Das Mädchen in rot

 

Da stand sie - auf der Bühne und nahm ihr Abiturzeugnis entgegen. Mein Gott, war sie schön. So schön! Ihr blondes Haar leuchtete im Licht des Scheinwerfers und floss über schmale Schultern bis fast zu ihrer Taille. Das hochrote Kleid erregte ihn. Es war wie ein Aufruf! „Komm und tu es!“ - Knallrot und leuchtend. Eng anliegend. Es umspannte ihren ach so vollkommenen Körper - und darüber, wie ein Gespinst aus Flitter, ein zweites Spitzenkleid - grobmaschig und doch so perfekt - umschmeichelte es ihr Formen. Verlockend - transparent - sexy.

 

Flo konnte die zarte Vertiefung ihres Nabels sehen. Der dünne Stoff schmiegte sich so dicht an - beinahe wirkte es, als sei sie nackt. Brüste, perfekt geformt und so deutlich dargeboten, dass Lust in ihm aufstieg, wie in einer Quelle, die zum Licht drängte. Seine Blicke erforschten sie. So viel Schönheit! So viel Sinnlichkeit! - Ob sie wusste, wie sie aussah? Ob sie wusste, wie sie wirkte? - Wie sie auf ihn wirkte? - Zwischen  schlanken Schenkeln, ein süßes Tal - nein, ein Hügelchen! - Berg und Tal. Achterbahn der Liebe - ein Auf und Ab seiner Begierde. Er war verrückt nach ihr. Er wusste es! Er wollte sie haben - oh ja, das wollte er!  Jetzt!

 

War er denn völlig durchgedreht? Anna saß neben ihm - seit über einem Jahr. Sie war sein Kumpel - und er hatte sie nie als mehr angesehen. Und jetzt wäre er am Liebsten über sie hergefallen! Seit Monaten lernten sie zusammen, verbrachten halbe Tag und Nächte in seinem oder ihrem Zimmer - auf ihrem oder seinem Bett. Anna und Florian - gemeinsam. Und nie - wirklich nie, hatte er gedacht, dass sie mehr sein könnte. Mehr als seine „kleine Schwester“, sein Freund, ein Kumpel zum Pferde stehlen. Ja, das alles war sie gewesen. Sie hatten sogar schon zusammen gesoffen - bis zum Abwinken. Er hatte keinen Gedanken an sie verschwendet. Er sah den Anderen nach. Den heißen Girls - in bauchfreien Shirts und Minis. Nicht Anna - in Jeans und Pulli und Turnschuhen. Und nun stand sie da in Rot - so verführerisch - und er flippte aus!

 

Keinen Gedanken hatte er mehr übrig für seine Abiturfeier. Er hatte nur noch sie in seinem Kopf - und in seinem Unterleib. - So ging das aber nicht. Er wusste es ja. Und dennoch! Sein Körper machte ihm zu schaffen. Die Hose seines neuen Anzugs spannte auf einmal. Sie hatte gepasst. Florian war sicher. Jetzt allerdings passte seine ausgewachsene Männlichkeit nicht mehr hinein.

 

Seine Freunde unterhielten sich mit ihm - er verstand kein Wort. Seine Familie forderte seine Aufmerksamkeit - und auch hier versagte er. Er hatte keine Konzentration übrig. Er musste darüber nachdenken, wie er sie bekam. Denn haben musste er sie, da führte kein Weg dran vorbei. Nur wie? Was war denn plötzlich passiert? Was genau war denn jetzt plötzlich anders? Er hatte nicht die leiseste Ahnung.

 

Aber irgendwie überstand er diese „Feier“, die auf einmal jede Wichtigkeit für ihn verloren hatte. Jetzt musste er kurz nach Hause und sich umziehen - und dann ab in die Disco. Dort würden sie alle feiern - Alle zusammen! Also auch Anna. Was sollte er anziehen? Er war völlig absorbiert von seinen Gedanken und beugte sich in seinen alten Käfer, um sein Zeugnis und die Bücher zu verstauen. Es war schon beinahe ganz dunkel.

 

Rums! - Sein Kopf schlug donnernd gegen das Wagendach. Er sah Sternchen. War er jetzt verrückt geworden? Hatte er Halluzinationen? Nein! Er spürte es deutlich. Eine Hand, die von hinten zwischen seine Beine griff. Ein fester Schlag auf sein Hinterteil hatte dieses wilde Gefühl eingeleitet und nun spielte „sie“ mit ihm und er war nahe dran zu explodieren. Er war den ganzen Abend „nahe dran“ gewesen - aber jetzt?! Mühevoll versuchte er sich aus dieser Situation zu befreien, zog den Kopf ein und kroch aus der VW - Höhle. Als er sich umdrehte, passierte es. Ein bisschen mehr Licht und er wäre blamiert gewesen bis auf die Knochen! - Da stand Anna und lächelte verlockend. –

 

Doch dann schlug sie erschocken die Hände vor den Mund. „Oh Gott! Flo! - Verzeih’ mir! - Ich hab’ dich mit meinem Bruder verwechselt!“, stotterte sie und dann war sie verschwunden. Er war erleichtert - entsetzt - verwirrt und erregt und das alles gleichzeitig. Wie angewurzelt stand er in seiner Autotüre und wusste nicht, wie ihm geschah.

 

War das möglich? - Zuerst musste er hier verschwinden - um seine „Schande“ zu verbergen. Wenn ihn einer seiner Freunde so sah? Er würde sofort wissen... Trotzdem! Sein Hirn drehte hohl. Gab es das? Hatte sie ihn verwechselt?

 

Er war 1.85 cm groß und hatte eine blonde Mähne. Sein Körper war drahtig, aber dünn und schlaksig. Ihr Bruder war sein Freund und er war fast einen Kopf kleiner als er und - Raffael war dunkelhaarig. Außerdem sah er aus wie das, was er auch war: ein Bodybuilder! Man konnte sie einfach nicht verwechseln! Oder vielleicht doch?

 

Abgesehen davon! Würde sie ihrem Bruder...... Na ja! Der Schlag auf den Hintern wäre ja noch als schwesterlich durchgegangen. Aber dann! Dieser aufregende Griff zwischen seine Schenkel! - Ihm wurde schon wieder heiß, wenn er daran dachte. Seine Hose straffte sich über seinem steifen Schwanz. Schon wieder! Bloß weg hier! - Aber sie hatte danach gesucht. Ihre Hand hatte sich dazwischen gedrängt. Sie hatte seine Hoden berührt. Nein, nicht nur das! Sie hatte sie zärtlich erfasst und mit ihnen gespielt - geschaukelt! Und als er sich umdrehte und erkannte, wer da..... da war es ihm gekommen!

 

Solche Dinge tat man doch nicht mit seinem Bruder! Niemals! Nicht mit Raffael! Dann blieb nur noch eine Schlussfolgerung! Sie hatte ihn gemeint. Sie hatte ihn gesucht und als sie ihn gefunden hatte, da hatte sie die Gelegenheit ergriffen - und ihn! Ihm wurde schon wieder schwindelig vor Augen. Flo fiel in sein Auto und schnappte nach Luft. Er schloss die Türe und verriegelte sie. Wow! Anna! So schön! So erregend! So aufregend!

 

Weg hier! Vor seinen Augen drehten sich Flammenräder. Er brauchte eine kalte Dusche - dringend! Sein Atem ging laut, keuchend und als er das kalte Wasser spürte, dass seinen nackten Körper entlanglief, fragte er sich, wie er nach Hause gekommen war. Er hatte keinerlei Erinnerung. Oh, oh! Er blieb stehen - hielt es aus. Eiseskälte. Sie brachte ihn wieder zurück - zurück ins reale Leben. Umziehen - etwas essen - Raffael abholen und dann ab in die Disco! Oh Gott! Raffael! - Was, wenn Anna auch dort war, vielleicht sogar auf ihn wartete? Wenn er sie mitnehmen sollte? Was ja schließlich völlig normal gewesen wäre. Er konnte nicht.... Er würde.... Er.... - Das kalte Wasser floss über seinen Kopf - so lange bis er nach Luft schnappte. Er musste einfach wieder klar werden.

 

Aber sie war nicht da. Raffael war alleine und völlig ahnungslos. Wo war seine Schwester? Woher sollte er das wissen? Es war ihm ja eigentlich völlig egal. - Als sie die Disco betraten, waren sie schon eine der Letzten. Florian ließ seine Blicke schweifen. Wo war...?

 

Da war sie! WOW! - Nein! Sie hatte sich nicht umgezogen. Alle anderen waren hier in Jeans und T-Shirt erschienen. Sie stand auf der Tanzfläche und bewegte sich träumerisch - in diesem verdammt aufreizenden, roten Kleid, das einfach jede Einzelheit ihres bezaubernden Körpers betonte. Als sei es gemacht, ausschließlich zu dem Zweck sie anzubieten! Sie anzupreisen! Als ob sie das nötig gehabt hätte? - Sie war auch so schön genug! - Wunderschön!

 

Nein! War sie nicht. Es war ihm nie aufgefallen, wie schön sie doch war. Erst jetzt! Heute, in diesem roten Glitzerfummel sah er sie - erkannte er sie, wie er sie nie gekannt hatte - begehrte er sie! Neben ihr tanzte Raffael! Sie waren schon ein besonderes Paar - die beiden. Raffael trug zwar Jeans und ein rotes T-Shirt, aber darüber eine Smokingjacke. Er hatte eine Vorliebe für ausgefallene Klamotten - und er sah verdammt gut aus damit.

 

Flo hielt es nicht mehr aus. Er ging zur Tanzfläche. Das war eigentlich nicht sein Ding. Tanzen! Trotzdem! Er „tanzte“ sich zu ihr durch. Es dauerte eine Weile, bis sie ihn wahrnahm - in all den Blitzelichtern und den dröhnenden Rhythmen der Musik. Als sie ihn erkannte, lächelte sie ihn an - und ihm wurden die Knie weich.

 

Die nächste Runde war Schmuserock - und sie kam auf ihn zu. Flo stand wie angewachsen. Immer noch lächelnd, legte sie die Arme um seinen Hals und schmiegte sich an ihn. Erst als er ihren weichen Körper spürte, erwachte er zum Leben und zog sie noch enger an sich. Zärtlich verfielen sie in einen langsamen Takt. Wiegten sich mehr, als sie tanzten. Nur ihre Arme verhinderten, dass er zusammenbrach. Sie hielt ihn aufrecht.

 

Wie oft hatten sie schon getanzt - wild und heiß - Beat und Rock - und auch schon Blues? Aber so hatte er es nie empfunden. Ihr charakteristischer Duft stieg ihm in die Nase. Wie gut dieses Mädchen roch! - Wie verführerisch. Warum war es ihm nie aufgefallen?

 

„Kannst du mich heimbringen?“, flüsterte sie an seinem Ohr. Hatte er sich jetzt verhört? Wollte sie...? Er nickte und löste sich behutsam von ihr, nahm nur schnell ihre Hand und zog sie mit sich. Folgsam glitt sie an seiner Seite dahin. Erst draußen auf dem Parkplatz wagte er es, sie anzusehen. Sie lächelte - so geheimnisvoll. „Ich hab’ vergessen mich umzuziehen! Und mein Abendkleid ist hier doch wohl fehl am Platz.“, erklärte sie ihren Wunsch. Schweigend fuhren sie durch die Nacht. War er jemals so nervös gewesen - so atemlos? Nicht mal während des Abiturs hatte er innerlich so gezittert.

 

Tausendmal und mehr, war er schon in diesem Haus gewesen. Mit Raffael und mit ihr: Anna! Und nun? Auf einmal war alles anders. Das Anwesen lag im Dunkel. „Wo sind deine Eltern?“ Flo wusste nicht, ob er wollte, dass sie zuhause waren - oder nicht. „Ach die! Sie sind im Kino!“, lachte Anna. „Komm schon!“, und damit griff sie nach seiner Hand und lief ins Haus. Er konnte gar nicht anders, als ihr zu folgen.

 

Vor ihrem Zimmer ließ sie ihn los und ging hinein - ließ aber wohlweislich die Türe einen winzigen Spalt offen. Für ihn? - Natürlich schaute er! - Natürlich nur zufällig. Anna streifte ihre hohen Schuhe von den Füßen. Er konnte sogar den roten Lack ihrer Zehennägel durch das zarte Gespinst der Stümpfe schimmern sehen. Nie - wirklich nie, hatte er auf solche Kleinigkeiten geachtet. Und nun machte es ihn so verrückt, dass er am liebsten niedergekniet wäre vor ihr - um mehr zu sehen - von diesen süßen Füßen. Sie zu streicheln - zu küssen...!

 

Anna tanzte durch das Zimmer, drehte sich und wirbelte, wie ein kleiner Derwisch - und dann stand sie in der Türe - lachte ihn an. Sie wandte ihm den Rücken zu und sah ihn über die Schulter an. „Hilf mir mal!“ Ihre Augen blitzten. Hilflos sah er sie an. „Nun mach’ schon!“ Anna sprühte Lebenslust, wie eine Wunderkerze.

 

Flos Hände zitterten, als er nach ihrem Reißverschluss griff. Sie bat ihn ihr beim Entkleiden behilflich zu sein. Wusste sie, was sie da tat? - Oder war ihr das so selbstverständlich, wie wenn ihr der Zwillings-Bruder half? - Es war ja immer so gewesen - bisher. Aber jetzt...?

 

Ganz langsam zog er an dem kleinen, silbernen Glöckchen, das den Reißverschluss verzierte. Der zarte Seidenstoff klaffte auf und er sah ihre wunderbar schimmernde Haut. Anna trug ausschließlich bloße Haut unter diesem aufreizenden Kleid - und er wusste nicht mehr, wohin mit seinem Verlangen. Seine Fingerspitzen glitten sanft hinein, streiften ihren Rücken entlang. „Glöckchen!“, murmelte er. „Kleine Fee!“

 

Anna drehte sich in seine Arme, schmiegte sich an ihn und dann  berührten sich ihre Lippen. Anna küsste ihn! Anna küsste... Oder war er es, der sie...? Egal, egal! Sie verschmolzen miteinander - an dieser einen aufreizenden Stelle. Wie verlockend ihr Mund war! Wie verführerisch - wie frisch - wie aufregend! - Seine Hände glitten weiter - hinein, berührten warme Haut und genossen ihre zauberhafte Weichheit. Behutsam streifte er ihr das Kleid von den Schultern und sie ließ es einfach fallen. Langsam trat sie rückwärts in die Mitte des Raumes. Bot sich seinen Blicken.

 

Sie war so schön! Ein winziger String und halterlose Strümpfe! Ihr langes Haar fiel auf den süßen, bloßen Busen, teilte sich über den festen Spitzen und streichelte ihre goldene Haut. Dieses Bild würde er nie mehr vergessen - so lange er lebte.

 

Anna setzte sich behutsam auf die Lehne ihres Sessels und hob ein Bein. Langsam streifte sie den Strumpf über ihren Schenkel hinab. Ihre Blicke hielten seine fest. Sie tat es für ihn - für ihn allein. Sein Atem wurde knapp. Mein Gott, war dieses Mädchen schön! Der zweite Strumpf fiel. Sie war beinahe nackt!

 

Lächelnd warf sie ihm eine weiße Jeans zu, die neben ihr gelegen hatte und dann trat sie auf ihn zu. Flo strahlte sie an und kniete nieder. Er hielt ihr die Hose und sie stieg hinein. Zärtlich streifte er sie ihre nackten Beine hinauf, streichelte wie nebenbei über ihre prallen Hinterbacken. Ihre Blicke versanken ineinander und Anna beugte sich zu ihm und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen.

 

Sie waren sich einig. Wie lange hatte er gebraucht zu erkennen, dass er sie liebte! Offensichtlich hatte sie es eher gewusst. Flo half ihr nur zu gerne den dünnen Pulli überzustreifen. Er spürte ihren bebenden Körper zwischen seinen Händen. Wie wunderbar sie sich anfühlte! Sanft zog er sie näher, versank beinahe in ihren blitzenden Augen. Wie wunderbar sie küsste! So zärtlich - und doch so lustvoll.

 

„Was machen wir jetzt?“, murmelte er in ihren Mund. Sie schob ihn zur Seite, schlüpfte in ihre goldenen Ballerinas und warf ihre blonde Mähne zurück. „Jetzt - gehen wir tanzen!“, lachte sie und griff nach seiner Hand. Flo nickte. „Und danach...?“, flüsterte er.

 

„Danach machen wir die Reifeprüfung - gemeinsam!“, schmunzelte sie und dann gingen sie zurück in die Disco. Und Flo wusste, dass er diese Prüfung genießen würde.

 

©BvS                                                                                             Ihre Meinung?