Alle Wege führen nach Venedig

 

Vor vielen Jahren war es, meine erste Frau hatte sich von mir getrennt, in der Folge hatten etliche Frauengeschichten sehr unglücklich geendet und nun war ich schon eine ganze Weile solo. Zum einen, weil der unglücklichen Verbindungen genug waren, zum anderen, weil ich wirklich viel zu arbeiten und umherzureisen hatte. Dann verließ mich auch noch mein Auto, rostete mir einfach unter dem Hintern weg. Ich kaufte mir zum ersten Mal im Leben ein neues und befragte es nach seinen Wünschen. Ich wollte nach Venedig, mein Auto auch. Aber noch besser: Lilli, die Freundin meiner jüngsten Schwester, wollte auch nach Venedig!

 

Da ich in einer süddeutschen Stadt wohne und sie mit der Bahn aus Kiel anreiste, holte ich sie mit dem neuen Auto am Bahnhof ab. Wegen ihrer langen Anreise konnten wir aber erst am späten Nachmittag losfahren. Es war Ende Oktober, es wurde schon früh dunkel und es war kaum zu erwarten, dass wir noch am gleichen Tage in Venedig ankommen würden. Aber in jugendlicher Unbekümmertheit fuhren wir fröhlich plaudernd los. Die Zeit verging wie im Fluge. Irgendwann passierten wir die österreichische Grenze, dann die italienische bei Vipiteno oben auf dem Brenner und ich entschied mich, auf dem Ostufer des Gardasees in Richtung Venedig zu fahren.

 

Längst fuhren wir in pechschwarzer Nacht, ließen Riva hinter uns, Torbole, Malcesine. Wie gesagt, es war Ende Oktober, die Städtchen ausgestorben. So quirlig das Leben im Sommer dort ist - nun waren die meisten Hotels geschlossen. Auf der kurvenreichen Straße durchquerten wir winzige Dörfchen. Es war neblig geworden, denn von den Bergen fiel kühle Luft, während der See noch vom Sommer warm war und so waren bald nur noch die Bäume rechts und links der Straße unsere Wegweiser. Mittlerweile war es fast 22 Uhr und wir brauchten dringend eine Übernachtungsmöglichkeit, denn ich hatte den Tag über schwer gearbeitet, dann die Autofahrt hierher. Irgendwann muss ja mal Schluss sein.

 

Endlich,  Bardolino hatte am Eingang des Städtchens gestanden, fanden wir, fast schon am letzten Haus, einen Hinweis „Camere“. Jetzt oder nie! Wir hielten, stiegen aus, klingelten. Eine freundliche Dame öffnete. Ja, sie habe etwas frei, wir könnten bei ihr übernachten! Zwei Zimmer oder eines? Ups! Darüber hatten wir gar nicht nachgedacht, aber Lilli war arbeitslos, musste ihr Geld zusammenhalten und antwortete entschlossen für uns beide: „EIN Zimmer!“

 

Die Hausherrin führte uns in unser Zimmer und wir waren überwältigt: Ein großes, wunderbar „italienisch“ eingerichtetes Zimmer mit einem riesigen Bett in der Mitte, dazu noch ein großzügiges Bad und das alles zu einem Preis, der nicht einmal Lilli erschreckte. Wir bedankten uns und die Hausdame ließ uns allein. „Holst du unser Gepäck aus dem Auto? Dann kann ich mich schon im Bad für die Nacht bereit machen!“ meinte Lilli. Klar, irgendwer musste ja zuerst ins Bad und viel Gepäck hatten wir ohnehin nicht, das konnte ich mühelos allein tragen.

 

Als ich zurückkam, lag Lilli schon im Bett, hatte das Licht ausgeschaltet. Nur ein Nachttischlämpchen brannte noch. Ich stellte das Gepäck auf die Kofferablage, um selbst das Bad aufzusuchen. Als ich wieder heraus kam, war es im Zimmer dunkel, nur durch das Fenster kam ein schwacher Schimmer eines Lichts, das weiter weg irgendwo leuchten musste. Normalerweise schlafe ich nackt, aber selbstverständlich hatte ich mir nun eine frische Hose angezogen und legte mich so ins Bett.

 

„Schlaf schön, Lilli“ sagte ich in Richtung auf ihre Seite. „Ja, du auch“, kam es zurück. Und nur einen winzigen Augenblick später nahm ich es wahr: Es duftete! Ein Parfum, das mich aufgeweckt hätte, wenn ich nicht ohnehin noch wach gewesen wäre. Ganz zart, ganz unaufdringlich, und doch verdoppelte sich mein Herzschlag. „Du duftest aber gut!“ „Hmmm!“ Ganz langsam schob ich meine Hand hinüber und traf die ihre. Sie nahm meine Hand, zog sie zu sich, zog MICH zu sich – und wir küssten uns! Ich wurde geküsst, wie ich nie zuvor im Leben geküsst worden war. Hungrig. Gierig. Tief. Nass. Sie war völlig nackt. Längst hatte sie sich meine andere Hand auf ihre Brust gelegt, eine kleine, aber weiche und doch feste Brust aus deren Mitte mir ein hartes, großes Krönchen entgegen wuchs. Während ich ihren Krönchen meine Reverenz erwies, indem ich sie nun erst zart und dann immer kräftiger küsste, hatte sie es irgendwie geschafft, mir meine Hose auszuziehen. Ich war längst bereit und als sie flüsterte: „Komm!“ drang ich in sie ein. Sehr vorsichtig, sehr zart. Hätte uns jetzt jemand gefragt, ob wir wüssten, was Verhütung ist – wir hätten’s nicht gewusst. Es gab nur noch uns zwei auf der Welt, zwei Menschen, die ausgehungert waren, die gespürt hatten, dass sie füreinander bereit waren, zwei, die sich mochten und in diesem Augenblick brauchten.

 

Trotz meiner Vorgeschichte war ich einigermaßen unerfahren und da Lilly weit mehr als zehn Jahre jünger war als ich, hatte auch sie nur mit einem oder zwei Männern vor mir geschlafen. Aber sie hörte einfach auf sich selbst, auf das, was ihr ihre Lust eingab und so entdeckten wir in dieser Nacht so manches, was andere allenfalls im Kamasutra lesen. Ich hatte bis zu dieser Nacht nicht einmal geahnt, WIE potent ich sein konnte – und ich bin es seither auch nicht mehr gewesen. Es ist überflüssig zu berichten, wie oft sie oder ich in dieser Nacht gekommen sind. Oft. Wir sind jedenfalls erst gegen 5 Uhr eng umschlungen eingeschlafen, während ich noch tief in ihr war.

 

Als uns der heraufziehende Morgen weckte, lagen wir noch immer so umschlungen da und wir zeigten und erfüllten uns erneut unsere Sehnsucht nacheinander. Anschließend gingen wir gemeinsam ins Bad. Es war völlig selbstverständlich und wir waren ohne Scheu und ohne jede Scham voreinander. Was mich zutiefst berührte, war die Tatsache, dass sie mich nicht fortwusch, wie es meine Ex-Frau immer getan hatte. Ihr dichter, schwarzer Busch zeigte deutlich die Spuren unserer Säfte und die ließ sie dort.

 

Nach dem opulenten Frühstück gingen wir an den Strand des Sees, der im Wortsinne spiegelglatt da lag. Auch nicht EIN Lufthauch kräuselte die Wasseroberfläche und wir waren alleine dort. Vollkommen alleine. Von ferne grüßte die charakteristische Silhouette der Skalikerbauten in Sirmione, die Sonne schien bereits von Süden – und wir waren wirklich allein. Lilli saß mir völlig nackt gegenüber, meine kleine Seejungfrau! Obwohl – so ganz passend ist der Vergleich wohl nicht, eher müsste ich sagen: Mein kleines Seehexlein, denn verhext hatte sie mich! Wir spielten Kalaha, wozu man nichts weiter braucht, als ein paar Löcher im Sand, etliche Kieselsteine und natürlich seinen Grips, denn es ist ein ganz verzwicktes Taktikspiel. Lilli gewann jedes Spiel. Wie sollte ich auch meinen Verstand gebrauchen können, wenn da vor mir die Lustgöttin in persona sitzt und mir zwischendurch immer wieder ihre intimsten Schönheiten zeigt?! Nein, nicht einfach zeigt, richtig vorführt! Sie spielte parallel ein zweites Taktikspiel mit mir.

 

Irgendwann meinte ich, nun habe sie genug gewonnen, jetzt sei es an der Zeit, dass auch ich mal wieder eine Runde für mich entscheiden dürfte. Sie lächelte, stand auf, küsste mich zärtlich, zog sich gerade mal so weit an, dass uns nicht der nächste Polizist verhaften würde und wir gingen die hundert Meter zu unserer Unterkunft zurück. Sand im Getriebe ist auch in der Liebe nicht angebracht, daher ging sie zunächst unter die Dusche, zog mich aber gleich mit hinein und schon wenige Minuten später ergoss ich mich dort in sie. „Geht es dir jetzt besser, du Armer? Gleich sind wir ja wieder im Bett!“ flüsterte sie. „Geh schon mal vor und warte auf mich. Es dauert ein paar Minuten!“

 

Ich legte mich hin und döste etwas ein, war aber hellwach, als sich die Badezimmertür öffnete. Wieder erfüllte das Parfum den Raum und erregte mich, aber etwas fehlte: Während ich döste, hatte sie ihren dichten Busch rasiert, und nun war sie WIRKLICH nackt. „Gefalle ich dir? Du hast dir vorhin am Strand meine Muschi so sehnsüchtig und liebevoll angeschaut, dass ich dachte, ich muss sie dir einfach noch besser zeigen.“ Ich stürzte mich auf sie, genau so, wie sie sich auf mich stürzte, wir waren übereinander, ineinander, füreinander. Sie ritt mich, bis sie nicht mehr konnte und wir uns in der Löffelchenstellung etwas „ausruhten“, dann wieder lag ich auf ihr…

 

Erst am späten Abend gingen wir ins Zentrum von Bardolino, um zu essen und dazu gönnten wir uns den roten Wein der Region. Eine ganze Flasche – oder waren es sogar zwei? Ich weiß es nicht mehr, aber irgendwie mussten wir ja auch unseren Flüssigkeitsverlust wieder ausgleichen. In dieser Nacht schliefen wir wiederum sehr glücklich aufs Engste aneinandergekuschelt ein, ich in ihr und sie um mich und wir waren eins.

 

Am nächsten Tag fuhren wir endlich weiter Richtung Venedig. In Mestre bekamen wir ein Appartement, das noch etwas luxuriöser war als das in Bardolino. Allein schon das Bad war größer, als meine erste Studentenwohnung, völlig aus Marmor, mit einer riesigen Badewanne, und wirklich jedem Komfort, den man sich nur erträumen kann. Lilli ließ sofort Wasser ein, legte sich in die Badewanne und verlangte, ich solle bei ihrer Köperpflege zuschauen. Es war eine Offenbarung für mich, denn so hatte ich das noch nicht erlebt. Ich selbst lege mich in die Wanne, steige nach 20 Minuten wieder heraus, trockne mich ab und fertig!

 

Ganz anders meine Gefährtin: Jedes Körperteil wurde geradezu zärtlich gereinigt, je zarter die Haut, umso vorsichtiger, sanfter und langsamer ging die Reinigung voran. Immer wieder flog ein Lächeln in meine Richtung, wenn ich offenbar wieder durch einen neuen Anblick noch weiter erregt wurde. Alleine die Brustwarzen brauchten mehrere Minuten, um sauber zu werden. An andere Stellen kam sie nicht so gut hin und ich war ihr Diener, der die „Arbeit“ zu übernehmen hatte. Zwischendurch stand sie auf, rasierte die nachgewachsenen Härchen, legte sich wieder ins Wasser und ich hatte die Reste abzuspülen, wobei sie anmerkte, dass sie auch nicht so gut weiter innen heran komme. Als die Reinigung beendet war, stieg sie aus der Wanne, und ich durfte sie abtrocknen, besser gesagt, sehr vorsichtig überall abtupfen. Zuletzt, wirklich ganz zuletzt, schloss sie die Augen, spreizte die Beine und ich durfte das Zarteste abtupfen, was sie hatte. Ganz leises Stöhnen von ihr begleitete mein Tun.

 

Wen wird es wundern, wenn wir auch an diesem Tag Venedig nicht zu sehen bekamen?!

 

 

Während der folgenden Tage allerdings eroberten wir die Traumstadt der Liebenden. Wir waren allein in San Marco, keine Touristen, nur wir allein. Wir stiegen in den Galerien herum, wo sonst niemand hinkommt. Wir fuhren mit Vaporetti kreuz und quer über die Kanäle, unterquerten alle Brücken des Canal Grande, bestaunten Patrizierhäuser, Kirchen, kleine Geschäfte, Bilderrahmenhersteller, Glasbläser, den Fischmarkt. Wir fuhren zur Accademia, nach Murano und Burano und badeten am Lido – auch dort allein und völlig nackt und wir saßen bei warmem Wetter in Cafés und ließen die großartige Persönlichkeit der Stadt auf uns wirken, während wir uns in die Augen schauten und wussten, wonach der andere sich jetzt schon wieder sehnte.

 

Nur eines blieb uns verschlossen: Venedig bei Nacht. Wir erlebten Mestre bei Nacht. Sobald wir nicht mehr laufen konnten, zog es uns ins Bett, wo wir einfach nicht aufhören konnten, uns zu lieben. Das Bett dort haben wir intensiv benutzt – geschlafen haben wir kaum. Aber der Schlaf fehlte uns nicht. Uns miteinander zu beschäftigen, jeden, aber auch wirklich jeden Quadratmillimeter des anderen kennen zu lernen, zu riechen, zu schmecken, daran zu saugen, zu lecken: DAS war wichtig. Übrigens war uns Verhütung auch weiterhin etwas, das wir weder erwogen noch wollten. Wir wollten unsere Körpersäfte austauschen und das taten wir täglich, so oft es möglich war. Verblüffend genug wurde Lilli nicht schwanger, obwohl wir immerhin drei Wochen Urlaub machten.

 

Der war dann aber irgendwann zuende. Zurück benutzen wir die Autobahn, denn mich rief die Arbeit. Ich setzte sie wieder am Bahnhof ab, winkte ihrem Zug nach - und sah sie dann lange nicht mehr. Einmal traf ich sie noch, als ich meine Schwester besuchte. Wir fielen wieder übereinander her, aber es war anders als in Italien. Wo sie heute ist, weiß nicht einmal mehr meine Schwester, aber ich denke manchmal voller guter Erinnerung an sie. 

 

©Carlito