Früher

Früher, da war die Welt noch in Ordnung. Ich erinnere mich an einen Möbelhausbesuch mit meinem Biologie-Studenten-Freund, zur Einrichtung der Studentenbude. „Entdecke die Möglichkeiten“, stand über der Tür. Entdeckt habe eigentlich nur ich, einen billigen Lesesessel aus zwei Stahlstangen und dazwischen gespanntem Segeltuch. Ånsgaart.

 

Zuhause dann die Zusammenschraub-Prozedur, endlos. Gestänge in Windung – Anschlussteil vergessen, also nochmal aufschrauben, Stoff drüberwurschteln, Bezug, die Schrauben anziehen, die sich mittlerweile gelockert hatten, dann den Bezug nochmal… gute 40 Minuten später stand er dann auch im Zimmer. Und ich saß drauf, ziemlich müde, Knie hochgestellt, Kopf draufgelegt, Rock hochgeschoben. Irgendwie musste die Pose was haben, denn seine Hände legten sich um die Innenseite meiner Oberschenkel. Frei zugänglich. Genauso wie meine Muschi, die erst den knappen Stoff meines rosaroten Tangas (mit Snoopy-Bildchen an der Hüfte) in sich hineinsaugte, dann seinen Schwanz, den er, vor mir auf dem Boden kniend, so wunderbar tief in mich versenken konnte.

 

Diese Nacht war der Anfang einer langjährigen Liebesbeziehung zwischen uns dreien. Bett war ja immer ganz ok – aber Ånsgaart hatte was, obwohl er eigentlich nix hatte. Kein Design, keine Stabilität, noch nicht mal einen farbechten Bezug. Dafür aber ne Menge sponti-tantra-Verruchtheit und ein endloses Potential an Möglichkeiten.

 

Langsam geritten (seine Beine dabei schön über die Stuhlbeine gespreizt), von hinten besinnungslos gefickt dank Kopfüber-Blutstau im Gehirn, verdrehter Schmetterling – alles gar kein Problem. Das Kuscheln danach mit Buch und Rotwein auch nicht. Lange ging das so, bis zum Vordiplom, zum Hauptdiplom, den Prüfungen und der Doktorarbeit. Was hatten wir Spaß zusammen.

 

Heute ist das alles ganz anders. Yuppie-leben im Penthouse, viel Geld, wenig Zeit, keine Lust bei ihm. Selbst Ikea hat seinen Slogan geändert -  Wohnst du noch oder lebst du schon.  Ich jedenfalls wohne noch. Leben kann man ein Leben ohne Sex doch nicht nennen, oder? Gestern dann der Knall: brachte er doch tatsächlich irgendeine Designerliege mit, und wollte Ånsgaart in den Keller verbannen. Und das war das Ende. Endgültig. Ich entdecke lieber Möglichkeiten. Morgen ziehen wir aus – ich und Ånsgaart.

 

 

 

 

PS. Bloß nicht gleich zum blau-gelben Tempel rennen: der Stuhl ist seit 2005 nicht mehr im Sortiment.

 

 

 

© Tanguera, 05/2007                                                                                   Ihre Meinung?