Indiskret

 

Er ging hinein, obwohl er wusste: Sie konnte noch nicht angezogen sein. Eine Kollegin hatte sie massiert und es war noch keine Minute her, dass sie den Raum verlassen hatte. Er hatte ihr Lachen gehört. Es fuhr ihm wie ein frischer Sommerwind mitten durchs Herz. Eine Wiese im Sonnenschein, der Duft nach aromatischem Heu - und SIE! Sich fallen lassen, ihre Arme spüren, ihre Lippen, ihre Brüste - er sehnte sich danach. - Er musste zu ihr gehen! Wenigstens sehen wollte er sie, musste er sie!

 

Er klopfte pro forma! Und öffnete die Türe gleich darauf. Sie hatte ihn nicht hereingebeten. Er streckte seinen Kopf durch die Tür und lächelte. „Sie haben über mich gelacht!" Das war nur eine Ausrede - eine dumme noch dazu, aber ihr Anblick entschädigte ihn für alles. Mochte sie ihn rauswerfen - er hatte sie gesehen.

 

Sie saß auf der Liege und hatte einen langen Pullover an und beinahe - ihre Strumpfhose. Das ihm zugewandte Bein war züchtig verhüllt. Sein Blick glitt darüber hin, höher hinauf. Sein Herz fing auf einmal an schneller zu schlagen. Weiße, weiche Haut. Zwischen dem Ende des Strumpfes und dem Pulli. Aufreizendes Fleisch - wie bei einem Strumpf, der an schwarzen Strapsen hing. Nicht nur sein Herz pumpte wild. Seine Augen konnten sich nicht lösen - von diesem Stückchen nackter Haut - diesem Hinweis auf nahe, erregende Weiblichkeit. Gleich da, an dieser Stelle, gab es noch viel mehr zu sehen.

 

Er plapperte irgendwelchen belanglosen Blödsinn. Was? Egal! Nur seine Blicke waren wichtig. Seine und ihre! Sie wusste es doch, kannte sein Begehren! - Oder nicht? Ihre Finger hielten den zweiten Strumpf - das zweite Strumpfhosenbein - und dann zog sie ihr nacktes Bein hoch. Weiß und schimmernd und wohlgeformt. Behutsam streifte sie die dünne Seide über ihre Zehen. Silberner Nagellack glänzte durch das feine Gewebe. Ihm blieb die Luft weg. Sein Satz hing wie amputiert in der Luft. Die Seide glitt über ihren Fuß. Sie streckte ihr Bein, hob es graziös in die Luft und streifte ganz langsam diese zauberhafte Verhüllung höher.

 

So erotisch! Füße umhüllt von schwarzer Seide, Beine bis in den Himmel und immer noch - nacktes Fleisch dazwischen. - Was für Beine! Was für eine Frau! Er musste jetzt gehen. Sie verhielt die Bewegung - tat einfach gar nichts mehr - wartete. „Ciao", lächelte sie. Er drehte sich um ging zur Türe - aber er lauschte. Was geschah da hinter ihm? Was tat sie? Er hörte, wie sie aufstand. Sie würde ihre hauchzarte Strumpfhose hinaufstreifen - den Pulli hochschieben und ihre Hände langsam über den süßen, festen Po gleiten lassen. Einen Schritt noch - Geduld - Ungeduld - nervöse Erwartung - atemlose Erregung - und dann wirbelte er herum.

 

Da stand sie - kehrte ihm den Rücken zu. Der dunkle Pullover betonte ihre weißhäutige Schönheit. Dieser unglaublich anziehende Streifen Haut - und dann schoben ihre Hände den Stoff hinauf - entblößten den nackten Po - zogen die schwarze, dünne Seide darüber - streichelten diese sanfte Rundung - strichen das zarte Gewebe glatt - glitten weiter hinab über bezaubernde, endlos lange Beine. Sie beugte sich nach vorne - reckte ihm dieses unglaubliche Hinterteil entgegen. Er schnappte nach Luft. Sie trat zur Seite, angelte mit dem Fuß nach dem Schuh und spreizte so ihre prallen Schenkel.

 

Jetzt erst erkannte er, dass sie nicht nackt war. Sie trug einen String und er wusste nicht, was ihn mehr anmachte. Wenn er sich vorstellte, wie sie aussehen würde, wenn sie sich jetzt zu ihm umdrehte! Pure nackte Haut - unter einem Hauch von Seide! Er schluckte. Eine erregend nackte Scham! Vielleicht rasiert...! Was er alles sehen könnte...! Die Kontur ihrer Schamlippen - prall und geschwollen...!

 

Als sie sich umdrehte, fiel der Pulli keusch und züchtig über ihre Schenkel. Süß sah sie aus. Mini über bezaubernden Beinen. Ihr strafender Blick traf ihn. Ihre Augen suchten seine - hielten sie fest - forschten. „Genug?", murmelte sie fragend. Sie hatte ihn durchschaut. Röte stieg in sein Gesicht - brannte Scham in sein Herz. Jetzt würde er gehen - mit roten Ohren. Und trotzdem sollte sie es wissen. Schon fast aus der Türe, flüsterte er: „Soo heiß!" Dann drehte er sich um und schloss behutsam die Türe.

 

Das zufriedene Aufblitzen ihrer blauen Augen sah er schon beinahe nicht mehr. Beinahe!



© Beatrice von Stein                                                                     Ihre Meinung?