Liebeswetter

 

Kennst du dieses Wetter, bei dem dein Körper nicht weiß, ist es heiß oder nicht? Eigentlich ist dir fast kalt und doch ist dein gesamter Leib überzogen von einem feuchten Film. Schweiß perlt in kleinen Tröpfchen von deiner Stirn, zwischen deinen Brüsten - und auch über deine Flanken rieselt es, wie über die großen, flachen Kieselsteine am Ufer in einem klaren Gebirgsbach. Die Luftfeuchtigkeit ist Schuld daran, dass du dich fühlst, als seist du eben aus der Wäscherei gezogen.

 

Dein Atem geht schwer, du bekommst kaum Luft. Irgendwie hast du das Bedürfnis dich auszuruhen, das Verlangen danach wieder besser atmen zu können, abzuschwitzen. Das ist aber schierer Wunschtraum. Es liegt ja nicht an dir, es ist das Wetter. Also wirst du es ertragen müssen. Du versuchst nicht daran zu denken, dass der Schweiß in kleinen Bächen deine Oberschenkel überflutet und das Dazwischen in ein Feuchtbiotop verwandelt. Ein zugegebenermaßen schwieriges Unterfangen. Es stört dich einfach, beeinträchtigt dein Wohlbefinden - zumindest bis zu dem Punkt, an dem...

 

Da steht er und sieht dich an. Du weißt, was er möchte - weil auch du es willst. Seine Stirn glänzt feucht, seine Oberarme schimmern wie Seide. Um euch herum scheint die Welt in Flammen zu stehen. Der heiße Atem der Sonne versengt beinahe die Härchen auf eurer Haut - wären da nicht die salzigen Tropfen, die unaufhörlich aus euren Körpern quellen. Nein, für Sex ist es eindeutig zu heiß. Und doch blitzen seine Augen dich an - unternehmungslustig. Sein animalischer Geruch nach frischem Schweiß erregt dich. Du möchtest an ihm schnuppern, du möchtest das Salz von seiner Haut lecken. Eigentlich solltest du aber duschen gehen - vorher! So verschwitzt macht man nicht Liebe!

 

Aber dann ist er da, zieht dich an sich. Die dünne Schweißschicht auf seinem Leib stört dich plötzlich, stößt dich fast ab. Die feuchte Oberfläche - kalt und gläsern - trennt dich von ihm. Am Liebsten würdest du dich umdrehen, ihn wegstoßen - bloß nicht berühren. Trotzdem bist du fasziniert, drehst dich nicht weg, lässt zu, dass er deine ärmellose Bluse aufknöpft - sein T-shirt über den Kopf streift und dich an sich zieht. Und auf einmal geschieht es. Die dünne, feuchte Fläche auf deinem Bauch, zwischen deinen Brüsten verschmilzt mit dem glänzenden Schweiß auf seiner Haut und auf einmal...

 

...sind wir nicht mehr zwei! Wir sind eins! Zusammengeschweißt im wahrsten Sinne des Wortes. Eingehüllt von einer glitzernden Schutzschicht. Darin - wir! Nicht mehr du und ich. Wie sich das anfühlt! Wie unsere Körper gleiten auf dem Schweiß - aufeinander. Wie sie sich verbinden, aufhören ein Ende zu fühlen. Sie gehen ineinander über, enden nicht, beginnen neu im anderen. Die Wärme steigert sich, wird Hitze. Feuchtigkeit dampft um uns herum und wir schwimmen ineinander.

 

Ich kann mich nicht lösen von dir, deinem Mund, deinen Händen, deiner Haut. Das Gefühl macht mich wahnsinnig. Ich will dich - will - will - will dich. Ich öffne mich dir, küsse dich - leidenschaftlich. So wie ich nie vorher... mit offenen Lippen, gieriger Zunge, verschlinge dich, sauge dich ein! Ich will dich haben, halten, schmecken, schlucken - ganz und gar zueigen.

 

Und du spürst meine Gefühle - obwohl sie so anders sind, so neu! Völlig unerwartet - ungewohnt - überschäumend. Du teilst sie. Ich spüre deine ungestüme Lust, deine Begierde, deine unersättlichen Hände auf meinen Brüsten. Sie tasten, streicheln, reiben, kneten, gleiten tiefer... machen mich wild. Zwischen meinen Schenkeln - der Springquell der Wonne. Perlende Nässe, feuchter Glanz. - Vorsicht Rutschgefahr! Und schon ist es zu spät.

 

Dein Gewicht, deine Leidenschaft drückt mich hinab, und ich lasse mich willig begraben unter deinem heißen Verlangen. Ich gebe nach, sinke nieder auf die Polster um uns, halte dich fest, nehme dich mit hinab, ziehe dich auf mich, über mich. Meine Hände auf nackter Haut - in deiner Hose.

 

Zu bezaubernd, zu lüstern sind die Gefühle, als dass du widerstehen könntest. Ungeduldig zerrend entfernst du das letzte Hindernis zwischen unseren Leibern, zwischen deinem und meinem Begehren. Stöhnend liegst du auf mir, öffnest mich dir und nimmst mich in Besitz. Wie sehr wir eins sind! Nicht nur Sinnlichkeit und Liebe - diesmal nicht. Diesmal mehr, weit mehr. Sex geht auch ohne Liebe? Ja, vielleicht - nicht das, was wir haben, das was wir tun. Wie geil ich dich spüre! Wie scharf du mich - ich dich mache! Begehrlichkeit - Fleischeslust - Brunst! Deine Härte in mir. Und noch und noch und noch! - „Ja, komm! Nimm mich!“ Du und ich - in Lust vereint - schweißgebadet. Glänzend - schwitzend - klebrig - glatt - sinnlich - duftend - geil! Entzücken - Wonne - Hochgenuss! Großer Gott, ich liebe dieses Wetter! Ich liebe Dich! Liebe mich! - Nimm mich! - Tu es! Leidenschaftlich und hart!

 

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© Beatrice von Stein                                                                     Ihre Meinung?