Gefahr

 

Sie lag einfach da und seine Hände berührten ihren bloßen

Rücken.

Sie strichen weiter hinaus,

weiter hinunter,

weiter herum um diesen betörenden Körper,

als nötig.

Weiter, als üblich -

für eine Massage.

Er konnte ihnen nicht Einhalt gebieten.

Er spürte ihre Reaktionen -

spürte,

wie sie versuchte,

sie zu unterdrücken.

Er spürte seine Reaktionen -

versuchte sie zu unterdrücken.

Es gelang ihm so wenig, wie ihr!

Als er sagte:

„Hier sitzt der Schmerz!

Ein intensiver Schmerz - ganz in der Tiefe!“

biss sie in ihren Handrücken.

„Wenn ich meine Hand hierher lege,

kann ich die Hitze spüren!“ -

 

Natürlich konnte er die Hitze spüren!

Es schlugen Flammen aus ihrem Unterleib.

Irgendwie mussten sie aufhören -

musste sie ihn stoppen.

Und doch -

es war so schön -

so erregend -

so zärtlich -

so verführerisch.

Sie wollte es so sehr!

Sie wollte noch viel mehr von ihm -

von diesen Händen,

die ihr so unglaublich gut taten.

Nur ein klein bisschen noch tiefer

und sie würden sie in den Wahnsinn treiben.

Er würde Macht haben -

über sie!

Über ihre entfesselten Sinne,

ihren hungrigen Leib!

Sie durfte es nicht zulassen -

sie wollte es nicht zulassen!

Und doch -

die Versuchung quälte sie! -

So wie sie ihn quälte -

sie konnte die Sehnsucht fühlen -

in seinen Händen!

Es knisterte!

Wenn sie nicht ging,

würde der Blitz einschlagen -

und sie wären verloren!

Alle Beide!

 

 

Er trat hinter sie.

Sie hatten nur noch fünf Minuten.

„Bitte, drehen Sie sich um!“

Das tat sie nie!

Sie sah ihn an.

„Bitte!“

Seine dunkle Stimme, wurde noch eine Nuance dunkler -

bittend.

Sie drehte sich um,

lag vor ihm -

halb nackt.

Aber sie bedeckte sich nicht.

Verzweifelt versuchte sie langsam und gleichmäßig zu atmen.

Sie legte den Kopf in den Nacken

und sah zu ihm auf.

Er saß hinter ihr und ihre Augen trafen sich.

Seine Hände lagen unter ihrem Kopf,

hielten ihn -

zärtlich.

„Schließ’ die Augen!“ -

 

Sie musste hier raus!

So schnell wie möglich. -

Aber zuerst schloss sie die Augen.

Eine Gänsehaut überzog ihren Körper.

Sie hatte nie gewusst,

wie erotisch es sein konnte,

nur Fingerspitzen in ihrem Haar zu fühlen.

„Geh’! Geh’ nach Hause!“

Alles in ihr schrie.

Wenn sie nicht auf der Stelle die Kontrolle wieder fand,

würde sie...

 

 

Er saß da und nur seine Finger berührten sie.

Er hielt ihren Kopf zwischen seinen Händen -

und ihre Augen suchten seinen Blick.

Wenn sie doch wenigstens lächelte. -

Er vermochte es nicht mehr.

Die Leidenschaft,

die in ihm war,

füllte ihn aus bis zum Rand.

Er würde gleich überlaufen!

Es war kein Platz mehr für ein Lächeln -

nicht einmal für ein kleines!

Die Spannung ließ ihn zittern.

Aus seiner Haut würden gleich Funken schlagen!

Er hielt nur ihren Kopf -

zwischen seinen Handflächen.

Ganz vorsichtig öffnete er seine Hände noch weiter -

fühlte ihr weiches Haar in seiner Hand,

ihre Ohrmuschel.

Seine Blicke streichelten sie.

Er musste einfach hinsehen.

Sie lag hier -

vor ihm -

mit nacktem Oberkörper!

„Tief durchatmen!“

befahl er sich.

Die Sehsucht quälte ihn.

Er wollte sich über sie sinken lassen,

auf sie -

ihre Wärme spüren,

ihren Duft,

ihre Haut,

die ihn einfach verrückt machte.

Wollte sie in seine Arme nehmen,

sie umschlingen und an sich ziehen -

halten,

fest an sich pressen -

solange bis sie eins wurden.

Sie würden verschmelzen -

ineinander brennen,

glühend und um Atem ringend -

verbrennen aneinander. -

Sie sollte gehen!

Bitte!

Er hatte nicht die Kraft dazu.

Die Spitzen ihrer Brüste richteten sich auf.

Sie wollte ihn!

So wie er sie! -

Er schluckte!

 

 

Was war es nur?

Was war zwischen ihnen?

Sie kannten sich nicht!

Sie liebten sich nicht!

Und doch -

er wollte es -

so sehr!

Er wollte sie lieben!

Er wollte ihren Leib besitzen -

ihre Leidenschaft entfachen -

beweisen,

dass sie ihm gehörte! -

Sie gehörte ihm nicht!

Sie durfte ihm nicht gehören! -

Aber er wollte noch mehr!

Er wollte in ihre Seele eindringen -

wollte sie ganz und gar zueigen!

„Nein!

Halt! -

Oh Gott, bitte nicht!“ -

Sie war die Heimsuchung! -

Sie war alles, wovon er immer geträumt hatte! -

Sie war so verboten!

„Und führe uns nicht in Versuchung!“

Er wollte nachgeben -

dieser Versuchung erliegen.

„Sondern erlöse uns ...!“ -

Bitte! -

„Oh bitte, jaaah!“

Langsam nahm er seine Hände von ihr

und legte sie in seinen Schoß.

Er senkte den Kopf und flüsterte:

„Wir sind fertig!“

Oh ja, er war fertig -

fix und fertig!

„Sie können aufstehen!“

Sie stand auf und er nahm ihre Hand -

schweigend.

Dann drehte er sich um

und verließ den Raum.

 

Von einer plötzlichen Schwäche übermannt,

sank sie zurück auf die Liege.

Doch dann stand sie auf,

zog sich an

und ging. -

Sie hatte geglaubt,

sie sei immun! -

Nun, sie war es nicht! –

 

 

Sie würde nicht wiederkommen!

 

 

©Beatrice von Stein

 

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