Gesten der Lust

 

Immer wenn du diese beiden Finger in deinen Mund steckst und sehnsüchtig an ihnen leckst, dann weiß ich es. Du willst mich anmachen. Du willst, dass ich es sehe. Willst mich erinnern! Diese beiden Finger waren schon an anderer Stelle - an ganz anderer Stelle. - Keine Bange! Ich werde es nicht vergessen. Ich kann es nicht vergessen.

 

Du hebst die Hand und fährst über dein Kinn. Deine Finger spielen, streicheln die Haut um Mund und Nase - trennen sich. Zeige- und Mittelfinger berühren die Oberlippe und dann siehst du mich an, hältst diese Finger bedeutungsvoll an die Nase. Dann schließt du die Augen und atmest ein - tief! Du schnupperst an deinen Fingern - aber du riechst - mich!

 

Es war mein Duft, der an deinen Fingern haftete - damals. Als du diese beiden Finger tief in mich hinein geschoben hattest. Damals, als diese beiden Finger mich liebten! Ich sehe die Erinnerung in deinem Gesicht. Ich sehe den sehnsüchtigen Zug um deinen Mund, den liebevollen Ausdruck in deinen Augen. Aber ich sehe auch das lächelnde Zucken deiner Mundwinkel.

 

„Weißt du es noch?", soll das heißen. „Erinnerst du dich daran?" Oh ja, ich weiß es noch. Und jetzt, jaahh jetzt... kann ich es wieder spüren. - Warum tust du das jetzt? Warum? - Ich möchte dich so gerne spüren - jetzt! Ich bin so verrückt nach dir. Ich stell’ mir vor du wärst bei mir - dürftest bei mir sein. Komm, sei bei mir! Setz’ dich zu mir, neben mich - auf meine Couch. Neben mich? - Nein! Nicht wirklich. - Setz’ dich hierher und - lass’ mich auf deinen Schoß.

 

Dein Begehren malt dir Bilder - und deine Augen verraten sie mir: „Komm, spreiz’ deine Schenkel und knie dich über mich!" Deine Hände umfassen meine Taille und ziehen mich näher. Dein Mund an meinem Hals, meine Brüste an... Finger, die sich sanft unter meinen Rock schieben. Sie berühren nackte Haut und gleiten höher, umfassen meine Backen und kneten sanft. Wie gerne würde ich jetzt - alle deine Wünsche erfüllen. Aber ich kann mich nur zu dir denken. Träumen!

 

Und dann spüre ich sie beinahe, deine Erregung - und drücke meine Scham auf dich. Du seufzt! Wunderbar! - Du stöhnst - willst mich - bist geil nach mir. Und mir wird heiß und kalt. Deine Augen lachen mich an. Sie wissen um meine Sehnsucht.

 

Amüsierst du dich über mich? Aber nein! Du begehrst „es" genauso sehr wie ich! Warum bist du nicht nah bei mir? Warum kannst du mich nicht lieben - jetzt? Ich hätte es doch so gerne! Und du doch auch. Nein, ich weiß ja, hier geht das nicht. - Einige Leute würden sich wundern - wirklich sehr wundern! Aber du hörst nicht auf, mich verrückt zu machen.

 

Jetzt streichelst du deine Lippen - ganz zärtlich - nur mit den Fingerspitzen und - weil es gerade niemand sehen kann - schiebst du deine Finger tief in den Mund. Aber nein! Nicht dass du sie „normal" ablecken würdest. Du öffnest deinen Mund - und ich kann feuchtes Rosa sehen. Deine süße Zunge, die mir so viel Vergnügen bereiten kann, sie spielt mit den Fingern - sie spielt mit mir. Mit meinen Wünschen und Sehnsüchten.

 

Du spreizt die Finger und schiebst deine Zungenspitze dazwischen - lässt sie zittern, leckst blitzschnell deine Lippen. Aber in Wahrheit sind es meine! Deine Zunge teilt sie und reizt sie - mich - meinen Kitzler. Ich kann es doch fühlen. Du machst mich so feucht damit, dass ich dich vernaschen würde - sofort - wenn ich könnte! Kann ich aber nicht. Also hör auf damit. Verdammt hör auf!

 

Aber nein, das will ich ja gar nicht. Ich will, dass du mich anmachst, ich will mitspielen! Also mach weiter und stell' dir vor, wie es wäre - mit mir. Dann wirst du genauso lüstern wie ich. Ich senke den Kopf und lächle in mich hinein. Dann schlage ich die Augen auf - zu dir - und du weißt, was ich jetzt denke. Was ich jetzt will! Auf einmal hast du wieder meinen Geschmack auf der Zunge - und in deiner Hose zuckt es verräterisch.

 

Siehst du, das Spiel funktioniert auch andersherum. Denn wenn jetzt meine Zunge sanft zwischen den Lippen spielt, dann spürst du sie auch - an ganz anderer Stelle. Und der Finger, an dem ich sehnsuchtsvoll sauge, ist auch ganz etwas Anderes - in deinem Kopf. Das ist dann meine Revanche - und es ist ja auch beinahe Liebe. Zumindest eine Liebeserklärung. Geheime Zeichen zwischen dir und mir. - Gesten der Lust

 



© Beatrice von Stein                                                                     Ihre Meinung?