Biergarten

 

Ich sitze leicht geschafft im Biergarten und das zweite Alt zischt so weg, als DU zwischen den Bäumen und Tischen suchend auftauchst. Lasziv bewegst du dich durch die Reihen und keiner sieht dir zu - sieht dir nach. Du bist bieder angezogen, dein Rock wie von einer Tante geliehen, das Top von deiner Mutter gemopst. Das ist zumindest mein erster Eindruck. Slippers, ungeschminkt, dein Haar achtlos im Nacken zusammengebunden.

 

Du wirst mit kleinem Hallo am Nachbarstisch begrüßt - Küsschen links, Küsschen rechts - und beim laschen Händedruck schon Blick und Witterung zum Nächsten - zur Nächsten.

 

Du hast keinen Blick für die Umgebung. Du schmiegst dich an den jungen Mann neben dir, sitzt mir direkt gegenüber. Züchtig wie du da sitzt und den Gesprächen zuhörst, sie einsaugst. Deine Beine vorbildlich nebeneinander gestellt, dein Beitrag wird nicht gehört, die Herr-lichkeiten sind mit sich beschäftigt. Das Radler ist halbleer als du es absetzt.

 

Puh, jedes Mal wenn ich aufblicke, sehe ich dich frontal aus vier Meter Entfernung. Du versuchst deinen „Nebendir“ zu interessieren, streichelst zärtlich seinen Arm, sein Öhrchen, seinen Rücken. Nimmst seine Hand, legst sie auf deinen Oberschenkel.

Aber seine Meinung zu vertreten, wer nächster Bundeskanzler wird, ist wichtiger. Du wirst unruhig. Deine Beine arbeiten, du hast die Füße halb unter die Bank gestellt, die Schenkel halb offen, drückst deine Hand zur Faust geballt in den Schoß und mit der andern kraulst du achtlos seinen Rücken. Die Diskussion interessiert dich nicht mehr.

 

Jetzt bist du in deiner eigenen Welt - deiner Phantasie. Die Faust im Schoß arbeitet. Deine Beine fangen an zu tribbeln, öffnen sich ganz. Dein Höschen ist dunkel-hellgrün gestreift ein Trikothöschen, ein Mädchenhöschen. Beidseitig lugt etwas Wildwuchs hervor. Deine Brüste streifen bei jedem Atemzug leicht die Tischkante, fast unmerklich, sanft streichelnd. Die Nippelchen verraten dich.

 

Fast abrupt streckst du deine Beine, presst sie zusammen, der Rock fällt darüber, Vorhang zu. Du presst beide Hände in den Schoß, richtest dich auf, deine Augen sind halb geschlossen auf den Tisch gerichtet. Dein Gesicht strahlt Weichheit aus. Dein Mund, deine Lippen… wartend. In mir schießt der Drang hoch aufzustehen, dich in meine Arme zu schließen und festzuhalten.

 

Stattdessen schiebe ich mir das nächste Stück Schnippelkuchen in den Mund, zerdrücke die Kartoffelschnippschen mit der Zunge und schmecke die zarte Schärfe des Sahnemeerrettichs. Ich stelle mir vor, diese Schärfe mit meiner Zunge auf deine Perle zu übertragen. Deine zappelnden Oberschenkel an meinen Ohren rubbelnd… dein Stupsen mit der Perle an meiner Nase… dein Lippen mir, meinem Mund entgegen stoßend… an meine Lippen - die Zunge in dich dringend. Fühle, wie es in meiner Hose spannt. Schiebe mein Gesäß nach vorne, um ihn in mit einer unbewussten Handbewegung zu recht zu rücken. Und sehe beim Aufblicken deine Augen- direkt auf meinen Schritt gerichtet. Augen, die mich beobachten. Das erste Mal - nach einer Dreiviertelstunde. Beide Hände im Schoß, still und entspannt, wissend lächelnd. Du spreizt die Schenkel ziehst den Rock über die Knie, um zu lüften. Hörst zu, wer der nächste Innenminister wird. Ein ein Cent großer, dunkler Fleck zeigt, dass da etwas war.

 

Du leerst das Radler, bestellst ein zweites - und ich ein Alt.

 

***

 

Das Radler drückt, du gehst zur Toilette.  In der Zeit kommen zwei weitere  Frauen. Im Gegensatz zu dir modern, frech aufgemacht, offenherzig, jovial, zu laut. Sie setzten sich auf deinen Platz und gegenüber. Schade. Du bist schnell wieder zurück, willst deinen Platz einnehmen und wirst abgewimmelt. Sie stellt demonstrativ dein Glas auf die andere Seite, sagt etwas Schnippisches. Du siehst hoch - traurige Augen - enttäuschte Augen. Dein Ex- „Nebendir“ schaut nur kurz hoch und widmet sich wieder der Diskussion. Du siehst mich an und ich werde mit Dir traurig.

 

Mein Reflex - ich weiß nicht warum! Einer Eingebung meines Schalkes,  meines Teufelchen folgend, hebe ich mein Glas und deute an, es über ihr auszukippen. Du begreifst sofort, streckst dich, wirst fünf Zentimeter größer. Deine Augen lachen. Dein Gesicht bekommt einen „Lausbub Flash“.

 

Du nimmst dein Glas und sagst etwas zu ihr. Sie macht eine wegwerfende Handbewegung. Die war noch nicht zu Ende, als du ganz langsam und dann immer schneller 0,4l Radler über sie auskippst… dich umdrehst und zu mir an den Tisch kommst und dich neben mich setzt. Kreischen, Fluchen, Schimpfen, Beschimpfen, Drohhaltungen. - Schadenfrohes Lachen, Kichern, Prusten. Am Nebentisch kommt Leben auf.

 

Das war Freitag der 13. für mich ein Glückstag, denn eben bringst du deine Sachen nach oben. Heute ist Montag der 16.

 

©S’Rüebli                                                                                             Ihre Meinung?