen. „Sehe ich Sie wieder?“, murmelt er. „Bestimmt!“, denke ich mir. „Ganz bestimmt!“ Aber ich lächle nur geheimnisvoll, küsse ihn zärtlich auf die Wange und dann… bin ICH fort.

 

©BvS                                                                                              Ihre Meinung?