Pythagoras

A² + B² = C²


Oh wer kennt sie nicht diese Formel?

Oder:


♂-Frust² + ♀-Frust² = Neues Glück

 

***


 

In zehn Minuten Zuhause –

endlich!

Er hat soeben die Autobahn verlassen.

‚Heiner langsam! - Starenkästen!

Uuhh, alter Schwede, du bist auf der Bundesstraße!’

Sechs Stunden auf der Autobahn, an die 700 Kilometer –

und dass am Freitagabend.

Vor viereinhalben Stunde hat er angerufen.

„Schatz, ich habe Lust auf ein Steak!“

„Ich habe heute Mittag gegessen!“

Plong - Glinglang.

„Oder ein Stifado bei Antonios, oder Lamm beim Remzi?“,

versucht Heiner zu locken.

„Ich habe keinen Hunger!“

Hugh die Häuptlingin von Tipi 24 hat gesprochen!

Schnauf.

„Und was esse ich, was hast du im Haus?“

„Kannst dir ein Ei machen.“

„Rufe an, wenn ich von der Autobahn runter bin, ja?“

 „Wenn du willst!“

 

Wahlwiederholung…

„Bin in zehn Minuten da.

Immer noch kein Hunger?“ –

„Nein, ich habe mir eben ein Quarkbrot gemacht!“

„Du hättest noch ein bisschen warten können und dann…“

„Bei dir weiß man nie, wann du kommst!“

Heiners Euphorie beginnt in die Hose zu rutschen.

Au Backe, wenn sie diese Masche dreht, dass kann dauern!

Das WE ist gelaufen.

 

Sie sitzt vor der Glotze,

irgend so eine Mitte-Vorabend Soap

mit Männervertrottelung und Lachkonserven.

„Hey Schatz!“

Keine Reaktion

„Hey Schatz“ mit lauter Stimme.

„Schrei doch nicht so rum! - Man hört sonst nichts mehr!“

Er beugt sich über sie, will sie küssen.

Sie schiebt ihn weg:

„Bist im Bild!“

 

Das überschreitet den Punkt des Erträglichen.

 

Heiner geht –

geht zu Remzi dem Türken in die Dönerbude.

Geht traurig, voller Frust,

Frust in Quadrat.

Eine Woche war er am anderen Ende der Republik,

Zwölfstunden-Tag und nun… dieser Empfang.

Ihm ist zum Heulen.

Was hat er getan

- oder nicht getan –

oder hätte er tun sollen täten?

Er weiß es nicht!

Und wenn er fragt?

„Das weißt du nicht?

Denk mal nach!“

Ihm wird schlecht, schwarz vor den Augen.

Er lehnt sich an den Rahmen der Haustür, muss sich beherrschen,

um nicht die Tür zu knallen.

 

„Wie immer?“

Der schnauzbärtige Remzi, eine Frohnatur, begrüßt ihn.

„Zwei mal!

Einmal scharf und einmal normal, beide nur mit Caciki?“

„Nein, nur einmal…  nein, zweimal!

Beide scharf - mit doppelt Caciki, bitte!“

 

Claire!

Hinter ihm steht Claire!

Unverkennbar ihr Accent!

Unverkennbar das Flirren in der Stimme,

wenn eine Französin deutsch spricht.

Heiner kennt sie.

Vom Samstagsmarkt und in der Stadt,

vom Supermarkt - beim Einkaufen.

Sie wohnt im gleichen Quartier.

Sie kommt aus Ambert… genau Fourme d’Ambert,

wie der Blaukäse, wie Roquefort, Gorgonzola.

 

Oh nein!

Nicht mit Claire.

Heiner erinnert sich noch genau an den Monolog von Claire,

als sie am Käsestand dem Chef den Unterschied

zwischen einem Fourme d’Ambert und dem Rest der Blaukäsesorten erklärte.

Und er hat ihr im Frühling erklärt,

wie man ‚Heringstipp nach Hausfrauenart’ macht.

„Oh, in Deutschland gibt es sehr komische H…ausfrauen,

wenn ich Dich betrachte!“,

und vor lauter Schalk kugelten fast die Augen aus dem Kopf.

Vor drei Woche war ‚Reibekuchen’ mit Rübenkraut an der Reihe.

 

„Guten Abend, Claire!“

Heiner dreht sich um und guckt in ein Sturmgesicht.

„Oh bist du das?! Salü  H…einer!“

Das gehauchte H ließ einen Teil seines Frustes schmelzen…

die Feuer und Blitze schleudernden Augen,

die zuckende Nase - die walkenden Brauen,

als ob Cumuluswolken in den Himmel schießen -

aber erneut erstarren.

„Was guckst Du so komisch?

Ich bin wütend – furieux!“,

und sie wird rot im Gesicht.

„Und du?

Machst ein Gesicht als gehst du zu deiner Enterrement… zu Begräbnis!“ –

„Gehe ich auch!“

„Du kommst auch von einer Reise zurück?“

Claire steht noch in voller Businessmontur vor Heiner.

„Wie du! –

Auch eben nach Hause gekommen!“

 

Remzi ist fertig mit den beiden Rollen und steckt sie in eine Tüte.

Grinst.

„Noch zwei Ayran!“, bestellt Heiner.

„Elf Euro!“

Er reicht die Sachen über die Theke.

Heiner drückt Claire die Tüte in die Hand, bezahlt und geht auf die Straße –

über die Straße in den kleinen Park, setzt sich auf eine Bank.

- Claire folgt folgsam.

„Ist das eine Einladung zu einem Döner?“

„Mit Ayran“

„Oh, wütende Menschen brauchen keine Worte!

Sie brauchen Taten!“

Quittiert sie Heiners Chauvi-Gebaren.

„Habe eigentlich keinen Bock auf Weiber

und ihr Bauchgefussel - und Fusselgefühle!“

Er greift nach der Tüte - verteilt.

„Claire, lass uns den Döner verputzen

und uns gegenseitig für glücklich halten.

Wenn du mich nicht zu sehr aufregst,

werde ich dir anschließend die Hand küssen

und in die Nacht entfliehen!“

 

Sie setzt sich ein Menschbreit neben Heiner.

Nimmt sich die Rolle und beginnt sie zu ent-folien.

Beide beißen hinein und knurren aus tiefster Kehle,

sehen einander staunend an.

Kauend brabbelt Heiner:

„Da hat jemand eine Kehle durchgebissen!“

Claire, mit glitzernden Augen:

„Ich hatte IHM - im Geist - in den Schwanz gebissen –

und die Menschheit von einem Riesenarschloch befreit.“

 

Claire springt auf.

Stellt sich vor Heiner, den Döner schwingend, als wäre es ein Schwert.

H..einer, ich habe ihn angerufen von H..amburg,

gefragt: ‚Gehen wir essen?’  - Keine Reaktion!“

Sie stampft mit dem Fuß auf den Boden.

„Komme nach H..ause –

und - er sitzt in meinem Fauteuil – Beine hoch…

innn meinemm Fauteuil!

Die Wohnung stinkt nach Pizza,

Karton rechts auf dem Teppich - mit Resten - fettigen Resten!

Zwei Bier – leer.

Das dritte am Saufen - das vierte in Reserve!“

Sie greift mit der freien Hand in ihr Haar,

rauft sich ihre schwarze Lockenpracht.

„Und die Küche! H..einer, meine Küche!

Ich war vier Tage in H..amburg!

Sieben Teller, neun Gläser, alle Pfannen - gesamtes Besteck,

meine, ja meine guten Küchenmesser!

Ein Wirrwarr!

Dieser Dummkopf!

Dieses Arschloch!

H..at nur gegrinst und die Glotze lauter gestellt!“

 

Heiner fühlte sich schon fast glücklich, ja, entspannt.

Eine Leidensgenossin ist nur halbes Leid.

„Gut, dass du Claire… und nicht Rumpelstilzchen heißt!“ –

Sie stutzt, mitten in der Bewegung.

„Rumpel… was?“

Kommt ganz nahe an ihn.

„Was ist Rumpel…blabla?“,

fuchtelt dabei mit dem Döner,

so dass Fleisch-, Salat- und Zwiebelstückchen durch die Natur fliegen.

„Es ist ein Märchen - un conte.

Komm, ich erzähl es dir!“

Abrupt bleibt sie stehen.

„Was… ein Märchen…?

Du willst mir ein Märchen erzählen?

Ihr Männer erzählt uns Weibern doch nur Märchen!

Und wir Kühe glauben es auch noch!

Weil wir lieber Widerkäuen, als in die Welt gucken!“

Sie geht vor Heiner in die Hocke,

ihr Gesicht nur eine Elle lang von seinem.

 

„ER ist eifersüchtig, quelle con!“

Sie beißt in den Döner,

macht ein Zeichen, dass sie erst kauen - schlucken will.

„Als er mir zum dritten Mal diese Szene machte,

h..abe ich ihm gesagt:

„Jedes Mal, wenn du in Zukunft diesen Unsinn machst

und dich nicht entschuldigst,

ist das ein Bonus - halber Bonus, für einmal Fremdgehen!

Für einmal Ficken in anders Bett! –

Als Kompensation für deine Beleidigung!“

Sie deutet auf Heiner.

„Siehst aus wie ein Fisch an der Luft!

Füll Dein Mund mit Döner!“,

und hält ihm ihren Döner vor den Mund.

Heiner beißt zu, ein gutes Stück ab.

Sie nimmt seine Hand mit dem Döner und beißt von seinem ein Stück ab.

Schalk in den Augen eine ‚vraie gamine’.

H..abe ich mit meinem Freund als Student immer gemacht,

ist sooo erotisch zu füttern - den Kater!“ –

„Das Kätzchen lässt sich auch gerne füttern!“ –

„Oh ja, und kann auch schnurren

und spinnen wie die Müllertochter in deinem Rumpelstilzchen!“ –

„Kenne viele Märchen… die meisten haben mir Männer erzählt.

Die waren meistens schwülstig –

nicht romantisch!“

 

Sie setzt sich wieder auf die Bank,

legt, wie Heiner,

ein Bein auf die Bank –

ihm zugedreht.

Gibt Einblick auf zwei herrlich geformte Oberschenkel.

 

„Nun zu dir H…einer, nur ein Döner? –

Gesicht, wie wenn du etwas Liebes begräbst!

Hast du etwas begraben?“

Heiner nickt, erzählt.

Claire beginnt zu lächeln, entspannt sich, wie Heiner eben.

Er beendet seine Erzählung:

„Mir graust es, nach Hause zu gehen, Claire!

Am liebsten möchte ich mich ins Auto setzen und irgendwo hin fahren.

An den Rhein, an die Mosel oder Maas.

Wenn ich aber sehe wie andere Pärchen glücklich und verliebt durch die Gassen flanieren,

Claire, dann könnte ich von der nächsten Brücke springen!“ –

„Das ist Verschwendung, H..einer!“,

und sie wischt ihm mit einer scheuen Bewegung

ein Zwiebelstücken aus dem Mundwinkel.

 

„Wenn ich jetzt nach Hause gehe

und werfe ich ihm das ganze schmutzige Geschirr an den Kopf…

und was ist…?

Ich habe die Contenance verloren und soll Schuld haben!

Bin wieder einmal mehr das verrückte H..uhn!

Die den Stress im Beruf nicht kann verarbeiten… blablabla.

Nein… diesmal nicht!“ 

 

„Claire!

Kennst du das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten?“

„Oh… schon wieder Märchen? - Ja!“

Sie denkt kurz nach:

„Oh! Du bist der Esel - und ich das H..und!

Wenn Du lieb bist zu mir… kann ich samtweich eine Katze werden

und Du wirst dann automatisch ein H..ahn…

um der Katze zu imponieren.

Oh wir sind das perfekte Paar!“

Ihre Augen blitzen vor Freude und Schalk.

Sie trinkt ein Schluck Ayran.

Heiner wischt ihr den weißen Schnauz von der Oberlippe.

Beide grinsen gleichzeitig.

 

„Wenn eine gewisse Claire es sich vorstellen kööönnte…

mit einem gewissen Heiner…?

Der Heiner könnnnnte es sich sehr gut vorstellen.

Sie springt auf, zieht rundherum ihren Rock runter.

„Diese Claire kann sich das schon länger vorstellen –

mit dem H..einer ein Zweier zu machen!“

Sie lacht über das ganze Gesicht, fasst Heiner an den Ohren.

„Kann auch deutsche Wortspiele!“

Beide genießen den ersten tiefen - ayransauren Kuss.

Sie flüstert ihm ins Ohr:

„Seit eben h…abe ich zweimal fremdes Bett gutt!“

 

Claire kennt von einer Tagung her ein Hotel am Fluss.

Natürlich, als gewissenhafte Frau,

ist die Telefonnummer noch in ihrem Handy.

Nein, leider besetzt.

Hm Schade! Alternative?

Appartement im Mühlenturm oben!

Noch schöner! Ah - mit Lift!

Rabatt? Gut! - Gleicher Peis! 

Prima.

Hm - muss mein Mann fragen - wie lange!

Schatz… Ja, vor 22 Uhr sicher - Tschüss, bis gleich.

 

Heiner zieht Claire auf die Bank zurück und flüstert ihr seinen Einfall ins Ohr.

Claire rückt von Heiner ab, sieht in ungläubig an,

schüttelt den Kopf,

setzt zum Sprechen an,

schüttelt erneut den Kopf und sagt:

„Ja, machen wir!“ 

Sie schüttelt weiterhin den Kopf.

„Das mit uns wird schlimm enden!“

Heiner grinst, der Schalk mag das Teufelchen necken.

„Was ist für dich das Schlimmste… der Altar?“

Claire schüttelt immer nur den Kopf und lacht,

man könnte sagen „über alle vier Backen“.

 

Heiner bringt den Müll zur Tonne und kommt mit ein paar Servietten zurück.
Er schreibt auf die Serviette:

 

Hallo,

 

solltest du in den nächsten Stunden - Tagen feststellen, dass ich fehle,

rufe bitte die Nummer XYXYX an.

Er kann Dir sicher ein bisschen weiterhelfen.

 

Heiner

 

P.S.  Er hat ein ähnliches Hobby wie du, nur männlich geprägt.

Erfahrungsaustausch lohnt auf jeden Fall! Mir hat es geholfen!

 

Claire guckt zu Heiner aufs Blatt und schreibt:

 

Hallo,

 

Solltest Du noch einen Pfad durch den Müll finden und feststellen dass ich nicht da bin,

ruf bitte die Nummer ZYXZYXYX an.

Sie kann dir mit Anteilnahme sicher den Schmerz lindern.

Sie hat das gleiche Hobby wie du - nur weiblich geprägt.

Erfahrungsaustausch lohnt auf jeden Fall. Mir hat es sehr geholfen.

 

Claire.

 

******

 

Heiner steht am Fenster und sieht die erleuchtete Kirche am anderen Ufer,

hört die zu Berg fahrenden Schiffe tuckern,

die leise Musik unten in der Laube und das geräuschvolle ins Loch strullern von Claire.

 

Claire schiebt sich zwischen ihn und das Fenster,

zieht seine Hände - Arme um sich.

„Halt mich fest, lass mich nicht fallen!“

In Heiner löst sich langsam die Spannung und er weint –

vor dem Versagen –

vor dem Scherbenhaufen, den er zurück lässt…

Vor Glück auf seine neue Liebe.

Die Tränen tropfen in ihr Haar.

Er merkt wie seine Hände nass werden, wie sie die Nase hoch holt.

 

„Claire, lass uns unten ein Glas trinken

und uns ein wenig aneinander gewöhnen.

Ich habe Angst zu schnell

- zu ungestüm –

 zu voreilig zu sein.

Zu unbeherrscht!“ –

„Deine Claire hat anderthalb Stunde Zeit gehabt

sich auf diesen Moment zu freuen.

Du musst ungestüm - unbeherrscht sein!

Alles andere ist eine Beleidigung an deine Claire!“

Mit drei Griffen öffnet sie seine Hose, schiebt alles in einem runter! –

Griff in die Socken - Heiner steht frei.

Sein wippendes Horn vor ihrem Gesicht.

Er zieht Claire hoch, und sie ist genau so schnell untenherum nackt.

Er zieht sie hoch,

sie klammert und als er sie aufs Bett legt,

ist er schon halb in ihr. 

 

Ganz in ihr… nur in ihr… tief in ihr –

und er möchte nicht mehr raus.

Er fühlt sich als Horn - nur als Horn, und er möchte in ihr bleiben.

In dieser Wärme

- in dieser Feuchte…

dieser Geborgenheit.

Fühlt sich nach langer Zeit wieder gewollt…  

Willkommen… ersehnt.

Dieses Wissen öffnet bei Heiner alle verschütteten Gefühle,

deren er fähig ist.

 

Er merkt, wie Claire ihn an den Haaren zu sich zieht…

umschlingt…

wie ihr Gesicht sich verändert,

wie sie strahlt,

wie sie sich unter Schmerzen zusammenzieht… 

stöhnt und presst, entspannt lächelt…

um heftig in seinen Rhythmus zu verfallen.

Um ihn von sich zu stoßen und gleich wieder….

Er hört sich zum ersten Mal selber.

Ein tiefes aus der Brust heraus kommendes Knurren,

Brummen,

Aufheulen,

wenn er Claire an sich zieht –

sie einfach hochhebt… einen kurzen Moment –

bevor es um ihn herum dunkler wird.

Sein Gesichtskreis sich einengt –

und er nur noch die Augen von Claire fixiert.

 

Mit weit geöffneten Augen sieht Claire wie Heiner den Panzer sprengt,

die Zwangsjacke zerreißt sich häutet,

wie ein Hummer, ein Krebs.

Sie fühlt sich wieder als Frau!

Fühlt, wie es ist begehrt zu sein…

nicht nur benutzt…

nein zutiefst begehrt.

Sie möchte Heiner ganz in sich hinein stoßen –

in sich aufnehmen –

ihn beschützen –

immer in sich fühlen.

Mit ihm eins werden - im Kern fusionieren…

Ja - eins werden.

Sie wird hochgehoben und hat das Gefühle durch das All zu fliegen,

verliert den Bezug zur Welt.

Sie hört Heiner - hört ihn nicht mehr….

Sieht sich als Zuschauerin - neben ihrem Körper.

Sieht sich von Heiner bedeckt.

Sieht Heiner ebenfalls neben seinem Körper,

greift nach seinen Händen…

Sie beobachten ihre Hüllen.

 

Heiner liegt zwischen ihren Beinen,

die Schulter fest in die Weichheit ihrer Vulva gedrückt,

ihr Schambein in der Halsbeuge, sein Ohr auf ihrem Bauch.

Er hört das Rumoren,

fühlt das Abebben der Kontraktionen,

nimmt Anteil am Zurückkommen von Claire.

Seine Hemdbrust, sein Ärmel ist mit seinem Samen

und ihrer Feuchtigkeit getränkt.

Heiner liebt diese Stellung danach. –

Liebt es, ihr so nahe sein - mit ihr die Rückkehr erleben.

Den Geruch, den Duft der Vereinigung zu inhalieren…

wie eine Droge.

Claire streichelt seinen Kopf, als wäre er ein Bébé,

zeichnet mit den Fingern die Konturen seines Gesichtes,

streichelt mit den Pink über seine Lippen,

er nimmt ihn auf, saugt,

knabbert als wäre es ein Nippel.

 

Leise, lauter werdende Tanzmusik von einem Ausflugsdampfer dringt ins Zimmer.

Claire zieht Heiner zu sich hoch und beide schaukeln im Rhythmus der Musik.

„Nicht duschen H…einer, ich möchte uns riechen.

Ich rieche dich gerne.

Du riechst nach Sellerie!

Nach Koriander- nach Liebstöckel!“

Sie hält inne als ob ihr ein Einfall kommt.

„Da h..abt ihr Deutschen ein sehr schönes Wort.

‚LIEBSTÖCKEL’.

„Das Stöckel der Liebe, ja was macht Dein „Liebstöckel“?

Es ist mehr ein Stock, was ich gefühlt h..abe!“

Und ihre Hand wandert zum „Liebstöckel“,

fühlt wie das Blut hineinfließt,

lacht,

kichert vor Vergnügen.

 

„Wir h..aben ein schönes Codewort. 

Wenn mein H..einer - seine Claire fragt:

„Was möchtest du essen, h..eute Abend?“,

und sie antwortet:

„Ein großes Terrine  mit „Liebstöckel“… H..einer weiß:

Aha! Claire hat ein h..eißer Ofen, um ein großes Terrine zu backen!“ 

Sie kniet vor ihm auf dem Bett, den „Liebstöckel“ massierend,

„Wenn H..einer sagt:

„Claire, der „Liebstöckel“ h..at viele neue Blätter!“,

weiß Claire,

dass H..einer ein großes Terrine vorbereitet mit sein „Liebstöckel“

und sie kann den Ofen temperieren!“

Sie öffnet sein Hemd und streichelt seine Brust,

streift ihm das Hemd vom Körper.

 

Heiner zieht ihr die Bluse über den Kopf,

umfasst sie und öffnet ihr sinnlich–erregendes Nichts von einem BH,

entlässt die beiden Schönheiten in die Freiheit.

Er versucht Claire auf sich zu ziehen.

Sie entzieht sich ihm.

„Wolltest du nicht vorhin unter Leute gehen?“

Sie steht auf und Heiner bleibt mit offenem Mund im Bett sitzen.

Sie lächelt verliebt.

H..einer, du verstehst nicht nur das Kätzchen Claire zu füttern,

du kannst auch gut ihr Kätzchen füttern!“

 

Heiner ist einfach hin und weg.

Das Claire gut aussieht wusste er ja,

aber dass er der Glücksvogel sein soll?

Langsam dämmert ihm, dass es mehr wird.

„Sag nichts H..einer auch –

Du bist ein toller Mann, mit sinnlichem Bauch!“

Heiner erinnert sich an die Pfänderspielchen,

als die weitaus mutigeren Mädchen möglichst wenig anzogen und er,

als Junge, drei Unterhosen übereinander trug.

„Nur zwei Sachen anziehen!“

 

Er holt die Decken aus dem Auto,

Claire besorgt den Wein und die Gläser.

Beide wandern durch den besetzten Saal,

durch die Musik beschallte Laube,

die Steintreppe runter zum Leinpfad - zum Wassersaum.

Weiter am Fluss aufwärts aus dem Lichtkegel.

Sie lehnen sich in die Gabelung eines angeschwemmten Baumes

und haben sich vieles zu erzählen.

 

Später - viel später,

kommt Heiner mit der zweiten Flasche

Sie rollt sich in die Decke,

schiebt ihre Hand unter sein Hemd,

nimmt seine Hand und schiebt sie unter ihren Pullover –

monologisiert:

 

„Sollte ich wieder einmal einem Märchenerzähler erliegen,

werde ich in dieser Kirche da drüben „JA!“ sagen

und zum zweiten Mal in dem Bett da oben schlafen,

und ich h..offe es ist dann immer noch der fünfte Mann in meinem Leben.

Mein erster Mann war aus Ambert, wie ich.

Wir waren beide in St. Etienne an der Uni.

Ich bin dann nach Straßburg gegangen.

Mein zweiter Mann kam aus den Jura, aus Gex.

Er war ein Jahr früher fertig als ich, und er ging einfach weg.

Er sagte „Tschüss!“ und ging.

Ich ging zu Vichy Labaratories als Chemikerin.

In Vichy war ich ein H..enne im Korb.

Mein dritter Mann kam aus Freiburg.

Ich kannte ihn aus Straßburg, und wir wohnten vier Jahre zusammen in Vichy.

Ich bekam von Vichy das Angebot nach Deutschland zu gehen.

Ich h..atte noch nicht „Ja!“ gesagt,

als er ohne großes Kommentar aus der gemeinsamen Wohnung auszog –

und drei Monate später eine Kollegin h..eiratete.

 

Dann lernte ich meinen Noch-Mann kennen.

H..öre gut!

Noch Mann.

Als du in mein klein Finger gebissen h..ast

nach dem Flug ins All – h..abe beschlossen, zu gehen.

Ich h..abe beschlossen,

bei dir zu bleiben.

In der Zeit, als du mir erzählt hast,

wie man H..eringstipp macht…

wie du Zwiebel schneidest…

die Sauce rührst…

Speckwürfel auslässt

und Kartoffel kochst…

Diese einfachen Arbeiten h..ast du für mich…

so sinnlich… so erotisch erzählt –

ich h..atte einen kleinen, schönen Abgang.

Seither bist du meine, wie sagt ihr Männer?

„Wichsvorlage“!

Ich h..abe immer an dich gedacht,

wenn ich wieder mit seinem Samen befüllt wurde.

Sie beschließt ihre Vita mit:

„So nun weißt du alles über diese Claire,

dieses verrückte H..uhn,

die immer Männer h..atte,

die nicht ertragen,

dass ein H..uhn auch Erfolg h..aben darf.“

 

Stille.

 

Ihr Körper liegt fest an ihn geschmiegt, warm unter den Decken.

Sie schläft, murmelt, kuschelt sich an ihn.

Er fühlt ihre schlaffe Hand im Rücken.

Seine Hand an ihrer warmen Brust, ihre Beine in seine eingeflochten.

Eine unendliche Zärtlichkeit, Liebe überfällt ihn - zu dieser Frau.

Das „Wieder-als-Mann-begehrt-sein“,

den „Sinn-als-Mann-wieder-erfüllen-zu-dürfen“

verfestigt in ihm den Vorsatz,

ebenfalls ein Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen.

Zutiefst erschüttert über diesen rasend schnellen Umsturz,

taumelt er zwischen  Euphorie und Selbstvorwürfen.

Irgendwann hat er seine Noch-Frau auch geliebt.

Zum Zusammen-, wie auch zum Auseinanderleben gehören immer zwei.

Heute hat er keine Antwort.

Heute hat er seine Claire in den Armen,

die ihm vor eine paar Minuten die schönste Liebeserklärung machte.

„Ich h..abe immer an dich gedacht,

wenn ich wieder mit seinem Samen befüllt wurde!“

 

Heute hat er sie „befüllt“ und was hat sie gesagt.

„Sollte ich wieder einmal einem Märchenerzähler erliegen,

werde ich in dieser Kirche da drüben „Ja!“ sagen

und zum zweiten Mal in dem Bett da oben schlafen,

und ich h..offe,

es ist dann immer noch der fünfte Mann in meinem Leben!“

 

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