Fünf Minuten

Sie saß bei Richard in der Küche. Gemeinsam genossen sie einen stärkenden Tee. Richard war seit langen schon ein sehr guter Freund, den sie sehr zu schätzen wusste, auch wenn das manchmal absolut penible Eigenschaften eines Junggesellen mit sich führte.

 

Seine Wohnung war perfekt aufgeräumt - klinisch rein geradezu. Mittlerweile hatte sie sich aber daran gewöhnt, dass jeder noch so kleine Zuckerkrümel, der versehentlich neben ihre Tasse fiel, von ihm weggewischt wurde, bevor er den Tisch erreicht hatte.

 

Innerlich schmunzelnd, musste sie dabei immer an den Film „Scott & Huutsch“ denken.

 

Richard erzählte ihr gerade, dass er sich beim Einkaufen anscheinend verhoben hatte. Seine Schulter zumindest schmerzte seitdem und war in ihrem Bewegungsspielraum eingeschränkt. „Das ist aber ungünstig, wenn Du dieses Wochenende mit Alex Badminton spielen möchtest.“, fiel ihr ein. 

 

„Äußerst ungünstig sogar!“, jammerte Richard und bewegte seine verletzte Schulter mit schmerzverzerrtem Gesicht.

 

Durch einen Massagekurs geschult, lag es in ihrer Natur sich die Verletzung einmal aus der Nähe anschauen zu wollen. „Warte, ich schau mir das mal an!“ Mit diesen Worten wollte sie aufstehen, den Tisch umrunden, um ihn zu erreichen. „Danke, es geht schon!“ War seine spontan kühle Antwort, in der fast schon Panik mitschwang. So eine Abfuhr. Was hatte er nur? So – plötzlich? Dachte er, sie wolle ihn verführen?

 

Wie sie mit einem Mal für sich selbst erstaunt feststellen musste, war dies so ein schlechter Gedanke nicht. Schon häufiger hatte sie in seiner Nähe ein prickelndes Erlebnis gehabt. Kurz - Schmetterlinge im Bauch. Ob er das auch so empfand? War er deswegen immer so zurückhaltend? So vorsichtig – fast schüchtern? Oder verkrampft?

 

In diesen Augenblick fasste sie für sich ein Entschluss. Sie – Maria - würde Richard verführen! Jawohl, verführen - zu fünf Minuten… Ruhe!

 

Fünf Minuten – Ruhe und Vertrauen!

 

Mit diesem, gefassten Gedanken stand sie auf, verließ die Küche, um in sein Wohnzimmer zu gehen. Dort angelangt schob sie den Wohnzimmertisch ein wenig beiseite. Und hockte sich auf den dicken Teppich nieder. Ihre Uhr streifte sie von ihrem Handgelenk und stelle sie ein. Nun würde sie in fünf Minuten piepen - wenn sie den Auslöser betätigte.

 

Richard war ihr gefolgt um herauszubekommen, was Maria wohl vorhatte. „Komm setz dich zu mir auf den Teppich. Ich habe hier ein Geschenk für dich. Ich schenke Dir nun fünf Minuten völliges Vertrauen. Du darfst mit mir anstellen, was Du möchtest. Wenn ich mich bewege, fängt sie Zeit von vorne an. Danach bist Du dran.“

 

Mit diesen Worten startete sie ihre Uhr – und ließ sich mit geschlossen Augen zurück auf den Teppich sinken.

Himmel was für eine Situation für Richard! Da lag sie vor ihm – mit geschlossenen Augen. Mitten in seinem Wohnzimmer auf dem Teppich. Er wusste gar nicht so recht, wie ihm geschah.

 

„Maria – ich weiß nicht.“, murmelte er zweifelnd. Allein Maria reagierte nicht. „Maria?“, fragte er sie zögerlich – doch auch dieses Mal reagierte sie nicht. Sein Herz schlug höher. Wie sie da vor ihm lag – wie ein schlafender Engel. Ein bezaubernder Anblick. Ob sie ihre Augen öffnen würde? Langsam  traute er sich näher.

 

Zärtlich hauchte er in ihr Gesicht. Sie zeigte keine Reaktion. Noch nie war er ihr so nahe gewesen.

 

Wie sie duftete. Sie hatte ein leichtes Parfüm aufgetragen, das nun seine Sinne zusätzlich zu verführen schien. Er fühlte sich wie hypnotisiert. Erotisch zu ihr hingezogen.

 

Seine Männlichkeit machte sich plötzlich deutlich bemerkbar. Ihre Augen blieben geschlossen stellte er erleichtert fest – einerseits. Andererseits reizte es ihn, sie zu einer Bewegung zu motivieren. Er legte sich neben sie - streichelte ihre Stirn. Seine Hand fuhr zaghaft ihren süßen Nasenrücken entlang, um dann seitlich ihre Wange zu begrüßen. Von dort glitten  seine Finger zärtlich an ihrem Hals entlang. Berührten vorsichtig den obersten Knopf ihrer Bluse. Verharrten dort -  so als ob…

 

Hatte sie kurz ihren Atem angehalten… oder hatte sein Atem gestockt. Sollte er? Oder würde er zu weit gehen? Himmel, was stellte sie nur mit ihm an? Sein kleiner Freund pochte förmlich. Klopfte gegen eine zu eng gewordene Hose. Schon immer hatte er heimlich ihre weiblichen Linien betrachtet. Jedes Mal hatte er reagiert.

 

Nun lag sie vor ihm – ganz nah. Jetzt konnte er sie in Ruhe betrachten. Sie ausziehen. Was wollte er auf einmal alles mit ihr anstellen. Seine kleiner Freund schwoll erneut an – drohte förmlich zu platzen.

 

 

Piep piep piep – der Wecker!

 

 

Sie erwachte sofort. „Fünf Minuten sind um, mein Lieber! Du bist dran!“

Völlig überrumpelt wollte er sich nun erst diesem Spiel verweigern. Dann aber fiel ihm ein – er hatte es selbst akzeptiert - indem er angenommen hatte.

 

Widerwillig schloss er seine Augen. Sie war nun klar im Vorteil. Sie brauchte nur seinen, ihn schon schmerzenden kleinen Zeiger zu betrachten, um zu wissen, was die Stunde bei ihm geschlagen hatte. In der Tat bemerkte sie die Verhärtung in seiner Jeanshose an der entsprechenden Stelle sofort.

 

Wie gerne wäre sie nun mit ihren Fingern dort entlang gestrichen. Bestimmt hätte er gezuckt und ihr damit erneute fünf Minuten geschenkt. Aber sie hatte sich etwas anderes vorgenommen.

 

Also nahm sie sich mit aller Kraft zusammen. Als ob es das natürlichste auf der Welt wäre, knöpfte sie ihm vorsichtig sein Hemd auf. Wenn er sehen könnte, wie flau ihr dabei innerlich wurde. Ihr Herz raste. Ihre Finger zitterten. Ob er es spürte? Ihre knisternde Lust auf seine immer weiter entblößte Brust? In ihrer Fantasie stellte sie nun lauter verrückte Dinge mit ihm an.

 

Real aber – drehte sie seinen Körper in die Bauchlage - und massierte mit liebevoller Hingabe seine schmerzende Schulter.

 

 

Piep piep piep – der Wecker!

 

 

„Schon?“, hörte sie ihn enttäuscht fragen. „Das spielen wir noch einmal. Aber dieses Mal bekommst Du die ersten fünf Minuten. Danach bin ich dran!“

 

Erotische Schauer durchliefen ihren Körper. Es war nur ein Gefühl –  aber tief in ihrem Inneren wusste sie: Das Eis war getaut! Er würde sie nicht erneut aus den fünf Minuten entrinnen lassen, wenn ihre Zeit gekommen war!

 

© Azraela                                                                                      Ihre Meinung?

 

 







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