Hände

 

Es war keine Absicht gewesen! Bestimmt nicht! Sie lag im Bett. Sie war müde. Sie wollte schlafen. Das warme Wasser der Wanne hatte ihr den letzten Rest Kraft entzogen und sie ließ sich dankbar in die Kissen sinken. Das kühle Leinen auf ihrer erhitzten Haut rieselte ihr wie ein Frühlingsregen über den Leib. Der Schauer trieb ihr Gefühl ganz plötzlich in ungeahnte Höhen. Sie wollte nicht mehr schlafen - jetzt nicht mehr - oder doch?

 

Dass ihre Hand sich verirrte, war nur der ungewohnten Glätte zwischen ihren Schenkeln zu verdanken. Sie hatte wohl doch ein bisschen viel Creme genommen. Eigentlich wollte sie den glänzenden Film nur gleichmäßig verteilen - aber dann lag sie sanft und warm genau dazwischen, ihre Hand. - Dieses Gefühl!

 

Erstaunt stellte sie fest, wie prall und fest sie sich anfühlte. Erst in diesem Moment wurde ihr bewusst, wie erregt sie war. Sachte bewegte sie ihre Finger, spielte zärtlich. Sie war geil! - Wieso - war sie geil? Sie hatten sich doch nur unterhalten - und außerdem - es waren auch nur unverfängliche Themen gewesen.

 

Sie hatte seine Hände betrachtet. Die Hände eines Fremden! Männliche Hände! Aufregende Hände! Und sie hatte es ihm gesagt. „Ich habe lange Finger“, hatte er geantwortet. „Sehr zärtlich!“ Das war alles gewesen. - Nein, es war nicht alles gewesen. Sie hatte geantwortet! „Darüber denke ich nicht nach!“, hatte sie gesagt - und er hatte sie seltsam angesehen. Oder nicht?

 

Sie hatten wohl beide dasselbe gedacht in diesem Moment - und jetzt - konnte sie die Reaktion ihres Körpers spüren. Er war sensibler als sie! Wie heiß und prall sie sich anfühlte - wie lüstern! Ihr Zeigefinger glitt tiefer - hinein in gierige, glatte Lust. Wie aufregend eng und geschwollen ihr feuchtes Fleisch sie umschloss.

 

„Ich habe lange Finger!“ - Sie stöhnte und berührte sanft ihren Kitzler. „Jaaahhh!“ Ein Hauch nur. Behutsam leckte sie über ihre Lippen, stellte sich vor......... seine Zunge, die sich tiefer schob. Seinen Mund, der hungrig ihre Lippen berührte. Glatt und nass - aufregend. Sich vereinigend - mit ihr.

 

Und dann spürte sie ihre Brüste. Sie rieben an dem dünnen Stoff des Hemdchens. Gereizt und hart - ihre Spitzen. „Ich habe lange Finger!“ Seine Worte geisterten durch ihr Bewusstsein - erregten ihre Sinne. Warum konnte sie das nicht vergessen? - Gänsehaut! - Seine Hand - jetzt auf ihrer Brust! Sie schloss die Augen und fühlte.

 

Erinnerung stieg auf. - Damals - das allererste Mal. Die allererste Lust, die ihr unschuldiger Leib erfahren hatte. Die aufregend dunkle Hand eines Mannes - mit einem großen Siegelring - auf einer nackten, weißen Brust. Sie hatte den Film fünf Mal gesehen. Jedes Mal mit demselben Ergebnis. Jetzt sah sie seine Hand! Fühlte sie, spürte den Druck, der sich steigerte, der ihren Busen zusammendrückte, massierte - fest - so hart, dass sie stöhnte! „Ich habe lange Finger!“ Seine leise, warme Stimme brachte sie zum Vibrieren. „Sehr zärtlich!“ Sie wollte ihn spüren. Sie sehnte sich danach. „Hhhhhmmmmm!“

 

Stöhnend presste sie ihre Hand auf die erregten Knospen, rieb sie behutsam zwischen ihren Fingerspitzen. Seine Hände! „Darüber denke ich nicht nach!“ Das war gelogen - sie dachte nach. Sie sehnte sich - da-nach! Jetzt! Langsam kreiste sie - eine weiche Fingerspitze. Es fühlte sich so zärtlich an - so sanft - so unwiderstehlich - so ganz und gar anders als sonst! Warum? „Ich habe lange Finger!“ - Sie schob sie tiefer. So aufregend! Seine Härte - geborgen - in praller, heißer Feuchtigkeit. Ihn einsaugend - haltend - massierend. Ihre Vorstellung malte ihr Bilder. Aufregende Bilder! Seine Hand auf ihrer Brust. Nacktes Fleisch - sich hingebend - sich verlierend - an seine Zärtlichkeit - seine - ihre Lust!

 

„Jaaaahhhh!“ Der neugierige Finger drängte sich tiefer, spürte der Fülle der Lust nach - noch tiefer. Wie feucht sie war, wie glatt! Wie sehnsüchtig! „Ich habe lange .....!“ Stöhnend drückte sie ihre Augen zu - hob ihnen ihren hungrigen Leib entgegen - den zärtlichen Fingern! Sie konnte sie ja fühlen. Einer dieser Finger berührte sie. Reizte ihre Gefühle, steigerte ihre Begierde in die Unendlichkeit.

 

Diese erregend zärtliche Fingerspitze - sie kreiste behutsam und doch so nachdrücklich - stimulierte den Mittelpunkt ihres Seins - rieb zärtlich an ihrem Kitzler. Und es tat so gut. Erregte sie so sehr. Machte sie wild. Gierig. Warum konnte sie nicht aufhören? Sie wollte ihn doch gar nicht! „Ich habe lange
Finger!"

 

Ihr Körper sprach eine andere Sprache - eine ganz andere. Bebte in Sehnsucht. Allumfassende Gänsehaut - Zittern durch und durch. Wollte sie aufhören? Konnte sie es? - Zärtliche Finger! „Ich habe lange Finger!“ Begehren! - Immer enger, immer heißer, immer feuchter! Kreisend - stöhnend - sehnend. „Jaaahhhh!“

 

„Nicht explodieren - nicht! - Keinen Laut! - Beherrschung! - Nicht bewegen! - Schschschhhh - Ruhig - ganz ruhig!“ - Leises Flüstern - heiser - beschwörend. Und doch konnte sie nicht aufhören. Berühren, streicheln, kreisen, reiben - doch die Hüften ruhig, das Becken - nicht bewegen! Augen fest geschlossen - die Lippen offen stehend - um Atem ringend. - „Ruhig!“ - Enge - heiße, gierige Tiefe.

 

„Ich habe lange Finger!“ Stöhnen! Muskelzittern. Sie spannte sie an - diese Muskeln, löste damit Schauer aus, die ihren Körper überliefen - Von den Zehen bis in die Haarspitzen. Wellen der Leidenschaft - ausgehend von einer zärtlichen Fingerspitze. Seiner Fingerspitze! Aufschäumend, überschwappend, gischtend, mitreißend, sie völlig überrollend. Untertauchen in Gefühl - ertrinken in Lust. „Jaaahhhh!“ -

 

In diesem Augenblick gehörte sie ihm.



© Beatrice von Stein                                                                     Ihre Meinung?